Berufsunfähigkeitsrente

Die BU-Rente richtig beantragen

Das Wichtigste in Kürze

  • Rund ein Viertel der Anträge auf eine Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) wird nach Angaben des GdV von den Versicherern abgelehnt.
  • Bei Anträgen, die nicht vollständig sind oder fehlerhaft, fordern die Versicherer Unterlagen nach. Versicherte sollten darauf unbedingt reagieren.
  • Wer sich schon bei Antragstellung beraten lässt, hat sehr viel größere Chancen darauf, dass die Versicherung seine Rente schnell bewilligt.
  • Der häufigste Ablehnungsgrund ist, dass der Versicherte angeblich nicht berufsunfähig ist.
  • Versicherer verweigern auch die Zahlung, weil der Antragsteller bei Abschluss des Vertrags falsche oder unvollständige Gesundheitsangaben gemacht hat.

So gehen Sie vor

  • Lassen Sie sich von einem Experten schon unterstützen, wenn Sie den Renten-Antrag stellen. Wir haben eine Liste mit empfehlenswerten Anwaltskanzleien zusammengestellt.
  • Reichen Sie alle erforderlichen Unterlagen vollständig ein. Lassen Sie sich von Nachforderungen nicht verunsichern.
  • Unterschreiben Sie keine Vereinbarung, wonach der Versicherer nur zeitlich befristet eine Rente zahlt.
  • Lehnt der Versicherer Ihren Antrag ab, wenden Sie sich an einen Fachanwalt.
  • Tipp: Sollen wir Sie zum Thema Berufsunfähigkeitsversicherung sowie zu weiteren Themen auf dem Laufenden halten? Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter!

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Wer berufsunfähig wird, weiß oft nicht, wie es finanziell weitergeht. Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) scheint die Existenz gesichert zu sein, dafür hat der Versicherte meist über die Jahre hohe Versicherungsprämien gezahlt.

Doch rund ein Viertel aller Anträge auf eine Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) haben die Versicherungen in den Jahren 2014 bis 2016 abgelehnt, wie der GdV mitteilte. Das kann für Versicherte eine Katastrophe bedeuten. Und meist kommt auch noch Ärger mit dem Arbeitgeber wegen krankheitsbedingter Fehlzeiten hinzu. Deshalb sollten Sie schon die Phase, in der Sie den Antrag auf die BU-Rente stellen, sehr ernst nehmen und sich bereits in diesem Moment professionelle Hilfe holen.

Immer wieder gibt es auch Streit darüber, ob der Versicherte tatsächlich berufsunfähig ist, oder ob er beispielsweise bei den Gesundheitsfragen beim Abschluss der BU etwas verschwiegen hat. Spätestens dann hilft nur noch ein guter Rechtsanwalt. Doch den zu finden ist nicht leicht. Finanztip hat eine Liste von empfehlenswerten Kanzleien zusammengestellt, die sich darauf spezialisiert haben, die Rechte von Versicherten gegenüber einer Berufsunfähigkeitsversicherung durchzusetzen.

Vor dem Antrag auf BU-Rente beraten lassen

Wenn Sie Leistungen aus Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) in Anspruch nehmen wollen, müssen Sie einen ausführlichen Antrag stellen. Der umfasst meist 20 Seiten oder mehr. Die Versicherer verlangen einen lückenlosen Nachweis der Berufsunfähigkeit.

Alle von uns befragten Rechtsanwälte, aber auch Honorarberater und Verbraucherschützer empfehlen es Versicherten, sich schon bei der Antragstellung beraten zu lassen. Unter Umständen kontaktiert dann bereits der Anwalt den behandelnden Arzt und leitet alles in die Wege.

Der Antrag ist äußerst umfangreich, und das Ausfüllen wird Sie vermutlich zusätzlich zu Ihren Gesundheitsbeschwerden belasten. Holen Sie sich deshalb die Unterstützung eines Fachanwalts für Versicherungsrecht oder eines Versicherungsberaters, der Erfahrung mit BU-Fällen hat. So vermeiden Sie unnötige Fehler und einen kostspieligen Streit mit der Versicherung.

Mit Ihrem Anwalt können Sie auch den optimalen Zeitpunkt für den Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente besprechen. Wer während seiner Krankheit Leistungen aus einer privaten Krankentagegeld-Versicherung bezieht, muss diese nämlich unter Umständen zurückzahlen, sobald die Berufsunfähigkeitsversicherung eine Rente bewilligt.

Berufsunfähigkeit so detailliert wie möglich dokumentieren

Je detaillierter Sie oder Ihr Anwalt oder Berater Ihre Berufsunfähigkeit im Antrag begründen, desto schneller bekommen Sie Ihre Rente. Zusammen mit dem Antrag reichen Sie folgende Unterlagen ein:

Tipp

Tätigkeitsbeschreibung

Mit starken gesundheitlichen Beeinträchtigungen eine detaillierte Liste aller seiner Arbeitsaufgaben zu erstellen, fällt vielen schwer. Deshalb ist es hilfreich, wenn Sie eine solche Aufstellung vorsorglich schon in gesunden Tagen machen.

  • ausführliche Darstellung zur Ursache der Berufsunfähigkeit,
  • detaillierte Berichte der behandelnden Ärzte, mit denen Ihre Berufsunfähigkeit begründet und die voraussichtliche Dauer des Leidens vorhergesagt werden sowie
  • Unterlagen über Ihren Beruf, Ihre Stellung und Ihre Tätigkeiten. Dazu gehören auch genaue Zeitangaben, wie lange Sie im Arbeitsalltag welche Tätigkeiten ausführen.

Die Versicherung prüft dann, ob die medizinischen Befunde so schwerwiegend sind, dass der Grad der Berufsunfähigkeit erreicht ist, ab dem die Rente gezahlt werden muss. Außerdem versucht der Versicherer herauszufinden, ob Sie beim Vertragsschluss falsche Angaben gemacht haben, zum Beispiel bei den Gesundheitsfragen. Bis die Entscheidung gefallen ist, ob Sie eine Berufsunfähigkeitsrente bekommen, vergehen Wochen, meist sogar Monate. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Premium Circle dauert die Bearbeitung eines BU-Falls durchschnittlich 95 Tage lang, ein Anbieter braucht sogar 219 Tage.

Gibt der Versicherer dem Antrag statt, zahlt er die Rente für die vereinbarte Vertragsdauer oder solange die Berufsunfähigkeit besteht. Manchmal befristet er auch die Zahlungen.

Das kostet die Beratung beim Anwalt

Die Honorare variieren erheblich und reichen von ein paar Hundert Euro bis zu mehreren Tausend Euro. Einige Anwälte verlangen einen festen Pauschal-Preis, andere stellen die Arbeitsstunden in Rechnung, wieder andere rechnen nach dem Streitwert ab. Die Stundensätze können sich auf bis zu 250 Euro belaufen. Fordern Sie daher unbedingt von dem Rechtsanwalt ein Angebot an, bevor Sie ihm den Auftrag erteilen. Auch wer eine Rechtsschutzversicherung hat, bleibt auf diesen Anwaltskosten meist sitzen, da noch kein Rechtsschutzfall eingetreten ist. Das Honorar ist aber eine gute Investition, denn es geht meist um sehr viel Geld, das Sie durch die Rentenzahlungen über die Jahre bekommen.

Diese Experten empfehlen wir

Die folgenden Kanzleien sind darauf spezialisiert, Versicherte bei der Durchsetzung ihrer Rechte aus einer Berufsunfähigkeit zu vertreten. Warum wir diese Experten empfehlen und wie wir sie ausgewählt haben, lesen Sie am Ende dieses Artikels.

Lehner und Kollegen, München
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (10 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 200 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: 262 € bis 785 €
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • 6 nachgewiesene Urteile erstritten

Laux Rechtsanwälte, Berlin
Experte bei BU-Versicherungen, 4 Fachanwälte für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (9 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 150 Fälle seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: 250 € bis 1.550 € bei Beratung, Honorarvereinbarung bis etwa 4.000 € netto
  • 2 Fachanwälte für Medizinrecht
  • 2 nachgewiesene Urteile erstritten
Laux Rechtsanwälte, Berlin

Rechtsanwalt A. T. Schäfer, Frankfurt
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (7 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, 36 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: 226 € bei einmaliger Beratung, sonst nach Streitwert oder Stundensatz
  • Fachanwalt für Medizinrecht
  • 2 nachgewiesene Urteile erstritten
Rechtsanwalt A. T. Schäfer, Frankfurt

Friese & Adelung, München
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (6 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 65 Fälle seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: nach Wunsch Pauschale oder Stundensatz von 250 €
  • 4 Fachanwälte für Medizinrecht

Gansel Rechtsanwälte, Berlin
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (10 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 65 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung innerhalb von 48 Stunden
  • sehr transparentes Angebot zur Beratung bei der Antragstellung, je nach Art der Betreuung: 595 € oder Pauschalpreis von drei Monatsrenten
  • 3 nachgewiesene Urteile erstritten

Wittig Ünalp Rechtsanwälte, München, Hamburg, Berlin, Bremen, Hannover, Nürnberg
Experte bei BU-Versicherungen, 4 Fachanwälte für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (20 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 230 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: nach Wunsch Pauschale oder Stundensatz von 250 €
  • 3 nachgewiesene Urteile erstritten
Wittig Ünalp Rechtsanwälte, München, Hamburg, Berlin, Bremen, Hannover, Nürnberg

L & P Luber Pratsch Rechtsanwälte Partnerschaft, München, Berlin, Hamburg und Köln
Experte bei BU-Versicherungen, 2 Fachanwälte für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (mehr als 5 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, mehr als 50 Mandanten pro Jahr)
  • kostenlose Erstberatung
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: Kosten nach Umfang und Schwierigkeit
L & P Luber Pratsch Rechtsanwälte Partnerschaft, München, Berlin, Hamburg und Köln

Rechtsanwalt Dr. Schlenker, Stuttgart
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (rund 8 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen, rund 200 Mandanten seit 2016)
  • kostenlose telefonische Erstberatung von 15 Minuten
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: nach Aufwand
Rechtsanwalt Dr. Schlenker, Stuttgart

Anwaltskanzlei Klietsch, Berlin
Experte bei BU-Versicherungen, Fachanwalt für Versicherungsrecht

  • viel Erfahrung (18 Jahre Erfahrung mit BU-Fällen und rund 20 Mandanten seit 2016)
  • Beratungshonorar bei der Antragstellung: nach Stundensatz von 100 €
  • 2 nachgewiesene Urteile erstritten
  • keine kostenlose Erstberatung

Mit diesen Argumenten verweigern Versicherungen die Zahlung

Versicherungsunternehmen arbeiten mit hochspezialisierten Anwaltskanzleien zusammen. Das ist in aller Regel im Zusammenspiel mit den medizinischen Gutachtern ein sehr wirkungsvolles Team. Versicherte, deren Versicherung nicht leisten will, brauchen allerspätestens dann einen Experten an ihrer Seite.

In einer guten Situation sind Betroffene mit Rechtsschutzversicherung. Der Versicherer übernimmt die Anwalts- und Gerichtskosten, so dass Versicherte nicht Gefahr laufen, auf den Kosten sitzen zu bleiben, falls es zu einem Vergleich kommen sollte oder ein Prozess verloren geht.

Das sind die typischen Vorwürfe, die Versicherungsunternehmen ins Feld führen, um keine BU-Rente zahlen zu müssen:

1. „Sie sind gar nicht berufsunfähig“

Gerade bei psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Burnout kommen Gutachter oft zu dem Ergebnis, dass der Antragsteller gar nicht berufsunfähig ist. Um an seine Rente zu kommen, muss der Versicherte laut Vertrag zu 50 Prozent berufsunfähig sein. Ärgerlich, wenn die vom Versicherer beauftragten Gutachten dann auf Werte von 30 bis 40 Prozent kommen.

Die von uns befragten Rechtsanwälte haben angegeben, dass es in etwa 55 Prozent der Auseinandersetzungen mit dem Versicherer darum geht, ob der Versicherungsnehmer tatsächlich berufsunfähig ist. Das ist der häufigste Streitpunkt. Gut ist es dann, wenn sich der Versicherte von einem Rechtsanwalt mit medizinischen Kenntnissen vertreten lässt.

2. „Sie haben gelogen – das Vertrauensverhältnis ist zerstört“

Der Versicherungskunde ist verpflichtet, beim Versicherungsantrag Angaben zum eigenen Gesundheitszustand zu machen. Hat der Antragsteller etwas verschwiegen oder auch nur vergessen, dann zahlt der Versicherer nicht und behält zudem alle bisher gezahlten Prämien. Dass der Versicherte unwahre oder unvollständige Angaben gemacht hat, ist ein sehr häufiger Einwand, den Versicherer erheben. Die von uns befragten Rechtsanwälte gaben an, dass es in etwa 40 Prozent aller BU-Streitigkeiten darum gehe.

Anfechtung - Die Versicherer fechten dann den Vertrag wegen arglistiger Täuschung an (§§ 22 VVG, 123 BGB). Es reicht im Übrigen auch, dass Sie irgendeine Erkrankung verschwiegen haben, die gar nichts mit dem Grund für die Berufsunfähigkeit zu tun hat. Der Versicherer erhält dann Einblick in Ihre Krankenakte, die Sie selbst noch nie gesehen haben. Da stehen dann vielleicht Notizen oder Prognosen, von denen Sie nichts wissen. Aber das muss der Versicherer auch beweisen. Fehlen Angaben im Antrag, die aber in der Patientenakte enthalten waren, ist das noch nicht sofort eine arglistige Täuschung. Bei einer arglistigen Täuschung hat das Versicherungsunternehmen ein Jahr Zeit, den Vertrag anzufechten (§ 124 BGB).

Besteht der Vertrag schon länger als zehn Jahre, kann das Versicherungsunternehmen allerdings nicht mehr anfechten (§ 124 Abs. 3 BGB). Also: Selbst wenn Sie irgendeine Krankheit im Versicherungsantrag nicht angegeben haben, müssen Sie nach zehn Jahren nicht mehr befürchten, dass das Unternehmen Ihren Vertrag anficht.

Es gibt Unterschiede, ob sich der Versicherungsnehmer beim Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung von einem Versicherungsvertreter oder von einem Makler hat beraten lassen. Oft gehen die Versicherungsvermittler im Beratungsgespräch die Gesundheitsfragen mit dem Kunden durch; der Vermittler setzt dann die Kreuzchen, und der Kunde unterschreibt.

Hat der Versicherungsnehmer einem Versicherungsvertreter zum Beispiel mündlich von Rückenbeschwerden berichtet, was der aber im Formular nicht angegeben hat, kann der Versicherer anschließend nicht wegen arglistiger Täuschung anfechten. Die Rechtsprechung spricht in diesem Zusammenhang von Auge- und Ohr-Rechtsprechung (§ 70 VVG). Das bedeutet: Was der Versicherungsnehmer dem Versicherungsvertreter gesagt hat, gilt auch dem Versicherungsunternehmen als angezeigt (BGH, Beschluss vom 5. Juli 2017, Az. IV ZR 508/14). Achtung: Diese sogenannte Wissenszurechnung gilt nicht bei Versicherungsmaklern.

3. „Sie haben nicht alle Informationen mitgeteilt“

Viele Versicherer wehren sich dagegen, Geld auszuzahlen, weil der Versicherte bestimmte Informationen nicht mitgeteilt habe. Der Vorwurf ist nicht so schwerwiegend wie der einer Täuschung.

Rücktritt - Der Versicherer erklärt dann den Rücktritt vom Vertrag (§ 19 Abs. 2 VVG). Das Unternehmen kann aber nur dann zurücktreten, sofern es den Versicherungsnehmer bei Antragstellung ordnungsgemäß darauf hingewiesen hat, mit welchen Folgen er rechnen muss, wenn er seine vorvertraglichen Anzeigepflichten verletzt. Das muss im Antragsformular deutlich hervorgehoben sein (§ 19 Abs. 5 VVG).

Die verschwiegenen Umstände müssen einen Einfluss auf den Eintritt des Versicherungsfalls und den Umfang der Leistung haben, ansonsten kann der Versicherer nicht zurücktreten. Beispiel: Hat der Versicherte eine Behandlung wegen Rückenschmerzen verschwiegen und ist er nun berufsunfähig wegen eines Schlaganfalls, kann das Versicherungsunternehmen nicht zurücktreten.

Viel Zeit hat der Versicherer nicht für seinen Rücktritt. Innerhalb von vier Wochen muss er tätig werden (§ 21 Abs. 1 VVG). Und fünf Jahre nach Vertragsabschluss ist der Rücktritt ausgeschlossen (§ 21 Abs. 3 VVG).

Kündigung - Das Versicherungsunternehmen kann auch kündigen, wenn der Versicherte zum Beispiel seine berufliche Tätigkeit nicht korrekt angegeben hat oder wenn er riskante Hobbys verschwiegen hat (§ 24 VVG).

4. „Schauen Sie ins Kleingedruckte. Ihre Erkrankung ist leider nicht abgesichert“

Bei bestimmten Erkrankungen schließen Versicherer ihre Leistung aus. Das gilt vor allem für Beschwerden mit der Wirbelsäule. Denn diese ist bei orthopädischen Diagnosen fast immer mit betroffen, sodass der Versicherte kaum Chancen hat, seine Ansprüche durchzusetzen.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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So haben wir die Rechtsanwälte ausgewählt

Mitte August 2017 haben wir 27 Rechtsanwaltskanzleien zum Thema „Anwaltliche Beratung bei BU-Versicherungen“ angeschrieben, die auf diesen Bereich spezialisiert sind. Dabei haben wir uns auf die Kanzleien beschränkt, die bei einer Google-Suche am 31. Juli und 17. August 2017 jeweils auf den ersten drei Ergebnisseiten zu den Begriffen „Rechtsanwalt Berufsunfähigkeitsversicherung“, „Berufsunfähigkeitsrente Rechtsanwalt“ und „Schwierigkeiten mit der Berufsunfähigkeitsversicherung“ angezeigt wurden.

Zur Prüfung haben wir den Kanzleien einen umfangreichen Fragebogen geschickt. Dieser enthielt Fragen zu den Kosten und zur Form einer Erstberatung, zur Beratung bei der Antragstellung, zur Anzahl der Mandate sowie zu den Ablehnungsgründen der Versicherer. Wir haben uns auch nach erstrittenen Urteilen und abgeschlossenen Vergleichen erkundigt und um Nachweise gebeten.

Über die tatsächliche Beratungsqualität können wir keine Aussage treffen, da wir sie nicht überprüfen können. Voraussetzung für unsere Empfehlung ist vielmehr, dass in der Kanzlei ein Fachanwalt für Versicherungsrecht arbeitet, die Kanzlei mindestens drei Vergleiche oder Urteile nachgewiesen hat und ausschließlich Versicherungsnehmer vertritt.

Von den Kanzleien mit diesen Angeboten stehen angesichts der komplexen medizinischen Fragestellungen in der Liste diejenigen ganz oben, bei denen in der Kanzlei auch ein Fachanwalt für Medizinrecht tätig ist. Dieses Kriterium erfüllen vier Kanzleien.

Für den Verbraucher positiv ist aus unserer Sicht ferner, wenn er eine kostenlose Ersteinschätzung bekommt, ohne dass die Kanzlei dabei die Uhr mitlaufen lässt. Das haben wir bei der Sortierung ebenfalls berücksichtigt.

Auch wenn sich daraus keine Erkenntnis über die tatsächliche Qualität der Beratung ableiten lässt, haben wir die Kanzleien, die alle Kriterien erfüllen, entsprechend der nachgewiesenen Urteile in absteigender Reihenfolge sortiert. Wir sind davon überzeugt, dass Urteile für alle Versicherungsnehmer wichtig sind, da wichtige Rechtsfragen durch die Rechtsprechung bewertet werden. Darauf können sich auch andere berufen.

Die Untersuchungen 2017 sind abgeschlossen. Im Herbst 2018 werden wir voraussichtlich eine neue Befragung versenden.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.