Dividende

Mehr als ein willkommenes Zubrot

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Aktiengesellschaften schütten einen Teil ihres Gewinns an ihre Aktionäre aus. Diese Zahlung nennt sich Dividende.
  • Die Höhe der Auszahlungen wird auf den Hauptversammlungen der Unternehmen beschlossen, die in Deutschland meistens im Frühjahr stattfinden.
  • Bei den Aktien der 30 Dax-Unternehmen trugen Dividenden in der Vergangenheit rund 50 Prozent zur Wertentwicklung bei.
  • Aktien von Unternehmen, die Dividenden auszahlen, sind kein Ersatz für sichere Zinsanlagen wie Anleihen, Tages- und Festgeld.
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Einmal im Jahr ist in Deutschland Zahltag. Im Frühjahr schütten viele börsennotierte Unternehmen einen Teil ihres Gewinns an ihre Aktionäre aus. Die Höhe der Dividende wird auf den Hauptversammlungen beschlossen.

Wenn es gerade gut läuft an den Börsen, beachten viele Anleger die Ausschüttungen kaum. Sie sind vor allem auf Kursgewinne aus. Doch anders als viele Investoren annehmen, tragen Dividenden auf lange Sicht einen beträchtlichen Teil zur Wertentwicklung bei. Bei den 30 Unternehmen, die im deutschen Aktienindex Dax notiert sind, lieferten Dividenden seit 1988 rund die Hälfte der Gesamtrendite. Das errechnete die Bundesbank.

Dividenden sind ein bedeutender Ertragsfaktor

Auch im Weltaktienindex MSCI World machen sich die Ausschüttungen der Unternehmen deutlich bemerkbar, wie die folgende Grafik zeigt. Sie vergleicht die Index-Entwicklung mit und ohne Dividenden. Im sogenannten Kursindex sind keine Ausschüttungen enthalten. Der Performance-Index hingegen berücksichtigt sie. Diese Index-Kalkulation unterstellt, dass Dividenden immer wieder in den Index reinvestiert werden, so wie bei einem thesaurierenden Aktienfonds. Daraus resultiert zusätzlich ein Zinseszinseffekt. Während der Kursindex seit 1970 um den Faktor 17 stieg, legte der Performance-Index um das 63-Fache zu.

Dividendenstrategien haben Schwächen

Wenn Gewinnausschüttungen derartig viel zur Wertentwicklung beitragen, erscheint es naheliegend, gezielt nach Unternehmen zu suchen, die regelmäßig besonders hohe Dividenden ausbezahlen. Tatsächlich tüfteln professionelle Investoren seit fast 100 Jahren an solchen Strategien, mit denen sie höhere Renditen erzielen wollen als im Marktdurchschnitt. Doch kein Anlagekonzept funktioniert in jeder Marktphase. Beispielsweise gerieten Dividenden-Fonds, die auf Unternehmen mit hohen Ausschüttungen setzen, während der Finanzkrise besonders unter Druck. Sie hatten viele Aktien von Banken in ihren Portfolios, die bis dahin als besonders zuverlässige Dividendenzahler geglänzt hatten. 2008, auf dem Höhepunkt der Krise, wollten die meisten Investoren mit Banken aber nichts mehr zu schaffen haben und verkauften ihre Aktien. Die Kursverluste fielen in dieser Branche deshalb besonders heftig aus. Das zog die Wertentwicklung vieler Dividenden-Fonds in den Keller.

Ob eine Dividendenstrategie erfolgreich ist, hängt auch von den Kriterien ab, nach denen die einzelnen Aktien ausgewählt werden. Allein auf eine hohe Dividendenrendite zu setzen, war beispielsweise in Deutschland bei den größten börsennotierten Konzernen wenig erfolgreich: Der DivDax-Index, der die 15 Aktien mit der höchsten Dividendenrendite auf Basis der jüngsten Ausschüttung aus dem deutschen Aktienindex Dax enthält, schnitt zwischen März 2004 und März 2014 kaum besser ab als der Mutter-Index. Während der Dax eine durchschnittliche Jahresrendite von 9,5 Prozent erzielte, schaffte der DivDax 10,4 Prozent.

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Auswahlkriterien für dividendenstarke Aktien

Auch eine Studie des Deutschen Instituts für Portfolio-Strategien im Auftrag der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) legt nahe, dass bei der Aktienauswahl die Ausschüttungshöhe des Vorjahres kein stabiler Erfolgsfaktor ist. Stattdessen machten die Forscher drei andere Kriterien aus, die auf dem deutschen Aktienmarkt zwischen 2002 und 2013 zu überdurchschnittlichen Anlageergebnisse führten, wenn nach diesen Auswahlfaktoren zu Beginn eines jeden Jahres ein Aktienportfolio zusammengestellt wurde:

Kontinuität – Sehr gute Renditen warfen Unternehmen ab, die in den jeweils zurückliegenden fünf Jahren immer eine Dividende gezahlt hatten. Konzerne, die ihre Ausschüttungen kontinuierlich erhöhten, schnitten überraschenderweise deutlich schlechter ab, ebenso Firmen, die ihre Dividende in den betrachteten Fünf-Jahres-Zeiträumen nie gekürzt hatten.

Ausschüttungsquote – Laut der DSW-Untersuchung zeigten Aktien von Unternehmen eine besonders gute Wertentwicklung, die in den zurückliegenden drei Jahren zwischen einem und zwei Dritteln ihres Gewinnes an die Aktionäre ausschütteten. Konzerne, die mehr oder weniger ausschütteten, konnten nicht mithalten. Das erscheint plausibel: Zu geringe Ausschüttungen können als Zeichen für eine bevorstehende finanzielle Schwäche interpretiert werden, wegen der das Management einen größeren Teil des Gewinns zurückbehält. Dagegen lassen zu hohe Ausschüttungen wenig Spielraum für künftige Investitionen, die das Wachstum eines Unternehmens vorantreiben.

Dividendenrendite – Die Höhe der Ausschüttungen gemessen am Aktienkurs war ein erfolgreicher Indikator bei der Aktienauswahl, wenn die Forscher nicht die Dividende eines Jahres, sondern den zusammengerechneten Betrag der zurückliegenden drei Jahre verwendeten. Eintagsfliegen lassen sich auf diese Weise herausfiltern. Die 25 Prozent der Unternehmen mit den höchsten Dividendenrenditen schnitten mit großem Abstand am besten ab.

Anleger, die aus 160 deutschen Aktien jeweils zu Jahresbeginn diejenigen auswählten, die alle drei Kriterien erfüllten, vervierfachten zwischen 2002 und 2013 ihren Einsatz. Aus 10.000 Euro wurden gut 40.000 Euro. Wer dagegen auf den Markt setzte, also auf alle 160 Aktien, erzielte der DSW-Studie zufolge nur ein Endvermögen von 13.000 Euro.

Was in der Vergangenheit funktionierte, hat allerdings in der Zukunft nicht unbedingt Bestand. Garantien gibt es an den Aktienbörsen nicht. Anleger liegen aber nicht falsch, wenn sie nach den genannten Faktoren Aktien auswählen und damit ihr Portfolio ergänzen. Das Fundament eines soliden Depots sollte aber derzeit aus Indexfonds auf den Weltaktienindex MSCI World sowie aus Tages- und Festgeld bestehen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber Geldanlage.

Übrigens: Manche Unternehmen schütten nicht nur Geld als Dividende aus. Sie bieten zusätzlich Naturalien. Beim Schweizer Schokoladenhersteller Lindt & Sprüngli beispielsweise erhielten Aktionäre in der Vergangenheit auf der Hauptversammlung einen vier Kilo schweren Koffer – gefüllt mit Schokolade und Pralinen.

Der Anspruch auf Dividende

Wer eine Aktie am Tag der Hauptversammlung im Depot hat, erhält die volle Ausschüttung. Am Tag nach der Hauptversammlung, dem sogenannten Ex-Tag, wird die Aktie ohne Dividende gehandelt. Weil die Dividende herausgerechnet wird, fällt der Aktienkurs in der Regel. Es bringt demnach keinen Vorteil, kurz vor den Hauptversammlungen Aktien zu kaufen. Zwar suggerieren Banken in ihrer Werbung gerne das Gegenteil, um den Umsatz mit Aktien anzukurbeln. Doch damit führen sie ihre Kunden in die Irre. Mahr dazu lesen Sie in dem Beitrag "Der Schwindel mancher Banken".

Dividenden sind nicht die neuen Zinsen

Seit die Zinsen für festverzinsliche Anlagen wie Anleihen und Festgeld immer weiter sinken, weisen Geldinstitute auch häufig darauf hin, dass die Renditen, die sich im Schnitt mit Dividenden erzielen lassen, deutlich über denen von sicheren Festzinsanlagen liegen. Das ist hierzulande seit 2010 der Fall. „Dividenden sind die neuen Zinsen“ lautet deshalb die verheißungsvolle Botschaft, die beispielsweise die Deutsche Bank und Comdirect unisono wie auch das Anlegerblatt „Euro am Sonntag“, die Wirtschaftszeitung „Handelsblatt“ und andere Medien verbreiten. Wer hier wem das neue Mantra der Finanzindustrie eingeflüstert hat, ist nicht mehr auszumachen.

Zinsen sind sicher…

Der Vergleich von Dividenden und Zinsen ist aber problematisch. Denn grundsätzlich handelt es sich um zwei verschiedene Ertragsquellen. Zinsen erhalten Anleger, wenn sie einer Bank Geld als Tages- und Festgeld zur Verfügung stellen oder wenn sie Unternehmen und Staaten Geld leihen. Das machen sie, indem sie entsprechende Anleihen kaufen. Die Höhe der Zinsen ist festgelegt, und am Ende der Laufzeit erhält der Anleger das ausgeliehene Geld zurück. Auf Zinsen und Rückzahlung besteht ein Anspruch, der vertraglich geregelt ist. Die Rendite ist im Voraus planbar. Risiken bestehen bei sicheren Zinsanlagen kaum.

…Dividenden nicht

Bei Dividenden sieht das ganz anders aus. Wer eine Aktie kauft, wird Miteigentümer einer Aktiengesellschaft. Er stellt dem Unternehmen Eigenkapital zur Verfügung. Der Aktionär ist damit an den Erfolgen und Misserfolgen des Konzerns beteiligt. Ob auf das eingebrachte Kapital eine Dividende gezahlt wird, hängt von der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens ab. Läuft es schlecht, kann die Gewinnausschüttung vollständig ausfallen wie beispielsweise 2015 bei der Lufthansa. Auch die Höhe ist – anders als bei Zinsanlagen – bis zum Tag der Hauptversammlung unsicher. Ebenso wenig sicher ist, ob ein Anleger die Aktie zum gleichen Preis verkaufen kann, den er bezahlt hat. Verluste sind möglich.

Wer auf der Suche nach sicheren Zinsen ist und kein Risiko eingehen kann oder will, für den sind Aktien, auf die Dividenden ausgeschüttet werden, keine Alternative. Anleger, die langfristig anlegen wollen und bereit sind, auch Kursschwankungen in Kauf zu nehmen, sollten dagegen auf Aktien setzen. Sie sind ein wichtiger Grundbaustein bei der Geldanlage.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Markus Neumann

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis Oktober 2015)

Markus Neumann schrieb für Finanztip über alle Aspekte der Geldanlage. Der erfahrene Finanzjournalist verfasste bereits zahlreiche Publikationen zum Thema Geldanlage, die im Berliner Fuchsbriefe-Verlag und bei der Stiftung Warentest erschienen sind. Neumann volontierte beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg. Im Anschluss arbeitete er viele Jahre als Redakteur und Reporter.