Fahrgastrechte im Bahnverkehr

Zugverspätung: So erhalten Sie eine Entschädigung von der Bahn

Das Wichtigste in Kürze

  • Sind 20 Minuten Verspätung angekündigt, können Sie einen anderen Zug nutzen. Die Zugbindung ist dann aufgehoben.
  • Ist eine Verspätung von über 60 Minuten absehbar, können Sie sich den vollen Fahrpreis erstatten lassen und ein anderes Verkehrsmittel wählen.
  • Wenn Sie 60 Minuten oder mehr zu spät ankommen, können Sie meist 25 Prozent des Fahrpreises zurückverlangen.
  • Ab zwei Stunden Verspätung erhalten Sie in der Regel die Hälfte des Fahrpreises zurück.
  • Ihre Ansprüche gelten bei Fehlern der Bahn sowie bei Streik, schlechtem Wetter oder anderen außergewöhnlichen Umständen.

So gehen Sie vor

  • Falls es zu Verspätungen kommt, nutzen Sie Ihre gesetzlichen Ansprüche. Lassen Sie sich am besten im Zug oder am Bahnhof die Verspätung schriftlich bestätigen.
  • Für die Reklamation müssen Sie für jede Verspätung ein Fahrgastrechte-Formular ausfüllen.
  • Schicken Sie das Formular unterschrieben mit einer Kopie der Fahrkarte an: Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main.
  • Wenn Sie eine Bestätigung Ihrer Verspätung haben, können Sie das Fahrgastrechte-Formular auch direkt zu einem DB-Reisezentrum bringen. Dort erhalten Sie die Entschädigung sofort als Gutschein oder in bar.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie über Ihre Rechte als Reisender immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Wenn Ihr Zug zu spät ankommt oder ganz ausfällt, können Sie sich bei der Deutschen Bahn einen Teil oder den vollen Ticketpreis zurückholen. So regelt es die EU-Verordnung EG 1371/2007. Sie gilt grundsätzlich für alle Eisenbahnunternehmen in EU-Ländern und bei grenzüberschreitenden Fahrten in der Europäischen Union. In manchen Ländern gibt es leicht abweichende Regeln. Die Entschädigung muss auch dann gezahlt werden, wenn außergewöhnliche Umstände für die Verspätung verantwortlich sind, wie bei schlechtem Wetter, Streik oder einem Unfall.

Diese Zahlungen stehen Ihnen bei Zugverspätungen zu

Wie viel Geld Sie bekommen, hängt davon ab, wie viel Sie für die Fahrkarte bezahlt haben – bezogen auf die einfache Strecke. Wenn Sie Hin- und Rückweg zusammen gekauft haben, wird der Preis halbiert und davon die Höhe der Entschädigung berechnet.

Tipp

Nachweis vom Schaffner

Lassen Sie sich am besten gleich im Zug ein Fahrgastrechte-Formular aushändigen, auf dem der Schaffner die Verspätung eingetragen hat. Alternativ gehen Sie nach der Fahrt zur Information. Aber auch ohne Bestätigung können Sie Ihr Geld einfordern.

  • ab 60 Minuten: 25 Prozent des bezahlten Fahrpreises
  • ab 120 Minuten: 50 Prozent des bezahlten Fahrpreises
  • ICE-Sprinter-Aufpreis: Erstattung ab 30 Minuten

Es gilt immer die verspätete Ankunftszeit am Zielort. Es zählt also nicht, wann Sie starten, sondern wie viel später als geplant Sie ankommen.

Für Verspätungen mit Zeitkarten oder der Bahncard 100 zahlt die Bahn hingegen eine pauschale Entschädigung, wie die folgende Tabelle zeigt. Erst ab einer Verspätung von 60 Minuten kommen Inhaber dieser Fahrkarten Geld zurück.

Die Bahn zahlt allerdings erst Beträge ab 4 Euro aus. Wenn Sie also eine Entschädigung für Länder- oder Wochenendtickets wollen, müssen Sie die Tickets mit den verspäteten Zugnummern und Zeiten sammeln und dann mehrere Fahrkarten zusammen einreichen.

Pauschale bei Sondertickets ab 60 Minuten Verspätung

Zeitkarten 2. Klasse 1. Klasse  
Zeitkarten im Nahverkehr wie Länder-Tickets oder Schönes-Wochenende-Ticket 1,50 Euro 2,25 Euro  
Wochen-, Monats- oder Jahreskarten im Fernverkehr 5 Euro 7,50 Euro  
Bahncard 100 10 Euro 15 Euro  

Quelle: Bahn, Finanztip-Recherche (Stand: 6. April 2016)

Zeitkarten im Nahverkehr

Wenn Sie eine Wochen- oder Monatskarte der Deutschen Bahn besitzen, sollten Sie jede Verspätung notieren, sammeln und nach Ende des Gültigkeitszeitraums der Zeitkarte einreichen. Bei einer Jahreskarte können Sie Ihre Ansprüche auch schon während des Jahres geltend machen – sobald Sie mindestens drei Verspätungen gesammelt haben. Für Zeitkarten werden insgesamt maximal 25 Prozent des Fahrkartenwerts erstattet.

Achtung

Bahn haftet nicht für Folgeschäden

Wenn Sie wegen der Zugverspätung einen Flug oder ein wichtiges Geschäftsessen verpasst haben, kommt die Bahn dafür nicht gesondert auf.

Das können Sie tun, wenn eine Verspätung angekündigt wird

Zusätzlich zu den genannten Ausgleichszahlungen haben Fahrgäste bei angekündigten Verspätungen von mindestens 20 Minuten die Möglichkeit, einen anderen Zug zu nutzen. Die Zugbindung ist dann aufgehoben. Wenn Sie zum Beispiel ein Ticket für den IC haben, können Sie für Ihre Strecke dann auch einen ICE nutzen. Ausgenommen sind Züge mit Reservierungspflicht wie der ICE Sprinter.

Wer nur ein Ticket für den Nahverkehr hat, muss zunächst eine Fahrkarte für den Fernverkehr kaufen. Später kann er von der Bahn das Geld zurückfordern.

Diese Regelung gilt nicht bei stark ermäßigten Fahrkarten wie einem Schönes-Wochenende- oder Länderticket.

Wenn zur Nachtzeit zwischen 0 und 5 Uhr eine Verspätung von über einer Stunde droht oder wenn der fahrplanmäßig letzte Zug ausfällt, können Sie ein Taxi oder ein anderes Verkehrsmittel nutzen. Die Kosten werden bis zu einer Höhe von 80 Euro erstattet.

Tipp

Belege sammeln

Um Kosten zurückzubekommen, müssen Sie die Fahrkarte und mögliche Hotelrechnungen oder Taxiquittungen einreichen. Wenn ein Original gefordert wird, sollten Sie eine Kopie behalten.

Möglichkeiten bei großer Verspätung

Wenn bereits vor Beginn der Reise absehbar ist, dass Ihr Zug mit einer Verspätung von über einer Stunde am Zielort ankommt, haben Sie die Wahl:

  • Sie können auf die Fahrt verzichten und sich den gesamten Fahrpreis erstatten lassen oder
  • Sie können zu einem späteren Zeitpunkt fahren und/oder eine andere Streckenführung zum Ziel wählen.

Wenn der Zug über eine Stunde zu spät ist und eine Übernachtung notwendig ist, muss die Bahn eine Unterkunft zahlen. Allerdings kann das Unternehmen entscheiden, für welches Hotel es die Kosten übernimmt. Zu den von der Bahn zu zahlenden Kosten gehört auch die Hin- und Rückfahrt zum Hotel mit einem Taxi.

Mehr dazu im Ratgeber Bahntickets

Daniel Pöhler
Finanztip-Experte für Mobilität & Digitales

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Ihr Recht auf Verpflegung

Wenn Ihr Zug über eine Stunde zu spät abfährt oder ankommt, haben Sie Anspruch auf Erfrischungsgetränke und Mahlzeiten. Diese Regel gilt allerdings nicht im Nahverkehr. Der Umfang der Verpflegung richtet sich danach, wie lange Sie warten müssen. Warme oder kalte Getränke sollten ab 60 Minuten grundsätzlich bereit stehen. Wenn Ihnen nichts angeboten wird, fragen Sie gezielt nach.

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Das Wetter ist keine Ausrede mehr

Schnee, Hitze, Flut oder Streik – die Bahn muss auch bei sogenannten außergewöhnlichen Umständen zahlen. Das hat im September 2013 der Europäische Gerichtshof entschieden. Schon zuvor hatte die Deutsche Bahn aus Kulanz ihre Kunden entschädigt. Das EuGH-Urteil verpflichtet nun alle europäischen Bahnunternehmen zu Ausgleichszahlungen auch bei höherer Gewalt.

Anders ist es übrigens im Fluggastrecht. Passagiere erhalten ab drei Stunden Verspätung eine Entschädigung – davon ausgenommen sind jedoch außergewöhnliche Umstände wie ein Streik oder Unwetter. Eine Fluggesellschaft muss im Gegensatz zur Bahn nur dann Schadenersatz zahlen, wenn sie für die Verspätung selbst verantwortlich ist.

So kommen Sie an Ihr Geld

Um Ihre Rechte bei der Bahn geltend zu machen, müssen Sie das Fahrgastrechte-Formular nutzen. Für jede Verspätungung müssen Sie ein eigenes ausfüllen und mit den Fahrkarten in Kopie einreichen. Schicken Sie die Unterlagen an das Servicecenter Fahrgastrechte, 60647 Frankfurt am Main.

Tipp

Ihre Rechte als App

Weitere Informationen über EU-Fahrgastrechte finden Sie auf der Webseite des Europäischen Verbraucherzentrums Deutschland und in der Smartphone-App „Ihre Passagierrechte“ der Europäischen Kommission.

Sie können sich den Betrag überweisen lassen oder einen Gutschein wählen. Wenn Sie eine schriftliche Bestätigung der Verspätung haben, können Sie auch persönlich in ein DB-Reisezentrum gehen. Nehmen Sie das ausgefüllte Formular mit den Originalfahrkarten mit. Dort bekommen Sie dann normalerweise das Geld, das Ihnen zusteht, direkt bar ausbezahlt.

Die Erstattung geht einfacher und schneller, wenn Sie sich vor Ort die Verspätung haben schriftlich bestätigen lassen. Aber auch ohne einen Nachweis können Sie sich mit Ihrer Fahrkarte das Geld zurückholen.

Wenn Sie mit Handyticket gefahren sind

Wenn Sie sich beim Kauf im Internet für ein Handyticket entschieden haben, haben Sie den gleichen Anspruch auf Entschädigung. Reichen Sie dann mit dem Fahrgastrechte-Formular die Buchungsbestätigung ein, die per E-Mail kam. Oder Sie fügen das Onlineticket bei, das auch per E-Mail kam, und notieren, dass es sich um ein Handyticket handelt. Das Onlineticket kann noch bis zu sechs Monate nach der Buchung beim Onlineservice der Bahn angefordert werden.

Verspätung bei Thalys-Zügen

Für internationale Reisen in Thalys-Zügen gelten besondere Regeln. Dort können Sie ab einer Verspätung von einer Stunde wählen, ob Sie eine Entschädigung in Form eines Gutscheins wünschen oder als Überweisung. Wenn Sie sich für den Gutschein entscheiden, erhalten Sie einen doppelt so hohen Betrag wie bei der Auszahlung. Er ist ein Jahr gültig. Wenn Sie also häufiger den Thalys nutzen, lohnt sich eher der Gutschein. Entschädigungen gibt es übrigens wie bei der Deutschen Bahn erst ab 4 Euro. Im Fall höherer Gewalt lehnt Thalys eine Entschädigung komplett ab.

Entschädigung bei Thalys-Fahrten

Verspätung Gutschein Auszahlung  
mindestens 30 Minuten 20 % nicht möglich  
ab 60 Minuten 50 % 25 %  
ab 120 Minuten 100 % 50 %  

Quelle: Thalys, Finanztip-Recherche (Stand: 6. April 2016)

Nutzen Sie dieses Entschädigungsformular um Ihre Ansprüche bei Thalys anzumelden.

Schlichtungsstelle

Wenn es bei der Erstattung Probleme gibt, können Sie sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr wenden.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Daniel Pöhler

Finanztip-Experte für Mobilität & Digitales

Daniel Pöhler ist bei Finanztip für Mobilität und digitale Themen verantwortlich. Wie die Telekommunikations-Branche tickt, hat er durch seine Arbeit bei der Fachzeitung Telecom Handel gelernt. Davor sammelte er Erfahrungen bei der Software-Schmiede SAP und beim TV-Hersteller Loewe. Daniel Pöhler hat ein Diplom in Betriebswirtschaft von der Universität Bayreuth.

Frederike Roser

ehemalige Finanztip-Mitarbeiterin (bis 2015)

Frederike Roser war bis Dezember 2015 als Leiterin Kommunikation für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Finanztip verantwortlich. Bevor sie diese Aufgabe übernahm, arbeitete sie im Team als Redakteurin für die Themen Auto und Reise. Die ausgebildete Verbraucherjournalistin brachte Erfahrungen mit aus zahlreichen Redaktionen, dem Verbraucherschutz und der Stiftung Warentest.