Staatsanleihen und Bundesanleihen

Sicherheit, aber kaum Rendite

Das Wichtigste in Kürze

  • Staatsanleihen sind Schuldverschreibungen, die von Ländern herausgegeben werden.
  • Wer eine Staatsanleihe kauft, gibt dem jeweiligen Land einen Kredit. Dafür erhält der Käufer festgelegte Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit sein Geld zurück.
  • Es gibt Staatsanleihen mit Laufzeiten von wenigen Monaten bis zu mehr als 30 Jahren. Viele werden an Börsen gehandelt.
  • Anleihen unterliegen Kursschwankungen. Bei steigenden Zinsen sinken ihre Kurse, bei fallenden steigen sie.
  • Wer eine Anleihe bis zum Laufzeitende hält, für den spielen Kursschwankungen keine Rolle.
  • Wegen der extrem niedrigen Verzinsung von Staatsanleihen raten wir derzeit vom Kauf ab. Stattdessen empfehlen wir Tages- und Festgeld, weil das höhere Renditen abwirft.
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Über die Ausgabe von Anleihen finanzieren Staaten ihre Haushaltsdefizite. In jedem Land tragen die Papiere andere Namen. Amerikanische Staatsanleihen mit Laufzeiten zwischen einem Jahr und zehn Jahren heißen beispielsweise „T-Notes“ oder „Treasury Notes“. In Großbritannien nennen sie sich „Gilts“, und in Deutschland firmieren sie unter dem Oberbegriff Bundeswertpapiere.

Die Bundesrepublik bietet Investoren eine Reihe verschiedener Anleihen an, die sich nach Laufzeit und Zins unterscheiden. Die Papiere zählen weltweit zu den sichersten. Ratingagenturen bewerten Anleihen des Bundes mit der Bestnote AAA. Das heißt, sie stufen das Ausfallrisiko als ausgesprochen niedrig ein.

Die genaue Bezeichnung von einzelnen Bundeswertpapieren hängt von der jeweiligen Laufzeit ab. Anleihen des Bundes mit einer Laufzeit von bis zu 2 Jahren heißen Bundesschatzanweisungen, 5-jährige Papiere Bundesobligationen. Außerdem gibt der Bund Anleihen mit 10 und 30 Jahren Laufzeit heraus – die klassischen Bundesanleihen. Einen Überblick über alle Bundeswertpapiere, die derzeit im Umlauf sind, finden Sie auf der Website der Finanzagentur des Bundes.

Wichtige Merkmale von Staatsanleihen

Anleger, die eine Staatsanleihe kaufen, geben dem jeweiligen Land für einen festgelegten Zeitraum ein Darlehen. Dafür erhalten sie einen ebenfalls festgelegten Zins, meistens jährlich. Diesen Zins bezeichnet die Finanzbranche auch als Kupon. Im Normalfall ist die Verzinsung umso höher, je länger die Laufzeit ist. Schließlich verzichten Investoren länger auf ihr Geld. Zudem steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit mit zunehmender Laufzeit.

Zinsen – Wie viel Zinsen ein Staat bieten muss, damit seine Anleihen am Markt gekauft werden, hängt aber auch von dessen Kreditwürdigkeit ab. Hohe Bonität bedeutet niedrige Zinsen, schlechte Bonität höhere.

Kreditwürdigkeit – Was eine ausgezeichnete Kreditwürdigkeit ausmacht, war gut während der Finanzkrise zu beobachten. Viele Milliarden flossen aus hochverschuldeten Euroländern nach Deutschland in Bundesanleihen, da internationale Investoren sie als besonders sicheres Investment betrachten. Die Folge ist, dass die Renditen hierzulande historische Tiefstände erreichten.

Kursschwankungen – Anleihen des Bundes gehören zu den mündelsicheren Wertpapieren. Das bedeutet, dass Zahlungsausfälle auch vom Gesetzgeber so gut wie ausgeschlossen werden. Allerdings heißt das nicht, dass es keine Wertschwankungen geben kann. Die Kurse von Staatsanleihen sind flexibel – anders als der Kupon. Einen großen Einfluss auf die Kurse hat die Zinsentwicklung. Sinkt das Niveau, steigen die Preise von Staatsanleihen. Sie fallen bei steigendem Zinsniveau.

Anleger können Kursschwankungen vernachlässigen, wenn sie eine Anleihe bis zum Laufzeitende halten. Denn dann bekommen sie den vollen Nennwert zurück. Das ist der Geldbetrag, der auf der Staatsanleihe steht.

Liquidität – Anleihen des Bundes sind zudem sehr liquide Wertpapiere. Liquide bedeutet, dass sie jederzeit an der Börse verkauft werden können. Der aktuelle Preis richtet sich nach Angebot und Nachfrage.

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Wie sich ein veränderter Marktzins auf den Kurs auswirkt

Bei Staatsanleihen müssen Anleger wie auch bei anderen Anleihen zwischen dem Kupon und der Rendite unterscheiden. Die festgelegte jährliche Zinszahlung ist nicht gleich der Rendite. Die Rendite ist für den Anleger aber die entscheidende Größe: Sie gibt an, wie hoch der jährliche Ertrag gemessen am investierten Kapital bis zum Ende der Laufzeit ist. Die Rendite von Staatsanleihen schwankt täglich mit deren Kursen. Steigen die Kurse, sinkt die Rendite – und umgekehrt.

Die Finanzagentur des Bundes veröffentlicht jeden Tag die aktuellen Kurse und Renditen von Bundeswertpapieren. Beispiel: Die Anleihe Bund 15 mit einer Restlaufzeit von neun Jahren und elf Monaten brachte Mitte Februar 2015 eine Rendite von 0,37 Prozent. Der Kurs lag bei 101,28 Prozent des Nennwertes, der Zinskupon beträgt 0,5 Prozent. Falls der Kaufpreis einer Anleihe mehr als 100 Prozent des Nennwertes beträgt, ist die Rendite niedriger als der Kupon. Würde der Kurs dagegen bei beispielsweise 90 Prozent notieren, wäre die erwartete Rendite höher als der Kupon.

Die Anleihekurse werden wie erwähnt vor allem von der Zinsentwicklung getrieben. Je länger die Laufzeit einer Anleihe, desto stärker reagieren die Kurse, wie die folgende Rechnung zeigt.

Beispiel 1: Eine Anleihe bietet eine jährliche Rendite von 5 Prozent. Der aktuelle Marktzins liegt ebenfalls bei 5 Prozent. Der Kurs der Anleihe beträgt 100 Prozent. Wie ändert sich nun der Kurs bei Anleihen mit verschiedenen Restlaufzeiten, wenn der Marktzins um einen Prozentpunkt auf 6 Prozent steigt?

Restlaufzeit in Jahren 1 5 10 30
Kurs in Prozent 99,1  95,8  92,6  86,2 

Beispiel 2: Dieselbe Ausgangslage wie oben, aber der Marktzins sinkt nun um einen Prozentpunkt auf 4 Prozent.

Restlaufzeit in Jahren 1 5 10 30
Kurs in Prozent 101,0 104,5 108,1 117,3

Die beiden Beispiele illustrieren, dass eine Zinsänderung am Kapitalmarkt sich umso stärker auf den Kurs einer Anleihe auswirkt, je länger deren Restlaufzeit ist. Der Kurs einer zehnjährigen Anleihe reagiert deutlich stärker als der einer einjährigen, weil er die Zinsänderung für mehr Laufzeitjahre kompensieren muss.

Für Sie als Anleger bedeutet das normalerweise: Wenn Sie eine Anleihe während der Laufzeit möglicherweise weiterverkaufen wollen und Sie damit rechnen, dass in den nächsten Jahren die Zinsen steigen, sollten Sie eher kurz laufende Anleihen kaufen. So können Sie Kursverluste klein halten. Erwarten Sie dagegen sinkende Zinsen, sollten Sie Anleihen mit langen Laufzeiten bevorzugen. Denn wenn der Marktzins fällt, steigen die Kurse langfristiger Anleihen stärker als die kurzfristiger Papiere.

Zurzeit ist aber nicht mehr mit nennenswerten Kursgewinnen bei Staatsanleihen zu rechnen, weil deren Renditen kaum noch fallen können. Eine Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit beispielsweise bringt inzwischen weniger als 0,5 Prozent pro Jahr ein.

Alternativen zu Staatsanleihen

Wir raten deshalb zu Tages- und Festgeld. Gute Konten werfen noch höhere Erträge ab und bieten ebenfalls ein hohes Maß an Sicherheit: Bankeinlagen bis zu 100.000 Euro sind in der EU von der Einlagensicherung geschützt. Der Nachteil ist, dass Anleger an Festgelder während der Laufzeit nicht herankommen. Wie sich dieses Problem weitgehend aus dem Weg räumen lässt, lesen Sie in unserem Ratgeber Festgeld.

Kauf und Verkauf von Staatsanleihen

Sie können Bundesanleihen über eine Onlinebank jederzeit an der Börse zum jeweils aktuellen Kurs kaufen oder verkaufen. Dabei fallen Kauf- und Verkaufskosten an. Beim Handel mit ausländischen Anleihen sind die Transaktionskosten in der Regel so hoch, dass sich der Kauf für Privatanleger nicht lohnt. Wer auch in europäische oder internationale Staatsanleihen investieren will, ist mit Rentenfonds besser beraten. Die Rendite-Aussichten dieser Produkte sind zurzeit allerdings kaum besser als die von Bundesanleihen.

Für den Kauf von Anleihen, Fonds und anderen Wertpapieren benötigen Sie ein Depotkonto und Zugang zu den Börsen.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.

Markus Neumann

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis Oktober 2015)

Markus Neumann schrieb für Finanztip über alle Aspekte der Geldanlage. Der erfahrene Finanzjournalist verfasste bereits zahlreiche Publikationen zum Thema Geldanlage, die im Berliner Fuchsbriefe-Verlag und bei der Stiftung Warentest erschienen sind. Neumann volontierte beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg. Im Anschluss arbeitete er viele Jahre als Redakteur und Reporter.