Arbeitszeitgesetz

So bekommen Sie Ihre Überstunden bezahlt

Das Wichtigste in Kürze

  • Niemand ist zu Überstunden verpflichtet. Etwas anderes kann sich jedoch aus Ihrem Tarif- oder Arbeitsvertrag ergeben, aus einer Betriebsvereinbarung oder in besonderen Situationen, wie zum Beispiel bei personellen Engpässen durch eine Krankheitswelle.
  • Sie können Überstunden ablehnen, wenn Sie insgesamt mehr als zehn Stunden am Tag arbeiten sollen und innerhalb der nächsten sechs Monate nach Rücksprache mit dem Arbeitgeber keinen Freizeitausgleich erhalten können.
  • Steht in Ihrem Vertrag, dass Überstunden pauschal mit dem Festgehalt abgegolten sind, ist das unwirksam. Sie können Bezahlung verlangen.
  • Enthält Ihr Vertrag keine Informationen zur Bezahlung von Mehrarbeit, muss Ihr Arbeitgeber die Überstunden entlohnen, sofern das betriebs- oder branchenüblich ist.
  • Verdienen Sie mehr als die Beitragsbemessungsgrenze (West: 71.400 Euro, Ost: 60.000 Euro), ist eine Bezahlung von Überstunden meist ausgeschlossen.
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Wer kennt das nicht: Sie kommen ein bisschen später von der Arbeit nach Hause oder verzichten auf Ihre Mittagspause, weil Sie schnell noch etwas für den Kollegen oder Chef erledigen mussten. Im Vergleich zu anderen Europäern leisten die Deutschen die meisten Überstunden. Laut einer europäischen Vergleichsstudie (Abbildung 1 und Abbildung 7) hat 2013 jeder Arbeitnehmer hierzulande im Schnitt fast drei Stunden pro Woche mehr gearbeitet, als er laut Arbeitsvertrag eigentlich müsste. Da kommt im Lauf eines Jahres einiges zusammen. Und im Durchschnitt wird nicht mal jede zweite Überstunde vergütet, wie das Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung herausfand. Ist das überhaupt zulässig und welche Rechte stehen Arbeitnehmern zu?

Überstunden dürfen nicht einfach angeordnet werden

Auch wenn Ihr Chef das vielleicht gerne so hätte: Er darf Sie nicht einfach zu Überstunden verdonnern. Nicht umsonst haben Sie mit ihm vertraglich vereinbart, wie viele Stunden Sie arbeiten müssen. In besonderen nicht vom Arbeitgeber vorhersehbaren Situationen kann das allerdings anders aussehen, wie zum Beispiel bei einem Serverausfall oder einer Krankheitswelle in der Belegschaft. Der neue Großauftrag oder ein durch Kündigungen entstandener Personalengpass stellt aber keine derartige Situation dar, denn beides war für den Arbeitgeber vorhersehbar!

Es kann aber sein, dass in Ihrem Tarif- oder Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung die Möglichkeit für Ihren Arbeitgeber vorgesehen ist, Überstunden anzuordnen.

Tarifvertrag - Tarifverträge enthalten oft Regelungen darüber, wann und wie viele Überstunden der Arbeitgeber von Ihnen verlangen darf (zum Beispiel in Paragraf 7 Absatz 7 und 8 Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD)). Danach liegen Überstunden dann vor, wenn die Mehrarbeit nicht bis zum Ende der folgenden Woche durch Freizeit ausgeglichen wird. Die Bezahlung richtet sich nach der persönlichen Besoldung, ist allerdings in der Höhe begrenzt. Selbst wenn Sie in der Besoldungsgruppe 5 sind, erhalten Sie Ihre Überstunden so bezahlt als ob Sie in Stufe 4 wären. Zusätzlich gibt es einen Überstundenzuschlag.

Betriebsvereinbarung - Gibt es in Ihrer Firma einen Betriebsrat, kann dieser mit dem Arbeitgeber eine Vereinbarung zum Thema Überstunden schließen (§ 87 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG). Darin kann geregelt sein, unter welchen Bedingungen Ihr Chef Mehrarbeit anordnen darf. Ohne die Zustimmung des Betriebsrates sind Ihrem Vorgesetzten die Hände gebunden.

Arbeitsvertrag - Auch Ihr Arbeitsvertrag kann eine Überstundenklausel enthalten. Sie ist aber nur dann wirksam, wenn Sie als Arbeitnehmer wissen, was auf Sie zukommen kann. Dazu muss festgelegt sein, wie viele Extra-Stunden Ihr Arbeitgeber im Höchstfall anordnen darf.

Angestellte können sich gegen Überstunden wehren

Wenn Sie freiwillig abends zwei Stunden länger machen, können Sie dafür nicht Ihren Chef zur Rechenschaft ziehen. Etwas anderes ist es, wenn der Boss anordnet, dass Sie mehr arbeiten müssen und Sie dadurch die Grenzen des Arbeitszeitgesetzes überschreiten.

Gesetzlich zulässige Anzahl - Die tägliche Arbeitszeit darf acht Stunden nicht überschreiten (§ 3 ArbZG). Ihr Arbeitgeber darf sie allerdings auf bis zu zehn Stunden verlängern, wenn er innerhalb der nächsten sechs Monate einen Freizeitausgleich schafft und Sie auch mal früher gehen können. Das bedeutet: Im Durchschnitt dürfen die acht Stunden nicht überschritten werden. Die Ruhepausen sind dabei nicht mitzurechnen. Machen Sie also zum Beispiel jeden Mittag eine Stunde Pause, müssen Sie von 9 Uhr morgens bis 18 Uhr abends im Betrieb bleiben. Hat Ihr Arbeitgeber ein Zeiterfassungssystem, werden die Ruhezeiten meist automatisch abgezogen – egal, ob Sie in der Kantine waren oder das Pausenbrot vor dem Computer gegessen haben. In einem Tarifvertrag kann die Arbeitszeit auch über zehn Stunden hinaus verlängert werden, wenn entweder ein Teil Ihrer Arbeitszeit nicht wirklich Arbeit, sondern Arbeitsbereitschaft ist oder die Regelung auf höchstens 60 Tage im Jahr beschränkt ist. Das betrifft vor allem Arbeitnehmer, die eine Rufbereitschaft anbieten müssen, wie zum Beispiel angestellte Ärzte oder Feuerwehrleute.

Samstagsarbeit - Samstag ist auch ein Werktag. Ihr Arbeitgeber kann grundsätzlich verlangen, dass Sie auch am Samstag arbeiten, es sei denn, das ist in Ihrem Arbeitsvertrag ausgeschlossen. Müssen Sie am Samstag arbeiten, bedeutet das nicht notwendig, dass Sie Überstunden leisten. Gewährt Ihnen Ihr Arbeitgeber einen Zeitausgleich an anderen Wochentagen, liegen Ihre Arbeitsstunden nur an einem anderen Tag. Findet kein Zeitausgleich statt, entstehen Überstunden.

Sonntagsarbeit - An Sonn- und Feiertagen dürfen Arbeitnehmer grundsätzlich nicht beschäftigt werden. Im Arbeitszeitgesetz sind allerdings verschiedene Ausnahmen vorgesehen, zum Beispiel bei Not- und Rettungsdiensten, der Feuerwehr oder in Krankenhäusern (§ 10 ArbZG).

Achtung

Für leitende Angestellte gilt das Arbeitszeitgesetz nicht

Sind Sie leitender Angestellter, kann Ihr Arbeitgeber von Ihnen Überstunden erwarten. Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) gilt nämlich dann nicht für Sie (§ 18 Abs. 1 Nr. 1 ArbZG). Wer Mitarbeiter einstellt und entlassen kann, Handlungsvollmacht oder Prokura hat oder sonstige Aufgaben in unternehmerischer Funktion ausführt, ist leitend tätig. Es reicht, wenn eine der drei genannten Funktionen dauerhaft auf den Angestellten übertragen wurde.

Sind die Überstunden noch im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes, können Sie nur aus persönlichen Gründen ablehnen. Beispiel: Einer allein erziehenden Mutter mit zwei Kindern können Überstunden nicht in dem Maße aufgebürdet werden wie ihrer ledigen Kollegin, die in ihrer Zeiteinteilung frei ist. Auch gesundheitliche Gründe können das Maß der Überstunden einschränken. Das müssen Sie aber im Zweifel auch durch ein ärztliches Attest belegen können.

Bei Teilzeitarbeit sind Überstunden eigentlich unzulässig

Sind Sie teilzeitbeschäftigt, darf Sie Ihr Arbeitgeber grundsätzlich nicht zu Überstunden verpflichten. Das würde dem Wesen der Teilzeit widersprechen. In Tarifverträgen sind allerdings besondere Regelungen möglich. Und in besonderen Situationen ist es auch einem Teilzeit-Mitarbeiter zumutbar, ausnahmsweise Überstunden zu leisten. Das kann dann der Fall sein, wenn der Arbeitgeber das nicht vorhersehen konnte.

Bei Jugendlichen und Müttern sind Überstunden verboten

Jugendliche dürfen nicht zu Überstunden herangezogen werden (§ 8 JarbSchG). Werden sie ausnahmsweise zur Mehrarbeit herangezogen, so ist die geleistete Mehrarbeit durch entsprechende Verkürzungen der Arbeitszeit innerhalb von drei Wochen wieder auszugleichen.

Auch werdende oder stillende Mütter dürfen nicht mit Mehrarbeit beschäftigt werden (§ 8 MuSchG). Die sind durch das Mutterschutzgesetz geschützt.

Schwerbehinderte können Freistellung von Überstunden verlangen

Schwerbehinderte Menschen können die Freistellung von jeglicher Mehrarbeit verlangen (§ 124 SGB IX). Es genügt dazu, dass Sie die Freistellung gegenüber Ihrem Arbeitgeber möglichst schriftlich geltend machen. Tun Sie das nicht, können Sie zu Überstunden verpflichtet werden.

Überstunden müssen grundsätzlich bezahlt werden

Es gibt keinen allgemeinen Rechtsgrundsatz, dass Mehrarbeit entlohnt wird. Entscheidend für die Vergütung ist deshalb, was dazu in Ihrem Arbeits- oder Tarifvertrag steht. Ihr Arbeitgeber muss Überstunden dann bezahlen, wenn es in den vertraglichen Regelungen nicht wirksam ausgeschlossen ist.

Regelung zur Vergütung von Überstunden vorhanden - Gilt für Sie ein Tarifvertrag, ergibt sich die Vergütung meist aus detaillierten Bestimmungen. Neben der Grundvergütung wird dabei oft ein besonderer Zuschlag gezahlt, der nach der Zahl der geleisteten Überstunden gestaffelt wird. Sie können die Vergütung dann in Höhe der vertraglichen Vereinbarung verlangen.

Keine besondere Regelung vorhanden - Enthält Ihr Vertrag nichts zur Vergütung von Überstunden, muss Ihr Arbeitgeber grundsätzlich auch dafür zahlen – wenn das betriebs- oder branchenüblich ist (§ 612 BGB). Das ist zum Beispiel der Fall, wenn es Tarifverträge in Ihrer Branche gibt, die die Bezahlung von Überstunden vorsehen, Ihr Arbeitgeber aber den Tarifvertrag nicht unterzeichnet hat.

Ist ein fester Monatslohn für eine feste Arbeitszeit geregelt, können Sie verlangen, dass die Überstunden vergütet werden mit dem auf eine Stunde entfallenden Anteil eines Monatsgehaltes.

Beispiel: Herr Albert arbeitet als Buchhalter mit einer Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche. Er verdient 2.800 Euro brutto. Im Oktober leistete er 20 Überstunden. Ausgehend von 4,33 Wochen pro Monat wird der Lohn für eine Überstunde so berechnet: 2.800 € : 4,33 € : 40 (Stunden) = 16,17 €. Er kann also 323,40 Euro brutto als Bezahlung der Überstunden für Oktober zusätzlich verlangen.

Leitende Angestellte bilden eine Ausnahme - Wenn Sie mehr als die Beitragsbemessungsgrenze von jährlich 71.400 Euro in Westdeutschland (2014) beziehungsweise 60.000 Euro in Ostdeutschland verdienen, haben Sie keinen grundsätzlichen Anspruch auf Vergütung (BAG, Urteil vom 22. Februar 2012, Az. 5 AZR 765/10). Der Grund: Als leitender oder höherer Angestellter werden Sie meist nach der Erfüllung Ihrer Aufgaben bezahlt – und nicht allein nach den abzuleistenden Stunden.

Arbeitgeber dürfen Überstunden pauschal abgelten

In vielen Arbeitsverträgen finden sich Klauseln, die besagen, dass Überstunden „pauschal abgegolten“ sind. Jedoch sind nicht alle wirksam. Hier finden Sie einige Beispiele und die Meinungen von Gerichten dazu:

- „Erforderliche Überstunden werden nicht gesondert vergütet, sondern sind mit dem Gehalt abgegolten.“

Eine solche Klausel ist unwirksam, da der Arbeitnehmer nicht erkennen kann, wann Überstunden erforderlich sein sollen (BAG, Urteil vom 1. September 2010, Az. 5 AZR 517/09). Folge: Haben Sie Überstunden gemacht, können Sie von Ihrem Arbeitgeber verlangen, dass er sie auch bezahlt.

- „Überstunden werden nicht gesondert vergütet, sondern sind mit dem Gehalt abgegolten, soweit sie einen Umfang von drei Stunden pro Woche / zehn Stunden pro Kalendermonat nicht überschreiten. Darüber hinausgehende Überstunden werden auf der Grundlage des monatlichen Grundgehaltes gesondert bezahlt.“

Diese Klausel ist wirksam (BAG, Urteil vom 16. Mai 2012, Az. 5 AZR 331/11). Denn die Anzahl der Überstunden muss zeitlich genau eingegrenzt sein und darf das übliche Maß nicht überschreiten. Also müssen die Überstunden nicht gesondert gezahlt werden. Alles darüber hinaus muss der Arbeitgeber vergüten. Schreibt Ihr Arbeitgeber aber zum Beispiel in den Vertrag, dass 40 Überstunden oder mehr im Monat mit dem Gehalt abgegolten sind, ist das übliche Maß überschritten. Dann können Sie eine Bezahlung aller geleisteten Überstunden verlangen.

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Überstunden können mit Freizeit ausgeglichen werden

Ein Puffer von Überstunden kann für Sie durchaus sinnvoll sein, wenn Sie als Gegenleistung dafür mehr Urlaub haben. Gerade bei Familien mit schulpflichtigen Kindern ist das eine Möglichkeit, die Betreuung in den Ferien sicherzustellen: Sie gleichen ihre Überstunden mit Freizeit aus. Das geht allerdings nur, wenn es so vereinbart ist. In vielen Tarifverträgen und Arbeitsverträgen ist das der Fall. Bei Unternehmen, die mit einer elektronischen Zeiterfassung arbeiten, ist Freizeitausgleich für Überstunden üblich. Es ist meist sogar so, dass Sie dann nur eine bestimmte Anzahl von Überstunden aufbauen dürfen und diese deshalb laufend auch wieder abfeiern müssen. Ihr Arbeitgeber kann aber den Zeitpunkt für den Freizeitausgleichs bestimmen (BAG, Urteil vom 19. Mai 2009, Az. 9 AZR 433/08). Dabei muss er auch Ihre Belange ausreichend berücksichtigen.

Fehlt es an einer Vereinbarung in Ihrem Tarif- oder Arbeitsvertrag, dass Sie bei Überstunden Anspruch auf Freizeitausgleich haben, fragen Sie Ihren Chef. Da er nur die Alternative hat, Ihnen die Überstunden ansonsten bezahlen zu müssen, sind die Chancen für eine Einigung ganz gut.

Angestellte müssen Überstunden beweisen

Wenn Sie sich mit Ihrem Chef gut verstehen, wird auch das Thema Überstunden kein Problem sein. Schwierig wird es dann, wenn Sie dauerhaft länger arbeiten müssen, weil entweder zu wenig Personal vorhanden oder die Arbeit nicht richtig verteilt ist. Unzufriedenheit kann sich breitmachen. Spätestens dann sollten Sie Ihre Überstunden dokumentieren, damit Sie für ein Gespräch mit Ihrem Chef gewappnet sind. Wenn der auf stur stellt, ist die Dokumentation noch wichtiger, damit Sie notfalls Ihre Überstunden auch gerichtlich geltend machen können.

Sie haben nämlich nur Aussicht auf Bezahlung von Überstunden, sofern Sie die geleisteten Stunden auch nachweisen können und Ihr Arbeitgeber davon weiß oder es duldet (BAG, Urteil vom 17. April 2002, Az. 5 AZR 644/00). Einfach ist es dann, wenn Ihr Arbeitgeber eine Zeiterfassung zum Beispiel per Stechuhr installiert hat. Schwieriger wird es,  falls Sie nach Vertrauensarbeitszeit arbeiten. Was ist dann mit Überstunden, die Sie ohne direkte Anweisung leisten, weil Sie einfach mit der anfallenden Arbeit nicht fertig werden? In solchen Fällen bleibt nur die Möglichkeit, Überstunden zu dokumentieren und sich einmal in der Woche vom Arbeitgeber abzeichnen zu lassen. So lässt sich ein Streit über den Umfang der geleisteten Mehrarbeit vermeiden. Allein die Aufzeichnungen des Arbeitnehmers reichen nämlich nicht aus (BAG, Urteil vom 23. September 2015, Az. 5 AZR 767/13).

Tipp

Arbeitsgericht kann Zahl der Überstunden auch schätzen

Wem kein genauer Nachweis über die geleisteten Überstunden gelingt, kann unter Umständen vom Gericht verlangen, die Stunden zu schätzen (§ 287 Abs. 2 ZPO). Das geht, wenn der Arbeitgeber zwar zugibt, dass der Arbeitnehmer mehr gearbeitet hat, aber mit der Höhe der geforderten Überstunden nicht einverstanden ist. Das Gericht darf dann den Mindestumfang geleisteter Überstunden schätzen (BAG, Urteil vom 25. März 2015, Az. 5 AZR 602/13).

Ansprüche auf Bezahlung von Überstunden verjähren meist in drei Jahren

Ihr Anspruch auf Bezahlung der Überstunden verjährt nach drei Jahren, solange im Arbeitsvertrag oder Tarifvertrag nichts anderes geregelt wurde. Arbeitgeber verkürzen die Anspruchszeiträume durch sogenannte Ausschlussklauseln gerne auf drei Monate. Das ist rechtens. Lediglich eine Verkürzung auf zwei Monate ist laut Bundesarbeitsgericht unzulässig (BAG, Urteil vom 28. September 2005, Az. 5 AZR 52/05).

Checkliste zur Bezahlung von Überstunden

Anhand der folgenden Checkliste können Sie überprüfen, ob Sie Anspruch auf Vergütung Ihrer Überstunden haben.

1. Beweis der Überstunden - Können Sie die Überstunden beweisen? Wurden Sie angeordnet oder vom Chef hingenommen? Haben Sie die Stunden genau dokumentiert?

2. Regelung im Tarifvertrag - Gilt für Sie eine Regelung zur Bezahlung von Überstunden in einem Tarifvertrag? Erkundigen Sie sich dazu bei Ihrem Betriebsrat oder bei der zuständigen Gewerkschaft! Fordern Sie die Vergütung, die der für Sie einschlägige Tarifvertrag vorsieht.

3. Regelung im Arbeitsvertrag - Steht in Ihrem Arbeitsvertrag etwas zur Vergütung von Überstunden? Falls eine Vergütung vorgesehen ist, fordern Sie diese ein.

4. Pauschale Abgeltungsklausel im Vertrag - Gibt es eine Klausel in Ihrem Vertrag, wonach Überstunden pauschal mit dem Festgehalt abgegolten sind? Dann ist die Regelung wahrscheinlich unwirksam. Folge: Sie können eine branchen- und betriebsübliche Vergütung verlangen.

5. Keine Regelung im Arbeitsvertrag - Enthält Ihr Vertrag keine Regelung, können Sie ebenfalls das verlangen, was branchen- und betriebsüblich ist. Gibt es einen Tarifvertrag für Ihre Branche, der aber in Ihrem Arbeitsverhältnis nicht gilt, weil Ihr Arbeitgeber sich nicht daran gebunden hat, können Sie trotzdem die dort festgelegte Bezahlung verlangen.

6. Höhe Ihres Gehalts - Verdienen Sie mehr als die Beitragsbemessungsgrenze (71.400 Euro im Westen, 60.000 Euro im Osten im Jahr 2014), haben Sie nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts keinen Anspruch auf Bezahlung von Überstunden. Verdienen Sie weniger, können Sie Geld für die Überstunden verlangen.

7. Verjährung – Sämtliche Überstunden verfallen nach spätestens drei Jahren. Enthält Ihr Arbeitsvertrag eine Klausel, wonach die gegenseitigen Ansprüche nach einer kürzeren Frist nicht mehr verlangt werden können?

Empfehlungen für Ihr Gespräch mit dem Arbeitgeber

Hat Ihre Prüfung anhand der Checkliste ergeben, dass Sie berechtigte Ansprüche gegen Ihren Arbeitgeber haben, sollten Sie mit Ihrem Chef zunächst das Gespräch suchen. Ungeregelte Überstunden sollten die Ausnahme sein.

Wenn Sie ständig mehr arbeiten als vertraglich vereinbart, muss Ihr Arbeitgeber eine langfristige Lösung finden – das kann zusätzliches Personal sein oder eine andere Organisation der Arbeit. Bis dahin sollten Sie einen Teil der Überstunden bezahlt bekommen und einen Teil mit Freizeit ausgleichen können.

Auch wenn dadurch das Problem der vielen Überstunden nicht gelöst wird, können Sie mit Ihrem Chef aus diesem Anlass auch über eine Lohnerhöhung oder über einen Bonus sprechen. Der Bonus hat den Vorzug, dass er die Mehrarbeit nicht zementiert. Eine Lohnerhöhung könnte Ihr Chef als Freibrief betrachten, dass es immer so weitergeht.

Stoßen Sie auf taube Ohren, brauchen Sie Unterstützung. Das können die Kollegen sein, mit denen Sie gemeinsam das Thema noch mal bei Ihrem Chef ansprechen oder aber der Betriebsrat. Gibt es einen solchen nicht, sollten Sie sich an einen Experten im Arbeitsrecht wenden. Rechnen Sie allerdings damit, dass Ihr Arbeitgeber auf ein Anwaltsschreiben verstimmt reagieren kann.

Haben Sie bereits gekündigt oder wurde Ihnen gekündigt, sollten Sie auf Bezahlung der Überstunden bestehen. Wenn Sie ordentlich dokumentiert haben, stehen Ihre Chancen in der Regel gut. Sie brauchen zur Durchsetzung aber vielleicht einen Rechtsanwalt. Wer eine Arbeitsrechtsschutzversicherung hat, muss sich von den Anwalts- oder Gerichtskosten nicht abschrecken lassen.

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Britta Schön
von Finanztip,
Expertin für Recht

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Das Gewerbeamt kümmert sich nicht um Ihren Arbeitsvertrag.
Und vom Arbeitszeitgesetz her wäre eine 48-Stunden-Woche ja abgedeckt.
Ihr Arbeitgeber verhält sich also nicht ...
12. Juni 2016 zum Beitrag
Hallo muc,
vielen Dank für die Antwort, auch wenn die mir nicht so viel weiter geholfen hat, aber ein wenig. Der zweite Absatz wiederspricht sich meines Erachtens....
In meinem Fall ging es ...
12. Juni 2016 zum Beitrag
Ihr Frage ist auch schwierig zu beantworten!
Mit dem Arbeitszeitgesetz kommen Sie hier nicht weiter.
Es ist auch nicht grundsätzlich so, dass alle Überstunden ausgeglichen werden müssen. ...
11. Juni 2016 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.