Auszahlung der Direktversicherung

Wie Krankenkassenbeiträge Ihre Betriebsrente schmälern

Viele trifft die Sache unerwartet: Über Jahre oder Jahrzehnte haben sie im Betrieb über eine Lebensversicherung (Direktversicherung) fürs Alter angespart. Doch dann gehen von der späteren Betriebsrente in aller Regel Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ab. Und zwar in voller Höhe – also auch für den Teil, den während der Erwerbstätigkeit der Chef übernommen hatte. Für Sparer, die heute noch in eine Direktversicherung einzahlen, unterscheidet Finanztip mehrere Fälle.

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer noch in eine Direktversicherung anspart und gesetzlich krankenversichert ist, zahlt auf die spätere Betriebsrente durchschnittlich 15,7 Prozent an Krankenkassenbeiträgen.
  • Wer eine Direktversicherung nach Ausscheiden aus dem Job privat bespart, zahlt später nur auf die echte Betriebsrente Krankenkassenbeiträge.
  • Wer eine Betriebsrente von rund 150 Euro oder weniger im Monat erwartet, zahlt wahrscheinlich keine Krankenkassenbeiträge auf die spätere Betriebsrente.
  • Wer seit 2004 oder früher monatlich in eine Direktversicherung einzahlt, zahlt Krankenkassenbeiträge auf die heutigen Beiträge und auf die spätere Rente.

So gehen Sie vor

  • Damit sich die Direktversicherung trotz der Abgaben auf die Rente lohnt, fordern Sie mindestens 15 Prozent Zuschuss auf Ihre heutigen Beiträge von Ihrem Chef.
  • Lassen Sie sich vom Direktversicherer spätestens zu Rentenbeginn aufschlüsseln, welcher Teil Ihrer Rente eine private Leibrente ist. Berücksichtigen Sie als Rentner beides entsprechend in der Steuererklärung.
  • Fragen Sie bei der Krankenkasse nach der Höhe all Ihrer Versorgungsbezüge. Wenn Sie später als Rentner auf weniger als 148,75 Euro im Monat kommen (Stand 2017), zahlen Sie keine Abgaben.
  • Wägen Sie bei Rentenbeginn ab, ob Sie die steuerfreie Einmalauszahlung oder eine monatliche Rente beziehen wollen. Bei geringen Renten fallen keine Kassenbeiträge an. Die Steuer ist zu vernachlässigen.
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Die Betriebsrente kann helfen, die gesetzliche Rente aufzustocken. Wer seit 2005 Teile seines Bruttoeinkommens in eine Direktversicherung einzahlt, spart sich darauf Steuern und Sozialabgaben. Man spricht auch von Entgeltumwandlung. Im Alter muss er die Rente allerdings versteuern, und häufig fällt der volle Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) samt Zusatzbeitrag an. 2017 waren das im Bundesdurchschnitt 15,7 Prozent.

Dazu kommen in aller Regel noch 2,55 Prozent Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung für Rentner mit Kindern. 2,8 Prozent sind es für Rentner, die keine Kinder haben.

Hohe Abgaben für gesetzlich krankenversicherte Rentner

Grundsätzlich gilt: Sind Sie als Rentner GKV-versichert, müssen Sie auf Ihre Betriebsrente den vollen GKV-Beitragssatz zahlen. Dabei ist es egal, ob Sie in der Krankenversicherung der Rentner pflichtversichert oder freiwillig versichert sind.

Der Direktversicherer ist verpflichtet, Ihrer Krankenkasse zu Beginn der Rentenauszahlung Bescheid zu geben. In der Regel werden auch Sie aufgefordert, eine Erklärung abzugeben. Die Beiträge werden automatisch an die Krankenkasse abgeführt.

Wer privat krankenversichert ist, bleibt von den Abzügen verschont.

Beitragszuschuss vom Chef fordern

Die hohen Sozialabgaben sind nicht der einzige Posten, der die spätere Auszahlung aus der Direktversicherung belastet. Verdienen Sie heute weniger als 6.350 Euro brutto im Monat (Stand 2017) und zahlen Sie Teile Ihres Gehalts steuer- und abgabenfrei in die Direktversicherung ein, müssen Sie später kleinere Einbußen bei der gesetzlichen Rente hinnehmen.

Damit sich die Betriebsrente aus einer Direktversicherung als Ganzes dennoch lohnt und Vergünstigungen Ihrer Beiträge heute nicht durch die Belastung (Abgaben und Einkommensteuer) der späteren Rente aufgefressen werden, sollten Sie Ihren Chef ins Boot holen. Er sollte Ihre Beiträge mit mindestens 15 Prozent bezuschussen, besser mehr.

Zögert der Arbeitgeber, dann argumentieren Sie, dass er sich für jeden Euro, den Sie von Ihrem Gehalt umwandeln, ebenfalls Sozialabgaben spart. Zudem ist der Chef ab spätestens 2022 ohnehin verpflichtet, 15 Prozent Zuschuss auf Ihre Beiträge zu geben. Das regelt das neue Betriebsrentengesetz.

Details und Rechnungen dazu finden Sie in unserem Ratgeber zur betrieblichen Altersvorsorge (bAV).

Bei diesen Ausnahmen müssen Sie aufpassen

Zwar fällt auf die Betriebsrente aus der Direktversicherung der volle Krankenkassenbeitrag an. Doch gibt es einige Fälle, bei denen die Abgaben anders gehandhabt werden. Stellen Sie sicher, dass Sie alle wichtigen Punkte kennen, um aus Ihrer jeweiligen Situation das Beste herauszuholen.

Sie haben Ihre Direktversicherung privat weiter bespart

Führen Sie einen Direktversicherungsvertrag nach einem Jobwechsel privat weiter, zahlen Sie später nur auf die „echte“ Betriebsrente Sozialabgaben, also nur auf den Teil der Rente, den Sie während Ihrer Zeit beim Arbeitgeber angespart haben. Das hat das Bundesverfassungsgericht 2010 beschlossen (Az. 1 BvR 1660/08).

Wichtig dabei ist, dass Sie nach dem Jobwechsel den Versicherungsvertrag auf sich umschreiben lassen, also Sie selbst und nicht länger der Arbeitgeber Vertragsnehmer sind. Bleibt hingegen der ehemalige Arbeitgeber eingetragen, so bleibt es auch bei Ihrer Kassenbeitragspflicht – selbst wenn Sie als Arbeitnehmer die Beiträge privat bezahlen.

Um die anteiligen Krankenkassenbeiträge zu berechnen, müssen Sie sich vom Direktversicherer bescheinigen lassen, ab wann Sie die Versicherung selbst bezahlt haben und bis wann Ihr Arbeitgeber daran beteiligt war. Die Versicherungen haben diese Daten gespeichert.

Tipp

Die Unterscheidung zwischen Betriebsrente und privater Leibrente ist auch für die Steuererklärung relevant. Betriebsrenten werden voll mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert. Sie gehören in der Anlage R in das Feld 31. Bei privaten Leibrenten hingegen ist nur der sogenannte Ertragsanteil steuerpflichtig. Wenn Sie mit 67 Jahren in Rente gehen, sind das 17 Prozent. Die private Rente gehört in Feld 15 der Anlage R.

Sie erwarten nur eine kleine Betriebsrente

Wenn Ihre künftigen monatlichen Versorgungsbezüge unter 148,75 Euro liegen (Stand 2017), zahlen Sie darauf keine Beiträge zur Krankenkasse und Pflegeversicherung.

Versorgungsbezüge sind offiziell alle Bezüge und Vorteile aus einem früheren Dienstverhältnis (§ 19 Abs. 2 EstG). Neben der Betriebsrente gehören dazu zum Beispiel auch Ruhegeld aus einem früheren Beamtenverhältnis, Hinterbliebenenrenten oder Renten aus verminderter Erwerbsfähigkeit. Bei den allermeisten Sparern dürften aber die Betriebsrenten der wichtigste Bestandteil der Versorgungsbezüge sein.

Welche Untergrenze für die Versorgungsbezüge gilt, richtet sich nach dem durchschnittlichen Bruttolohn aller Mitglieder in der gesetzlichen Rentenversicherung (§ 18 SGB IV). Die Grenze steigt in der Regel jedes Jahr ein wenig an. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse, ob Ihre (voraussichtlichen) Versorgungsbezüge geringer sind als die gültige Untergrenze. Ist das der Fall, zahlen Sie keine Abgaben.

Sie haben einen Altvertrag und zahlen doppelt Krankenversicherungsbeiträge

Die Gesundheitsreform aus dem Jahr 2004 hat allen zugesetzt, die zu dem Zeitpunkt bereits mit einer Direktversicherung betrieblich vorsorgten: Damals hat der Gesetzgeber beschlossen, dass auf Betriebsrenten ab 2005 der volle Krankenkassenbeitrag anfällt. Das Problem: Sparer mit Verträgen, die sie vor 2005 geschlossen haben, bezahlen auf ihr umgewandeltes Gehalt bereits den Arbeitnehmeranteil an Sozialabgaben. Man spricht auch von Doppelverbeitragung.

Viel tun können Sparer mit solchen Altverträgen nicht. Lassen sie sich das angesparte Kapital auf einmal zum Rentenbeginn auszahlen, ist es nach wie vor steuerfrei. Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung – fast 20 Prozent – werden aber verteilt über zehn Jahre monatlich fällig und vom Konto eingezogen. Wer also beispielsweise 30.000 Euro aus seiner Direktversicherung erwartet, muss seine Abgabenpflicht zehn Jahre lang in Raten von etwa 50 Euro abstottern.

Einen kleinen Tipp gibt es allerdings für Sparer, die eine kleinere Summe angespart haben: Sie könnten statt der Einmalauszahlung die Rente wählen. Liegt die spätere Betriebsrente unter der Grenze von 148,75 Euro (Stand 2017), fallen keine Abgaben an. Die geringe Steuerlast auf die Rente ist zu vernachlässigen. Der Nachteil: Um die volle Kapitalsumme als regelmäßig ausgezahlte Rente auch wirklich zu bekommen, müssen Sie in der Regel 90 oder älter werden.

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

So können Sie fürs Alter vorsorgen

  • Zur Basisversorgung zählen die gesetzliche Rentenversicherung und Rürup-Verträge.
  • Gefördert sind Riester-Verträge oder betriebliche Altersvorsorge.
  • Die Lebensversicherung zählt zur ungeförderten Vorsorge.

» Zum Ratgeber

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.