Zertifikate

Zertifikate eignen sich nur für erfahrene Anleger

Das Wichtigste in Kürze

  • Zertifikate sind komplizierte Finanzprodukte.
  • Es gibt viele Arten von Zertifikaten, mit denen Sie auf unterschiedliche Kursentwicklungen von Aktien, Indizes oder Rohstoffen setzen können.
  • Zertifikate sind meist mit hohen Kosten verbunden, die teils offen ausgewiesen werden, teils versteckt sind.
  • Sie sind nur für sehr erfahrene Anleger geeignet, die genau über die Konstruktion des jeweiligen Produkts Bescheid wissen.
  • Wenn Sie ein Zertifikat kaufen, sollten Sie eine klare Meinung über die zukünftige Kursentwicklung des zugrunde liegenden Werts haben. Zum Teil drohen hohe Verluste, falls sich die Märkte anders entwickeln als erwartet.

So gehen Sie vor

  • Wenn Sie sich für ein Zertifikat entscheiden möchten, empfehlen wir Ihnen die Suche von finanzen.net. Ausführlichere Produktbeschreibungen erhalten Sie auf onvista.de.
  • Wenn Sie ein Zertifikat ausgewählt haben, raten wir Ihnen, das Wertpapier bei einem Onlinebroker zu kaufen. Lesen Sie dazu unseren Wertpapierdepot-Ratgeber.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie rund um Zertifikate immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Bonus-, Garantie- oder Knock-out-Zertifikate: Weltweit befinden sich mittlerweile Hunderttausende solcher Anlageprodukte auf dem Markt. Kein Wunder, dass Anleger längst den Überblick verloren haben. In diesem Ratgeber stellen wir Ihnen daher die gängigsten Zertifikate vor und erklären ausführlich, wo jeweils die Vor- beziehungsweise Nachteile liegen.

Wenn Sie sich mit Finanzen ohnehin nicht gut auskennen, sollten Sie Zertifikate am besten ganz meiden. Denn sie sind kompliziert aufgebaut und eignen sich nur für erfahrene Anleger.

Was ist ein Zertifikat?

Zertifikate sind Wertpapiere, deren Preis von der Entwicklung ihrer Basis abhängt. Daher werden sie auch als Derivate bezeichnet. Es gibt eine Vielzahl von Basiswerten – zum Beispiel einzelne Aktien, Aktienkörbe, Rohstoffe, Währungen oder Indizes. Rechtlich handelt es sich bei Zertifikaten um Schuldverschreibungen der herausgebenden Bank. Das bedeutet, dass Sie im Falle der Insolvenz des Herausgebers ihr eingesetztes Kapital verlieren können. So haben die Besitzer von Zertifikaten, die von der US-Investmentbank Lehman Brothers herausgegeben wurden, durch die Pleite des Geldinstituts im Jahr 2008 viel Geld verloren.

Zertifikate werden an der Börse oder direkt über den Anbieter gehandelt, der sie herausgegeben hat. Die verschiedenen Produkte sind so konzipiert, dass sie von bestimmten Marktentwicklungen profitieren. Je nach Konstruktion kann der Kurs bei steigenden, fallenden oder stagnierenden Preisen des Basiswerts nach oben gehen. Damit erlauben Zertifikate dem Anleger, Wetten auf bestimmte Kursentwicklungen abzuschließen.

Was spricht für, was gegen Zertifikate?

Zertifikate bieten Ihnen als erfahrener Anleger gewisse Vorteile:

Investmentstrategien - Sie können eine Vielzahl von Anlagestrategien verfolgen. Beispielsweise können Sie mit Zertifikaten auf steigende, fallende oder auch sich seitwärts entwickelnde Kurse der unterschiedlichsten Basiswerte setzen. Sie können durch die Wahl des Wertpapiers entscheiden, ob Sie eher riskant oder defensiv investieren wollen.

Risikobegrenzung - Beim Kauf entsprechend konzipierter Zertifikate, zum Beispiel von Garantie- oder Airbag-Zertifikaten, erhalten Sie die Chance, von Kurssteigerungen zu profitieren und gleichzeitig die Verlustrisiken zu begrenzen, wenn die Kurse fallen. Diesen Vorteil bezahlen Sie damit, dass der Gewinn meist beschränkt ist.

Liquidität - Zertifikate werden an der Börse gehandelt, lassen sich also wieder verkaufen. Die Wertpapiere haben jedoch teilweise hohe Geld-Brief-Spannen. Das heißt, Sie kaufen solche Zertifikate zu einem relativ hohen Preis und können Sie verhaltnismäßig ungünstig verkaufen.

Zertifikate weisen allerdings auch erhebliche Nachteile und Risiken auf:

Kosten und Intransparenz - Der größte Nachteil vieler Zertifikate ist, dass sie mit hohen Kosten verbunden sind. Zum Teil werden diese nicht offen ausgewiesen, sondern innerhalb der Struktur des Wertpapiers versteckt. Diese Gebühren werden Ihnen als Anleger nicht in Rechnung gestellt, sondern schlagen sich in einer Kursminderung des Zertifikats nieder.

Emittentenrisiko - Zertifikate sind rechtlich gesehen Anleihen. Damit unterliegen sie dem Risiko, dass das herausgebende Institut zahlungsunfähig wird. Kann es seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, droht für Sie als Anleger im Extremfall der Totalverlust.

Begrenzte Gewinnchancen oder hohe Verlustrisiken - Je nach Typ ist Ihr möglicher Gewinn begrenzt oder Sie tragen ein höheres Risko als bei einer Anlage in den Basiswert selbst. Bei einem Knock-out-Zertifikat ist beispielsweise ein Totalverlust möglich.

Zertifikate haben hohe Kosten

Zertifikate sind mit relativ hohen Kosten verbunden. Wenn Sie eines kaufen, müssen Sie wissen, dass nicht alle Kosten offen ausgewiesen werden. Wir haben die wichtigsten Gebühren für Sie aufgelistet.

Ordergebühr - Wie beim Erwerb anderer Wertpapiere auch müssen Sie beim Kauf von Zertifikaten Gebühren zahlen, die von den Konditionen Ihrer Depotbank abhängen. Wir empfehlen Ihnen den Kauf über einen Direktbroker.

Ausgabeaufschlag - Ähnlich wie bei vielen Investmentfonds wird bei neu herausgegebenen Zertifikaten in der Regel ein Aufschlag erhoben. Er kann sich auf 1,0 bis 3,0 Prozent des Ausgabekurses belaufen. Die genaue Höhe wird im Verkaufsprospekt genannt.

Geld-Brief-Spanne - Wenn Sie Zertifikate an der Börse kaufen, werden üblicherweise zwei verschiedene Preise ausgewiesen. Der Briefkurs zeigt, zu welchem Preis Sie als Anleger das Zertifikat kaufen können. Der Geldkurs gibt an, zu welchem Preis die Bank das Zertifikat zurücknimmt. Der Briefkurs liegt immer höher als der Geldkurs. Das heißt, die Bank verlangt für das Zertifikat mehr, als sie dafür zahlen will. Die Geld-Brief-Spanne ist in der Regel umso größer, je seltener das Zertifikat gehandelt wird. Faustregel: Eine Spanne bis 0,5 Prozent ist eher günstig, zwischen 0,5 und 1,0 Prozent ist sie noch akzeptabel.

Managementgebühr - Diese Kosten werden quartalsweise oder jährlich erhoben und sind innerhalb des Zertifikats verrechnet. Insofern handelt es sich auch hier um versteckte Kosten, die den Wert des Wertpapiers mindern. Diese Gebühren liegen meist zwischen 0,5 und 1,5 Prozent pro Jahr. Sie werden jedoch oft nur bei Zertifikaten mit unbeschränkter Laufzeit erhoben, bei denen dem Herausgeber tatsächlich ein regelmäßiger Aufwand entsteht.

Fehlende Dividenden - Bei Zertifikaten gibt es grundsätzlich keine Dividendenzahlungen. Erfolgreiche Firmen schütten pro Jahr teilweise über fünf Prozent ihres Börsenwerts als Dividende aus, die Ihnen mit den meisten Zertifikaten entgehen. Es gibt jedoch auch Produkte, bei denen die Dividenden angerechnet werden. Das gilt beispielsweise für Index-Zertifikate, die sich auf sogenannte Performance-Indizes beziehen. Dabei werden die ausgeschütteten Gewinne rechnerisch wieder in neue Aktien investiert, sodass Sie letztlich nicht auf die Dividenden verzichten müssen.

Innenprovision - Bei einigen Zertifikaten erhalten die Vertriebspartner, die das jeweilige Zertifikat anbieten, ein Entgelt für die Vermittlung an ihre Kunden. Diese Innenprovision kann zwischen rund 1,0 und 3,0 Prozent des Ausgabepreises betragen und wird dem Inhaber des Zertifikats nicht in Rechnung gestellt, sondern mindert den Wert des Zertifikats. Ab 1. August 2014 müssen Banken von sich aus den Kunden über Innenprovisionen informieren.

Quanto-Kosten - Zertifikate, die ausländische Aktien oder Indizes als Basiswerte haben, enthalten ein Währungsrisiko. Dieses kann durch eine Währungssicherung ausgeschaltet werden, die als Quanto bezeichnet wird. Die Kosten liegen je nach Währung und deren Schwankungen bei etwa 1,5 bis 2,0 Prozent pro Jahr.

Rücknahmegebühr - Bei manchen Zertifikaten mit sehr komplizierten Strukturen erhebt die ausgebende Bank Gebühren von rund 1,0 bis 2,0 Prozent für die Rücknahme, wenn Sie das Zertifikat vor Ende der Laufzeit zurückgeben. Sie ist im jeweiligen Verkaufsprospekt ersichtlich.

Natürlich müssen nicht bei jedem Zertifikat alle Gebühren anfallen. Fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Depotbank oder dem Herausgeber nach. Grundsätzlich gilt: Je komplizierter ein Zertifikat, desto höher die Gebühren. Denn bei komplizierten Strukturen lassen sich Kosten leichter verstecken.

Für wen eignen sich Zertifikate?

Zertifikate lohnen sich für Sie als Anlageform nur dann, wenn folgende Punkte zutreffen:

  • Sie wollen eine bestimmte Anlagestrategie verfolgen, von der Sie überzeugt sind.
  • Sie verstehen die Funktionsweise des Zertifikats. Kaufen Sie auf keinen Fall Zertifikate, die Sie nicht oder nur teilweise verstehen.
  • Sie sind sich der Kosten dieser Finanzprodukte bewusst.
  • Sie können das angestrebte Anlageziel bei gleichem Kapitaleinsatz auf anderem Weg nicht erreichen.

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Diese Zertifikate gibt es

Das Angebot an Zertifikaten ist so reichhaltig, dass kaum noch jemand einen Überblick hat. Wir stellen Ihnen hier die wichtigsten Varianten vor. Bei folgenden Modellen gehen Sie ein Risiko ein, das mit einer Anlage in den Basiswert selbst vergleichbar ist:

Index-Zertifikate

Hier werden Indizes als Basiswerte verwendet. Index-Zertifikate vollziehen die Kursentwicklung des zugrunde liegenden Indexes nach. Bei einem Aktienindex müssen Sie zwischen Performance-Indizes (zum Beispiel Dax) und Kurs-Indizes (zum Beispiel Dow Jones) unterscheiden. Beim Performance-Index haben Sie den Vorteil, dass die ausgezahlten Dividenden mit einbezogen werden, beim Kurs-Index nicht. Index-Zertifikate besitzen keine Laufzeitbegrenzung und werden daher auch als Open-End-Zertifikate bezeichnet. Sie lohnen sich, wenn der zugrunde liegende Index steigt.

Wir empfehlen Anlegern, statt Index-Zertifikaten lieber ETFs auf Indizes zu kaufen. Denn diese Fonds sind Sondervermögen, gehören also im Falle einer Insolvenz der ausgebenden Bank nicht zur Konkursmasse, sondern bleiben Eigentum des Anlegers.

Beispiel für ein Index-Zertifikat auf den Dax

Ausgebende Bank Deutsche Bank
WKN 709335
Laufzeit unbegrenzt
Basiswert Dax
Ausgabepreis 65,68 Euro
Abbildungsverhältnis 1:100
Managementgebühr keine
Geld-Briefkurs 98,11 bis 98,12 Euro

Quelle: finanzen.net (Stand: 23. Juli 2014)

Steigt oder fällt der Dax um 100 Punkte, steigt oder fällt der Wert dieses Zertifikats um einen Euro, da der Index im Verhältnis 1: 100 abgebildet wird. Die Geld-Brief-Spanne ist mit 0,01 Euro sehr günstig.

Basket-Zertifikate

Diese Zertifikate sind eine Abwandlung des Index-Zertifikats. Bei ihnen richtet sich die Wertentwicklung nicht nach einem Index, sondern nach einem Korb (Basket) von Basiswerten, beispielsweise einer bestimmten Zahl ausgewählter Aktien. Je nachdem, ob nach der Ausgabe des Wertpapiers noch Änderungen an dieser Auswahl vorgenommen werden können oder nicht, handelt es sich um ein aktives oder passives Basket-Zertifikat. Sie sind meist ebenfalls ohne Laufzeitbegrenzung. Basket-Zertifikate lohnen sich für Sie als Anleger, wenn die Kurse der im Korb enthaltenen Aktien steigen.

Beispiel für ein Basket-Zertifikat

Ausgebende Bank Société Générale
WKN SG9F1Z
Laufzeit unbegrenzt
Basiswert 10 dividendenstarke europäische Aktien
Ausgabepreis 112,92 Euro
Managementgebühr 1,20 Prozent
Geld-Briefkurs 245,19 bis 248,90 Euro

Quelle: finanzen.net, Société Générale (Stand: 23. Juli 2014)

Bei diesem Basket-Zertifikat der französischen Société Générale auf zehn dividendenstarke europäische Aktien, die alle gleich gewichtet sind, wird der Korb alle sechs Monate angepasst .Die Dividenden werden voll reinvestiert. Je stärker die Aktien steigen, desto stärker steigt der Kurs des Zertifikats. Die Geld-Brief-Spanne beträgt 1,5 Prozent und ist damit für Sie als Anleger ziemlich unattraktiv.

Garantie-Zertifikate

Sie haben eine begrenzte Laufzeit und garantieren Ihnen, dass Sie am Ende der Laufzeit Ihr eingesetztes Kapital zurückbekommen. Für diese Garantie müssen Sie in Kauf nehmen, dass Ihre Gewinnchancen begrenzt sind. Die Gewinnbegrenzung wird meist dadurch bewerkstelligt, dass der Rückzahlungspreis des Zertifikats durch einen sogenannten Cap nach oben begrenzt ist. Außerdem kann es sein, dass Sie von Kurssteigerungen des Basiswerts nicht eins zu eins profitieren, sondern nur in einem geringeren Ausmaß. Dann ist die sogenannte Partizipationsrate kleiner als eins. Ein Garantie-Zertifikat ist für Sie geeignet, wenn Sie davon ausgehen, dass während der Laufzeit des Zertifikats der entsprechende Basiswert sich nur leicht aufwärts bewegt oder sinken könnte.

Beispiel für ein Garantie-Zertifikat

Ausgebende Bank HypoVereinsbank
WKN HV5CJF
Fälligkeit 5. Oktober 2016
Basiswert Euro Stoxx 50
Basiswert-Kurs bei Ausgabe 2.785,43 Punkte
Cap 148 Euro (bei Indexstand von 4.122,44 Punkten)
Partizipationsrate 0,0359
Garantierte Rückzahlung (Nennwert) 100 Euro
Managementgebühr keine
Geld-Briefkurs 111,67 bis 112,67 Euro

Quelle: finanzen.net, onvista.de (Stand: 24. Juli 2014)

Ein Anstieg des Euro Stoxx 50 um zehn Prozent führt zu einem Kursanstieg des Zertifikats um 3,59 Prozent. Folgende Szenarien sind möglich:

  • Liegt der Index bei Fälligkeit des Zertifikats bei oder über 4.122,44 Punkten, erhalten Sie als Anleger 148 Euro, Sie haben (vor Kosten) 48 Euro Gewinn gemacht.
  • Liegt der Euro Stoxx 50 bei Fälligkeit unter dem Indexstand bei Ausgabe des Zertifikats von 2.785,43 Punkten, erhalten Sie 100 Euro. Sie bekommen Ihr eingesetztes Kapital zurück.
  • Bei Indexständen zwischen 2.785,43 und 4.122,44 Punkten beträgt der Kursgewinn des Zertifikats: (Indexstand – 2.785,43) x 0,0359 Euro.

Die Geld-Brief-Spanne beträgt 0,9 Prozent und ist damit relativ teuer.

Airbag-Zertifikate

Im Unterschied zu Garantie-Zertifikaten haben Airbag-Zertifikate zusätzlich eine Untergrenze (Barriere), die in der Regel deutlich niedriger ist als der Preis des Basiswerts. Solange diese Barriere durch den Kurs des Basiswerts nicht berührt beziehungsweise unterschritten wird, erhalten Sie als Anleger den vollen Ausgabepreis zurück. Unterschreitet der Basiswert zum Ende der Laufzeit die Barriere, müssen Sie Abschläge in Kauf nehmen, die allerdings niedriger sind, als es bei einer Direktanlage in den Basiswert der Fall wäre. Auf der anderen Seite profitieren Sie von steigenden Kursen des Basiswerts, je nach Ausstattung des Zertifikats entweder unbegrenzt oder bis zu einem bestimmten Betrag (Cap). Auf Dividendenzahlungen müssen Sie allerdings verzichten. Ein Airbag-Zertifikat ist für Sie geeignet, wenn Sie eine gewisse Absicherung gegen Kursverluste wünschen.

Airbag-Zertifikat

Ausgebende Bank WGZ Bank
WKN WGZ7A5
Fälligkeit 28. Dezember 2016
Basiswert Daimler-Aktie
Basiswert-Kurs bei Ausgabe am 21. Januar 2013 43,345 Euro
Barriere 21,67 Euro
Garantierte Rückzahlung (Nennwert) 100 Euro
Cap 140 Euro
Partizipationsrate 1,0
Managementgebühr keine
Geld-Briefkurs 123,86 bis 124,86 Euro

Quelle: finanzen.net, onvista.de (Stand: 23. Juli 2014)

Beim Airbag-Zertifikat der WGZ Bank auf steigende Kurse der Daimler-Aktie sind folgende Szenarien möglich:

  • Der Kurs der Daimler-Aktie steigt vom Ausgabetag des Zertifikats am 21. Januar 2013 bis zum 28. Dezember 2016 um bis zu 40 Euro: Sie erhalten als Anleger den Nennwert von 100 Euro plus den vollen Kursgewinn ausgezahlt, also maximal 140 Euro.
  • Der Kurs der Daimler-Aktie steigt vom Ausgabetag des Zertifikats bis zum 28. Dezember 2016 um mehr als 40 Euro: Sie erhalten als Anleger 140 Euro ausgezahlt. Ihr Gewinn vor Kosten beträgt 40 Euro.
  • Der Kurs der Daimler-Aktie fällt bis zum 28. Dezember 2016, bleibt aber oberhalb der Barriere von 21,67 Euro: Sie erhalten den Nennwert von 100 Euro ausgezahlt, also Ihr eingesetztes Kapital.
  • Der Kurs der Daimler-Aktie fällt bis zum 28. Dezember 2016 unter die Barriere von 21,67 Euro, zum Beispiel auf 20 Euro: Sie erhalten den Nennwert minus den Betrag, um den der Daimler-Kurs die Barriere unterschreitet, also 100 Euro – 1,67 Euro = 98,33 Euro. Sie haben in diesem Fall 1,67 Euro Verlust gemacht.

Mit 0,8 Prozent ist die Geld-Brief-Spanne relativ teuer. Der genannte Preis des Zertifikats liegt deutlich über dem Ausgabepreis, da die Daimler-Aktie seit Auflage des Zertifikats entsprechend im Wert gestiegen ist.

Bonus-Zertifikate

Diese Wertpapiere haben eine feste Laufzeit und werden durch zwei Parameter gekennzeichnet: Das Sicherheitslevel – auch Barriere genannt – und das Bonuslevel. Den Bonus erhalten Sie bei Fälligkeit des Zertifikats immer dann, wenn der Basiswert während der Laufzeit nicht so stark fällt, dass er das Sicherheitslevel berührt oder unterschreitet. Sie profitieren in vollem Umfang von Kursanstiegen. Wenn der Kurs des Basiswerts so stark fällt, dass die Barriere berührt oder unterschritten wird, bewegt sich das Bonuszertifikat wie der Basiswert selbst. Die Höhe der Rückzahlung entspricht dann dem Schlusskurs des Basiswerts. Beachten Sie, dass Sie auch hier keine Dividendenzahlungen erhalten. Ein Bonus-Zertifikat ist für Sie geeignet, wenn zu erwarten ist, dass der Kurs des Basiswerts sich seitwärts, aufwärts oder nur leicht nach unten bewegt.

Beispiel für ein Bonus-Zertifikat

Ausgebende Bank UBS
WKN US49CE
Fälligkeit 16. Dezember 2016
Ausgabepreis 13,06 Euro
Basiswert Commerzbank-Aktie
Basiswert-Kurs bei Ausgabe 12,76 Euro
Barriere 10,00 Euro
Bonuslevel 17,50 Euro
Partizipationsrate 1,0
Managementgebühr keine
Geld-Briefkurs 11,62 bis 11,64 Euro

Quelle: finanzen.net, onvista.de (Stand: 24. Juli 2014)

Beim Bonus-Zertifikat von UBS auf steigende Kurse der Commerzbank-Aktie sind folgende Szenarien möglich:

  • Der Commerzbank-Aktienkurs berührt bis 16. Dezember 2016 die Barriere von 10 Euro oder rutscht darunter: Sie bekommen als Anleger den Kurs der Commerzbank-Aktie am Stichtag ausgezahlt.
  • Der Commerzbank-Aktienkurs bleibt bis 16. Dezember 2016 oberhalb der Barriere von 10 Euro und unterhalb des Bonuslevel von 17,50 Euro: Sie bekommen den Bonus von 17,50 Euro ausgezahlt.
  • Der Commerzbank-Aktienkurs steigt bis 16. Dezember 2014 über den Bonuslevel von 26 Euro: Sie erhalten den Kurs der Aktie am Stichtag ausgezahlt.

Mit 0,2 Prozent ist die Geld-Brief-Spanne des Zertifikats günstig.

Discount-Zertifikate

Diese Zertifikate haben eine feste Laufzeit und sind dadurch gekennzeichnet, dass der Kaufkurs unter dem Kurs des zugehörigen Basiswerts liegt. Die Differenz zwischen beiden wird als Discount bezeichnet. Für den Vorteil, das Zertifikat billiger zu erwerben als den Basiswert, müssen Sie als Anleger akzeptieren, dass Ihre möglichen Kursgewinne begrenzt sind. Die Zertifikate haben also ebenfalls einen Cap. Außerdem müssen Sie auf Dividendenzahlungen verzichten. Für Sie kommen Discount-Zertifikate in Frage, wenn Sie von einem moderaten Anstieg des Basiswert-Kurses ausgehen.

Beispiel für ein Discount-Zertifikat

Ausgebende Bank Commerzbank
WKN CR0D50
Fälligkeit 15. September 2016
Ausgabepreis 16,94 Euro
Basiswert Lufthansa-Aktie
Basiswert-Kurs bei Ausgabe 19,485 Euro
Discount 2,545 Euro
Partizipationsrate 1,0
Managementgebühr keine
Cap 23 Euro
Geld-Briefkurs 13,92 bis 13,95 Euro

Quelle: finanzen.net, onvista.de (Stand: 24. Juli 2014)

Beim Discount-Zertifikat der Commerzbank auf steigende Kurse der Lufthansa-Aktie sind folgende Szenarien möglich:

  • Der Lufthansa-Aktienkurs liegt am Ende der Laufzeit unterhalb des Caps von 23 Euro: Sie bekommen als Inhaber des Zertifikats den Kurs per 15.September 2016 ausgezahlt.
  • Der Lufthansa-Aktienkurs liegt Ende der Laufzeit oberhalb von 23 Euro: Sie bekommen 23 Euro ausgezahlt, haben also vor Kosten 6,06 Euro Gewinn gemacht, wenn das Zertifikat bei Ausgabe gekauft haben.

Mit 0,2 Prozent ist die Geld-Brief-Spanne günstig.

Aktienanleihe

Auch wenn die Bezeichnung „Anleihe“ dem Anleger Sicherheit vorspielen soll, handelt es sich bei Aktienanleihen um Zertifikate, deren Risiken mit denen von Aktien vergleichbar sind. Aktienanleihen haben eine begrenzte Laufzeit und schütten regelmäßige, feste Zahlungen aus, die auch als Kupon bezeichnet werden. Der entscheidende Unterschied zu normalen Anleihen liegt in der Art der Rückzahlung. Denn bei Aktienanleihen erhalten Sie als Anleger bei Fälligkeit entweder den Nennwert der Anleihe als Geldbetrag zurück oder eine bestimmte, vorab festgelegte Anzahl von Aktien.

Das Wahlrecht, ob Sie den Nennwert oder Aktien zurückbekommen, liegt nicht bei Ihnen, sondern bei der Bank, die die Aktienanleihe ausgegeben hat. Das bedeutet, dass Sie am Ende der Laufzeit lediglich den Nennwert zurück erhalten, auch wenn der Kurs in der Zwischenzeit gestiegen ist. Bei fallenden Kursen erhalten Sie hingegen am Stichtag den Wert des entsprechenden Basiswerts ausgezahlt und können so hohe Verluste erleiden. Eine Aktienanleihe ist nur dann für Sie geeignet, wenn Sie eine Seitwärtsentwicklung des Basiswerts erwarten.

Beispiel für eine Aktienanleihe

Ausgebende Bank UBS
WKN US3KSK
Fälligkeit 16. Dezember 2016
Basiswert BMW-Aktie
Nennwert 90 Euro (entspricht 100 Prozent)
Kupon 8,25 Prozent pro Jahr
Managementgebühr keine
Geld-Briefkurs 107,38 bis 107,48 Euro

Quelle: finanzen.net, onvista.de (Stand: 24. Juli 2014)

Bei dieser Aktien-Anleihe sind folgende Szenarien möglich, wenn Sie das Instrument seit Beginn der Laufzeit gehalten haben:

  • Der Kurs der BMW-Aktie liegt am 16. Dezember 2016 bei 90 Euro oder darüber. Dann erhalten Sie 100 Prozent des Nennwerts plus 8,25 Prozent pro Jahr gezahlt.
  • Der Kurs der BMW-Aktie liegt am 16. Dezember 2016 unter 90 Euro. Dann erhalten Sie den Wert der Aktie plus 8,25 Prozent Zinsen pro Jahr auf den Nennwert von 90 Euro.

Die Geld-Brief-Spanne ist mit 0,1 Prozent günstig.

Es gibt auch hochspekulative Zertifikate, bei denen Sie hohe Gewinne machen, aber auch große Verluste erleiden können:

Faktor-Zertifikate

Es handelt sich um Zertifikate mit unbegrenzter Laufzeit, bei denen die Tagesveränderung des Basiswerts mit einem konstanten Hebel, dem Faktor, multipliziert wird. Das bedeutet, dass das Zertifikat im Vergleich zum Basiswert einen überproportionalen Gewinn oder Verlust erzielt. Banken, die diese Zertifikate ausgeben, bieten meist Papiere auf Aktien oder Aktienindizes mit einem Faktor zwischen 2 und 8 an. Entscheiden Sie sich für ein Zertifikat mit dem Faktor 4, steigt oder fällt der Kurs des Zertifikats um den 4-fachen prozentualen Wert der Veränderung des Basiswerts. Es sind also große Gewinne, aber auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals möglich. Faktor-Zertifikate sind nur für sehr risikofreudige Anleger geeignet, die erwarten, dass der Basiswert steigen wird.

Beispiel für ein Faktor-Zertifikat

Ausgebende Bank UBS
WKN CZ24MU
Laufzeit unbegrenzt
Ausgabepreis 100 Euro
Basiswert BASF-Aktie
Faktor 2
Managementgebühr 0,7 Prozent pro Jahr
Geld-Briefkurs 394,18 – 394,65 Euro

Quelle: finanzen.net, onvista.de (Stand: 23. Juli 2014)

Der Kurs des Faktor-Zertifikats der UBS-Bank auf steigende Kurse der BASF-Aktie steigt um zwei Prozent, wenn der Kurs der BASF-Aktie um ein Prozent steigt und fällt um zwei Prozent, wenn der Kurs der Aktie um ein Prozent fällt.

Knock-out-Zertifikate

Vorsicht, diese Zertifikate sind besonders spekulativ! Die meisten haben eine feste Laufzeit, es gibt sie aber auch ohne Begrenzung. Das Grundprinzip lässt sich am besten am Beispiel eines Knock-out-Zertifikats auf eine Aktie erklären. Angenommen, der Kurs des Basiswerts beträgt 100 Euro. Der Herausgeber des Zertifikats bietet dem Käufer nun die Möglichkeit, für einen Kaufpreis von beispielsweise 5 Euro voll von Kursgewinnen der Aktie zu profitieren. Steigt die Aktie bis zu einem festgelegten Stichtag zum Beispiel auf 110 Euro, erhält der Käufer des Zertifikats den Kaufpreis plus Kursgewinn ausgezahlt, also hier 15 Euro. Er erzielt eine sehr hohe Rendite von 200 Prozent, während er beim Kauf der Aktie selbst lediglich eine Rendite von zehn Prozent erreicht hätte. Die Relation „Rendite des Zertifikats“ zu „Rendite des Basiswerts“, hier also 200:10, wird als Hebel bezeichnet.

Die Chance auf die hohe Rendite erhalten Sie als Anleger aber nicht umsonst. Der Haken dieser Zertifikate ist die sogenannte Knock-out-Schwelle. Die könnte zum Beispiel bei 95 Prozent des Kurses des Basiswerts liegen. Wird diese Schwelle berührt oder unterschritten, wird das Zertifikat sofort wertlos, der gesamte Kapitaleinsatz ist verloren. Diese Bedingung gilt nicht nur für den Stichtag, an dem das Zertifikat fällig wird, sondern für die gesamte Laufzeit. Knock-outs sind nur für extrem risikofreudige Anleger geeignet, die sich bewusst sind, dass auch ein Totalverlust möglich ist. Auf keinen Fall sollte dafür Geld eingesetzt werden, auf das Sie nicht verzichten können.

Beispiel für ein Knock-out-Zertifikat

Ausgebende Bank Hypo-Vereinsbank
WKN HY3JTU
Laufzeit unbegrenzt
Basiswert BMW-Aktie
Knock-out-Schwelle 76 Euro
Skalierungsfaktor 0,10
Managementgebühr keine
Geld-Briefkurs 1,92 bis 1,93 Euro

Quelle: finanzen.net, onvista.de (Stand: 23. Juli 2014)

Der Kurs des Knock-out-Zertifikat der Hypo-Vereinsbank auf steigende Kurse der BMW-Stammaktie errechnet sich so: (Kurs der BMW-Stammaktie – 76 Euro) x 0,10. Dabei ist 0,10 ein Skalierungsfaktor, der benutzt wird, um den Preis des Zertifikats zu errechnen. Folgende Szenarien sind möglich:

  • Der Kurs der BMW-Stammaktie steigt und bleibt über 76 Euro, dann steigt der Kurs entsprechend der obigen Formel.
  • Der Kurs fällt auf oder unter 76 Euro, dann wird das Zertifikat wertlos und das eingesetzte Kapital ist verloren.

So kaufen Sie Zertifikate

Es gibt zwei Möglichkeiten, an Zertifikate zu kommen: Sie können sie entweder direkt beim herausgebenden Institut kaufen, wenn die Wertpapiere neu auf dem Markt kommen. Oder Sie erwerben sie über die Börse zum jeweils aktuellen Kurs. Auf jeden Fall sollten Sie sich vorher immer genau über das jeweilige Zertifikat informieren. Am besten machen Sie das auf Finanzportalen wie onvista.de oder finanzen.net.

Für die Suche nach Zertifikaten halten wir finanzen.net für nutzerfreundlicher, mehr Informationen zu den einzelnen Zertifikaten bietet Ihnen aber onvista.de. Wählen Sie in der Zertifikate-Suche von finanzen.net die Hauptart, für die Sie sich interessieren, zum Beispiel „Garantie“, und klicken auf „Go“. Anschließend können Sie einen Basiswert auswählen aus oder Sie belassen es bei der Option „Alle Basiswerte“ und starten die Suche. Es erscheint eine Liste mit Zertifikaten, aus der Sie dann geeignete Alternativen aussuchen können. Durch Klicken auf einzelne Produkte öffnet sich eine Seite, auf der Sie weitere Informationen erhalten.

Wenn Sie auf finanzen.net nicht alle gewünschten Details erhalten, empfehlen wir Ihnen zusätzlich, sich das Zertifikat auch auf onvista.de anzusehen. Suchen Sie einfach auf der Startseite mit der Wertpapierkennnummer (WKN) nach dem gewünschten Produkt. Beide Webseiten bieten Ihnen auch Beispielrechnungen für die Renditen bei verschiedenen Marktentwicklungen.

Merken Sie sich die WKN oder die ISIN-Nummer des Zertifikats, für das Sie sich entschieden haben. Wir empfehlen Ihnen, den Kauf über einen Onlineanbieter abzuwickeln, da diese günstige Konditionen anbieten.

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Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.

Ludwig Heinz

ehemaliger freier Finanztip-Mitarbeiter

Ludwig Heinz hat als freier Finanztip-Redakteur zu Themen rund um Verbraucherfinanzen geschrieben. Zuletzt arbeitete er als Teamleiter Anlagestrategie für Gruner + Jahr Wirtschaftsmedien in Frankfurt, davor als Ressortleiter Wirtschaft und Politik bei der Anlegerzeitschrift Börse Online in München. Zudem war er in unterschiedlichen Positionen für mehrere Banken tätig, überwiegend im Research. Ludwig Heinz studierte nach einer Bankausbildung Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in München.