Betriebliche Altersvorsorge

Wie Arbeitnehmer mit Hilfe des Chefs für die Rente sparen

Das Wichtigste in Kürze

  • Unter betrieblicher Altersvorsorge (bAV) versteht man den Aufbau einer Zusatzrente über den Arbeitgeber. Rund 18 Millionen Arbeitnehmer hatten Ende 2015 Ansprüche auf eine Betriebsrente.
  • Der Chef kann die Beiträge zur späteren Rente allein übernehmen. Das ist die klassische, arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersversorgung.
  • Arbeitnehmer können aber auch einen Teil ihres Bruttogehalts für eine Betriebsrente einsetzen (Entgeltumwandlung). Für Beträge bis zu 254 Euro im Monat (3.048 Euro im Jahr) fallen dann keine Steuern und Sozialabgaben an.
  • Dieses arbeitnehmerfinanzierte Modell lohnt sich nur, wenn Sie besonders alt werden. Legt der Chef dagegen seine eingesparten Sozialbeiträge (etwa 20 Prozent) oben drauf, haben Sie Ihr Geld deutlich schneller wieder raus.
  • Betriebsrenten müssen später versteuert werden. Gesetzlich krankenversicherte Rentner zahlen darüber hinaus den vollen Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung.
  • Das Betriebsrentenstärkungsgesetz wird einige Regeln zur Betriebsrente verändern. Im Juli 2017 soll der Bundesrat dem Gesetz zustimmen. Es soll ab 1. Januar 2018 gelten.

So gehen Sie vor

  • Informieren Sie sich bei Ihrem Chef oder der Personalabteilung darüber, welche Art der betrieblichen Altersversorgung es in Ihrer Firma gibt.
  • Finanziert der Arbeitgeber die Versorgung, machen Sie mit.
  • Bietet Ihr Chef Ihnen nichts an, weisen Sie ihn auf Ihr Recht zur Entgeltumwandlung hin. Fragen Sie dann aber in jedem Fall, ob er sich beteiligt. Schließlich spart er sich die Sozialbeiträge auf Ihren Sparbeitrag.
  • Wenn Sie damit rechnen, künftig häufiger die Arbeitsstelle zu wechseln, überlegen Sie, ob Sie überhaupt über den Chef für das Alter vorsorgen wollen. Verträge lassen sich nicht immer zum neuen Arbeitgeber mitnehmen.
  • Prüfen Sie die Alternativen zur bAV: Infrage kommen zum Beispiel eine Riester-Rente oder eine flexible Geldanlage.

Mit Hilfe des Chefs fürs Alter vorzusorgen, hat in Deutschland eine lange Tradition. Bereits vor mehr als 100 Jahren begannen die ersten großen Unternehmen, für Mitarbeiter Vermögen anzusparen, aus dem diese später eine Rente ausgezahlt bekamen. Dies ist die klassische betriebliche Altersversorgung.

Mittlerweile können auch Arbeitnehmer Beiträge aus ihrem Bruttogehalt nehmen und beispielsweise in eine Rentenversicherung einzahlen, die der Chef für sie abschließt. Dabei sparen sie sich die Steuern und Sozialversicherungsbeiträge auf die Beiträge. In dem Fall spricht man eher von betrieblicher Altersvorsorge.

Für beide Varianten – betriebliche Altersversorgung und betriebliche Altersvorsorge – hat sich das Kürzel bAV eingebürgert. Unabhängig von den verschiedenen Begriffen stehen Angestellte vor allem vor der Frage: Lohnt sich das für mich? Wer diese Frage für sich beantworten möchte, sollte einige Grundsätze beachten.

18 Millionen Deutsche haben eine bAV

Wenn es um ihre Rente geht, verlassen sich mehr als 30 Millionen Angestellte in Deutschland auf den Pfeiler der gesetzlichen Rente. Allerdings wird die Höhe der Renten in den kommenden Jahren weiter schrumpfen; immer weniger Erwerbstätige müssen künftig immer mehr Renten finanzieren. Um den Lebensstandard im Alter zu sichern, wird zusätzliche Vorsorge daher immer wichtiger.

Mit Hilfe der bAV lässt sich die Lücke bei der Rente zumindest verkleinern. Teils auf Initiative des Arbeitgebers, teils aufgrund eines Tarifvertrags oder auf eigene Initiative hatten Ende 2015 knapp 18 Millionen Angestellte – und damit mehr als die Hälfte aller regulär Beschäftigten – Ansprüche auf eine bAV-Rente.

Verbreitung der bAV im Zeitverlauf

    2001   2011   2015
sozialversicherungspflichtig Beschäftigte   28 Mio.   29 Mio.   31,1 Mio.
davon mit bAV   13,6 Mio.   17,1 Mio.   17,7 Mio.
Anteil   48,7 %   58,7 %   57 %
bAV-Ansprüche insgesamt   14,6 Mio.   19,5 Mio.   20,4 Mio.
bAV-Ansprüche pro Beschäftigter¹   1,07   1,14   1,15

¹ Insgesamt gibt es mehr bAV-Ansprüche – im Fachjargon Anwartschaften – als Beschäftigte. Manche Mitarbeiter haben also gleich mehrere bAV-Verträge. 2015 waren es im Schnitt 1,15.
Quelle: Forschungsbericht 475 des BMAS, (Stand: 30. November 2016)

Wann eine bAV eine gute Sache ist

Bei der Altersvorsorge nicht allein auf die gesetzliche Rente zu bauen, ist gut und sinnvoll. Das heißt aber nicht, dass die bAV immer und für jeden die beste Zusatzvorsorge ist. Alternativ kommen für Angestellte beispielsweise staatlich gefördertes Riester-Sparen oder eine flexible private Vorsorge infrage.

Bei der bAV entscheidet der Arbeitgeber, was er anbieten will. Ob sich Vorsorge im Betrieb lohnt, hängt daher auch davon ab, wie genau der Chef die bAV ausgestaltet und ob er sich an der Finanzierung der Beiträge beteiligt. Auch die beruflichen Pläne des Arbeitnehmers spielen eine große Rolle.

Mögliche Szenarien sind:

Der Arbeitgeber finanziert die bAV allein - In den frühen Tagen der betrieblichen Altersvorsorge stand dabei meist die Fürsorge für die Arbeitnehmer im Vordergrund, heute wollen Unternehmen vor allem die Mitarbeiter an sich binden. In jedem Fall gilt: Zahlt der Arbeitgeber für die Betriebsrente, können sich Mitarbeiter über diese zusätzliche Vergütung freuen. Dazu lesen Sie weiter unten mehr.

Der Arbeitnehmer wandelt Teile seines Gehalts um - Seit 2002 haben Arbeitnehmer einen Anspruch darauf, Teile ihres Bruttolohns in einen bAV-Vertrag einzuzahlen (sogenannte Entgeltumwandlung). Der Arbeitgeber muss auf Nachfrage einen solchen Vertrag anbieten. In der Regel gibt der Chef die Verantwortung für die Vermögensanlage an ein Versicherungsunternehmen ab. Wegen der Sozialabgaben und Steuern auf die spätere Rente lohnt sich eine rein arbeitnehmerfinanzierte bAV aber nur, wenn der Arbeitnehmer sehr alt wird.

Der Arbeitgeber zahlt einen Teil der Beiträge - Denkbar ist auch, dass der Arbeitgeber einen Teil der bAV-Beiträge übernimmt und sie zusammen mit dem Gehalt des Arbeitnehmers in die Rentenversicherung einzahlt. Oft profitieren Mitarbeiter in tarifgebundenen Unternehmen von einer solchen Regelung. Für sie ist der Arbeitgeberzuschuss im Tarifvertrag festgeschrieben. Außertariflich Angestellten bleibt nur, mit dem Chef zu verhandeln. Mehr dazu erfahren Sie weiter unten.

Darüber hinaus sollten Sie weitere Aspekte bedenken:

Sie wechseln oft den Arbeitsplatz - Wer bereits bei Antritt seiner neuen Stelle weiß, dass er diese höchstens ein paar Jahre ausfüllen will, sollte sich gut überlegen, Bruttogehalt in eine Lebensversicherung zu stecken. Es ist zum Beispiel nicht gesagt, ob der neue Chef den alten bAV-Vertrag übernimmt. Darüber hinaus gibt es weitere Hürden. Weiter unten erläutern wir diese genauer.

Für Geringverdiener ab 2018 attraktiver - Ein großer Nachteil der Betriebsrente bislang ist, dass eine spätere Rente auf die Grundsicherung angerechnet wird. Wer also im Alter auf staatliche Unterstützung angewiesen ist, hätte umsonst angespart. Sollte das neue Betriebsrentengesetz planmäßig im Juli 2017 den Bundesrat passieren, würde sich dies ändern: Ab dem 1. Januar 2018 können Sparer mindestens 100 und maximal 202 Euro ihrer Betriebs- und Riesterrente behalten.

Wenn der Chef alles zahlt, sollten Sie das mitnehmen

Nimmt der Chef Firmengeld für die Rente seiner Mitarbeiter in die Hand, brauchen Sie gar nicht lang zu überlegen. Sie sollten das bAV-Geschenk auf jeden Fall mitnehmen. Zwar ist auf die spätere Rente Einkommenssteuer fällig und für gesetzlich Krankenversicherte der volle Beitrag auf Kranken- und Pflegeversicherung. Dennoch lohnt die Sache, denn Sie erhalten später eine Betriebsrente, ohne jemals dafür eingezahlt zu haben.

Was genau der Arbeitgeber verspricht, kann sich von Firma zu Firma unterscheiden. In der Vergangenheit war es üblich, dass der Chef der Belegschaft eine konkrete Rentenhöhe zusagte, zum Beispiel 10 Euro monatliche Rente für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit. Heute versprechen Arbeitgeber eher eine bestimmte Höhe an Beiträgen auf ein Vorsorgekonto einzubezahlen, das mit einem garantierten Satz verzinst wird. Manche verpflichten sich auch nur, die Beiträge mindestens zu erhalten.

Mit dem neuen Betriebsrentengesetz hätten Unternehmen ab 2018 je nach Tarifvertrag zusätzlich die Möglichkeit, nur noch Beiträge – ohne Garantien – zuzusagen. Im Abschnitt zu den sogenannten Durchführungswegen der bAV lesen Sie mehr darüber, wie es zu den unterschiedlichen Zusagen kommt – und warum Arbeitgeber diese immer mehr abspecken.

Achtung

Wer eine bAV-Zusage vom Arbeitgeber erhalten hat, kann sich das angesparte Guthaben zu Rentenbeginn in manchen Fällen auch auf einmal auszahlen lassen.

Drei Jahre im Unternehmen sind Pflicht
Einen kleinen Haken hat die vom Chef finanzierte Rente: Sie fließt nur, wenn Sie dem Unternehmen gegenüber eine gewisse Loyalität bewiesen haben: Noch bis Ende 2017 muss ein Mitarbeiter mindestens fünf Jahre im Unternehmen gearbeitet haben und beim Ausscheiden aus der Firma mindestens 25 Jahre alt sein, damit er später wirklich eine Betriebsrente bekommt.

Das Gesetz zur Umsetzung der EU-Mobilitätsrichtlinie, das zum 1. Januar 2018 in Kraft tritt, erleichtert das jedoch: Ab dann ist der Anspruch auf Betriebsrente für Mitarbeiter bereits dann unverfallbar, wenn sie mindestens drei Jahre im Unternehmen waren und beim Wechsel des Arbeitgebers 23 Jahre alt sind. 

Bei Insolvenz des Arbeitgebers ist die Betriebsrente abgesichert
35 Jahre oder mehr Jahre bis zur Rente sind eine lange Zeit, in der sich in Unternehmen viel verändern kann. Auch eine Insolvenz ist da nicht ausgeschlossen. Doch selbst in einem solchen Fall müssen Sie nicht um Ihre Rentenzusagen fürchten. Denn das Geld ist über den sogenannten Pensionssicherungsverein (PSV) abgesichert.

In der Praxis würde die Auffangeinrichtung PSV die Rentenzahlung übernehmen, die Ihnen aus Ihren bisherigen Jahren im Betrieb zustehen. Der PSV finanziert sich durch Beiträge aller Unternehmen, die Rentenzusagen an die Belegschaft gemacht haben.  

Wenn der Chef keinen Zuschuss zahlt, verhandeln Sie

Viele Chefs in Deutschland verzichten auf die klassische arbeitgeberfinanzierte Altersversorgung ihrer Belegschaft. Vereinfacht dargestellt ist ihnen das Risiko zu groß, heutige Rentenversprechen Jahrzehnte später auch einhalten zu können. Als Mitarbeiter können Sie dann überlegen, ob Sie selbst tätig werden wollen.

Praktisch können Sie Teile Ihres Bruttogehalts in einen geförderten bAV-Vertrag einzahlen – oft eine spezielle Lebens- oder Rentenversicherung. Weil der Arbeitnehmer aus dem Bruttogehalt spart und mit diesen Beiträgen eine Rente aufbaut, nennt sich diese Finanzierungsform Entgeltumwandlung. Arbeitgeber machen sie Mitarbeitern häufig mit zwei Argumenten schmackhaft:

Mitarbeiter sparen Steuern und Sozialabgaben - Die Beiträge zum bAV-Vertrag gehen vom Bruttogehalt ab. Nur auf das verbleibende Gehalt fallen Steuern und Beiträge zur Sozialversicherung (Kranken-, Pflege, Renten- und Arbeitslosenversicherung) an. Unter dem Strich bekommt der Arbeitnehmer also etwas weniger Nettogehalt ausgezahlt als vor der Entgeltumwandlung, hat aber gleichzeitig schon einen deutlich höheren Beitrag für seine Altersvorsorge geleistet.

Mitarbeiter profitieren von Gruppenrabatten - In dem Fall, dass der Arbeitgeber mit einem Versicherer zusammenarbeitet, kann er möglicherweise günstigere Konditionen aushandeln, wenn er für die gesamte Belegschaft Verträge abnimmt. Angestellte können dann auf höhere Rentenzusagen hoffen, als die, die sie bekämen, wenn sie den Vertrag privat abgeschlossen hätten.

Allerdings: Die rein arbeitnehmerfinanzierte bAV lohnt sich am Ende nur, wenn der Arbeitnehmer sehr alt wird. Nur dann bezieht er die Rente lange genug, um die Belastung durch Sozialbeiträge und Steuern im Alter und weitere Nachteile auszugleichen. Bietet Ihr Arbeitgeber von sich aus keine Zuschüsse an, sollten Sie verhandeln. Als Faustformel gilt: 20 Prozent der Beiträge sollte der Chef mindestens übernehmen.

Warum sich die reine Entgeltumwandlung kaum lohnt
Die Grundformel bei der Entgeltumwandlung lautet: Beiträge in einen bAV-Vertrag werden von Steuern und Sozialabgaben befreit. Die spätere Rente belasten dagegen ab einer gewissen Höhe (148,75 Euro im Jahr 2017) bestimmte Abzüge. Das Problem: Die Ersparnis heute kann dann die Lasten später in aller Regel nicht ausgleichen.

Ersparnis:
Von Steuern und Sozialabgaben befreit sind Einzahlungen nur bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung. 2017 sind das 254 Euro im Monat. Mit der Bemessungsgrenze steigen sie jedes Jahr ein wenig an.

So viel bAV-Beitrag wird höchstens gefördert

  2015 2016 2017
Beitragsbemessungsrenze GRV / Monat 6.050 € 6.200 € 6.350 €
davon 4 % als höchstens geförderter Beitrag 242 € 248 € 254 €
aus Entgeltumwandlung      

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: 2. Juni 2017)

Angenommen, ein lediger Mitarbeiter verdient durchschnittlich und bekommt 3.000 Euro brutto im Monat. Davon zahlt er nicht die vollen 254 Euro, sondern rund 180 Euro in einen bAV-Vertrag ein, die seinen Bruttolohn mindern. Er spart dadurch gut 80 Euro an Steuern und Sozialabgaben – und wendet netto nur 100 Euro für die Altersvorsorge auf.

So viel spart ein Durchschnittsverdiener durch die Entgeltumwandlung

    ohne Entgeltumwandlung   mit Entgeltumwandlung   Nettobeitrag   Ersparnis
Monatsbrutto   3.000 €   2.818 €      
darauf anfallende Sozialabgaben¹   623 €   585 €       38 €
Einkommensteuer²   410 €   366 €       44 €
Monatsnetto   1.967 €   1.867 €   100 €   82 €

¹ Hierzu zählen die Beiträge zur Renten- und Arbeitslosenversicherung sowie Kranken- und Pflegeversicherung. Als Zusatzbeitrag für die Krankenversicherung nehmen wir den bundesweiten Durchschnitt von 1,1 % an. Insgesamt gehen knapp 20,8 % des Bruttolohns an Sozialabgaben ab.
² Einkommensteuer inklusive Solidaritätszuschlag. Kirchensteuer ist nicht berücksichtigt.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 2. Juni 2017)

Belastung:
Angenommen nun, der Mitarbeiter hat 30 Jahre lang 100 Euro netto eingezahlt und geht dann in den Ruhestand. Zwei Lasten kommen dann auf ihn zu:

Auf die monatliche Betriebsrente zahlt er neben der Einkommensteuer jetzt den vollen Beitrag zur gesetzlichen Krankenkasse – also den Arbeitnehmer- und den Arbeitgeberanteil inklusive den Zusatzbeitrag. 2017 waren das im Bundesdurchschnitt insgesamt 15,7 Prozent

Daneben muss der bAV-Sparer auf etwas gesetzliche Rente verzichten. Denn seine Beiträge in den bAV-Vertrag haben während seiner Berufstätigkeit sein Bruttogehalt gemindert – und somit auch die Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung.

So viel Rente bringt die Entgeltumwandlung¹

                Basisfall   2 % Verzinsung
Monatsbrutto²   3.000 €       Rentenbrutto²   900 €   900 €
Beitrag zur bAV   182 €       Rente bAV³   182 €   251 €
Ersparnis Einkommensteuer   44 €       darauf Einkommensteuer   25 €   36 €
Ersparnis Sozialabgaben   38 €       darauf Sozialabgaben   34 €   46 €
            Nettominderung gesetzl. Rente¹¹   41 €   41 €
                     
Nettobeitrag zur bAV   100 €     Nettorente bAV   82 €   127 €
      Einzahlungen zurück in   37 Jahren   24 Jahren
                     

¹ Ein Single hat 30 Jahre durchschnittlich verdient und 100 Euro monatliches Entgelt in einen bAV-Beitrag umgewandelt. Vereinfachend sagen wir, dass Löhne und bAV-Beiträge konstant sind.
² Monatsbrutto und Rentenbrutto sind nötig, um die Einkommensteuerlast zu berechnen. Nach 30 Jahren hat der Single 30 Rentenpunkte gesammelt. Daraus ergibt sich eine gesetzliche Bruttorente von rund 900 Euro.
³ Wir unterstellen einen garantierten Rentenfaktor von 28. Das bedeutet: Für 10.000 Euro angespartes Kapital sind 28 Euro monatliche Bruttorente garantiert.  
¹¹ Im Beispiel verliert der Durchschnittsverdiener durch die Entgeltumwandlung (182 Euro von 3000 Euro) pro Jahr 1/16 Rentenpunkt. Über 30 Jahre macht das rund 1,8 Rentenpunkte.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 2. Juni 2017)

Im stark vereinfachten Basisfall, dass sich die Beiträge zur bAV nicht verzinsen, zahlt der Durchschnittsverdiener über 30 Jahre jeden Monat netto 100 Euro in den Vertrag und bekommt nur 82 Euro garantierte Nettorente heraus. Er müsste nach Renteneintritt mit 67 noch rund 37 Jahre leben, also 104 Jahre alt werden, damit er sein Geld wiederbekommt. Fazit: Das lohnt sich auf keinen Fall!

Angenommen, die bAV-Beiträge verzinsen sich mit 2 Prozent pro Jahr über 30 Jahre. Dann sieht die Sache etwas besser aus. Statt 82 Euro kann der Arbeitnehmer sich jetzt über eine garantierte Nettorente von 127 Euro pro Monat freuen. Damit er sein eingezahltes Geld wiederbekommt, müsste er noch 24 Jahre Rente beziehen – also 91 Jahre alt werden. Fazit: Das lohnt sich wahrscheinlich für die meisten Betriebsrentner immer noch nicht.

Achtung

Achtung: Für Sparer, die 2017 im im Korridor zwischen 4.350 und 6.350 Euro verdienen, ist die Entgeltumwandlung nachteilig. Zum einen geht für ihre bAV-Beiträge die Ersparnis bei den Sozialabgaben zum Teil verloren: Denn ihr Gehalt liegt über der Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung (4.350 Euro). Damit zahlen sie in jedem Fall den Höchstbeitrag für die Kranken- und Pflegeversicherung. Andererseits mindern ihre Einzahlungen trotzdem die Ansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Denn hier ist der Höchstbeitrag erst bei einem Verdienst von 6.350 Euro im Monat erreicht. Der Steuervorteil allein kann diese Missverhältnis nicht ausgleichen. Insgesamt verschlechtert sich das Verhältnis zwischen Nettobeitrag und Nettorente erheblich.

Umgekehrt profitiert, wer im Jahr 2017 Betriebsrenten von weniger als rund 149 Euro bezieht. Bis zu dieser Grenze sind sie frei von Sozialversicherungsabgaben.

Den Arbeitgeber ins Boot holen
Die Beispiele oben zeigen: Mit der reinen Entgeltumwandlung müssen Arbeitnehmer sehr alt werden, um auf eine positive Rendite zu kommen. Wer darauf nicht wetten und schon früher profitieren will, versucht daher am besten, den Chef mit an Bord zu holen. Er sollte einen Teil der Beiträge zum bAV-Vertrag übernehmen. Bietet Ihr Chef nichts an? Dann verhandeln Sie. Ihre Verhandlungsposition ist gar nicht so schlecht.

Denn nicht nur Sie sparen, wenn Sie Teile Ihres Bruttogehalts in einen bAV-Vertrag stecken. Auch Ihr Arbeitgeber kann sich einen Teil der Sozialabgaben schenken, die er ansonsten für Sie abführen müsste.

Im Falle eines Durchschnittsverdieners, der monatlich gut 180 Euro seines Gehalts umwandelt, spart der Arbeitgeber zum Beispiel 35 Euro (siehe folgende Tabelle). Zudem würde das neue Betriebsrentengesetz den Arbeitgeber spätestens ab 2022 verpflichten, mindestens 15 Prozent des Beitrags zuzuzahlen.

Eingesparte Sozialbeiträge beim Arbeitnehmer und Arbeitgeber

    Ausgangsfall   Entgeltumwandlung   Ersparnis Arbeitnehmer¹   Ersparnis Arbeitgeber
Monatsbrutto   3.000 €   2.818 €        
darauf anfallende Kranken- und Pflegeversicherung   298 €   280 €   18 €   15 €
darauf anfallenden Renten- und Arbeitslosenversicherung   326 €   306 €   20 €   20 €
            38 €   35 €

¹ Die Ersparnis des Arbeitnehmers bei der Krankenversicherung ist etwas größer als die des Arbeitgebers. Grund dafür ist, dass der Arbeitnehmer für den Zusatzbeitrag der gesetzlichen Krankenversicherung allein aufkommt.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 2. Juni 2017)

Fragen Sie Ihren Arbeitgeber also in jedem Fall, ob er die eingesparten Sozialabgaben (in unserem Beispiel 35 Euro) auf Ihren Beitrag (182 Euro) zusätzlich in den Vertrag einzahlt. Denn dann würden gut 16 Prozent Ihres Beitrags (35 Euro von 217 Euro neuem Beitrag) vom Arbeitgeber finanziert. Dieser Zuschuss kann die Steuer- und Abgaben-Belastung der Betriebsrente im Rentenalter besser ausgleichen.

Angenommen, die 217 Euro Beitrag verzinsen sich nun noch mit moderaten 2 Prozent im Jahr über 30 Jahre: Dann wird die Entgeltumwandlung langsam rentabler. Sie haben Ihre Nettoeinzahlungen dann nach 19 Jahren wieder drin – also mit 87 Jahren (siehe Tabelle).

So viel bringt der Arbeitgeberzuschuss zur bAV¹

                Basisfall   AG-Zuschuss und
                    2 % Verzinsung
Monatsbrutto²   3.000 €       Rentenbrutto²   900 €   900 €
Beitrag zur bAV   182 €       Rente bAV³   182 €   300 €
Ersparnis Einkommensteuer   44 €       darauf Einkommensteuer   25 €   45 €
Ersparnis Sozialabgaben   38 €       darauf Sozialabgaben   34 €   55 €
            Nettominderung gesetzl. Rente¹¹   41 €   41 €
                     
Nettobeitrag Rente bAV   100 €     Nettorente bAV   82 €   158 €
      Einzahlungen zurück in   37 Jahren   19 Jahren

¹ Ein Single hat 30 Jahre durchschnittlich verdient und 100 Euro monatliches Entgelt in einen bAV-Beitrag umgewandelt. Vereinfachend sagen wir, dass Löhne und bAV-Beiträge konstant sind.
² Monatsbrutto und Rentenbrutto sind nötig, um die Einkommensteuerlast zu berechnen. Nach 30 Jahren hat der Single 30 Rentenpunkte gesammelt. Daraus ergibt sich eine gesetzliche Bruttorente von rund 900 Euro.
³ Wir unterstellen einen garantierten Rentenfaktor von 28. Das bedeutet: Für 10.000 Euro angespartes Kapital sind 28 Euro monatliche Bruttorente garantiert.
¹¹ Im Beispiel verliert der Durchschnittsverdiener durch die Entgeltumwandlung (182 Euro von 3000 Euro) pro Jahr 1/16 Rentenpunkt. Über 30 Jahre macht das rund 1,8 Rentenpunkte.
Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 2. Juni 2017)

In unserem Beispiel haben wir mit einer garantierten Rente von 28 Euro je 10.000 Euro angespartes Kapital kalkuliert. Richtig profitieren Mitarbeiter von der bAV dann, wenn einerseits die bAV-Beiträge gut angelegt und Überschüsse in den Spartopf reinvestiert werden und der Chef statt den 19 Prozent (im Beispiel: 35 Euro) eingesparten Sozialversicherungsbeiträgen noch einen Schlag mehr obendrauf gibt.

Tipp

Kommen Sie bei einer Gehaltsverhandlung nicht weiter, können Sie die Entgeltumwandlung ins Spiel bringen. Fragen Sie Ihren Chef, ob er Ihnen statt mehr regulärem Bruttogehalt einen Beitrag zur bAV zahlt. Denn der Arbeitgeber kann von bAV-Beiträgen, die er etwa in eine Lebensversicherung einzahlt, bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen und spart sich darauf teure "Lohnnebenkosten" (also Sozialabgaben).

Bei Insolvenz des Arbeitgebers läuft der Vertrag weiter
Auch im Falle der (bezuschussten) Entgeltumwandlung kann es passieren, dass Ihre Firma in die Insolvenz rutscht. Doch selbst in einem solchen Fall sind Ihre Ansprüche auf eine betriebliche Rente nicht verloren.

Je nachdem, wo hinein genau die Beiträge geflossen sind, zahlt die spätere Rente entweder der Lebensversicherer oder der Pensionssicherungsverein (PSV) aus. Näheres dazu lesen Sie weiter unten im Abschnitt zu den einzelnen sogenannten Durchführungswegen in der bAV.

Was tun bei häufigem Jobwechsel?

Falls Sie heute schon ahnen, dass Sie künftig noch häufiger den Job wechseln, vielleicht sogar einen Teil Ihres Erwerbslebens als Selbstständiger tätig sind, dann müssen Sie genau überlegen, ob eine Entgeltumwandlung infrage kommt. Die geltenden Regelungen, die den Arbeitgeberwechsel betreffen, sind nicht besonders praxistauglich.

Positiv ist: Jeder aus dem Gehalt umgewandelte Euro, der in die bAV fließt, zählt für die spätere Rente. Es ist nicht entscheidend, wie lange der Mitarbeiter im Unternehmen bleibt.

Wer in eine Lebensversicherung (Direktversicherung) einzahlt, kann diese zum neuen Arbeitgeber mitnehmen, sofern dieser einverstanden ist. Viele Arbeitgeber wollen allerdings nicht Verträge unterschiedlicher Anbieter verwalten und lehnen es daher ab, den alten bAV-Vertrag zu übernehmen. Arbeitnehmer haben dann die Wahl, den alten Vertrag ruhen zu lassen oder mit einem Mindestbeitrag privat weiter in den Vertrag einzuzahlen – dann allerdings ganz regulär aus dem Nettogehalt.

Alternativ können Arbeitnehmer das bereits angesparte Guthaben auf einen neuen Vertrag, den der neue Chef anbietet, übertragen. Dies ist aber oft ein Verlustgeschäft. Erstens können Übertragungskosten anfallen. Zweitens können die Konditionen, insbesondere die Garantieverzinsung des neuen Vertrags, schlechter sein als vorher. Arbeitnehmer müssen außerdem auf die Fristen achten, um den Vertrag zu wechseln.

Wenn es ungünstig ausgeht, hat ein Arbeitnehmer am Ende seiner beruflichen Laufbahn viele Einzelverträge, in denen er jeweils geringe Summen angespart hat.

Tipp

Sofern Sie lediglich kurz im Unternehmen bleiben und nur geringe Rentenansprüche aufgebaut haben (weniger als 30 Euro im Monat im Jahr 2017), können Sie sich selbst angesparte Beiträge und – je nach Vereinbarung – auch die des Chefs im Rahmen einer einmaligen Abfindung auszahlen lassen. Informieren Sie sich, wie hoch der Abschlag bei der Abfindung ausfallen würde. 

Alternative Riester oder flexibles Sparen

Können Sie bereits absehen, dass Sie häufiger den Job wechseln, dann sollten Sie gut überlegen, ob Sie Teile Ihres Bruttogehalts in eine bAV stecken wollen. Eine klassische Kapitallebensversicherung als Direktversicherung bietet heute nur noch minimale Garantien und lohnt als bAV nur, wenn die Kosten gering sind oder der Arbeitgeber kräftig zuschießt. Als Alternativen kommt eine Riester-Rente oder privates flexibles Sparen infrage, zum Beispiel mit einem ETF-Sparplan. Eine Übersicht über alle möglichen Vorsorgeformen finden Sie im Ratgeber Altersvorsorge.

Fünf Wege, wie Arbeitgeber die bAV umsetzen können

Wenn es darum geht, die betriebliche Altersvorsorge im Betrieb umzusetzen, fallen häufig die Begriffe Direktversicherung, Pensionsfonds oder Pensionskasse. Dabei handelt es sich um sogenannte Durchführungswege der betrieblichen Altersversorgung. Wer als Chef betrieblich für seine Mitarbeiter vorsorgen möchte, hat fünf – mit dem neuen Betriebsrentengesetz ab 2018 sogar sechs – Möglichkeiten, die Altersversorgung/Altersvorsorge im Unternehmen zu organisieren:

Weiter oben haben wir zwischen der klassisch arbeitgeberfinanzierten betrieblichen Altersversorgung und der – möglicherweise vom Chef bezuschussten – arbeitnehmerfinanzierten bAV unterschieden. Je nachdem, welche Variante Ihr Unternehmen anbietet, ist der eine oder andere Durchführungsweg wahrscheinlicher.

Die folgende Tabelle zeigt, wie bAV-Ansprüche aus direkten Zusagen des Arbeitgebers seit 2013 zurückgegangen sind, zugunsten alternativer Versorgungswege.

Verteilung der bAV-Anwartschaften auf die Durchführungswege

Zahlenangaben in Millionen                
    2001   2011   2013   2015
Direktzusagen / Unterstützungskassen   3,86   4,6   4,75   4,71
Direkversicherungen   4,21   4,77   4,92   5,12
Pensionskassen   1,39   4,63   4,79   4,77
Pensionsfonds   --   0,38   0,4   0,44
Zusatzversorgung öffentlicher Dienst   5,11   5,23   5,28   5,37
Gesamt   14,56   19,5   20,15   20,4

Quelle: BMAS (Stand: November 2016)

Direktzusage und Unterstützungskasse

Klassisch arbeitgeberfinanziert sind in aller Regel die Durchführungswege Direktzusage und Unterstützungskasse. Das bedeutet, dass der Chef Firmengeld in die Hand nimmt und es für die Belegschaft investiert oder investieren lässt.

Direktzusage - In diesem Fall kümmert sich der Chef selbst um die Anlage des Geldes. Er kann es zum Beispiel in unternehmensinterne Projekte stecken, von denen er sich eine gute Rendite verspricht. Mancher Arbeitgeber zahlt einen Teil der Beiträge auch in eine sogenannte Rückdeckungsversicherung – eine Art Lebensversicherung – ein und sichert sich einen Teil der angestrebten Rendite.

Unterstützungskasse - Alternativ fließen die Beiträge des Arbeitgebers an eine rechtlich selbstständige Einrichtung, die Unterstützungskasse. Sie verwaltet das Geld im Sinne des Arbeitgebers und hat die Aufgabe, es möglichst gewinnbringend anzulegen. Unterstützungskassen können die bAV-Beiträge vergleichsweise frei beispielsweise in Wertpapiere oder Immobilien anlegen.

Denkbar ist auch, dass die Unterstützungskasse die Hausbank des Unternehmens wird – sie also die Firmenbeiträge als Darlehen ins Unternehmen zurückführt.

Weil die Beiträge oft in die Firma reinvestiert werden und der Arbeitgeber über die Anlage mitentscheidet, gelten die Direktzusage und die Unterstützungskasse auch als interne Durchführungswege.

Leistungszusage versus Beitragszusage
Charakteristisch für die Durchführungswege ist, dass der Arbeitgeber konkrete Zusagen an eine spätere Rentenhöhe macht. Er kann beispielsweise für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit 10 Euro Rente versprechen oder einen bestimmten Prozentsatz des letzten Gehalts vor der Rente.

Solche sogenannten Leistungszusagen waren in den vergangenen Jahrzehnten bei vielen großen und mittleren Unternehmen die Regel. Viele haben hohe Forderungen in ihren Bilanzen stehen und müssen dafür wegen der niedrigen Zinsen immer mehr Sicherheitspuffer einkalkulieren. Das kostet Wettbewerbsfähigkeit.

Statt einer Zusage über die spätere Rentenhöhe sichern Firmen ihren Angestellten heute daher oft nur noch bestimmte Beiträge mit einer Mindestverzinsung zu. Möglich ist es zum Beispiel, dass Firmen die Höhe ihrer Beiträge abhängig vom Unternehmensgewinn machen und versprechen, mindestens den Garantiezins der Lebensversicherer – 2017 liegt er bei 0,9 Prozent – zu erwirtschaften.

Alternative Pensionsfonds

Wieder andere Unternehmen geben die Verantwortung, Beiträge zur bAV gewinnbringend anzulegen, lieber an eine externe Einrichtung aus – an den sogenannten Pensionsfonds. Das hat für die Firmen gleich mehrere Vorteile: 

  • Sie müssen sich keine Gedanken mehr über die konkrete Geldanlage machen und die Beiträge auch nicht mehr selbst verwalten.
  • Sie müssen keine extra Sicherheitspuffer in der Bilanz mehr vorhalten, büßen also weniger an Wettbewerbsfähigkeit ein.
  • Sie sparen im Vergleich zur Direktzusage auch am Beitrag an den Pensionssicherungsverein.
  • Sie müssen keine konkrete Verzinsung der Beiträge mehr garantieren, sondern lediglich den Beitragserhalt. Man spricht auch von Beitragszusage mit Mindestleistung.

Pensionsfonds sind in ihrer Anlage relativ frei. Manche legen recht konservativ einen größeren Anteil des Geldes in Anleihefonds an. Manche orientieren sich bei der Anlage danach, wie lange eine Mitarbeiterkohorte noch im Unternehmen arbeitet. Anfangs ist der größere Teil des Guthabens in Aktienfonds investiert. Vor der Rente wird das Guthaben dann in sichere Anlagen umgeschichtet.

Der Chef trägt die Verantwortung
Egal, ob Leistungszusagen oder Beitragszusagen: Wenn der Chef Ihre bAV finanziert, sollten Sie mitmachen. Die Betriebsrente lohnt sich immer – und kommt quasi gratis mit. Der Chef haftet zu jeder Zeit für die gemachten Zusagen. Sollte er in Zahlungsschwierigkeiten geraten, übernimmt die Rentenzahlungen im schlimmsten Fall der Pensionssicherungsverein als Auffanggesellschaft.

Direktversicherung und Pensionskasse

Im Gegensatz zu Direktzusage, Unterstützungskasse und Pensionsfonds sind die Durchführungswege der Direktversicherung und der Pensionskasse häufig (zunächst) arbeitnehmerfinanziert. Sie gehören zu den externen Durchführungswegen und sind für den Arbeitgeber deutlich pflegeleichter als direkte Zusagen.

Große Lebensversicherer am Zug
Vereinfacht gesagt stecken hinter den Durchführungswegen Direktversicherung und Pensionskasse oft große Lebensversicherer, die sich um Anlage und Verwaltung der bAV-Beiträge kümmern. Oft bieten sie günstigere Tarife für die komplette Belegschaft an. Arbeitnehmer können einen Teil ihres Bruttogehalts in diese „bAV-Lebensversicherung“ einzahlen (Entgeltumwandlung). Auf ihre Beiträge nach Kosten erhalten sie dann in der Regel eine garantierte Verzinsung.

Direktversicherung - Darauf greifen häufig Firmen zurück, die keinem Tarifvertrag angehören. Sie suchen sich, in der Regel mit Hilfe eines Beraters, einen großen Versicherer aus und nehmen eine bestimmte Anzahl Verträge für die Belegschaft ab. Bekannte Direktversicherer sind beispielsweise die Allianz, Ergo, Gothaer, Europa oder Swisslife.

Pensionskasse - Darauf greifen gern tarifgebundene Unternehmen zurück. Es gibt Pensionskassen, die sich traditionell an bestimmte Branchen oder Berufsgruppen wenden, zum Beispiel an die Bauwirtschaft, die Finanzwirtschaft, an genossenschaftlich orientierte Unternehmen oder Kirchenmitarbeiter.

Neue Pensionskassen von privaten Lebensversicherern kamen im Lauf der Jahre hinzu. Bekannt ist etwa die Metallrente, hinter der ein Konsortium der Allianz, Ergo, R+V und Swisslife steckt. Idealerweise sind die Konditionen für eine Lebensversicherung im Mantel der Pensionskasse etwas besser als für die Direktversicherung. Die Kasse kann auf einen größeren Abnehmerkreis hoffen und echte Gruppentarife anbieten.

Vorteil Tarifvertrag
Im Bereich der Pensionskassen kommt es häufiger einmal vor, dass auch der Arbeitgeber etwas zum Beitrag zuschießt. Die Zulagen sind dann im Tarifvertrag festgelegt. Wer in einer Firma arbeitet, die keinem Tarifvertrag folgt, muss auf die Kulanz des Arbeitgebers hoffen. Auch dann kann der Chef von sich aus Geld zur Direktversicherung dazugeben – muss es aber nicht. Wie oben beschrieben, lohnt es in diesem Fall für Arbeitnehmer, das Gespräch mit dem Chef zu suchen.

Der Chef haftet
Auch für die Garantieversprechen der Lebensversicherer haftet bei einer betrieblichen Altersversorgung am Ende der Chef. Das heißt: Wenn der Versicherer oder die Pensionskasse die Renten nicht in der garantierten Höhe ausbezahlen kann, weil er nicht genügend Ertrag erwirtschaften konnte, muss der Arbeitgeber Geld aus dem Firmenvermögen nachschießen. Sollte der Arbeitgeber zahlungsunfähig werden, übernimmt die Zahlungen in diesem Fall nicht der Pensionssicherungsverein. Die Renten kommen dann weiterhin vom Lebensversicherer, der seinerseits über die Auffanggesellschaft Protektor abgesichert ist.

Eine neue Möglichkeit: reine Beitragszusage mit Zielrente

Das Betriebsrentenstärkungsgessetz, das voraussichtlich ab 2018 gilt, hat das Ziel, betriebliche Altersversorgung in kleinen Unternehmen stärker zu verbreiten und für Geringverdiener attraktiver zu machen. Zu den Geringverdienern zählen Arbeitnehmer, die nicht viel mehr als 2000 Euro brutto im Monat verdienen.  

Unter anderem besteht künftig die Möglichkeit, dass sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbände darauf verständigen, Beschäftigten nur noch bestimmte bAV-Beiträge zuzusichern, aber nicht mehr eine konkrete Rentenhöhe. Fachleute sprechen von einer reinen Beitragszusage mit sogenannter Zielrente.

Für den Arbeitgeber bedeutet das zuerst einmal Entlastung, denn sollte diese Zielrente nicht erreicht werden, muss er für keine Rentengarantie mehr einstehen. Er ist also im Vergleich zu den traditionellen Durchführungswegen in der bAV „enthaftet“. Das soll, so die Hoffnung, mehr tarifgebundene Betriebe als bislang dazu bringen, eine bAV anzubieten und auch mitzufinanzieren. Davon würden dann auch Arbeitnehmer profitieren.

Gibt es künftig weniger Betriebsrente?
Das ist nicht gesagt. Weil Arbeitgeber keine Garantien mehr bereithalten müssen, sind sie in der Anlage der Beiträge deutlich flexibler. Die Idee ist außerdem, dass möglichst viele tarifgebundene Unternehmen möglichst lang in einen großen Topf einzahlen. Neu geschaffene Einrichtungen sollen das Vermögen verwalten und möglichst breit über Anlageklassen, Länder und Branchen streuen. Dies soll Schwankungen am Kapitalmarkt ausgleichen.

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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.