Dieselabgase auf der Straße im Stau
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Wer Diesel fährt, will vor allem günstig Auto fahren. Doch gerade für preisbewusste Autofahrer werden Diesel gerade zu einem denkbar schlechten Geschäft: Der Wiederverkaufswert ist in Gefahr. Das liegt daran, dass der Diesel viel Stickoxide ausstößt und damit die Gesundheit der Bewohner in den Innenstädten gefährdet. Die Probleme sind so groß, dass vielerorts Fahrverbote drohen.

München nun nach Stuttgart die zweite Metropole, in der Autofahrer ganz konkret ab 2018 mit Fahrverboten für Diesel in der Innenstadt rechnen müssen. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sprach diese Woche erstmals von solchen Plänen. Hintergrund sind die hohe Schadstoffbelastung und Klagen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) gegen 16 Städte. Dazu gehören neben München und Stuttgart auch Düsseldorf, Köln, Bonn, Aachen, Essen, Gelsenkirchen, Frankfurt, Mainz und Berlin.

In München soll die Umweltzone gesperrt werden

Im Falle Münchens hatte die DUH im März vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs durchgesetzt, dass München bis Ende des Jahres einen wirksamen Luftreinhalteplan einführen muss. Denn in der Innenstadt werden die geltenden EU-Grenzwerte für Stickoxide immer wieder stark überschritten.

Die Werte einzuhalten ist nach Ansicht des Münchener Oberbürgermeisters ohne Fahrverbote kaum vorstellbar. Er sehe nicht, „wie wir künftig weiter ohne Sperrungen auskommen werden“. Betroffen von dem Plan wären alle Diesel außer Modelle mit Euro-6-Abgasnorm – also etwa 80 Prozent der Fahrzeuge. Für sie soll die Münchener Umweltzone ab 1.1.2018 tabu sein. Allerdings braucht es dazu entweder eine bundesweite Regelung oder eine gerichtliche Erlaubnis für die Stadtregierung. Darüber entscheidet vermutlich im Herbst das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

Den Diesel verkaufen oder reklamieren

Die Zukunft des Diesels ist also ungewiss. Wer ein Auto des VW-Konzerns mit manipulierter Software besitzt, sollte deshalb die Gelegenheit ergreifen, das Auto einfach zurückzugeben und auf Entschädigung zu klagen. Es gibt Rechtsdienstleister, die Ihnen den Prozess und das Risiko komplett abnehmen. Wie das geht, lesen Sie in unserem Ratgeber zum Abgas-Skandal.

Denkbar ist auch ein Verkauf – und zwar bevor der Wert Ihres Autos unnötig fällt. Also am besten bevor Innenstädte den Diesel tatsächlich aussperren. Wie das ganz bequem geht, lesen Sie im Gebrauchtwagen-Ratgeber. Für Gewerbetreibende würde es sicher die ein oder andere Ausnahme vom Fahrverboten geben. Nicht aber für normale Autofahrer.

An stark befahrenen Straßen sind hauptsächlich Autos die Quelle gefährlicher Stickoxide, vor allem Dieselmodelle. Dagegen hilft nur eine effektive Abgasreinigung. Die aktuell schärfste Abgasnorm ist Euro-6. Allerdings will die DUH auch ein Fahrverbot für Euro-6-Diesel erwirken. Denn diese produzieren im tatsächlichen Betrieb erheblich mehr Stickoxide als im Prüfzyklus im Labor. Nach diesen Werten aber wird entschieden, ob ein Diesel die aktuelle Euro-6-Norm erfüllt.

Politik verhandelt über Diesel-Nachrüstung

Technisch ist es wahrscheinlich möglich, Diesel mit Euro-5 auf Euro-6 aufzurüsten. Experten gehen von Kosten von etwa 1.500 bis 2.000 Euro aus. Etwa 40 Prozent aller Diesel fallen in die Kategorie Euro-5. Die grün-schwarze Landesregierung in Baden-Württemberg verhandelt derzeit mit der Autoindustrie über Lösungen, den Stickoxid-Ausstoß zu verringern. Im Gespräch sind Software-Updates oder Nachrüstungen, auch für die Euro-6-Modelle. Die Autoindustrie solle sich nach Ansicht der Landesregierung an den Kosten beteiligen.

Stickoxid ist ein Reizgas, das vor allem Menschen mit Allergien und Atemwegsinfekten zu schaffen macht. Bei hohen Belastungen nehmen Herz-Kreislauferkrankungen und Sterblichkeit zu. Einer Studie zufolge zufolge ist pro Jahr allein in Europa von 30.000 vorzeitigen Todesfällen durch Stickoxide aus Dieselmotoren auszugehen. Nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur, einer offiziellen EU-Behörde, starben 2012 in Europa sogar 72.000 Menschen vorzeitig, wenn man außer dem Dieselauto auch alle anderen Stickoxid-Quellen berücksichtigt.

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Als stellvertretender Chefredakteur ist Matthias Urbach für den Newsletter, Kooperationen und die redaktionellen Sonderprojekte von Finanztip verantwortlich. Als Diplomphysiker und Absolvent der Henri-Nannen-Schule kombiniert er analytisches und redaktionelles Know-how. Zuvor war er unter anderem als Verlagsdirektor beim SpringerNature-Wissenschaftsverlag und als Leiter von taz.de tätig.

9 KOMMENTARE

  1. Ich finde ein Fahrverbot für Diesel eine völlig überzogene und unverhältnismäßige Maßnahme. Auch das Euro6-Diesel ausgenommen werden sollen, verstehe ich nicht. Im realen Verkehr sind sie nicht viel besser als Euro5 Diesel. Ein solches Fahrverbot wird keine Verbesserung der Luftwerte bringen.
    Man sollte neben den Stickoxiden auch C02, Feinstaub durch Reifen und Bremsenabrieb und den Lärm durch Autos und LKW beachten und verringern. Auch Flugzeuge, Kraftwerke und Schiffe tragen hier übrigens einen Anteil bei.
    Für den Stadtverkehr heißt die Lösung nicht Diesel aussperren, sondern den Verkehr insgesamt zu verringern. Warum denkt hier z.B. niemand über ein generelles Tempolimit von 30 km/h in Städten nach ? Es würde den Verkehrsfluß flüssiger machen, ÖPNV und Fahrrad würde als Alternative interessanter werden und müsste entsprechend ausgebaut werden. Der Verkehr würde sicherer werden.
    Warum traut sich kein Politiker diesen Vorschlag zu machen und politisch umzusetzen ?

  2. Was wir vor allem brauchen sind weniger Menschen auf diesem Planeten. Menschen die nicht hier sind können auch nicht Autofahren, Strom verbrauchen, Müll produzieren! Es wird immer oberflächlich an kleinigkeiten gediktert anstatt das Problem mal beim Namen zu nennen und an der Wurzel zu Packen. maximal 1 Kind Pro Paar weltweit, kostenlose Verhütung für alle!

  3. Was Sie zwar im Blog schreiben, im Newsletter aber nicht: Die Fahrverbote betreffen nicht die Euro 6 Diesel (von denen auch heute schon einige sehr geringe NOx-Werte selbst im Strassenbetrieb haben, auch hier müsste differenziert werden).
    Im übrigen reden wir über Vorhaben, es wird meiner Einschätzung nach nicht zu Fahrverboten kommen; die Kommunen werden andere Lösungen bevorzugen – und das ist auch angebracht und eventuell sogar wirksamer (z.B. intelligente Verkehrssteuerung).

    Jetzt pauschal die Empfehlung auszusprechen, mal ganz eben en passant seinen Diesel zu verkaufen, ist eine unseriöse Panikmache: Aufgrund der allgemeinen Verunsicherung durch ähnlich voreilige Ratschläge auch in anderen Medien wird man jetzt einen besonders niedrigen Preis erzielen.
    Ruhe bewahren, beim voreiligen Verkauf kann man viel Geld verlieren.

  4. Lieber Herr Henkel,

    Sie haben völlig recht: Man sollte nichts überstürzen. Wir haben uns bislang in dieser Frage auch eher bedeckt gehalten. Inzwischen verdichten sich aber die Indizien, dass wir in mehreren Städten nicht an Fahrverboten vorbeikommen. Die Politik hat lange versucht, das Thema klein zu halten, aber die Grenzwertüberschreitungen in Verbindung mit den Gerichtsurteilen erzwungen durch die DUH, haben nun die Situation verändert.

    Und falls Sie einen manipulierten VW besitzen: Den können Sie wahrscheinlich nur noch bis Ende des Jahres zurückgeben (eine Klage gegen VW vorausgesetzt).

  5. Fahrer eines manipulierten Diesel-Autos haben wenigstens die Möglichkeit zu klagen und vielleicht ihr Fahrzeug zurückzugeben. Ich fahre einen nicht-EA189-Euro5-Diesel aus dem VW-Konzern und bin trotzdem vom Wertverlust durch den Dieselskandal betroffen. Die Schuld liegt hier für mich eindeutig bei VW, aber durch die Vertuschung des Konzerns zusammen mit der Politik bleibe ich auf dem Wertverlust sitzen. Als einzige Konsequenz bleibt mir nur nie wieder ein Auto dieses Konzernes zu kaufen…

    • Sehr geehrter Herr Ulbrich,
      ein Software-Update verbessert nicht automatisch die Schadstoffklasse. Ich vermute Sie fahren einen Diesel aus dem VW-Konzern?
      Beste Grüße
      Matthias Urbach

  6. Vorab, es ist schon schlimm daß heutige Luftverschmutzung zugenommen hat.
    Aber warum muß Deutschland, als eines der kleinsten Luftverschmutzer, immer die Welt retten? Weil unsere Regierung herausgefunden hat, daß man damit die Bürger sehr gut zur Kasse beten kann.
    Die Autolobby verstehen ebenfalls ihr Geschäft sehr gut.
    Unsere alten Autos, bei uns die sogenannte Luftverschutzer, werden dannins Ausland verkauft und die dort weiterhin gleiche Luft.
    Toll

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