Anwaltssuche und Kosten

So viel kostet Sie der richtige Jurist

Teilen auf:
Versenden Drucken

Das sollten Sie wissen

  • Finden Sie den für Sie richtigen Anwalt, indem Sie nach Empfehlungen bei Freunden und Bekannten fragen.
  • Suchen Sie über die Webseite der Rechtsanwaltskammer einen Experten für Ihr rechtliches Anliegen.
  • Achten Sie auf die Qualifikation Ihres Anwalts. Ein Fachanwalt ist höher qualifiziert als ein Anwalt, der auf der Webseite Rechtsgebiete als Schwerpunkt angibt.
  • Sie können mit Ihrem Anwalt nicht über die Gebühren verhandeln. Sie sind gesetzlich festgelegt.
  • Zur Einschätzung der Kosten nutzen Sie einen im Internet angebotenen Kostenrechner.
  • Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, klärt Ihr Anwalt mit der Versicherung, ob sie Ihre Anwaltskosten übernimmt.

Egal ob Sie in einen Autounfall verwickelt sind, Ärger mit Ihrem Vermieter oder Arbeitgeber haben oder ob eine Scheidung ins Haus steht: Immer wieder kann es in Ihrem Leben Situationen geben, in dem Sie sich von einem Experten beraten lassen sollten, um Ihre Rechte durchzusetzen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie den richtigen Anwalt finden und wie Sie die Kosten schätzen, die auf Sie zukommen können.

Anwaltssuche

Laut Bundesrechtsanwaltskammer gab es im gesamten Bundesgebiet zum 1. Januar 2013 insgesamt 160.880 zugelassene Rechtsanwälte. Sie müssen aus dieser großen Anzahl den für Sie richtigen Anwalt finden. Das entscheidende Kriterium für Ihre Wahl ist nicht der Preis, sondern allein die Qualität. Die meisten Rechtsanwälte haben sich auf ein oder zwei Rechtsgebiete spezialisiert. Das ist angesichts der Fülle von Rechtsfragen und Rechtsprechung auch sinnvoll.

Eine Spezialisierung geht häufig mit einer speziellen theoretischen und praktischen Fachanwaltsausbildung und abschließender Prüfung einher. Jeder Fachanwalt ist verpflichtet, jährlich Fortbildungsveranstaltungen in seinem Spezialgebiet zu besuchen. Damit soll sichergestellt werden, dass der Rechtsanwalt in seinem Spezialgebiet immer auf dem aktuellen Stand von Gesetzgebung und Rechtsprechung ist: eine Grundvoraussetzung für eine gute anwaltliche Beratung.

Tipp

Den richtigen Anwalt finden

Hören Sie sich im Freundes- und Bekanntenkreis um und erkundigen Sie sich, wer mit welchem Anwalt gute Erfahrungen gemacht hat. Fragen Sie aber immer, in welchem Rechtsgebiet der empfohlene Anwalt tätig war. Ein guter Familienrechtsanwalt ist in der Regel kein Experte für Arbeitsrecht.

Fachanwälte: Suchen Sie einen Anwalt, der für Ihre Rechtsfrage Experte ist. Ein Anwalt, der zusätzlich die Bezeichnung Fachanwalt führen darf, hat eine nachgewiesene, besondere Qualifikation. Die wichtigsten Fachanwaltschaften haben folgende Ausrichtung: Arbeitsrecht, Bank- und Kapitalmarktrecht, Erbrecht, Familienrecht, Medizinrecht, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Sozialrecht, Steuerrecht, Verkehrsrecht, Versicherungsrecht.

Haben Sie eine rechtliche Frage zu Ihrem Arbeitsverhältnis, suchen Sie sich einen Fachanwalt für Arbeitsrecht. Dabei gibt es Kanzleien, die ausschließlich Arbeitnehmerinteressen vertreten und solche, die allein auf Arbeitgeberseite stehen. Das vermeidet Interessenkonflikte und lässt sich auf der Homepage des Anwalts oder durch einen Anruf schnell herausfinden. Gleiches gilt im Medizinrecht: Es gibt Patientenrechtsanwälte und solche, die ausschließlich Krankenhäuser und Ärzte vertreten.

Suchen Sie sich einen Fachanwalt, der in Ihrer Nähe seine Kanzlei hat. So können Sie ein persönliches Gespräch führen, ohne allein auf das Telefon angewiesen zu sein.

Achtung

Vorsicht bei kostenlosen Erstberatungen

Sollten Sie von einem Anwalt angeschrieben werden, der Ihnen zum Beispiel als geschädigter Kapitalanleger eine kostenlose Erstberatung anbietet und auf seine bisherigen Erfolge vor Gericht hinweist, sollten Sie eher vorsichtig sein. Im Zweifel werden hier Mandate gesammelt und mit ähnlichen Schriftsätzen bearbeitet. Ein guter Jurist prüft immer den Einzelfall und benötigt sehr genaue Angaben von Ihnen dazu, was wirklich bei der Beratung passiert ist.

Anwaltssuchdienste: Jede Rechtsanwaltskammer bietet einen Suchdienst an, in dem alle Mitglieder aufgeführt sind. Die Bundesrechtsanwaltskammer hat auf ihrer Webseite alle Adressen der 28 Rechtsanwaltskammern aufgeführt. Auf deren Seiten können Sie in Ihrer Region einen Anwalt für Ihre Frage finden.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Anwaltssuchdienste wie zum Beispiel http://www.anwalt-suchservice.de/. Der Suchdienst wird vom juristischen Fachverlag Dr. Otto Schmidt GmbH betrieben. In diese Suche werden allerdings nur 15.500 Anwälte einbezogen.

Das sollten Sie über Anwaltskosten wissen

Bei Anwaltskosten lohnt sich kein Preisvergleich: Die Gebühren, die ein Anwalt mindestens verlangen muss, sind gesetzlich festgelegt. Erst oberhalb der Mindestgebühren wird vom Gesetzgeber akzeptiert, dass Mandant und Rechtsanwalt eine höhere Bezahlung vereinbaren, zum Beispiel nach Zeitaufwand.

Sie können keinen günstigeren Anwalt finden, wohl aber einen besseren.

Anwaltsgebühren sind im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) geregelt. Das wurde zum August 2013 durch das Kostenmodernisierungsgesetz geändert und die Gebühren erhöht. Sie müssen zwischen dem Honorar für die außergerichtliche Beratung, dem Honorar für die außergerichtliche Vertretung sowie für die gerichtliche Vertretung unterscheiden.

Außergerichtliche Beratung: Benötigen Sie einen anwaltlichen Rat oder eine Auskunft, darf die Gebühr für ein erstes Beratungsgespräch für einen Verbraucher nicht höher als 190 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer sein (§ 34 RVG). Benötigen Sie ein Gutachten zur Einschätzung der Rechtslage, müssen Sie maximal 250 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer zahlen. Der Anwalt kann aber eine höhere Beratungspauschale mit Ihnen durch eine Gebührenvereinbarung ausmachen. Ohne sie bleibt es bei den gesetzlich festgelegten Mindestgebühren.

Außergerichtliche Vertretung: Soll Ihr Anwalt Sie nicht nur beraten, sondern Sie außergerichtlich vertreten und zum Beispiel an Ihren Vermieter oder Arbeitgeber schreiben, richtet sich die Gebühr nach den Nummern 2300 ff. des Vergütungsverzeichnisses (VV) RVG. Je nach Arbeitsaufwand entsteht eine halbe bis eine zweieinhalbfache Gebühr. Die Mittelgebühr beträgt 1,3 und wird in den meisten Fällen von den Anwälten in Rechnung gestellt. Eine höhere Gebühr als das 1,3-fache kann Ihr Anwalt nur dann berechnen, wenn die Tätigkeit umfangreich oder schwierig war. Das muss der Anwalt Ihnen gegenüber aber besonders begründen. Soll Ihr Anwalt nur ein einfaches Schreiben ohne schwierige rechtliche Ausführungen oder größere sachliche Auseinandersetzungen verfassen, darf er Ihnen sogar nur eine Gebühr von 0,3 verlangen.

Die Gebühren werden nach dem Wert berechnet, um den es in der rechtlichen Auseinandersetzung geht – dem sogenannten Gegenstandswert. Die Gebührenstaffelung nach Gegenstandswert können Sie der Anlage 2 zum RVG entnehmen. Konnte Ihr Anwalt eine außergerichtliche Einigung herbeiführen, fällt außerdem eine Einigungsgebühr von 1,5 an (Nr. 1000 VV).

Beispiel außergerichtliche Vertretung bei Eigenbedarfskündigung

Ihnen wurde wegen Eigenbedarf gekündigt und Sie wollen sich dagegen wehren. Ihre monatliche Nettokaltmiete liegt bei 800 Euro. Der Gegenstandswert beläuft sich auf eine Jahresmiete, also 9.600 Euro (§ 23 Abs. 1 RVG, § 41 GKG). Eine Geschäftsgebühr nach RVG beträgt bei diesem Streitwert 558 Euro (§ 13 RVG, Anlage 2 bis 10.000 Euro).

Gesamt:   884,23 Euro
Streitwert 9.600 Euro  
Angefallene Geschäftsgebühr 1,3 725,40 Euro
Mehrwertsteuer von 19 % Nr. 7008 VV RVG 138,83 Euro
Postpauschale Nr. 7002 VV RVG 20,00 Euro

Gerichtliche Vertretung: Für Ihre gerichtliche Vertretung fällt grundsätzlich eine 1,3-fache Verfahrensgebühr an, auf die die außergerichtlich bereits angefallene Geschäftsgebühr zur Hälfte angerechnet wird, maximal jedoch mit einer 0,7-fachen Gebühr. Für die Vertretung im Gerichtstermin fällt eine weitere 1,2-fache Termingebühr an. Wird im gerichtlichen Verfahren ein Vergleich geschlossen, kann Ihr Anwalt eine weitere 1,0-fache Vergleichsgebühr verlangen.

Beispiel gerichtliche Vertretung bei Eigenbedarfskündigung

Die außergerichtlichen Bemühungen Ihres Anwalts haben nicht zu einer zufriedenstellenden Lösung geführt. Sie lassen sich deshalb von Ihrem Anwalt gerichtlich vertreten. Der Gegenstandswert beläuft sich auf eine Jahresmiete, also 9.600 Euro (§ 23 Abs. 1 RVG, § 41 GKG). Eine Geschäftsgebühr nach RVG beträgt bei dem Streitwert 558 Euro (§ 13 RVG, Anlage 2, bis 10.000 Euro).

Gesamt:   1.248,44 Euro
Streitwert 9.600 Euro  
Verfahrensgebühr (§§ 2, 13 RVG, Nr. 3100 VV RVG) 1,3 725,40 Euro
Anzurechnen hierauf laut Vorbemerkung 3 Abs. 4 Anlage 1 VV RVG 0,65 - 362,70 Euro
Es verbleiben:   362,70 Euro
Termingebühr (Nr. 3104 VV RVG) 1,2 669,60 Euro
Mehrwertsteuer von 19 % Nr. 7008 VV RVG 196,14 Euro
Postpauschale Nr. 7002 VV RVG 20,00 Euro

So berechnen Sie Ihre Anwaltskosten

Um eine ungefähre Vorstellung zu bekommen, wie hoch Ihre Anwaltskosten sein werden, können Sie im Internet den vom Anwaltssuchservice bereit gestellten Rechner nutzen. Sie werden aufgefordert, ein Formular auszufüllen. Erläuternde Hinweise erhalten Sie, wenn Sie auf das jeweilige Fragezeichen klicken. Bei der Eingabe des Streitwerts werden Sie durch die Beantwortung von einigen zusätzlichen Fragen zum richtigen Wert geführt. Der Rechner bezieht sich aber nur auf zivilrechtliche Streitigkeiten. Anwaltskosten im Strafrecht oder im öffentlichen Recht wird anders bestimmt. Erkundigen Sie sich dazu bei Ihrem Anwalt.

Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben

Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, klärt Ihr Anwalt für Sie direkt mit der Versicherung, ob sie die Kosten übernimmt.

Teilen auf:
Versenden Drucken

Finanztip E-Mail

  • Alle 14 Tage die besten Tipps
  • Absolut kostenlos
  • 100% werbefrei

Finanztip bei Twitter