Bereitstellungszinsen

Bereitstellungszinsen vermeiden

Das Wichtigste in Kürze

  • Baufinanzierer verlangen für nicht genutzte, aber bereitgehaltene Darlehen sogenannte Bereitstellungszinsen.
  • Sie können diese Zinsbelastung vermeiden, indem Sie eine Frist vereinbaren, in der die Bereitstellung zinsfrei ist.
  • Typische Verträge sehen eine bereitstellungszinsfreie Zeit zwischen sechs und zwölf Monaten vor.
  • Sie können diese Frist bei der Planung Ihrer Anschlussfinanzierung zu Ihrem Vorteil nutzen und sich niedrige Zinsen sichern.
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Sie haben den Vertrag zur Baufinanzierung schon abgeschlossen, aber die Kaufverhandlungen ziehen sich in die Länge. Das führt dazu, dass Sie Ihr Darlehen nicht wie geplant abrufen können. Dann müssen Sie trotzdem Zinsen für den Baukredit zahlen, sogenannte Bereitstellungszinsen. Doch die berechnet der Kreditgeber nicht nur, wenn das Darlehen völlig unberührt bleibt. Auch wenn es schon ausgezahlt wird, fallen sie an.

Denn beim Bau rufen Sie das Darlehen in Teilen ab. Ein Beispiel: Die Mauern des Hauses stehen, die erste Baufirma muss bezahlt werden. Dazu benötigen Sie nicht das gesamte Baudarlehen. Sie zahlen nun zwei verschiedene Zinssätze: den Darlehenszins für die abgerufene Summe und den Bereitstellungszins für den ungenutzten Teil des Darlehens. Da Sie bei Ratenzahlungen meist auch noch das Eigenkapital vor dem Abruf des Darlehens aufbrauchen müssen, verlängert sich die Zeit, in der Sie Bereitstellungszinsen zahlen müssen.

Zinsen für Geld zahlen, das Sie gar nicht nutzen? Das hört sich seltsam an, gehört bei der Baufinanzierung jedoch oft zum Alltag von Bauherren. Die Bereitstellungszinsen können insbesondere lange Bauvorhaben teuer machen. Da ein Baudarlehen zweckgebunden ist, dürfen Sie es nicht auf einen Schlag abrufen, um das Geld zum Beispiel anzulegen und so diese Kosten zu umgehen.

Bereitstellungszins höher als Darlehenszinssatz

Bereitstellungszinsen sind eine Art Entschädigung für die Banken. Die Baufinanzierer verwahren das Geld für Sie und können keinen Gewinn damit erwirtschaften, müssen die Summe aber absichern. Da Sie das Geld jedoch nicht nutzen, zahlen Sie noch keine Darlehenszinsen, die diese Kosten wettmachen würden.

Bereitstellungszinsen sind eine Belastung, die auf den ersten Blick schwer nachzuvollziehen ist. Denn diese Kosten werden nicht in den Effektivzins des Darlehens miteinberechnet – wobei der Zinssatz für die Bereitstellung häufig höher ist als der Darlehenszins.

Der Sollzins beträgt oft 3 Prozent pro Jahr. Dagegen liegt der aktuelle jährliche Effektivzinssatz für Baudarlehen der Bundesbank zufolge bei durchschnittlich unter zwei Prozent. Bei einer Darlehenssumme von 200.000 Euro kommen so aufs Jahr gerechnet Zinsen in Höhe von 6.000 Euro zusammen.

Bereitstellungszinsfreie Zeit nutzen

Damit nicht bereits bei kleinsten Verzögerungen extra Geld fällig wird und damit die Kosten kalkulierbar bleiben, bieten die meisten Banken eine Frist an, in der eine Bereitstellung noch zinsfrei ist. Kunden zahlen nur auf die abgerufene Summe Zinsen.

Dieser Zeitraum fällt abhängig vom Kreditgeber unterschiedlich lang aus. Von einem Monat bis zwölf Monaten findet sich alles bei den Angeboten der Banken, vereinzelt sind es sogar 15 Monate. Unter Umständen können Sie sogar eine Verlängerung der bereitstellungszinsfreien Zeit aushandeln. Allerdings geht das meist mit der Erhöhung des Darlehenszinses einher. Der gewährte Aufschub beginnt mit Vertragsabschluss und gehört bereits zur Laufzeit des Baudarlehens.

Die bereitstellungszinsfreie Zeit sollte unbedingt eine Rolle spielen, wenn Sie einen passenden Baufinanzierer suchen. Denn selbst wenn ein Darlehen mit einem niedrigeren Zinssatz als ein anderes punktet, fressen die Kosten für die Bereitstellung den Zinsvorteil womöglich auf. Außerdem lässt sich der Zinsvorteil beim Bau kaum einplanen, da Sie nicht vorhersehen können, ob sich der Bau unerwartet verzögert. Hier ist es auch besser, wenn Sie das Fremdkapital vor dem Eigenkapital nutzen dürfen. Denn dann verringert sich der Teil des Darlehens, auf dem Sie den höheren Bereitstellungszins zahlen müssen.

Wie sich Bereitstellungszinsen auswirken

    Darlehen 1   Darlehen 2  
Höhe Darlehen   170.000 €   170.000 €  
Sollzinsbindung   15 Jahre   15 Jahre  
Sollzins   2,2 % p.a.   2,1 % p.a.  
Auszahlung Darlehen nach   9 Monaten   9 Monaten  
Bereitstellungszins   0,25 % p.M.   0,25 % p.M.  
Bereitstellungszinsfreie Zeit   12 Monaten   3 Monaten  
Monatliche Rate   754 €   754 €  
Restschuld nach 15 Jahren   81.270 €   82.545 €  
Vorteil Darlehen 1   1.274 €      

Quelle: eigene Berechnung (29. März 2017)

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Bei der Anschlussfinanzierung können Sie dank der bereitstellungszinsfreien Zeit tricksen: immer dann, wenn die Bauzinsen niedrig sind und Sie sich diese für Ihre Anschlussfinanzierung reservieren wollen. Schließlich wissen Sie in dem Fall genau, ab wann Sie das Darlehen brauchen und können einen Baufinanzierer wählen, der Ihnen die passende zinsfreie Zeit anbietet. Falls Sie sich dabei aber verplanen, zahlen Sie Zinsen für zwei Verträge: den Darlehenszins für die Erstfinanzierung und den Bereitstellungszins für die Anschlussfinanzierung.

Sie sollten auch abwägen, ob nicht ein Forward-Darlehen eine Alternative sein kann. Dabei schließen Sie ein Darlehen im Voraus ab, dessen Laufzeit erst später beginnt. Allerdings fällt ein Zinsaufschlag an. Ein Forward-Darlehen kann nützlich sein, wenn die Erstfinanzierung erst in einem Jahr abläuft und Sie sich den aktuellen Zinssatz sichern wollen. In beiden Fällen – bereitstellungszinsfreie Zeit und Forward-Darlehen – können Sie nicht mehr vom Kredit zurücktreten, ohne eine Nichtabnahmeentschädigung zu zahlen.

Bevor Sie den Darlehensvertrag unterschreiben: Kontrollieren Sie, ob die bereitstellungszinsfreie Zeit im Vertrag auch so angegeben ist wie ausgehandelt. Denn Fehler in der Baufinanzierung werden schnell sehr teuer – selbst wenn es nur Druckfehler im Vertrag sind. Was Sie sonst noch bei Baudarlehen beachten müssen, lesen Sie in unserem Ratgeber zur Baufinanzierung.

Mehr dazu im Ratgeber Baufinanzierung

Dirk Eilinghoff
Experte für Baufinanzierung

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Josefine Lietzau

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Josefine Lietzau ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Bereits während ihres Studiums der Germanistik und Anglistik war sie für die Redaktionen der Grünen Liga, der Jüdischen Zeitung und der Superillu tätig. Nach ihrem Magister-Abschluss absolvierte Josefine Lietzau ein Volontariat bei den Online-Verbraucherportalen Banktip und Posttip, wo sie im Anschluss als Redakteurin arbeitete.

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.