Dieselabgase
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Im Folgenden die wichtigsten Fragen und Antworten zum Diesel-Abgasskandal. Welche Marken sind betroffen? Gibt es Fahrverbote? Wie kann ich mein Auto zurückgeben?

Grundsätzlich:

Ist mein Auto vom Abgasskandal betroffen?

Welche Volkswagen-Modelle sind betroffen?

Welche Porsche-Modelle sind betroffen?

Welche Mercedes-Diesel sind betroffen?

Wird es Fahrverbote geben?

Welche Autos wären von Fahrverboten betroffen?

Muss ich mit einem Wertverlust rechnen?

Was hat der „Diesel-Gipfel“ beschlossen?

Ihr Recht:

Wie kann ich mich rechtlich wehren?

Bis wann muss ich klagen?

Kann ich mich einer Sammelklage anschließen?

Was kostet mich eine Klage?

Muss ich etwas zahlen, wenn ich mein Auto zurückgebe?

Nachrüstung und Software-Update:

Soll ich das Software-Update aufspielen lassen?

Was passiert beim Software-Update?

Wie sähe eine wirksame Nachrüstung aus?

Wie finde ich heraus, welche Schadstoffklasse mein Diesel hat?

Gesundheit:

Warum sind die Diesel-Autos überhaupt ein Problem?

 

 

Grundsätzlich:

Ist mein Diesel vom Abgasskandal betroffen?

Falls auch Ihr Fahrzeug manipuliert wurde, dann bekommen Sie Post vom Hersteller. Auch wenn Sie den Wagen gebraucht gekauft haben, da die Hersteller mit der Zulassungsbehörde zusammenarbeiten.

Vom Abgasskandal betroffen sind bislang Fahrzeuge von VW, Audi, Skoda und Seat (zusammen 2,5 Millionen Fahrzeuge in Deutschland). Außerdem Porsche (circa 7.000 Fahrzeuge in Deutschland). Unter folgenden Links können Sie nachsehen, ob Ihr Auto dabei ist: VW, Audi, Skoda, Seat.

Bei folgenden Herstellern wurde noch keine Betrugssoftware entdeckt, trotzdem haben die Autobauer freiwillige „Nachrüstungen“ in Form eines Updates der Motor-Software angekündigt: Mercedes (3 Millionen Fahrzeuge europaweit), BMW und Opel. Gegen Mercedes ermittelt die Stuttgarter Staatsanwaltschaft wegen möglicher Diesel-Abgasmanipulationen. Es kann also sein, dass es hier auch offizielle Rückrufe geben wird. Gegen BMW und Opel laufen hingegen keine Ermittlungen.

 

Welche Volkswagen-Modelle sind betroffen?

Volkswagen hat seinen Dieselmotor EA 189 mit 1,2 Liter, 1,6 und 2 Liter zurückgerufen. Der Motor steckt im VW Golf VI, Passat VII, im Audi A4 und A6 und in diversen weiteren VW- und Audi-Modellen – sowie in Autos von Skoda und Seat. Die betroffenen Fahrzeuge bekommen ein Software-Update der Motorsteuerung. Beim 1,6-Liter-Motor wird zusätzlich ein kleines Plastikrohr verbaut, ein sogenannter Strömungsgleichrichter. Viele Besitzer haben schon nachgerüstet.

 

Welches Porsche-Modell ist vom Diesel-Abgasskandal betroffen?

Porsche muss auf Anweisung des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) die Software für die Motorsteuerung seines Cayenne 3.0 TDI austauschen. Denn die enthält ein Betrugsprogramm, das erkennt, ob das Fahrzeug auf dem Prüfstand steht. Bis das KBA eine neue Steuerungssoftware genehmigt hat, darf Porsche das Auto nicht mehr verkaufen. Die Halter werden angeschrieben, sobald die Nachrüstung möglich ist. Der VW Touareg könnte die gleiche Schummel-Software haben, das wird aber noch geprüft.

 

Welche Mercedes-Diesel sind betroffen?

Mercedes hat seine Motormodelle OM 642 und OM 651 zurückgerufen. Das betrifft zum Großteil Diesel der Schadstoffklassen Euro 5 oder Euro 6. Es handelt sich um Turbodiesel mit sechs Zylindern und 3,0 Liter Hubraum sowie vier Zylindern und 1,8 oder 2,1 Liter Hubraum. Die Motoren sind mehr oder weniger in der gesamten Mercedes-Modellpallette verbaut worden. Die Fahrzeuge bekommen ein Software-Update der Motorsteuerung. Anders als der Rückruf von Volkswagen ist der von Mercedes aber nicht verpflichtend, denn er wurde nicht vom Kraftfahrt-Bundesamt angeordnet. Es handelt sich um eine freiwillige Service-Maßnahme. Mercedes ist bislang keine Abgasmanipulation nachgewiesen worden, allerdings ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gegen den Konzern.

 

Wird es Fahrverbote geben?

Die beim „Diesel-Gipfel“ angekündigten Maßnahmen genügen wahrscheinlich nicht, um Fahrverbote zu verhindern. Daher muss mit Diesel-Fahrverboten ab Anfang 2018 gerechnet werden. Sicher ist das nicht, aber in 28 Städten und Ballungsräumen werden derzeit die Stickoxid-Grenzwerte überschritten. Angedacht ist in mehreren Städten eine Regel, die Diesel unter Euro-6-Abgaswerten die Fahrt in die bereits bestehende Umweltzone verweigert. Bislang verhindert die Bundesregierung die dafür nötige gesetzliche Grundlage.

Die Deutsche Umwelthilfe klagt gegen mehrere Städte, die in den vergangenen Jahren die Grenzwerte für Stickoxide vor allem an den Straßen in der Innenstadt regelmäßig überschritten haben. Zuletzt in München und Stuttgart mit Erfolg. Das Stuttgarter Verwaltungsgericht ging Ende Juli so weit und urteilte: Fahrverbote seien bislang die einzige mögliche Maßnahme, die Luft in Stuttgart ab 2018 ausreichend zu entlasten. Außerdem befand der Richter, dass angesichts der Gesundheitsgefährdung eine Regelung des Bundes nicht nötig sei, um vor Ort in den Städten Fahrverbote auszusprechen. Mit diesem Urteil sind Fahrverbote sehr viel wahrscheinlicher geworden. Im Herbst wird vermutlich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig endgültig in dieser Frage entscheiden.

 

Welche Autos wären von Fahrverboten betroffen?

Das ist unklar. Es könnten sämtliche Diesel-Autos betroffen sein. Wahrscheinlicher ist aber ein Einfahrtverbot für Diesel-Fahrzeuge, die nicht die Euro-6-Norm erfüllen. Es ist möglich, durch eine technische Nachrüstung auch Fahrzeuge der Euro-5-Norm auf den Euro-6-Standard zu bringen. Die Nachrüstung mit einem verbesserten Katalysator (SCR-Kat) mit der Abgasreinigungsflüssigkeit „Adblue“ kostet rund 1.500 Euro.

Der neue SCR-Katalysator spritzt das Adblue nicht mehr flüssig ein, sondern gasfömig. Dadurch kann er schon bei niedrigeren Temperaturen arbeiten und ist auch sonst effektiver. Dieses sogenannte BNOx-SCR-System kann auch das Problem vieler Euro-6-Fahrzeuge beheben, die einen Kat haben, der im realen Fahrbetrieb zu wenig Stickoxide herausfiltert. Mehr zum neuen Kat der Firma Twintec lesen Sie hier.

 

Muss ich mit einem Wertverlust rechnen?

Die Debatte seit Bekanntwerden der Abgasmanipulation durch VW hat bereits dazu geführt, dass deutlich weniger Diesel zugelassen werden. Im April kauften laut Car-Institut so wenig Privatkunden einen Neuwagen mit Dieselmotor wie seit 2009 nicht mehr. Insgesamt verringerte sich die Zahl der Diesel-Neuzulassungen allein im ersten Halbjahr 2017 um 9 Prozent, die für Benziner nahm um 12 Prozent zu.

Die niedrigere Nachfrage wird auch die Preise für gebrauchte Diesel unter Druck setzen. Sollte es Fahrverbote geben, wird das sicher zusätzlich den Wert betroffener Autos mindern.

Falls die Autoindustrie andererseits den Schadstoffausstoß der Dieselflotte deutlich nachbessert, könnte das den Verkaufswert der Diesel wieder stabilisieren. Allerdings geht das in vielen Fällen nicht ohne eine Änderung am Abgassystem selbst. Die kostet um die 1.500 Euro pro Fahrzeug, also mehr als zehnmal soviel wie ein Software-Update. Bislang wollen die Autohersteller deshalb in der Regel nur die Software der Motorsteuerung aktualisieren.

 

Was hat der Diesel-Gipfel beschlossen?

In Deutschland sind 15 Millionen Diesel zugelassen. Für 2,5 Millionen Fahrzeuge hat Volkswagen bereits die Nachrüstung laufen (Motor EA 189). Für weitere 2,8 Millionen Diesel von Mercedes, Opel und BMW sowie weitere Modelle des VW-Konzerns wurden auf dem Gipfel ebenfalls Software-Updates zugesagt. Die Kosten von um die 100 Euro pro Fahrzeug übernimmt die Autoindustrie aus der Portokasse. Die Maßnahme betrifft ausschließlich Wagen der Norm Euro 5 und Euro 6.

Die Hersteller versprechen, dass die Fahrzeuge nach dem Update etwa 25 bis 30 Prozent weniger giftige Stickoxide ausstoßen. Fahrverhalten, Lebensdauer und Verbrauch sollen nicht beeinträchtigt werden. Eine Garantie dafür gibt es nicht. Die Hersteller haben sich aber verpflichtet, die Unbedenklichkeit des Updates gegenüber den Behörden nachzuweisen. Auch müssen sie eine Gewährleistung für „die Bauteile übernehmen, die durch die Maßnahme beansprucht werden“. Das Update ist für Autobesitzer freiwillig.

Überhaupt nichts angeboten haben bislang Ford und alle Diesel-Hersteller aus dem Ausland wie Renault, Citroën, Fiat oder Volvo.

Einige Autobauer, wie BMW, Ford, Daimler und Toyota wollen für Autos mit Euro 4 und niedriger Abwrackprämien anbieten beim Umstieg auf einen modernen Verbrenner oder gleich ein E-Auto. BMW bot auf dem „Diesel-Gipfel“ zum Beispiel bis zu 2.000 Euro an für Kunden, die auf einen neuen BMW umsteigen wollen. Ford sprach sogar von Prämien bis zu 8.000 Euro. Solche Prämien kommen aber nicht immer komplett beim Kunden an, weil der Neuwagenpreis ohnehin Verhandlungssache ist.

Diese Beschlüsse sollen nun in vier Expertenkreisen noch konkretisiert werden, erklärte die Bundesregierung.

Die auf dem Gipfel beschlossenen Maßnahmen werden nicht ausreichen, um Fahrverbote sicher zu verhindern. Das sieht sogar Gipfelteilnehmer Winfried Kretschmann so, der Ministerpräsident Baden-Württembergs (Grüne): „Das wird aber leider nicht reichen, um die Grenzwerte in den belasteten Städten unter die gesetzlichen Vorgaben zu bringen.“ Er muss es wissen, denn seine Landesregierung hat genau in dieser Frage gerade einen Prozess am Verwaltungsgericht Stuttgart verloren. Daran ändern auch die angekündigten Maßnahmen zur Förderung von Bus, Bahn und Fahrrad nicht viel.

 

 

Ihr Recht:

Welche rechtlichen Möglichkeiten habe ich?

Es gibt grundsätzlich zwei Wege, wie betroffene Diesel-Fahrer sich vor einem Wertverlust schützen können: Sie können Ansprüche aus Kaufrecht und sogenannte deliktische Schadensersatzansprüche geltend machen. Im Ergebnis geht es um dasselbe. Sie geben den manipulierten Diesel zurück und bekommen im Gegenzug den Kaufpreis erstattet – abzüglich eines Nutzungsersatzes.

Diese Möglichkeit gibt es sicher nur für die Fahrzeuge, deren Abgasverhalten nachweislich manipuliert wurde, also vor allem VW-Diesel mit dem EA-189-Motor bei den Marken Skoda, VW, Audi und Seat sowie der 3.0-Liter-Cayenne von Porsche.

Es könnten weitere Marken hinzukommen: Die Daimler-Zentrale wurde bereits wegen des Verdachts auf Manipulation durchsucht. Unsere Empfehlung vw-verhandlung.de* prüft zurzeit Ansprüche gegen Daimler und BMW und bietet an, Interessenten zeitnah zu informieren.

Kaufrechtliche Ansprüche richten sich immer gegen den Verkäufer, Schadensersatzansprüche wegen vorsätzlicher Verbrauchertäuschung oder wegen Verstoßes gegen gesetzliche Vorschriften richten sich gegen den Hersteller. Lassen Sie sich von juristischen Experten beraten, die mit Ihnen individuell alle rechtlichen Möglichkeiten besprechen. Hier geht’s zu unserem Ratgeber.

Widerrufsjoker: Wer sein Auto über die Bank des Herstellers finanziert hat, hat noch eine dritte Möglichkeit: Er kann die Widerrufsbelehrung im Darlehensvertrag prüfen lassen. Die ist eventuell fehlerhaft und ermöglicht dadurch eine Rückabwicklung des Kaufvertrags. Das ist finanziell unter Umständen noch viel besser als eine einfache Rückgabe.

 

Bis wann muss ich klagen?

Vom Kaufvertrag zurücktreten kann der Diesel-Käufer innerhalb von zwei Jahren nach Übergabe des Fahrzeugs, bei Gebrauchtwagen häufig nur ein Jahr, nachdem der Verkäufer die Schlüssel übergeben hat. Volkswagen hat erklärt, der Konzern werde sich bis zum Jahresende nicht auf Verjährung berufen, selbst wenn die einzelnen Ansprüche eigentlich bereits abgelaufen wären. Was danach gilt, ist unklar. Im Moment sieht es nicht so aus, dass VW bereit wäre, die Frist zu verlängern. Schadensersatzansprüche können etwas länger geltend gemacht werden, nämlich bis zu drei Jahre nach Bekanntwerden des Mangels.

 

Kann ich mich einer Sammelklage anschließen?

Um ihre Rechte durchzusetzen, müssen Betroffene in aller Regel einzeln vor Gericht ziehen, da es in Deutschland noch keine Verbraucher-Sammelklagen gibt. Das Gute: Immer mehr Gerichte urteilen bundesweit, dass die Händler oder gleich die Hersteller zur Rücknahme verpflichtet sind.

 

Was kostet mich eine Klage?

Mit einer Rechtsschutzversicherung sind Sie auf der sicheren Seite. Die meisten Versicherungen übernehmen mittlerweile anstandslos die Kosten.

Wer nicht rechtsschutzversichert ist, dem empfiehlt Finanztip die Anwaltskooperation vw-verhandlung.de* sowie den Rechtsdienstleister Myright*. Die übernehmen das Kostenrisiko, im Erfolgsfall behalten sie allerdings eine Provision. Mehr zu den beiden Anbietern lesen Sie in unserem Ratgeber zum VW-Abgasskandal.

 

Muss ich etwas zahlen, wenn ich mein Auto zurückgebe?

Wer sein Fahrzeug zurückgibt, dem wird in aller Regel etwas dafür berechnet, dass er mit dem Auto eine ganze Weile gefahren ist. Die Höhe des „Gebrauchsvorteils“ richtet sich nach dem Kaufpreis und dem aktuellen Kilometerstand im Verhältnis zur erwarteten Gesamtlaufzeit des Fahrzeugs. Bei Autos mit Dieselmotor gehen die Gerichte meist von einer Lebensdauer bis 250.000 Kilometern aus.

Verbraucher können ihr Fahrzeug aber unter Umständen eintauschen, ohne die gefahrenen Kilometer in Abzug zu bringen. So hat es das Landgericht Offenburg entschieden (Urteil vom 21. März 2017, Az. 3 O 77/16).

Auch wenn ein Gericht die gefahrenen Kilometer anrechnet, lohnt es sich, da dies meistens günstiger kommt als der allgemeine Wertverlust des Fahrzeugs. Schließlich verlieren Autos schon unter normalen Umständen in den ersten vier Jahren die Hälfte ihres Wiederverkaufswertes. Außerdem haben Sie dann nicht mehr das Problem, Ihren Wagen in ein paar Jahren auf eigene Faust verkaufen zu müssen.

 

 

Nachrüstung und Software-Update:

Soll ich das Software-Update aufspielen lassen?

Sie sollten die von den Herstellern angebotene „Nachrüstung“, also das Software-Update, machen lassen. Im Rahmen des Diesel-Gipfels haben sich die deutschen Autohersteller verpflichtet, dass durch die geplanten Updates der Motorsteuerung Fahrverhalten, Lebensdauer und Verbrauch nicht beeinträchtigt werden. Allein mit einem höheren Adblue-Verbrauch müssen Sie rechnen, falls Ihr Auto überhaupt einen SCR-Katalysator mit Adblue hat.

Eine uneingeschränkte Garantie auf die Updates gibt es leider nicht. Die Hersteller müssen aber die Unbedenklichkeit der Nachrüstung gegenüber dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) nachweisen. Auch müssen die Autobauer laut Gipfel-Vereinbarung eine Gewährleistung für „die Bauteile übernehmen, die durch die Maßnahme beansprucht werden“.

Bei einem Weiterverkauf müssen Diesel-Besitzer mit Problemen rechnen, falls der Wagen nicht mit aktualisierter Motorsoftware läuft. Durch die Nachrüstung ergeben sich keine rechtlichen Nachteile, Sie verzichten auf keinerlei Klage-Rechte.

Zur Nachrüstung von Volkswagen gibt es bereits erste Erfahrungen. Es gab zwar Institute, die bei einzelnen Umrüstungen Probleme festgestellt haben. Der ADAC hingegen hat alle drei Hubraum-Varianten 1,2 Liter, 1,6 Liter und 2,0 Liter des EA-189-Motors vor und nach der Umrüstung getestet. Er fand keine Auffälligkeiten und tatsächlich deutlich verbesserte Abgaswerte. Der Autobauer hat gegenüber dem Verbraucherzentrale-Bundesverband (VZBV) nochmals erklärt, dass seine Nachrüstungen weder Verbrauch noch Haltbarkeit beeinträchtigen.

Beim VW-Motor EA 189 handelt es sich um einen offiziellen Rückruf. Nachrüstungsverweigerer müssen zwar nicht mit Strafen rechnen, es könnte aber sein, dass der Tüv nach Ablauf der Rückruffrist die Plakette verweigert.

Auch im Fall von Mercedes ist es aus denselben Gründen sinnvoll, die Nachrüstung mitzumachen. Diese beruht allerdings – anders als bei Volkswagen – nicht auf einem offiziellen Rückruf. Es handelt sich um eine freiwillige Maßnahme.

Im Fall von Porsche haben Sie keine Wahl: Der Cayenne 3.0 TDI hat nach einer Übergangsfrist ohne Update keine Betriebsgenehmigung mehr.

 

Was passiert bei der offiziellen Nachrüstung?

Bei den Nachrüstungen vom Volkswagen-Konzern (VW, Audi, Skoda, Seat und Porsche) und von Mercedes handelt es sich um Updates der Software der Motorsteuerung. Dabei werden im Wesentlichen je nach Modell Abschaltvorrichtungen für die Abgasreinigung deaktiviert und/oder der Bereich der Außentemperatur oder der Fahrsituationen vergrößert, in dem die Abgasreinigung aktiv ist. Beim 1,6-Liter-Motor vom Volkswagen-Konzern wird zusätzlich ein Plastikrohr eingebaut, ein sogenannter Strömungsgleichrichter.

 

Wie sähe eine wirksame Nachrüstung aus?

Ein reines Software-Update bringt eine relativ kleine Verbesserung der Abgasreinigung. Allein bei den Dieseln mit SCR-Katalysator (etwa die Hälfte der Euro-6-Fahrzeuge) könnte der Effekt größer sein. Eine Optimierung würde hier in jedem Fall mit einem gewissen Mehrverbrauch an Adblue einhergehen.

Es ist möglich, durch eine technische Nachrüstung auch Fahrzeuge der Euro-5-Norm auf den Euro-6-Standard zu bringen sowie Euro-6-Fahrzeuge ohne Kat auf ein wirklich sauberes Niveau: Durch die Nachrüstung mit einem sogenannten BNOx-SCR-Katalysator. Der Kat von der Firma Twintec heizt den Harnstoff, also Adblue, auf und verdampft ihn, bevor er in den Abgasstrang eingeleitet wird. Dadurch ist er viel effektiver als herkömmliche SCR-Kats und arbeitet auch in einem deutlich größeren Temperaturbereich. Er kann bei allen Euro-5-Fahrzeugen nachgerüstet werden. Kostenpunkt: um die 1.500 Euro. Mehr zum neuen Kat der Firma Twintec lesen Sie online bei der Autozeitung. Zurzeit gibt es einigen politischen Druck auf die Autohersteller, so eine Nachrüstung auf eigene Kosten vorzunehmen.

 

Wie finde ich heraus, welche Schadstoffklasse mein Diesel hat?

Das steht in Ihrem Fahrzeugschein, auch „Zulassungsbescheinigung Teil I“ genannt. Sie finden die Angabe unten auf der mittleren Seite in Feld 14.

 

Gesundheit:

Warum sind Diesel-Autos überhaupt ein Problem?

Stickoxide kosten Zehntausenden Jahr für Jahr vorzeitig das Leben, denn Stickoxid ist ein Reizgas. Es macht vor allem Menschen mit Allergien und Atemwegsinfekten zu schaffen. Bei hohen Belastungen nehmen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit die Sterblichkeit zu. Einer Studie zufolge ist pro Jahr allein in Europa von 30.000 vorzeitigen Todesfällen durch Stickoxide aus Diesel-Motoren auszugehen. Sie sind die größte einzelne Quelle für diese Schadstoffe.

Nach Einschätzung der Europäischen Umweltagentur, einer offiziellen EU-Behörde, starben 2012 in Europa sogar 72.000 Menschen vorzeitig, wenn man außer dem Dieselauto auch alle anderen Stickoxid-Quellen berücksichtigt. Allein in Deutschland waren es demnach 10.400 Tote. Laut der Bundesregierung liegt die Stickoxid-Belastung in 28 deutschen Städten und Ballungsräumen „immer noch und teilweise erheblich“ über den Grenzwerten.

11 KOMMENTARE

  1. Hallo, Herr Matthias Urbach!

    Es stellt sich folgende Frage:

    Warum ist bei diesem Skandal nur von den Deutschen Herstellern die Rede?

    Was ist zum Beispiel mit Peugeot:

    Peugeot hält sich auf Anfrage bedeckt
    und tut so,
    als ob Peugeot mit diesen Dingen überhaupt keine Probleme hat!

    ================================================
    Peugeot 2008 Allure BlueHDi 120 STOP & START
    Kleinwagen
    Modell: Peugeot 2008
    UVP: 23.550€
    Benzinverbrauch: 3,7 l/100km kombiniert (4,3 Stadtverkehr, 3,3 Autobahn)
    Motorleistung: 88 kW bei 3.500 U/min
    Motorisierung: 1,6 l 4-Zylinder Diesel
    Tankinhalt: 45 l
    Getriebe: 6-Gang Schaltgetriebe
    Höchstgeschwindigkeit: 192 km/h
    =============================================

    Wir haben im November 2015 unseren Peugeot-2008-Diesel gekauft
    und sind davon ausgegangen,
    daß es sich hier zweifelsfrei um ein fehlerfreies Fahrzeug handelt,
    wo sich die Verbrauchs- und Abgasangaben
    mit den gesetzlichen Bestimmungen
    und den Angaben im Verkaufsprospekt decken!

    Der Kraftstoffverbrauch deckt sich zum Beispiel in der Praxis auf gar keinen Fall
    mit den ausgewiesenen Daten im Prospekt und liegt wesentlich höher!
    Unser Durchschnittsverbrauch sollte laut Prospekt
    3,7 l/100km kombiniert betragen!
    In der Praxis werden aber laut elektronischer Anzeige ca. 5,2 l/100 km verbraucht!

    Wo und wie kann man also rechtzeitig und zuverlässig in Erfahrung bringen,
    wie es um die ausländischen Hersteller bestellt ist!

    Es fällt einfach auf,
    daß immer nur auf den Deutschen Herstellern herumgehackt wird
    und die ausländischen Hersteller bleiben außen vor!

    Beste Grüße
    Konrad

  2. Ich fahre seit 2010 einen Peugeot Diesel 407 und habe an meine Werkstatt geschrieben, wie sie es mit dem Abgasproblem halten. Die Antwort war absolut nichtssagend.
    Allerdings bekamen wir vom „Service de délivrance des Certificats Qualité de l’Air“ die Aufforderung, von Ihnen einen gelben Aufkleber zu bestellen gegen 4.80 € mit der Aufschrift „Crit Air 2“ und Republique Francaise, und diesen an der Windschutzscheibe zu
    kleben. Was immer das zu bedeuten hat??

    • in Frankreich werden auch verstärkt Umweltzonen eingerichtet. Das ist quasi das franz. Gegenstück zu unserer EURO-Plakette.

  3. Vielen Dank für den sehr informativen Artikel, der doch viele gute Hinweise enthält, wie man sich als Dieselbesitzer verhalten soll. Mich interessiert einmal die Frage, wie kommen Sie zu den Zahlen der Todesfälle in Deutschland und Europa? Wie werden sie erstellt und ermittelt, über Ärzte, Krankenhäuser etc.? Sind es Erwachsene, Kinder, leben sie in besonderen von Abgasen gefährdeten Gebieten? Was gibt es für Statistiken darüber?

  4. Bin von Skoda angeschrieben worden. Im Schreiben keinerlei Hinweise das es durch das Update keine Schäden und Beinträchtigungen bzw.Nachteile für mich gibt. Auf méine Nachfrage wurde mir per Schreiben erklärt: Das Kraftfahrtbundesamt hat geprüft und festgstellt das es keine Beeintächtigungen gibt, ABER eine Garantierklärung könnte man seitens Skoda nicht abgeben!!
    Was soll das? Bei einem eventuellen Schaden am Motor o.ä müsste ich nachweisen das es nicht von meiner Fahrweise oder km Leistung kommt sondern vom Umbau. Woe soll ich das machen?
    Muss nicht rechtlich der Hersteller beim gefordertem Umbau eine Garanti geben!!!?? Wieder Sonderrechte Autoindustrie! Gibts doch rechtlich sonst nirgendwo das´eine Änderung eine Garanti oder Gewährleistung ausschließt.
    Siegfried Lienig

  5. Die Aussagen von Finanztipp sind leider sehr oberflächlich und pauschal. Es gibt zwischen den Herstellern große Unterschiede. Bei Ford und BMW wurde von mehreren US Behörden und deutschen Behörden festgestellt, dass keine Schummelei vorliegt. Von den ausländischen Herstellern ( England, Schwedeb, Italien usw.) wird gar nichts erwähnt.

    Ebenso wird tot geschwiegen, dass 2/3 der Schadstoffe in den Städten nicht vom Verkehr kommen.

    Weiterhin wird ausgeblendet, dass der Bus- und LKW Verkehr insbesondere auch der der Komunen und anderer staatlicher Institutionen (Müllabfuhr, Feuerwehr, Sanka, usw.)ebenfalls massiv die Luft verunreinigt. Wieso werden diese Fahrzeuge nicht angesprochen. Es wird nur auf die Fahrzeuge der Bürger eingetroschen. Da hätte ich mir wenigstens von Finanztipp mehr Umsicht und Rücksicht erwartet.

    • Hallo Günter,

      wir konzentrieren uns auf die Fahrzeuge der Bürger, weil wir von Finanztip vor allem die Verbraucher unterstützen wollen, nicht unbedingt die Unternehmen oder staatlichen Institutionen. VW, Daimler und Co. haben die Autokäufer hinters Licht geführt. Wir sind auf ihrer Seite und zeigen alle Möglichkeiten auf, einen dreckigen Diesel zurückzugeben oder wirklich sauber zu bekommen.

      Viele Grüße
      Daniel Pöhler

  6. Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich fahre einen Toyota Corola Diesel,Euronorm 4,Zulassung Aug 2005. Ich habe eine Rechtsschutzversicherung, aber rechtliche Schritte erscheinen mir beim heutigen Stand der Diskussion noch nicht erfolgreich zu sein. Deshalb warte ich ab!
    Mit freundlichen Grüßen
    L.Schöttle

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