Zinsen von Konzernen

Unternehmensanleihen sind riskanter als Staatspapiere

Das Wichtigste in Kürze

  • Große Unternehmen finanzieren sich zum Teil über die Ausgabe von Anleihen.
  • Da kaum ein Konzern über dieselbe Kreditwürdigkeit verfügt wie solide Staaten, sind Unternehmensanleihen in der Regel riskanter als Staatsanleihen.
  • Wegen der sehr niedrigen Verzinsung raten wir derzeit von Unternehmensanleihen ab.
  • Stattdessen empfehlen wir Tages- und Festgeld.
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Unternehmensanleihen sind Schuldverschreibungen, die von mittleren und großen Konzernen herausgegeben werden. Mit solchen Papieren nehmen sie Geld am Kapitalmarkt auf – eine Ergänzung oder Alternative zu Bankkrediten, mit denen Unternehmen beispielsweise Investitionen finanzieren. Wer eine Unternehmensanleihe kauft, gibt der jeweiligen Firma einen Kredit für eine bestimmte Zeit. Dafür erhalten Investoren in der Regel festgelegte Zinszahlungen und am Ende der Laufzeit ihr Geld zurück. Wie Anleihen grundsätzlich funktionieren, lesen Sie in unserem Ratgeber.

Risiken von Unternehmensanleihen

Tendenziell sind Anleihen von Unternehmen riskanter als solche, die von Staaten herausgegeben werden. Unternehmen können pleitegehen und sang- und klanglos vom Markt verschwinden, wenn ihr Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert. Ausgegebene Anleihen werden dann wertlos.

Länder verfügen dagegen im Normalfall über stetige Steuereinnahmen, die eine weitgehend sichere Geldquelle sind. Natürlich gab es in der Geschichte auch reichlich Staatsbankrotte. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es so weit kommt, wird an den Kapitalmärkten grundsätzlich niedriger eingestuft als die von Unternehmenspleiten. Ratingagenturen, die die Kreditwürdigkeit von Staaten und Unternehmen beurteilen, bescheinigen Ländern in der Regel eine bessere Bonität als Unternehmen. Deutschland hat beispielsweise die beste Note: ein sogenanntes Triple A. Es gibt aber kaum Konzerne, die über ein gleich gutes Rating verfügen.

Deswegen müssen selbst sehr solide Unternehmen mehr Zinsen für ihre Anleihen bezahlen als Staaten mit der höchsten Bonität. Diese Differenz nennen Börsianer Risikoaufschlag oder Spread. Wenn eine Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit 0,5 Prozent Rendite pro Jahr bringt, wirft beispielsweise eine Unternehmensanleihe mit gleicher Laufzeit 1 Prozent Ertrag jährlich ab. Der Spread beträgt in diesem Beispiel 0,5 Prozentpunkte.

Grundsätzlich unterscheiden Investoren zwischen Anleihen mit guter und schlechter Bonität. Konzerne mit ausreichender bis ausgezeichneter Kreditwürdigkeit erhalten das Gütesiegel „Investment Grade“, das die führenden Ratingagenturen vergeben. Unternehmensanleihen mit höherer Ausfallwahrscheinlichkeit kennzeichnen sie mit dem Zusatz „Non-Investment Grade“.

Risikoaufschläge sind nicht konstant

Die Risikoaufschläge sind im Vergleich zu sicheren Staatsanleihen nicht konstant. Sie schwanken mit der Risikoneigung der Investoren und der Kreditwürdigkeit der Unternehmen, die sich jederzeit ändern kann. Läuft in der Wirtschaft und an den Finanzmärkten alles rund, sind Anleger meistens risikofreudiger. Die Nachfrage nach Unternehmensanleihen steigt. Dann sinken die Risikoaufschläge. Steigt dagegen die Unsicherheit auf den Märkten wie während der Finanzkrise 2008, weiten sich die Spreads aus – bei Unternehmensanleihen mit schlechter Bonität, sogenannten Hochzinsanleihen, besonders stark. Denn riskante Anleihen werden verkauft und sichere Staatsanleihen vermehrt nachgefragt.

Die Folge sind Verluste. Denn wenn die Renditen wegen höherer Risikoaufschläge steigen, sinken die Kurse von Unternehmensanleihen. Umgekehrt steigen die Kurse, wenn die Renditen sinken. Dieser Mechanismus ist in unseren Ratgebern zu Anleihen und Staatsanleihen ausführlich erklärt.

Spreads als Indikator für Ausfallwahrscheinlichkeit

Als guter Indikator für die Ausfallwahrscheinlichkeit von Unternehmensanleihen gelten deren Spreads. Sie sind umso größer, je schlechter die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens ist. In der Vergangenheit stiegen die Ausfallraten von Unternehmensanleihen, wenn sich zuvor die Risikoaufschläge erhöht hatten.

Anders als bei sicheren Staatsanleihen spielt die Bonität bei der Kursentwicklung von Unternehmensanleihen eine größere Rolle. Hinzu kommt das Risiko von Zinsänderungen, dem alle Anleihen ausgesetzt sind. Bei steigenden Zinsen sinken die Kurse, bei fallenden Zinsen steigen sie. Auch diesen Zusammenhang erläutern wir ausführlich in unserem Ratgeber Anleihen.

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Handel mit Unternehmensanleihen

Viele Unternehmensanleihen werden an Börsen gehandelt. Ein Großteil des Geschäfts läuft aber außerbörslich über Banken. Solche Transaktionen heißen OTC-Geschäfte. OTC steht für „over the counter“, was sich sinngemäß mit „über die Ladentheke“ übersetzen lässt. Weil der Handel nicht auf einige wenige Marktplätze konzentriert ist, kann es mitunter schwierig sein, einen Käufer für eine bestimmte Unternehmensanleihe zu finden. Fachleute sprechen auch von einem Liquiditätsrisiko.

Dieses Risiko ist umso größer, je geringer das Volumen einer Anleihe ist. Hat ein Unternehmen Anleihen eines bestimmten Typs für nur beispielsweise 50 Millionen Euro verkauft, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese Anleihe nicht besonders oft gehandelt wird. Ab einem Volumen von 1 bis 2 Milliarden Euro ist dieses Risiko deutlich geringer. Anleger, die ein höheres Liquiditätsrisiko eingehen, werden dafür in aller Regel mit einer etwas höheren Rendite belohnt.

Einzelanleihen eignen sich nur für Fortgeschrittene

Prinzipiell sind einzelne Unternehmensanleihen für Börsen-Einsteiger wenig geeignet. Das gilt besonders für Papiere von Unternehmen mit mäßiger oder gar schlechter Bonität. Anfänger sollten auf Fonds ausweichen, die eine Vielzahl von Unternehmensanleihen enthalten. Kann ein Unternehmen seine Schulden nicht mehr bedienen, fällt das nicht so stark ins Gewicht.

Die Renditen von Unternehmensanleihen sind in den vergangenen Jahren allerdings stark gesunken – eine Folge der extrem niedrigen Zinsen auf den Märkten für sichere Staatsanleihen. Immer mehr Investoren wichen auf höher verzinste Unternehmensanleihen aus, weswegen deren Risikoaufschläge stark zurückgingen. Die Renditen notieren nun auf bisher nicht gekannten Tiefständen.

Dadurch hat das Verlustrisiko deutlich zugenommen. Falls die Zinsen steigen oder die Risikobereitschaft der Anleger wieder zurückgeht, werden die Kurse von Unternehmensanleihen sinken. Unter dem Strich stelle sich das derzeitige Rendite-Risiko-Profil einer Investition in Unternehmensanleihen als unattraktiv dar, resümiert Eckhard Sauren, Chef des gleichnamigen Analysehauses Sauren Research, in seinem empfehlenswerten Buch „Die Zinsfalle“.

Wir von Finanztip sehen das genauso. Unsere Modellrechnungen zeigen, dass in den kommenden Jahren mit Anleihen kaum etwas zu verdienen ist. Stattdessen empfehlen wir Festgeld oder eine Mischung aus Tages- und Festgeld.

Mehr dazu im Ratgeber Tagesgeld

Dirk Eilinghoff
von Finanztip
Experte für Geldanlage

Achten Sie darauf beim Tagesgeld

  • Beim Tagesgeld ist Sicherheit wichtig.
  • Unsichere Banken zahlen mehr Zinsen.
  • Höhere Zinsen gelten für Neukunden.

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Unsere Anbieter-Empfehlung:

Mehr dazu im Ratgeber Festgeld

Manuel Kayl
von Finanztip
Experte für Geldanlage

Achten Sie darauf beim Festgeld

  • Festgeld bietet mehr Zinsen als Tagesgeld.
  • Zinsen sind höher bei unsicheren Banken.
  • Die Anlage ist nicht flexibel verfügbar.
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Zu Punkt 1) hast du meine volle Zustimmung. Bei Punkt zwei muss man differenzieren:
Es gibt Fonds wie den Flossbach Stiftung, der hat für mich eine ganz vernünftige Diversifikation:
a) 5% ...
30. Juni 2016 zum Beitrag
Hallo zusammen,
Mischfonds kommen für mich gar nicht in Frage.
1. Bei Entnahmen kann ich nicht steuern aus welchem Topf (in der Regel Anleihen oder Aktien) die Gelder fließen. Da schneide ...
30. Juni 2016 zum Beitrag
Für Fans von Mischfonds vielleicht eine ganz interessante Publikation:

wenn (natürlich?) auch ein bisschen werblich ausgefallen - die Anzeigenkunden möchten ja was kriegen für ihre Geld ...
25. Juni 2016 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.

Markus Neumann

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis Oktober 2015)

Markus Neumann schrieb für Finanztip über alle Aspekte der Geldanlage. Der erfahrene Finanzjournalist verfasste bereits zahlreiche Publikationen zum Thema Geldanlage, die im Berliner Fuchsbriefe-Verlag und bei der Stiftung Warentest erschienen sind. Neumann volontierte beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg. Im Anschluss arbeitete er viele Jahre als Redakteur und Reporter.