Optionsscheine (Put & Call)

Die Wette auf steigende oder fallende Kurse

Das sollten Sie wissen

  • Mit Optionen spekulieren Anleger darauf, dass eine Aktie oder ein Index künftig steigt (Call-Option) oder fällt (Put-Option).
  • Privatanleger greifen häufig zu Optionsscheinen, die – im Gegensatz zu Optionen – von Banken standardisiert herausgegeben werden und sich besser an der Börse handeln lassen.
  • Optionsscheine (Warrants) werden auch als Teil einer Optionsanleihe herausgegeben, die zusätzlich eine niedrige, feste Verzinsung vorsieht.
  • Die Begriffe Option und Optionsschein werden häufig synonym verwendet.
  • Optionen haben eine Hebelwirkung: Kursänderungen des Basiswerts wirken sich übermäßig auf den Wert der Option aus.
  • Höhere Renditechancen bedeuten auch ein höheres Risiko: Bei Optionen droht ein Totalverlust.

So gehen Sie vor

  • Beachten Sie besonders die Fallstricke des Optionsscheinhandels.
  • Experimentieren Sie mit den vorgestellten Optionsscheinrechnern von onvista.de und finanzen.net.
  • Nutzen Sie den Szenariorechner von onvista.de, um die Einflüsse der Parameter zu verstehen.
  • Für den Handel von Optionsscheinen empfehlen wir Ihnen die Depots von Flatex und Onvista Bank.
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Der Handel mit Optionen ist verlockend, aber auch riskant. Denn im Grunde handelt es sich dabei um nichts anderes als Finanzwetten. Optionen lassen Anleger verstärkt an Kursveränderungen teilhaben – sowohl im Positiven als auch im Negativen. Darum nutzen institutionelle Anleger Optionen überwiegend für das Risikomanagement, Privatanleger hingegen oft zum Spekulieren.

Das Geschäft ist hochriskant, darum sollten Sie nur mit Optionen handeln, wenn:

  • Sie sich mit dem Thema intensiv beschäftigt und es verstanden haben, und
  • Sie das Geld übrighaben und nicht für Ihren Lebensunterhalt benötigen.

Falls Sie sich verspekulieren, droht der Totalverlust.

Übrigens: Es ist Banken nach § 26 Abs. 1 BörsG sogar untersagt, Termingeschäfte wie den Optionsscheinhandel mit Personen abzuschließen, die mit der Materie nicht vertraut sind. Es kann also sein, dass Ihre Bank zuerst prüft, ob Sie sich mit Derivaten auskennen.

So funktionieren Optionen

Der Wert von Optionen hängt von einem Basiswert ab. Darum nennt man sie im Fachjargon Derivate (lat. derivare = ableiten). Der Basiswert kann eine Aktie sein, ein Rohstoff, eine Währung oder auch ein Index, der verschiedene Anlagen zusammenfasst. Mit einer Option erwerben Sie das Recht, den jeweiligen Basiswert zu einem festgelegten Preis in der Zukunft kaufen oder verkaufen zu können. Die Differenz wird am Ende der Laufzeit in bar ausgezahlt.

Optionen gibt es in verschiedenen Ausführungen. Unter Privatanlegern weit verbreitet sind Optionsscheine. Sie sind standardisiert, was ihren Handel an der Börse erleichtert. Herausgeber der Papiere sind meistens Banken, die als Verkäufer auftreten. Die Bezeichnungen Optionsschein und Option werden oft gleichbedeutend verwendet.

Variante Optionsanleihe
Den Optionsschein (Warrant) erwerben Anleger entweder allein oder zusammen mit einer Optionsanleihe. Die Anleihe bietet dann eine feste, jedoch vergleichsweise geringe Verzinsung.

Für Unternehmen stellen Optionsanleihen eine günstige Finanzierungsquelle dar, weil durch den beigefügten Optionsschein die Zinszahlungen reduziert werden gegenüber einer normalen Anleihe. Für Anleger kombiniert dieses Finanzderivat die Sicherheit einer Anleihe mit den Chancen von Aktien. Bei steigendem Aktienkurs kann eine erheblich höhere Rendite erzielt werden. Umgekehrt muss sich der Anleger bei sinkenden Kursen mit der deutlich geringeren Verzinsung der Optionsanleihe begnügen.

Der Kurs des Optionsscheins (Warrant) entwickelt sich bei einer Optionsanleihe parallel zum Kurs der Aktie (oder des Kurses eines anderen Vermögenswertes). Der Optionsschein verliert also etwa bei fallendem Aktienkurs an Wert. Liegt der Aktienkurs am Ende der Laufzeit des Optionsscheines unter dem vorher festgelegten Kaufpreis, so ist der Optionsschein wertlos.

Mittlerweile werden auch zunehmend Optionsanleihen herausgegeben, deren Optionsscheine nicht länger auf den Bezug von Aktien setzen, sondern von Devisen, Anleihen und anderen Vermögenswerten. Optionsanleihen sind nicht mit Wandelanleihen zu verwechseln. Wandelanleihen können in Aktien getauscht werden, wobei sie bei Ausübung dieses Rechts verfallen.

Diese Merkmale von Optionen sollten Sie kennen

Strike
Das wichtigste Merkmal eines Optionsscheins ist der Ausübungspreis, auch Strike genannt. Er legt fest, zu welchem Preis der Basiswert bei einer Ausübung der Option gekauft oder verkauft werden kann. Der Kurs des Basiswerts und der Ausübungspreis müssen nicht identisch sein: Eine Aktie kann aktuell 100 Euro kosten und der Optionsschein einen Ausübungspreis von 105 Euro aufweisen.

Call
Mit einem Call-Optionsschein erwerben Sie das Recht, den jeweiligen Basiswert in der Zukunft zu dem festgelegten Ausübungspreis kaufen zu können. Sie setzen auf einen Kursanstieg, da Sie nur profitieren, wenn der zukünftige Kurs über dem Ausübungspreis liegt.

Put
Mit einem Put-Optionsschein erwerben Sie das Recht, den jeweiligen Basiswert in der Zukunft zu einem festgelegten Preis verkaufen zu können. Hier setzen Sie auf ein Nachlassen des Kurses und profitieren dann, wenn der zukünftige Kurs unter dem Ausübungspreis liegt.

Prämie
Der Preis eines Optionsscheins wird auch Prämie genannt. Sie richtet sich nach der Wahrscheinlichkeit, dass der Ausübungspreis am Ende der Laufzeit über- beziehungsweise unterschritten wird. Ein wichtiger Faktor für die Höhe der Prämie ist dabei die Laufzeit selbst: Je kürzer die Restlaufzeit einer Option, desto niedriger ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Kurs des Basiswerts in dieser Zeit stark verändert. Bei zwei identischen Optionsscheinen mit verschiedenen Laufzeiten ist derjenige mit der längeren Laufzeit daher immer teurer.

Am Ende der Laufzeit erhalten Sie die Differenz zwischen dem Preis des Basiswerts und dem Ausübungspreis ausgezahlt. Um Ihren Gewinn zu ermitteln, müssen Sie davon zusätzlich den Preis des Optionsscheins abziehen.

Beispiel: Call-Option

Sie kaufen eine Call-Option mit einer Siemensaktie als Basiswert. Die Prämie der Option beträgt 10 Euro bei einem Ausübungspreis von 105 Euro. Zum Zeitpunkt des Kaufs liegt der Kurs der Siemensaktie bei 100 Euro. Wenn der Kurs der Aktie auf 120 Euro steigt, liegt sie 15 Euro über dem Ausübungspreis. Da der Optionsschein 10 Euro gekostet hat, bleibt Ihnen am Laufzeitende ein Gewinn von 5 Euro. Das entspricht 50 Prozent des Kaufpreises.

Ein wichtiger Orientierungspunkt für Sie ist die Gewinnschwelle. Sie beschreibt den Punkt, an dem Ihr Investment weder Verlust noch Gewinn abwirft. Im Beispiel wäre es der Preis von 115 Euro für die Aktie, weil sich hier Kosten und Erlös ausgleichen. Wie sehr der Kurs des Basiswerts ansteigen (Call) oder fallen (Put) muss, damit die Gewinnschwelle erreicht wird, drückt das Aufgeld oder Agio aus. In unserem Beispiel beträgt das Aufgeld 15 Prozent. Der Kurs des Basiswerts muss demnach um 15 Prozent steigen, damit Sie die Gewinnschwelle erreichen.

Die folgende Grafik fasst zusammen, wie sich Call- oder Put-Optionsschein bei einem steigenden Kurs des Basiswerts verhalten: Damit für Sie ein Gewinn herausspringt, muss der Kurs des Basiswerts für eine Call-Option steigen und für eine Put-Option sinken. Der Verlust ist auf die Höhe des Kaufpreises beschränkt.

In unseren Beispielen setzen wir ein Bezugsverhältnis von 1:1 voraus. Das bedeutet: Mit einem Optionsschein erwerben Sie das Recht zum Kauf oder Verkauf einer Einheit des Basiswerts. Das Bezugsverhältnis kann jedoch variieren. Bei einem Bezugsverhältnis von 10:1 entsprechen zehn Optionsscheine einer Einheit des Basiswerts.

Abstand zum Strike (Moneyness)

Der Abstand zum Strike beschreibt das Verhältnis vom Ausübungspreis eines Optionsscheins zu dem Preis des zugrundeliegenden Basiswerts – auch Moneyness genannt. Hierbei sind drei verschiedene Szenarien möglich, wie folgende Tabelle zeigt:

Fachausdruck Bedeutung Call-Option Bedeutung Put-Option  
im Geld Strike liegt unter dem aktuellen Preis Strike liegt über dem aktuellen Preis  
am Geld Strike entspricht Preis des Basiswerts Strike entspricht Preis des Basiswerts  
aus dem Geld Strike liegt über dem aktuellen Preis Strike liegt unter dem aktuellen Preis  

Da für einen Optionsschein nur eine Auszahlung erfolgt, wenn er im Geld ist, stellt der Abstand zum Strike eine wichtige Kennziffer für die Bewertung einer Option dar.

Beachten Sie, dass für einen Put-Optionsschein das Gegenteil der Fall ist: Der aktuelle Preis des Basiswerts muss unter dem Ausübungspreis liegen, damit die Option im Geld liegt. Der Abstand zum Strike wird in Prozent ausgedrückt und besagt, wie viele Prozentpunkte der aktuelle Kurs des Basiswerts über dem Ausübungspreis liegt.

Beispiel
Bei einem Ausübungspreis von 105 Euro und einem Aktienkurs von 120 Euro, liegt eine Call-Option auf die Siemensaktie 15 Euro im Geld, was ungefähr 14 Prozent entspricht.

Innerer Wert und Zeitwert

Der Wert einer Option kann aufgeteilt werden in den Zeitwert und den inneren Wert. Der innere Wert entspricht der Differenz zwischen dem aktuellen Basispreis und dem Ausübungspreis. Er ist somit null, wenn der Optionsschein nicht im Geld liegt.

Den Zeitwert ermitteln Sie einfach, indem Sie den inneren Wert vom aktuellen Wert der Option abziehen. Analog zur Restlaufzeit nimmt er konstant ab. Für zwei identische Siemens-Call-Optionen mit verschiedenen Laufzeiten ergeben sich somit verschiedene Zeitwerte.

Tipp

Sie müssen Optionsscheine nicht bis zum Ende der Laufzeit halten: Durch einen frühen Verkauf können Sie von einem höheren Zeitwert profitieren.

Beispiel
Sie kaufen zwei identische Call-Optionsscheine mit verschiedenen Restlaufzeiten mit einer Siemensaktie als Basiswert. Die Option mit zwei Jahren Restlaufzeit kostet dann 14 Euro, die mit einem Jahr Restlaufzeit nur 10 Euro. Der Unterschied liegt in dem höheren Zeitwert der Option mit zwei Jahren Laufzeit.

Am Ende der Laufzeit entspricht der Wert einer Option nur noch dem inneren Wert, weil kein Zeitwert mehr vorhanden ist. Wie schnell der Zeitwert abnimmt, wird auch dadurch bestimmt, wie groß der Abstand zum Strike ist. Die folgende Grafik zeigt den Zeitwertverlust für einen am und im Geld liegenden Optionsschein:

Liegt die Option am Geld, nimmt der Zeitwert ungleichmäßig ab. Je näher das Ende der Laufzeit rückt, desto stärker nimmt der Zeitwert ab. Grund hierfür ist, dass die Wahrscheinlichkeit, am Ende der Laufzeit im Geld zu liegen, stets kleiner wird. Für Optionen weit im Geld oder aus dem Geld nimmt der Zeitwert relativ gleichmäßig ab. 

Hebelmechanismus (Omega)

Optionsscheine spiegeln eine Kursänderung des Basiswerts überproportional wider: Wenn der Basiskurs um ein Prozent steigt, ist ein Preisanstieg der Option um zehn Prozent nicht unüblich. Dieser Mechanismus wird Hebel genannt und ist der Grund, warum Optionsscheine bei Privatanlegern so beliebt sind. Omega bezeichnet die Wirkung des Hebels. Es zeigt an, um wie viele Prozentpunkte der Optionspreis sich verändert, wenn der Kurs des Basiswerts sich um ein Prozent verändert.

Beispiel

Die Siemens-Call-Option kostet 10 Euro und hat ein Omega von sechs. Die Siemensaktie kostete zum Zeitpunkt, als die Option gekauft wurde, 100 Euro und steigt nun um ein Prozent auf 101 Euro. Da Omega sechs beträgt, steigt der Optionspreis um sechs Prozent auf 10,60 Euro.

Hätten Sie für das gleiche Kapital jeweils eine Siemensaktie und jeweils zehn Optionsscheine gekauft, wäre die Aktie nun 101 Euro und die zehn Optionsscheine insgesamt 106 Euro wert. Aufgrund des Hebels hätten Sie somit einen sechsfachen Gewinn erwirtschaftet.

Kursschwankungen von Optionen: die Griechen

Der Wert von Optionen wird durch verschiedene Parameter beeinflusst, beispielsweise Aktienkurs oder Laufzeit. Die sogenannten Griechen drücken aus, wie der Preis eines Optionsscheins variiert, wenn sich die entsprechende Kenngröße ändert. Grundlage für die Berechnung ist das sogenannte Black-Scholes-Modell, mit dem der Preis von Optionen berechnet werden kann.

Die folgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick darüber, welche Auswirkung die Veränderung einer Kenngröße auf den Wert einer Option hat, wenn alle anderen Parameter konstant bleiben:

Parameter (zunehmend) Name     Wert des Calls Wert des Puts
Kurs des Basiswerts Delta     + -
Implizite Volatilität Vega     + +
Restlaufzeit Theta     + +
Zinsniveau Rho     + -

Delta: die Auswirkung einer Kursbewegung des Basiswerts
Der griechische Buchstabe Delta definiert die Preisänderung des Optionsscheins, wenn sich der Kurs des Basiswerts ändert. Es kann die Werte zwischen 0 und 1 für Call-Optionen und 0 bis -1 für Put-Optionen annehmen.

Beispiel
Die Siemens-Call-Option mit dem Ausübungspreis von 105 Euro weist bei einem Kurs der Aktie von 120 Euro ein Delta von 0,6 auf. Erhöht sich der Wert der Aktie um 1 Euro, dann steigt der Preis des Optionsscheins um 0,6 Euro.

Delta ist keine Konstante: Bei einer Kursveränderung des Basiswerts ändert sich auch das Delta. Für am Geld liegende Optionen beträgt Delta ungefähr 0,5. Die Call-Option aus dem Beispiel liegt im Geld, weil ihr Delta größer als 0,5 ist. Für im Geld liegende Optionen ist Delta also größer als 0,5 – für aus dem Geld liegende kleiner.

Mithilfe des Delta können Sie auch ablesen, wie wahrscheinlich es ist, dass die Option am Laufzeitende im Geld ist. Wenn ein Optionsschein weit im Geld liegt, nähert sich der Wert für Delta eins, dem Maximum. Es wird also zunehmend wahrscheinlicher, dass die Option im Geld enden wird.

Vega: die Veränderung in Abhängigkeit von der impliziten Volatilität
Der Kurs eines Basiswerts kann sich nach oben oder unten bewegen. Die Volatilität drückt aus, wie stark der Kurs ausschlägt. Da mit einer Option auf eine Veränderung des Kurses gewettet wird, hat die Volatilität große Bedeutung. Der Buchstabe Vega drückt aus, wie sich der Wert einer Option bei einer geänderten Volatilität verhält. Verwendet wird hierbei nicht die historische Volatilität, die aus alten Daten errechnet wird, sondern die implizite Volatilität. Sie drückt die erwarteten Schwankungen für den Kurs des Basiswerts aus, die durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden.

Beispiel
Die Siemens-Call-Option hat ein Vega von 0,36. Wenn die implizite Volatilität um ein Prozent ansteigt, steigt also der Wert des Optionsscheins um 36 Cent. Das Verhalten der impliziten Volatilität wird dadurch beeinflusst, ob die Option am Geld liegt oder nicht. Umso weiter sich der Kurs des Basiswerts vom Ausübungspreis nach oben und unten entfernt, desto größer wird meist die implizite Volatilität. Der Verlauf wird Volatilitäts-Smile genannt.

Unterschätzen Sie nicht den Einfluss der impliziten Volatilität auf den Preis. Eine Kursänderung beim Basiswert bedingt häufig eine Veränderung der Volatilität. Sie kann einen Teil Ihres Gewinns zunichtemachen oder ihn vergrößern.

Theta: die Auswirkung einer abnehmenden Restlaufzeit
Durch den Buchstaben Theta wird die Veränderung des Preises einer Option ausgedrückt, wenn sich die Laufzeit verändert. Es zeigt an, wie groß der Zeitwertverlust in einer Periode ist. Meistens wird der Verlust pro Tag oder Woche berechnet. Da die Restlaufzeit konstant abnimmt, ist Theta immer negativ.

Der Zeitwertverlust von Optionsscheinen hängt auch vom Abstand zum Strike ab: Theta weist einen konstanten Verlauf auf für weit im Geld liegende und weit aus dem Geld liegende Optionsscheine. Anders verhält sich Theta im Falle einer am Geld liegenden Option: Aufgrund der Unsicherheit bezüglich des Endergebnisses bleibt das Theta lange geringer, wächst im letzten Monat der Laufzeit dafür umso mehr.

Beispiel
Eine Siemens-Call-Option mit einem Preis von 10 Euro liegt am Geld. Sie weist bei einem Jahr Restlaufzeit ein Theta von -0,007 Euro pro Tag auf, verliert also jeden Tag 0,7 Cent an Wert. Pro Woche verliert sie damit 0,5 Prozent ihres Werts. Die gleiche Option hat zwei Wochen vor Fälligkeit ein Theta von -0,05 Euro. Der Zeitwertverlust ist hier mehr als sieben Mal so hoch. Pro Woche verliert die Option 3,5 Prozent des Werts. Da vor allem gegen Ende ein großer Zeitwertverlust droht, sollten Sie sich im Zweifel immer für den Optionsschein mit der längeren Laufzeit entscheiden.

Rho: Der Effekt einer Veränderung des Zinsniveaus
Der Einfluss des Zinsniveaus auf den Wert der Option wird durch den griechischen Buchstaben Rho ausgedrückt. Rho bezeichnet die Wertveränderung eines Optionsscheins bei einer Veränderung des Zinsniveaus um ein Prozent. Um das Zinsniveau zu bestimmen, wird der risikofreie Zinssatz verwendet. Dieser stellt die Zinsen für ein kurzfristiges Darlehen ohne Ausfallrisiko dar – in der Praxis eine Bundesanleihe mit kurzer Laufzeit.

Generell ist Rho positiv für Call-Optionen und negativ für Put-Optionen. Im Vergleich zu den anderen Griechen fällt dem Rho jedoch eine geringere Bedeutung zu, da sich der Preis der Option auch bei größeren Zinsverschiebungen nur geringfügig ändert.

So finden Sie die passende Option

Um die Funktionsweise von Optionen zu verstehen, empfehlen wir Ihnen, mit einem Optionsscheinrechner im Internet zu experimentieren. Damit können Sie die Einflüsse verschiedener Kenngrößen auf den Wert eines Optionsscheins nachvollziehen. Außerdem können Sie verschiedene Optionsscheine vergleichen und herausfinden, wie hoch das Risiko eines Handels wäre.

Für den Vergleich von Optionsscheinen empfehlen wir onvista.de und finanzen.net. Beide Rechner sind kostenlos und haben einen großen Funktionsumfang. Damit Sie sich beim ersten Mal nicht mit den Sucheinstellungen beschäftigen müssen, verwenden Sie zunächst die Optionsscheinsuche von finanzen.net. Dort werden vorgefertigte Sucheinstellungen angeboten, anhand derer Sie sich einen ersten Überblick verschaffen können.

Bei den Ergebnissen werden folgende Kennzahlen gegeben:

  • WKN: die Wertpapierkennnummer. Jeder Optionsschein hat eine eigene WKN und wird durch sie identifiziert.
  • Emittent ist der Herausgeber des Optionsscheins, in den meisten Fällen eine Bank.
  • Bid/Ask: auch Brief- und Geldkurs genannt. Der erste ist der Kauf-, der zweite der Verkaufspreis. Der Kaufpreis ist immer höher als der Verkaufspreis.
  • Spread ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis. Meistens wird der homogenisierte Spread verwendet: Er berechnet den Spread für ein Bezugsverhältnis von 1:1.

Im nächsten Schritt können Sie die Sucheinstellungen verfeinern. Beide Vergleichsportale bieten mehr als 20 Kenngrößen an, von denen jeweils drei gleichzeitig angezeigt werden können. Wir raten Ihnen, besonders auf das Omega, das Aufgeld, die implizite Volatilität und den Spread zu achten, um den richtigen Optionsschein zu finden. Gehen Sie bei der Auswahl der Option wie folgt vor:

  • Wählen Sie das Omega. Je mehr Risiko Sie wünschen, desto höher sollte das Omega sein.
  • Wählen Sie eine Option, für die Sie ein möglichst geringes Aufgeld bezahlen müssen.
  • Achten Sie darauf, dass der ausgewählte Optionsschein eine möglichst niedrige implizite Volatilität und einen kleinen Spread hat.

Szenariorechner

Szenariorechner Onvista.de

Mit dem Szenariorechner für Optionsscheine von onvista.de können Sie den Wert einer Option für verschiedene Szenarien berechnen. Zunächst können Sie einen Basiswert aussuchen. Anschließend geben Sie die Daten für bis zu fünf Szenarien ein – beispielsweise eine geänderte implizite Volatilität. Als Ergebnis zeigt der Rechner an, wie sich der Preis des Optionsscheins verändern würde und wie groß diese Veränderung in Prozent und absolut wäre.

Der Screenshot rechts zeigt drei Szenarien für eine Siemens-Call-Option: Szenario 1 zeigt eine Veränderung des Basispreises, Szenario 2 eine Veränderung von Basispreis und Volatilität und Szenario 3 eine verlängerte Restlaufzeit gegenüber dem ersten Szenario. Der Preis der Option nahm in allen Szenarien zu.

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So handeln Sie günstig mit Optionen

Wir haben für Sie einige Tipps zum Handel mit Optionsscheinen zusammengestellt:

Achten Sie auf Transaktionskosten
Der Handel mit Optionsscheinen ist mit Kosten verbunden. Je nach Geschäft fallen Börsengebühren, Maklercourtagen oder Gebühren für Ihr Wertpapierdepot an. Diese Kosten müssen Sie bei der Berechnung Ihres Gewinns berücksichtigen.

Riskieren Sie nicht den Totalverlust
Liegt Ihr Optionsschein am Ende der Laufzeit aus dem Geld, dann verfällt er wertlos. Spekulieren Sie daher lieber nicht mit Wertpapieren, die zwar ein hohes Omega aufweisen, aber bald ablaufen und weit aus dem Geld liegen. Sie können das Risiko eines Totalverlusts mindern, indem Sie in Optionen mit einer längeren Laufzeit investieren, die nicht zu weit aus dem Geld liegen. Noch einmal: Setzen Sie trotzdem nicht mehr Geld ein, als Sie bei einem Totalverlust finanziell verkraften könnten!

Denken Sie an die Besteuerung Ihrer Gewinne
Für Gewinne aus dem Handel mit Optionsscheinen fällt Abgeltungssteuer von pauschal 25 Prozent an. Sie wird in der Regel direkt bei Ihrem Depot abgebucht. Denken Sie daran, Ihrem Depot einen Freistellungsauftrag zu erteilen, oder einen bereits vorhandenen Auftrag anzupassen. Dadurch können Sie verhindern, dass Ihr jährlicher Freibetrag von 801 Euro automatisch abgebucht wird. Sonst müssen Sie bis zur nächsten Einkommensteuererklärung warten, bis Sie Ihr Geld vom Staat zurückbekommen. Wichtig: Sie können die Transaktionskosten als Werbungskosten geltend machen, einen Totalverlust bei Verfall einer Option hingegen nicht. Trotz eines Urteils des Bundesfinanzhofs ermöglicht der Gesetzgeber bisher keine solche Anerkennung.

Verkaufen Sie Ihre Optionsscheine, bevor sie auslaufen. Selbst wenn Sie nur einen symbolischen Erlös von 1 Cent erhalten, können Sie den Verlust in Ihrer Steuererklärung geltend machen.

Ihr Timing ist entscheidend
Ihr Erfolg beim Handeln von Optionsscheinen hängt von der Wahl des richtigen Zeitpunkts ab: Denn der Zeitwert ändert sich durch den Einfluss der impliziten Volatilität und der Restlaufzeit, wie folgendes Beispiel zeigt:

Beispiel: Eine Put-Option auf die Siemensaktie mit einem Strike von 80 Euro weist eine implizite Volatilität von 21 Prozent auf und kostet 2,50 Euro. Der Kurs der Aktie liegt bei 100 Euro. Die implizite Volatilität steigt um zwei Prozentpunkte auf 23 Prozent, ohne dass sich der Aktienkurs ändert. Dadurch steigt der Preis der Option um 0,5 Euro, was 20 Prozent entspricht.

Generell steigt die Volatilität, wenn die Kurse fallen. Zu beobachten war das ganz besonders in der letzten Finanzkrise. Indizes wie VDAX und VIXX spiegeln die implizite Volatilität wider.

Vergleichen Sie anhand der Volatilität
Um herauszufinden, ob eine Option einen fairen Preis hat, vergleichen Sie die implizite mit der historischen Volatilität des Basiswerts. Je höher die implizite Volatilität ist, umso höher ist der Preis eines Optionsscheins. Der Vergleich mit der historischen Volatilität zeigt, wie gerechtfertigt die angenommene implizite Volatilität ist. Je weniger die implizite von der historischen Volatilität abweicht, desto fairer ist der Preis der Option.

Die Vergleichsrechner von onvista.de und finanzen.net zeigen die historische Volatilität des Basiswerts nicht an. Sie können diese jedoch auf beiden Portalen direkt beim entsprechenden Basiswert einsehen: Die Volatilität der Siemensaktie finden Sie beispielsweise hier.

Dividenden beeinflussen den Kurs des Basiswerts
Ein Teil des Gewinns eines Unternehmens wird den Aktieninhabern als Dividende ausgeschüttet. Dadurch verringert sich der Preis der Aktie. Da erwartete Dividenden bereits in den Preis einer Option eingerechnet sind, verändert sich der Ausübungspreis hingegen nicht. Achten Sie deshalb auf den Zeitpunkt und die Höhe der Dividenden, weil ein Optionsschein im Geld nach der Ausschüttung plötzlich aus dem Geld liegen kann.

Unsere Empfehlung: Die Depots von Flatex und Onvista Bank

Um mit Optionsscheinen zu handeln, brauchen Sie ein Wertpapierdepot. Dort werden Ihre Wertpapiere gelagert und verwaltet. Die Anbieter unterscheiden sich bezüglich der Kosten, aber auch bezüglich des Leistungsumfangs. Wir empfehlen Ihnen das Wertpapierdepot von Flatex und Onvista Bank.

Flatex führt Ihre Transaktionen über die BIW Bank aus und verfügt über keine eigene Lizenz.

Flatex
Konto und Depotführung über die Fintech Group Bank AG

  • niedrige Gebühren: Festpreis von 5,90 Euro pro Order bei Auftragserteilung über außerbörslichen Direkthandel.
  • alle gängigen Wertpapiere handelbar: Aktien, ETFs, Anleihen, Zertifikate, Fonds und Optionsscheine
  • Empfehlung für alle Orderbeträge
  • Ab 1. November 2017 variable Fremdspesen im außerbörslichen Handel
  • Gebühr für ausländische Dividenden: 5 Euro pro Zahlung

Onvista Bank
Festpreis-Depot

  • niedrige Gebühren: Festpreis von 6,50 Euro pro Order bei Auftragserteilung über außerbörslichen Direkthandel oder Tradegate Exchange
  • alle gängigen Wertpapiere handelbar: Aktien, ETFs, Anleihen, Zertifikate, Fonds und Optionsscheine
  • Empfehlung für alle Orderbeträge

Günstig, aber nur für Profis: Captrader und Lynxbroker

Bei captrader.com und lynxbroker.de können Sie Optionen und Optionsscheine schon ab 2 Euro handeln. Beide Wertpapierdepots bieten Ihnen umfangreiche Tools, die für erfahrene Anleger ausgelegt sind. Diese Angebote lohnen sich jedoch nur, wenn Sie täglich handeln wollen. Für Privatanleger, die nicht so häufig handeln, sind sie zu kompliziert.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.