Entlastungsbetrag

So zahlen Alleinerziehende
weniger Steuern

Das Wichtigste in Kürze

  • Alleinerziehende erhalten seit 2015 für das erste Kind einen Entlastungsbetrag von 1.908 Euro. Für jedes weitere Kind erhöht sich dieser um jeweils 240 Euro.
  • Der Elternteil, bei dem das Kind wohnt, kann sich diesen Freibetrag schon beim Lohnsteuerabzug sichern. Dafür sollte der Vater oder die Mutter die Steuerklasse II beim Finanzamt beantragen.
  • Wer mehr Kinder hat, sollte selbst aktiv werden: Beantragen Sie den Zuschlag von 240 Euro zum Entlastungsbetrag und geben Sie den ausgefüllten Antrag auf Lohnsteuerermäßigung beim Finanzamt ab.
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Wer ohne Partner Kinder großzieht, kommt finanziell oft kaum über die Runden. Denn in der Regel kann der Vater oder die Mutter nur in Teilzeit arbeiten und verdient entsprechend weniger. Um Alleinerziehenden das Leben zumindest in diesem Punkt etwas zu erleichtern, gewährt der Staat ihnen bei der Einkommensteuer einen Entlastungsbetrag (§ 24b EStG).

Diesen können alleinstehende Mütter und Väter bekommen, die Anspruch auf Kindergeld oder den Kinderfreibetrag haben – entweder über die jährliche Einkommensteuererklärung oder über einen Lohnsteuerermäßigungsantrag. Rund 1,6 Millionen Alleinerziehende gibt es nach Angaben des Bundesfamilienministeriums.

Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag

Um den Entlastungsbetrag zu erhalten, müssen folgende drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  • alleinstehender Elternteil,
  • mit Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag, und
  • das Kind gehört zum Haushalt.

Der Entlastungsbetrag wird jährlich nur einmal (auch bei mehreren Kindern) zusätzlich zum Kindergeld beziehungsweise zu den Freibeträgen für Kinder gewährt. Er wird damit auch nicht berücksichtigt bei der Vergleichsrechnung zwischen Kindergeld und Freibeträgen für Kinder, sondern von der Summe der (steuerpflichtigen) Einkünfte abgezogen. 


Heirat der Alleinerziehenden
Heiratet eine Alleinerziehende, entfällt für das gesamte Kalenderjahr der Entlastungsbetrag. Es findet keine Verteilung auf bestimmte Monate statt. Denn der Gesetzeswortlaut erfordert, dass im Jahr die Voraussetzungen für den Splittingtarif nicht gegeben sind. Es spielt keine Rolle, ob die Eltern eine Einzelveranlagung oder getrennte Veranlagung in der Steuererklärung wählen. Anmerkung: Eheleute können seit dem Jahr 2013 nur noch zwischen einer Einzelveranlagung und einer Zusammenveranlagung wählen.

Beispiele
1. Die nicht miteinander verheirateten Eltern haben ein gemeinsames Kind, das in ihrem Haushalt lebt: Kein Entlastungsbetrag, weil die Eltern in Haushaltsgemeinschaft leben und damit nicht alleinerziehend sind.
2. Eine alleinstehende Mutter lebt allein mit ihrem 19-jährigen Sohn, der sich in einer Berufsausbildung befindet, in einem gemeinsamen Haushalt: Anspruch auf Entlastungsbetrag, weil zum Haushalt ein Kind gehört, für das noch Anspruch auf Kindergeld beziehungsweise Kinderfreibeträge besteht. Seit 2012 entfällt die Einkommensprüfung bei eigenem Kindeseinkommen (Einkünfte und Bezüge).

So hoch ist der Entlastungsbetrag

Der Entlastungsbetrag liegt seit 2015 bei 1.908 Euro im Kalenderjahr (also 159 Euro monatlich). Bis 2014 betrug er nur 1.308 Euro (monatlich 109 Euro). Im Laufe des Jahres 2015 hat der Gesetzgeber außerdem eine Staffelung des Entlastungsbetrags eingeführt. Ab dem zweiten Kind erhöht sich dieser um weitere 240 Euro für jedes weitere Kind.

Staffelung des Entlastungsbetrags für Alleinerziehende:

mit einem Kind: 1.908 Euro

mit zwei Kindern: 2.148 Euro

mit drei Kindern: 2.388 Euro

mit vier Kindern: 2.628 Euro

Voraussetzungen für den Entlastungsbetrag

Vier Bedingungen müssen erfüllt sein, damit alleinstehende Väter oder Mütter den Entlastungsbetrag erhalten.

Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag - Nur einer der beiden Elternteile kann den Entlastungsbetrag bekommen. Und zwar derjenige, der den Anspruch auf Kindergeld oder Kinderfreibetrag hat.

Kind im eigenen Haushalt - Das Kind muss zum Haushalt desjenigen gehören, der das Kindergeld oder den Kinderfreibetrag bekommt. Das gilt immer dann, wenn es ausschließlich in der Wohnung dieses Elternteils gemeldet ist.

Wirklich alleinstehend - Der alleinerziehende Elternteil muss zudem alleinstehend sein. Im Einkommensteuergesetz ist genau definiert, was unter „allein stehend“ zu verstehen ist (§ 24b Abs. 3 EStG). Sobald beispielsweise die alleinerziehende Mutter mit einem neuen Lebenspartner zusammenwohnt, entfällt diese wesentliche Voraussetzung. Auch wer in einer Haushaltsgemeinschaft mit einer volljährigen Person lebt, darf den Entlastungsbetrag nicht beanspruchen. Sobald ein Mitbewohner mit Erst- oder Zweitwohnsitz an derselben Adresse gemeldet ist, gilt dies als Haushaltsgemeinschaft.

Eine Ausnahme besteht, wenn das eigene Kind volljährig geworden ist. Solange Mutter oder Vater Kindergeld bekommt, kann sie oder er auch den Entlastungsbetrag erhalten – etwa die alleinstehende Mutter, die mit ihrem 19-jährigen Sohn, der eine Ausbildung macht, in einem gemeinsamen Haushalt lebt.

Steueridentifikationsnummer - Die steuerpflichtige Alleinerziehende muss in der Anlage Kind der Steuererklärung ab Zeile 44 die entsprechenden Angaben machen. Dazu gehört auch auf der ersten Seite die Steueridentifikationsnummer des Kinds. Kinder erhalten die Nummer mit der Geburt.

Für jeden vollen Kalendermonat, in dem diese vier Voraussetzungen in einem Jahr nicht vorgelegen haben, verringert sich der Entlastungsbetrag um ein Zwölftel.

So beantragen Alleinerziehende den Entlastungsbetrag

Der Entlastungsbetrag wird jährlich nur einmal im Jahr zusätzlich zum Kindergeld oder zum Kinderfreibetrag gewährt – also spätestens mit der Einkommensteuererklärung. Dort müssen Sie in der Anlage Kind die entsprechenden Felder zum Entlastungsbetrag ausfüllen. Dann reduziert der Entlastungsbetrag die Summe der steuerpflichtigen Einkünfte. Da Alleinerziehende in der Regel jedoch jeden Euro benötigen, warten sie besser nicht auf die Steuerrückerstattung.

Steuerklasse II eintragen lassen
Wer als Alleinstehender ein Kind erzieht, sollte beim Finanzamt die Steuerklasse II beantragen. Dann wird der Entlastungsbetrag automatisch beim monatlichen Lohnsteuerabzug berücksichtigt. In voller Höhe galt dies aber nur für Arbeitnehmer mit einem Kind.

Wer zwei Kinder hat, sollte daher einen Lohnsteuerermäßigungsantrag abgeben und einen Freibetrag eintragen lassen. So erhalten Sie den Zuschlag zum Entlastungsbetrag in Höhe von 240 Euro ab dem zweiten Kind. Für jedes weitere Kind gibt es jeweils diesen Zuschlag, der 2015 eingeführt wurde. Über den Lohnsteuermäßigungsantrag sichern Sie sich diesen Freibetrag für zwei Jahre.

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.