Inflationsindexierte Anleihen

Wertpapiere mit Schutz vor Kaufkraftverlust

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine spezielle Formen von Bundesanleihen sind inflationsindexierte Anleihen.
  • Der Vorteil gegenüber Bundesanleihen ist, dass Sie Ihr angelegtes Geld gegen Kaufkraftverluste schützen. Das bedeutet, dass Ihre Rendite nach Abzug der Inflation feststeht.
  • Die jährlichen Zinszahlungen und der Rückzahlungswert sind an die Entwicklung der Inflation gebunden.
  • Inflationsgeschützte Anleihen aus Deutschland orientieren sich an den europäischen Verbraucherpreisen.

So gehen Sie vor

  • Entscheiden Sie zunächst, ob Sie einzelne Anleihen oder lieber einen Fonds kaufen wollen.
  • Für einzelne inflationsindexierte Anleihen empfehlen wir Ihnen die Suche auf finanzen.net.
  • Wenn auf der Suche nach einem Fonds sind, raten wir Ihnen, die Fondssuche auf finanzen.net zu nutzen.
  • Am günstigsten kaufen Sie die Anleihe oder den Fonds über einen Onlinebroker. Lesen Sie dazu unseren Wertpapierdepot-Ratgeber.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie rund um das Thema Anleihen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Etwa fünf Prozent der Anleihen, die von der Bundesrepublik Deutschland ausgegeben werden, weisen eine Besonderheit auf: Die Erträge sind an die Inflation gekoppelt. Sie werden daher auch inflationsindexierte Anleihen genannt. Solche Anleihen orientieren sich an den Verbraucherpreisen in Europa. Mit ihnen können Sie als Anleger Ihr Geld vor Kaufkraftverlusten schützen. Das bedeutet, dass Ihre Erträge bei steigender Inflation höher sind als bei sinkender.

Inflationsindexierte Anleihen lohnen sich für Sie, wenn Sie in Bundesanleihen investieren und sich vor steigender Inflation schützen wollen. Denn bei inflationsgeschützten Anleihen ist zwar die nominale Rendite variabel, die Rendite nach Abzug der Inflation steht aber fest.

So funktionieren inflationsindexierte Anleihen

Anders als klassischen Bundesanleihen bieten inflationsgeschützte Bundesanleihen keine festen Zinszahlungen, sondern variable. Außerdem ist auch der Rückzahlungswert veränderlich, während er bei klassischen Bundesanleihen immer dem Ausgabepreis entspricht. Gekoppelt sind die variablen Zinszahlungen und der Rückzahlungswert an den europäischen Verbraucherpreisindex HVPI ohne Tabak. Er wird von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Gemeinschaft, ermittelt und monatlich als Inflationsindexzahl veröffentlicht. Die Veränderung dieser Indexzahl über ein Kalenderjahr hinweg gibt die jährliche Inflationsrate in Euroland wieder.

So berechnen sich die Zinszahlung und der Rückzahlungsbetrag

An einem fiktiven Beispiel erklären wir Ihnen, wie sich die jährlichen Zinszahlungen – auch Kupons genannt – und der Rückzahlungsbetrag zusammensetzen. Wir gehen von einer inflationsgeschützten Anleihe mit folgenden Daten aus: Ausgabe am 15. April 2014, Kupon 1,0 Prozent, Laufzeit fünf Jahre, Anlagebetrag 10.000 Euro.

So entwickeln sich Zinszahlungen und Kapitalrückzahlung, wenn die jährliche Inflationsrate exakt 1,5 Prozent betragen würde:

Entwicklung der Zinszahlungen bei 1,5 Prozent Inflation pro Jahr

Datum Zinszahlung Jahr     Inflation in Prozent pro Jahr     Inflationsindex     Indexverhältniszahl     Kupon in Euro Rückzahlungsbetrag in Euro
15. April 2014 0           117,57           0  
15. April 2015 1     1,5     119,33     1,0150     101,50  
15. April 2016 2     1,5     121,12     1,0302     103,02  
15. April 2017 3     1,5     122,94     1,0457     104,57  
15. April 2018 4     1,5     124,78     1,0614     106,14  
15. April 2019 5     1,5     126,66     1,0773     107,73 10.773

Quelle: eigene Berechnung (Stand: 27. Mai 2014)

Zinszahlung - Um die Zinsbeträge und den Rückzahlungsbetrag zu berechnen, wird die „Indexverhältniszahl“ herangezogen. Sie wird ermittelt, indem der Inflationsindex zum Zinstermin durch den Inflationsindex zum Ausgabetermin der Anleihe dividiert wird. Die Zinszahlung für den Zinstermin am 15. April 2018 wird in unserem Beispiel so errechnet: 124,78 / 117,57 = 1,0614.

Die Zinsen, die an den Zinsterminen gezahlt werden, erhält man, indem man den Kuponbetrag (1,0 Prozent von 10.000 Euro = 100 Euro) mit der Indexverhältniszahl multipliziert. In unserem Beispiel ergibt das wiederum für den Zinstermin 15. April 2018: 100 Euro x 1,0614 = 106,14 Euro.

Rückzahlungsbetrag - Der Rückzahlungsbetrag errechnet sich analog zu den Zinszahlungen. Der Nennwert der Anleihe wird mit der Indexverhältniszahl am Rückzahlungsdatum multipliziert. In unserem Beispiel ergibt das für den 15. April 2019: 10.000 Euro x 1,0773 = 10.773 Euro.

Im Gegensatz zu einer regulären Bundesanleihe ist der Rückzahlungsbetrag am Ende der Laufzeit also höher. Bei einer normalen Bundesanleihe erhalten Sie am Ende den Nennwert der Anleihe zurück, bei der inflationsgeschützten Anleihe erhalten Sie den Nennwert multipliziert mit der aufaddierten Inflation.

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Chancen und Risiken

Mit inflationsindexierten Anleihen erhalten Sie inflationsbereinigt immer gleich hohe Zinszahlungen. Die Kaufkraft Ihrer Anlage bleibt also erhalten.

Der Kauf einer inflationsindexierten Bundesanleihe lohnt sich gegenüber einer herkömmlichen Bundesanleihe, wenn die Inflation höher ausfällt als zum Kaufzeitpunkt am Kapitalmarkt erwartet wird. Die Inflationsrate, ab der Sie mit einer inflationsgeschützten Anleihe besser dran sind, wird als Break-Even-Inflationsrate bezeichnet. Die Differenz zwischen dem Kupon der inflationsindexierten und der entsprechenden regulären Bundesanleihe ergibt näherungsweise die Break-Even-Inflation.

In der nachstehenden Tabelle vergleichen wir die Rendite einer regulären Bundesanleihe mit einer inflationsindexierten. Dabei haben wir zwei verschiedene Werte für die zukünftige Inflation angenommen.

Vergleich reguläre und inflationsindexierte Bundesanleihe

Bundesanleihe regulär (fester Zins) inflationsindexiert inflationsindexiert
ISIN DE0001135473 DE0001030542 DE0001030542
Kupon in Prozent pro Jahr 1,75 0,103 0,103
Kurs in Prozent 105,32 102,33 102,33
Restlaufzeit 8 Jahre, 2 Monate 8 Jahre, 11 Monate 8 Jahre, 11 Monate
Rendite in Prozent pro Jahr 1,06 1,06¹ 1,61¹
Angenommene Inflation in Prozent pro Jahr   1,38 2,00

¹ bei der angenommenen Inflation

Quelle: finanzen.net, eigene Berechnung (Stand: 21. Mai 2014)

Sie haben weder einen Vorteil noch einen Nachteil mit der inflationsgeschützten Anleihe im Vergleich zur regulären Bundesanleihe, wenn die Inflation in den nächsten neun Jahren 1,38 Prozent beträgt. Diese Inflationsrate ist deshalb die Break-Even-Inflation.

Sollte die Inflation höher ausfallen, ist Ihre Rendite mit der inflationsindexierten Anleihe höher: In unserem Beispiel erhalten Sie eine Rendite von 1,61 Prozent pro Jahr, wenn die Inflation im Schnitt 2,00 Prozent pro Jahr beträgt.

Wenn die jährliche Inflation allerdings unter der Break-Even-Inflation liegt, wäre die reguläre Bundesanleihe die bessere Anlage. So beträgt die Rendite der inflationsindexierten Anleihe 0,73 Prozent pro Jahr bei einer jährlichen Inflation von 1,00 Prozent.

Anlagealternativen zu inflationsindexierten Anleihen

Wenn Sie eine inflationsindexierte Anleihe kaufen, schützen Sie sich vor einer steigenden Inflation. Alternativen können sein:

Inflationsindexierte Anleihen anderer Staaten - Dabei müssen Sie möglicherweise höhere Risiken eingehen als bei inflationsgeschützten Bundesanleihen. Beispielsweise sind italienische inflationsindexierte Staatsanleihen an den gleichen europäischen Verbraucherpreisindex gekoppelt wie deutsche, beinhalten aber ein höheres Länderrisiko auf Grund der geringeren Bonität des Landes.

Klassische Bundesanleihen - Das sind Anleihen mit festem Kupon. Durch die festen Zinszahlungen hängt ihre tatsächliche Rendite nach Abzug der Inflation allerdings von der Inflation ab.

Kauf und Verkauf von inflationsindexierten Anleihen

Sie können entweder direkt inflationsindexierte Anleihen kaufen oder Ihr Geld in Fonds anlegen, die in solche Anleihen investieren. Der Kauf eines Fonds bedeutet, dass Sie nicht nur Bundesanleihen kaufen, da der Fonds in viele Anleihen investiert. Er legt auch in Anleihen an, die eine schlechtere Kreditwürdigkeit haben als Bundesanleihen. Damit können Sie eine höhere Rendite erwarten, gehen aber auch ein höheres Risiko ein. Sie können auch Fonds kaufen, die nicht von den europäischen Verbraucherpreisen abhängen, sondern beispielsweise von der weltweiten Inflation.

Weil die Fondsmanager die Anleihen in der Regel nicht bis zum Ende der Laufzeit halten, sondern kaufen und verkaufen, können dabei zusätzliche Gewinne oder Verluste anfallen. Dafür verlangen die Fonds aber Gebühren: Sie bezahlen meist einen Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent und Verwaltungsgebühren von maximal 2 Prozent pro Jahr.

Wenn Sie inflationsindexierte Anleihen einzeln kaufen wollen

Sie suchen sich eine für Sie passende Anleihe aus, etwa auf der Website der deutschen Finanzagentur. Wollen Sie Angebote prüfen, die über Bundesanleihen hinausgehen, können Sie beispielsweise die Website finanzen.net nutzen. Wir haben für Sie folgende Voreinstellungen gewählt: Bei „Anleihe-Typen“ unter staats- und staatsähnliche Anleihen „Euroland“ sowie bei weitere Kriterien unter „Spezialtypen“ die Option „inflationsverbunden“. Sie erhalten eine Liste mit inflationsindexierten Anleihen.

Informieren Sie sich bei Ihrer Suche nach einer für Sie geeigneten Inflationsanleihe über die wichtigsten Ausstattungsmerkmale der Anleihen. Dazu gehören der Kurs, die Höhe und die Zusammensetzung der Kupons sowie die Laufzeit. Wie bereits erwähnt, ist die Break-Even-Inflation eine wichtige Größe: Vergleichen Sie dazu den variablen Kupon der inflationsgeschützten Anleihe mit dem festen Kupon der entsprechenden Bundesanleihe. Der Unterschied spiegelt in etwa die erwartete Inflation wider. Gehen Sie von einer höheren Inflation aus, lohnt sich der Kauf der inflationsgeschützten Anleihe.

Vergewissern Sie sich auch, auf welche Währung die Anleihen lauten. Handelt es sich um Euro-Anleihen, gehen Sie kein Währungsrisiko ein.

Wenn Sie einen Fonds mit inflationsindexierten Anleihen kaufen

Wir empfehlen Ihnen die Fondssuche von finanzen.net. Wählen Sie bei „Fondsart“ „Rentenfonds“ aus. Dann wählen bei „Fondsunterart“ „RentenF.-Inflationsschutz“ aus und starten die Suche. Sehen Sie sich die wichtigsten Merkmale einiger Fonds an und vergleichen diese mit denen von anderen. Dazu gehören:

  • die Strategie beziehungsweise die Anlagepolitik des Fonds
  • die Zusammensetzung des Fonds nach Ländern
  • die Kursentwicklung der letzten Jahre
  • die Gebühren wie Ausgabeaufschlag und Verwaltungsgebühr
  • die Ausschüttungsart: Legt der Fonds erhaltene Erträge erneut an (thesaurierend) oder schüttet er diese an die Anleger aus?
  • eine etwaige Mindestanlage

Die Größe, die Sie am einfachsten vergleichen können, sind die Kosten. Fonds mit höheren Kosten schmälern bei gleichem Kursverlauf in jedem Fall Ihre Rendite. Wenn Sie glauben, dass das Fondsmanagement eine für Sie akzeptable Rendite erzielen kann, wählen Sie den entsprechenden Fonds aus.

Kaufen Sie den Fonds oder die Anleihe bei einem Onlinebroker

Notieren Sie sich die Wertpapierkennnummer (WKN) oder ISIN-Nummer des Fonds oder der Anleihe, für die Sie sich entschieden haben und erteilen Sie Ihrer Bank den Auftrag zum Kauf der Anleihe. Wir empfehlen Ihnen, den Kauf über einen Direktbroker abzuwickeln, da diese oft günstige Konditionen anbieten.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.

Ludwig Heinz

ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

Ludwig Heinz hat als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen geschrieben. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München. Zudem war er in unterschiedlichen Positionen für mehrere Banken tätig, überwiegend im Research. Ludwig Heinz studierte nach einer Bankausbildung Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in München.