Nachversicherungsgarantie und Dynamik

So bleibt die BU-Versicherung flexibel

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließt, sollte darauf achten, dass er die versicherte Rente ohne erneute Gesundheitsprüfung aufstocken kann.
  • Denn durch neue Lebensumstände wie eine Familiengründung kann eine höhere Absicherung nötig werden. Außerdem führt die Inflation dazu, dass die ursprünglich vereinbarte Rente an Wert verliert.
  • Mit einer Nachversicherungsgarantie können Kunden die vereinbarte BU-Rente auf einen Schlag erhöhen.
  • Ist im Vertrag eine Dynamik vereinbart, steigt die Rente automatisch jedes Jahr um einen festgelegten Prozentsatz.
  • Die höhere Rente kostet allerdings auch mehr Beitrag.

So gehen Sie vor

  • Vereinbaren Sie mit Ihrer BU-Versicherung eine Nachversicherungsgarantie und eine Beitragsdynamik.
  • Worauf Sie beim Abschluss sonst noch achten sollten, erklärt unser Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung.
  • Denken Sie daran, Ereignisse wie Hochzeit oder Gehaltserhöhung dem Versicherer rechtzeitig zu melden, wenn Sie die Nachversicherungsgarantie nutzen möchten.
  • Bei der Beitragsdynamik müssen Sie nicht selbst aktiv werden. Sie können den automatischen Erhöhungsschritten auch widersprechen, damit der Beitrag nicht zu teuer wird – meist aber nur zweimal in Folge.

Nicht alles im Leben ist planbar. Gerade in jungen Jahren kann deshalb kaum jemand vorhersagen, wie viel Geld er später zum Leben brauchen wird. Wie entwickelt sich der Job? Sind Kinder und ein Partner zu versorgen? Wird ein Haus gebaut? Ohne die Antworten auf diese Fragen zu kennen, lässt sich nur schwer das richtige Maß an Berufsunfähigkeitsschutz festlegen. Damit die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) trotzdem langfristig zu den eigenen finanziellen Bedürfnissen passt, ist es wichtig, dass der Vertrag flexibel ist. Eine Nachversicherungsgarantie und sogenannte Beitragsdynamik ermöglichen es Versicherten, die Höhe der vereinbarten Rente nachträglich anzupassen.

Mit Nachversicherungsgarantie flexibel aufstocken

Achtung

Selbst aktiv werden

Die Rente steigt nicht automatisch. Sie müssen die Erhöhung beantragen – und zwar innerhalb einer bestimmten Frist, meist drei Monate nach dem Ereignis.

Mit einer Nachversicherungsgarantie können Kunden die versicherte BU-Rente auf einen Schlag erhöhen, wenn sich ihre Lebensumstände geändert haben. Der große Vorteil: Dafür ist in der Regel keine erneute Gesundheitsprüfung nötig. Das bedeutet, auch wer in der Zwischenzeit seit Vertragsschluss krank geworden ist, darf seine BU-Rente aufstocken. Meist ist die Erhöhung allerdings nur bei besonderen Ereignissen möglich, wie Heirat, Geburt eines Kindes, Abschluss des Studiums oder Gehaltserhöhung. Einige Anbieter erlauben es auch, die Rente ohne speziellen Anlass aufzustocken – dann jedoch häufig nur in den ersten Versicherungsjahren.

Ohne eine solche Nachversicherungsgarantie sind Änderungen an den Vertragsbedingungen nicht so einfach möglich – wenigstens die Gesundheitsprüfung müssen Versicherte in fast allen anderen Fällen durchlaufen. Besonders wichtig ist diese Klausel deswegen für junge Versicherte. Sie können so beim Vertragsabschluss von ihrer guten Gesundheit profitieren und die Rente später flexibel an ihr steigendes Einkommen anpassen.

Gute Option mit einigen Haken

Für die Nachversicherung gibt es auch Grenzen. Kunden können die BU-Rente in der Regel nur bis zu einem bestimmten Alter erhöhen. Oft endet die Möglichkeit mit dem 45. oder 50. Geburtstag. Außerdem bestimmen die Versicherer Höchstgrenzen über die hinaus die Rente nicht aufgestockt werden darf. Bei Gutverdienern, die bereits zu Vertragsbeginn eine relativ hohe Monatsrente vereinbart haben, greift die Nachversicherungsgarantie also unter Umständen nicht. Auch falls im Vertrag spezielle Risikoausschlüsse oder erhöhte Beiträge vereinbart sind, sollten Kunden prüfen, ob die Nachversicherungsgarantie trotzdem gilt.

Wichtig zu beachten: Die umfassendere Absicherung kostet auch mehr Beitrag. Für den Teil der Rente, den der Versicherte aufstockt, schließt er quasi einen neuen Vertrag ab. Dabei wird das aktuelle Lebensalter zugrunde gelegt. So zahlt er für die nachträglich erhöhte Rente mehr als hätte er eine gleich hohe Rente direkt bei Abschluss der Berufsunfähigkeitsversicherung vereinbart.

Mehr dazu im Ratgeber Berufsunfähigkeitsversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Staatliche Rente reicht nicht aus

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BU-Rente durch Dynamik erhöhen

Es gibt eine weitere Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass die versicherte Rente auch in 20 oder 30 Jahren noch ausreicht: die Beitragsdynamik. Durch die Dynamik steigt die Rente jährlich um einen festgelegten Prozentsatz, beispielsweise 3 Prozent. Damit erhöht sich auch die BU-Rente, allerdings nicht um 3 Prozent, sondern in etwas geringerem Umfang als der Beitrag. Denn wie bei der Nachversicherungsgarantie wird für jeden Erhöhungsschritt das aktuelle Lebensalter des Versicherten zugrunde gelegt.

Ziel ist es, die zu erwartende BU-Rente an den Wertverlust durch Inflation anzupassen. Mit einer Dynamisierung des Vertrags bleibt die Kaufkraft der Rente erhalten. Bei einer Inflation von 2 Prozent wären sonst von 1.000 Euro Rente nach 20 Jahren nur noch 628 Euro reale Kaufkraft übrig.

Die Beitragsdynamik hat den Vorteil, dass die versicherte Rente automatisch steigt und kein Anlass dafür nötig ist. Auch die Gesundheitsprüfung entfällt. Kunden sollten aber sichergehen, dass sie sich die steigenden Beiträge auch dauerhaft leisten können. Allerdings ist die Beitragsdynamik keine Pflicht, sondern ein Recht des Kunden. Das bedeutet, er kann einem Erhöhungsschritt auch widersprechen. Dann bleiben Beitrag und Rente gleich.

Wie oft Versicherte die Dynamisierung aussetzen können, steht in ihrem Vertrag. Meist ist es problemlos möglich, zwei Jahre hintereinander zu verzichten. Beim dritten Widerspruch in Folge wird die Dynamik dann häufig komplett gestoppt und für eine Rentenerhöhung ist künftig eine Gesundheitsprüfung nötig. Soll der Beitrag nur moderat steigen, können Kunden also einfach jeden dritten Erhöhungsschritt mitmachen.

Sollten Versicherte feststellen, dass ihre BU-Rente tatsächlich zu hoch geworden ist, können sie diese jederzeit absenken und dadurch Beitrag sparen. Sie können die Rente dann aber nicht ohne erneute Gesundheitsprüfung wieder auf den alten Stand anheben.

Eine andere Form der Dynamik ist eine steigende Rente im Leistungsfall. Das bedeutet, falls der Kunde berufsunfähig wird, bekommt er jedes Jahr ein wenig mehr Rente, meist 1 bis 2 Prozent. Das lohnt sich vor allem, wenn jemand in jungen Jahren berufsunfähig wird und dann für lange Zeit mit seiner Berufsunfähigkeitsrente auskommen muss. Allerdings ist ein Vertrag mit dieser Option von Anfang an teurer.

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Finanztip-Chefredakteur
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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.