Strommasten
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Vorige Woche berichteten wir von den schwarzen Schafen unter den Stromversorgern. Im Zuge dessen haben wir Sie aufgefordert, uns Ihre Erlebnisse zu schildern. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank für Ihre zahlreichen Zuschriften.

Unsere Auswertung hat ergeben: Die Erfahrungen unserer Leser mit windigen Stromanbietern reichen von drastischen Preiserhöhungen bis hin zu einseitigen Vertragsänderungen durch den Anbieter.

Der Grundpreis stieg beispielsweise bei einem Kunden von Enstroga von 5,49 auf 21 Euro im Monat. Eine andere Leserin berichtete sogar davon, dass der Anbieter Stromio – bekannt durch seine Marke Grünwelt Energie – die Konditionen nach dem ersten Vertragsjahr so stark erhöhen wollte, dass sie 329 Euro mehr im Jahr hätte zahlen müssen.

Das Paradoxe dabei: Die Kosten für alle Umlagen und den Stromtransport sinken zum Jahreswechsel für das Unternehmen.

Wehren Sie sich gegen Preiserhöhungen – und feilschen Sie

Finanztip hat daher berechnet, welche Kosten bei beiden Verbrauchern tatsächlich anfallen. Ergebnis: Die bisherigen Tarife sollten die Kosten decken können. Viel verdienen kann der Versorger dabei aber nicht. Will er das, muss er die Preise erhöhen.

Sind bei Vertragsabschluss auch Bonuszahlungen im Spiel, gibt es etliche Stromtarife, mit denen die Anbieter nur Verluste machen können. Das haben wir im Sommer in einer Untersuchung festgestellt.

Liegen die erhöhten Preise deutlich über den entstehenden Kosten, gibt es für Kunden häufig Verhandlungsspielraum. Den hat die Kundin aus Hamburg ausgenutzt und gegen die Preiserhöhung von Stromio protestiert. Sie erhielt ein neues Angebot mit deutlich geringeren Mehrkosten: Die Preise sind immer noch höher als bisher, lägen aber im zweiten Vertragsjahr bei „nur“ 96 und nicht 329 Euro.

Erhöht Ihr Versorger scheinbar willkürlich die Preise, dann feilschen Sie mit ihm. Rückt er von seinen neuen Preisen nicht ab, können Sie immer noch das Sonderkündigungsrecht nutzen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln.

Stromio sperrt wechselfreudige Kunden für Schnäppchen-Tarife

Auch häufiges Wechseln kann Auswirkungen haben. Diese Erfahrung machten zwei Leser, die beide schon einmal Kunden von Stromio waren. Als sie in diesem Jahr zu dem Strom- und Gasversorger aus Neuss zurückwechseln wollten, bekamen sie nicht den Tarif ihrer Wahl. Ihnen wurde lediglich der teurere Tarif für Bestandskunden angeboten, nicht aber der günstige für Neukunden. Warum Stromio so verfährt, hat das Unternehmen nicht verraten. Eine Anfrage von Finanztip ist seit Mitte September unbeantwortet.

Finanztip hat erfahren, dass auch andere Unternehmen überlegen, Verbraucher zu selektieren. Energieanbieter bevorzugen langjährige Kunden. Wechselfreudige, die bereits nach einem Jahr zum nächsten Anbieter ziehen, sind weniger beliebt. Warum, ist ganz klar: Sind die Schnäppchen-Tarife nicht kostendeckend, macht ein Versorger mit einem wechselfreudigen Kunden Verlust.

Die Zukunft wird zeigen, ob das Vorgehen von Stromio Schule macht.

Widersprechen Sie Vertragsänderungen und schalten Sie Ihren Makler ein

Widerstand ist aber nicht nur bei Preiserhöhungen geboten. Auch vom Versorger eigenmächtig vorgenommenen Vertragsänderungen sollten Sie widersprechen.

Vor zwei Wochen berichteten wir von der 365 AG, die unter anderem hinter den Marken Immergrün und Ideal Energie steht. Das Unternehmen verlangte von Kunden, fällige Abschläge zu überweisen, wenn sie ihren Vertrag gekündigt hatten. Ähnlich agiert auch der Versorger Fuxx – die Sparenergie, haben uns Leser mitgeteilt. Überweist ein Kunde zu spät, flattert sofort eine Mahnung ins Haus.

Dabei darf ein Versorger nicht einfach im Alleingang festlegen, dass ein Kunde zukünftig seine Beiträge überweist.

Widersprechen Sie daher einer solchen Aufforderung. Verlangen Sie vom Unternehmen weiterhin das Lastschriftmandat zu nutzen. Argumentieren Sie, dass der Versorger in Annahmeverzug gerät, wenn er einen Abschlag nicht rechtzeitig einzieht. Dass das wirkt, teilten uns mehrere Leser mit.

Sollte ein Unternehmen nicht weiter auf Ihren Widerspruch reagieren, reichen Sie Beschwerde bei der Schlichtungsstelle Energie ein. Die Institution kennt das Thema bereits. Und es gibt eine weitere Möglichkeit, den Versorger unter Druck zu setzen – vorausgesetzt, Sie haben den Vertrag über Verivox oder Check24 abgeschlossen. Bei Problemen mit dem Versorger können sich Kunden an Verivox und Check24 wenden. Diese kümmern sich um alle Anfragen und verlangen vom Versorger eine Erklärung. Wie unsere Leser meldeten, löste sich das Problem häufig nach Einschalten der Portale wie von selbst.

1 KOMMENTAR

  1. Unseren Strom beziehen wir nach ökologischen Maßstäben. Dabei fallen die wenigen, z.B. vom BUND empfohlenen Anbieter mit großer Kundenzufriedenheit, fairen Preisen und kurzer Kündigungsfrist auf. Seit 3 Jahren beziehen wir unseren Strom von der EWS (Elektrizitätswerke Schönau) und haben seit dem keine Preiserhöhung bekommen. Die EWS gibt sogar noch Tipps zum Energiesparen, womit wir inzwischen sehr erfolgreich Energie und Geld sparen. Es gibt zwar keine „Ultrasuperbonus“-Angebotspreise, dennoch würde ich den Anbieter unbedingt weiterempfehlen!

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