Feilschen lohnt
Credit: Geber86 / iStock

Nur wenige Leute feilschen mit Ihrem Internetanbieter, der Bank oder dem Pay-TV-Sender. Aber es lohnt sich.

Denn nicht immer bietet sich ein Anbieterwechsel an. Mal ist der Aufwand recht groß (wie beim DSL-Vertrag), mal hat der Anbieter ein Monopol (zum Beispiel Sky), mal stört nur eine Extragebühr bei einem ansonsten günstigen Anbieter.

Hier unsere acht Grundregeln für eine geschickte Verhandlung:

1. Kündigen Sie rechtzeitig

Solange Sie noch kein Kunde sind, lockt Ihr Anbieter Sie großzügig: Anfangs sind die Monatsraten attraktiv, doch irgendwann nach 12 oder 24 Monaten steigen die Kosten deutlich. Sind Sie erst mal Kunde, setzt der Anbieter darauf, dass Sie ihn vergessen und die automatische Vertragsverlängerung und die höheren monatlichen Lastschriften gar nicht bemerken. Deshalb: Kündigen Sie rechtzeitig. Nichts spricht dagegen, das sofort nach Abschluss zu tun.

2. Haben Sie Geduld

Jeder moderne Anbieter hat eine Verkaufsabteilung. Die wird Ihnen irgendwann ein besseres Angebot unterbreiten, oft sogar telefonisch. Melden Sie sich keinesfalls zuerst. Behalten Sie die Nerven. Egal ob 1&1 oder Sky, spätestens vier bis sechs Wochen vor Ablauf des Vertrags bekommen Sie in aller Regel ein gutes Angebot.

3. Nehmen Sie nicht das erstbeste Angebot

Oft rücken Anbieter nicht gleich mit dem besten Deal heraus. Warten Sie also ab. Der Bezahlsender Sky zum Beispiel ist bekannt für diese Strategie, wie sich in vielen Internet-Foren nachlesen lässt. Zwischen dem maximalen Preis für das Sky-Vollprogramm (77 Euro im Monat) und dem besten Sommer-Angebot (30 Euro) ist eine Menge Platz. Und so folgt auf das erste Angebot oft das zweite und dritte.

4. Konfrontieren Sie Ihren Anbieter mit seinen eigenen Preisen

Seien Sie vorbereitet, wenn der Kundendienst anruft. Schauen Sie nach, welche Angebote Neukunden gerade bekommen. Sagen Sie, dass Sie diesen Preis auch wollen. Das klappte zum Beispiel schon bei Vodafone und in der Wechselsaison auch bei Kfz-Versicherungen, zum Beispiel bei der Bavaria Direkt.

5. Seien Sie höflich, aber bestimmt

Die Leute in der Hotline tun auch nur ihren Job. Bringen Sie eventuellen Ärger daher nachvollziehbar und ruhig vor. Dann ist oft einiges drin: Die Consorsbank zum Beispiel verzichtete in so einer Situation auf die Gebühr für einen nachträglichen Jahres-Kontoauszug. Wenn Sie schon lange Kunde sind, ist Ihre Treue ein Argument. Die Telekom zum Beispiel verzichtete nach einem solchen Hinweis auf die Bereitstellungskosten von 69 Euro nach einem Umzug.

6. Lassen Sie sich Angebote genau vorrechnen

Viele Preise setzen sich kompliziert zusammen. Lassen Sie sich also das Angebot genau vorrechnen. Manchmal erhöht sich der Preis nach drei Monaten wieder. Manchmal war die Gebühr für ein Extra (zum Beispiel die zweite Sim-Karte oder die HD-Auflösung beim TV) bislang inbegriffen und wird nun plötzlich monatlich fällig. Nicht, dass Sie am Ende dasselbe zahlen, nur später oder für etwas anderes.

7. Akzeptieren Sie keine vorzeitige Vertragsverlängerung

Ein beliebter Trick von Hotlines ist, eine Kleinigkeit anzubieten, aber dafür die Laufzeit gleich um 12 oder 24 Monate zu verlängern. Akzeptieren Sie die neue Vertragsbindung nur, wenn Sie dafür ein sehr gutes Angebot bekommen, also eines, das denen für Neukunden entspricht.

8. Behalten Sie die Konkurrenz im Blick

Hilft alles Feilschen nichts und die Konkurrenz hat einfach die besseren Angebote, dann sollten Sie sich auch die Mühe machen, zu wechseln. Und manchmal ist auch der Hinweis auf die Konkurrenz das Argument, das Ihren alten Anbieter doch noch dazu bringt, den entscheidenden Rabatt anzubieten.

Probieren Sie es selbst aus. Sie werden sich wundern, was alles möglich ist. Und erzählen Sie uns von Ihren Erfolgen, damit wir sie mit der Finanztip-Gemeinschaft teilen können. Schreiben Sie uns gerne eine Mail mit Ihren Erfahrungen, schicken Sie uns bitte auch Scans der Schreiben Ihres Anbieters (mit geschwärzten Namen und Kundennummern, versteht sich). Wir gehen vertraulich mit diesen Angaben um.

Und nehmen Sie bitte auch an unserer Umfrage teil: Wir würden gern wissen, mit welchen Anbieter sich am besten verhandeln lässt. Mit Ihren Erfahrungen können wir diese Anleitung hier weiter verfeinern.

1 KOMMENTAR

  1. Bei 1&1 im Bereich Mobilfunk selbst erlebt. Kurz vor Ende der Kündigungsfrist nachgefragt. Wollte in einen deutlich höherwertigen Tarif mit erneuter 24 Monate Mindestlaufzeit wechseln. Aber gerne, meinte 1&1, wenn ich €149 Vertragsänderungsgebühr bezahle. Ich dachte an einen Witz. War aber keiner.

    Zwei Wochen nach meiner daraufhin erfolgten Kündigung dann ein Anruf. Natürlich könnte ich nun kostenfrei zu Neukundenkonditionen wechseln. Ich lehnte dann ab, mit dem Hinweis, dass ich mich nicht für dumm verkaufen lasse. Ich suchte mir einen neuen, günstigen Anbieter. Mehrere 1&1-Kunden bestätigten mir ähnliche Erfahrungen ihrerseits. Ich vermute also, dass dies ein übliches Vorgehen ist.

    Ich habe nichts gegen 1&1 und war und bin mit den gebotenen Leistungen zufrieden. Aber ein derartiges Verhalten sorgt ja grade zwangsläufig dafür, dass Kunden abwandern.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT