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Haben Sie schon für den Notfall vorgesorgt?

Wir meinen das ausnahmsweise einmal nicht finanziell. Vielmehr geht es um folgende Fragen: Wie stellen Sie sich die ärztliche Behandlung vor, wenn Sie einmal ernsthaft krank sind? Wer soll für Sie entscheiden, wenn Sie das nicht mehr können? Und wer erbt eigentlich, falls Ihnen etwas zustößt?

Wenn zu Weihnachten die Familie zusammenkommt, ist das eine gute Gelegenheit, mit Eltern, Geschwistern oder Kindern eine Runde spazieren zu gehen und solche Fragen zu besprechen.

Und weil das Thema so wichtig ist, haben wir uns in unserem Weihnachts-Newsletter ausschließlich diesem Thema gewidmet. Immerhin hat sich ein Drittel unserer Leser laut unserer Umfrage noch nicht darum gekümmert. Weitere 50 Prozent wissen nicht, ob Ihre Vorsorge-Lösung rechtssicher ist.

Nehmen wir an, Sie werden vom Auto angefahren und fallen ins Koma. Viele glauben, dass Ehegatten oder Kinder automatisch befugt sind, in ihrem Interesse zu entscheiden. Das ist nicht so. Und das, obwohl viele dringende Dinge zu erledigen sind: Die richtige Behandlung auswählen, eine Reha beantragen, Verträge schließen oder kündigen.

Dafür muss ein Gericht einen Betreuer festlegen. Die Behörden würden eine geeignete Person auch in der Familie suchen. Aber das kostet Zeit und Geld. Ein weiterer Nachteil: Ein Betreuer würde vom Gericht stark kontrolliert werden.

Das ist unser Rat:

1. Setzen Sie eine Vorsorge-Vollmacht auf
Wer jemanden hat, dem er bedingungslos vertraut, dem kann er eine Vorsorgevollmacht ausstellen. Der Bevollmächtigte kann Sie dann in allen wichtigen Fragen vertreten – auch in finanziellen. Die Vollmacht muss dazu im Original vorgelegt werden. Sie können auch mehrere Vertraute bevollmächtigen. Und Sie sollten genau regeln, welche Vollmachten Sie im Detail an wen vergeben. Falls Sie zum Beispiel eine Angehörige haben, die Ärztin ist, können Sie sie mit den medizinischen Vollmachten betrauen. Und jemand anderen mit den finanziellen.

Wichtig: Wer eine Vollmacht hat, kann für Sie entscheiden, ohne dass immer geprüft wird, ob Sie wirklich krank sind.

2. Bestimmen Sie im Zweifel einen Betreuer
Anders als ein Bevollmächtigter unterliegt ein Betreuer immer der gerichtlichen Aufsicht. Wählen Sie diese Variante, wenn Sie niemanden haben, dem Sie hundertprozentig vertrauen.

3. Vergessen Sie nicht die Kontovollmacht
Nicht alle Banken akzeptieren eine Vorsorgevollmacht. Einige verlangen, dass die Vollmacht notariell beglaubigt ist. Oder dass ein spezielles Bank-Formular ausgefüllt wird. Klären Sie das mit Ihrer Bank.

4. Welche Arzt-Behandlungen wünschen Sie im Notfall?
Falls Sie krank und nicht fähig sind, sich zu äußern, kann auch ein Bevollmächtigter nicht alles entscheiden. Um vom medizinischen Standard abzuweichen, braucht der Bevollmächtigte Ihre Patientenverfügung. Darin legen Sie fest, welche Behandlungen Sie wünschen und welche nicht. Ob Sie zum Beispiel immer lebensverlängernde Maßnahmen wünschen – oder unter Umständen nicht. Nutzen Sie zur Orientierung das Muster des Bundesjustizministeriums. Lassen Sie sich rechtlich und medizinisch von Fachleuten Ihres Vertrauens beraten, bevor Sie die Patientenverfügung ausfüllen. Und sprechen Sie die Punkte auch mit Ihrem Hausarzt durch.

5. Lassen Sie sich von Experten helfen
Sie können Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung jeweils mit Musterdokumenten des Bundesjustizministeriums aufsetzen (Vorsorge, Betreuung, Patientenverfügung). Das Ministerium selbst versteht das Muster als Anregung und rät, sich beim Erstellen von einer fachkundigen Person beraten zu lassen. Denn die Gerichte akzeptieren keine zu allgemeinen Formulierungen. Sie können schon für 27,50 Euro einen Rechtsdienstleister in Anspruch nehmen. Patientenverfügungplus* führt Sie durch ein Frage-Antwort-System zum fertigen und rechtssicheren Vorsorgepaket. Wer die Dokumente nicht selbst ausdrucken will oder kann, kann sich an meinepatientenverfuegung.de wenden. Durch den Ausdruck und den Postversand ist der Anbieter ein bisschen teurer: Er verlangt 39,50 Euro.

Falls Sie lieber einen Anwalt sprechen wollen, können Sie über die Vermittler Advocado oder Yourxpert einen spezialisierten Anwalt in Ihrer Umgebung finden, der Ihnen Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung zu einem Festpreis von 199 beziehungsweise 189 Euro aufsetzt. Einige Rechtsschutzversicherungen bieten ein kostenloses Vorsorgepaket an.

6. Machen Sie ein (einfaches) Testament
Beschäftigen Sie sich mit der gesetzlichen Erbfolge. Falls diese Ihnen nicht zusagt, machen Sie ein Testament. Das ist auch interessant für Ehepaare. Denn sobald ein Partner stirbt, erben die Kinder nach der gesetzlichen Erbfolge die Hälfte. Das kann vor allem dann schwierig werden, wenn das Vermögen im Wesentlichen eine Immobilie ist, der verbliebene Gatte diese dann verkaufen muss, um den Erbteil der Kinder auszuzahlen. Eine einfache und rechtlich unkomplizierte Abhilfe schafft das Berliner Testament. Darin setzen sich die Partner gegenseitig als Alleinerben ein, und die Kinder als Schlusserben nach dem Tod beider Eltern.

7. Alle Jahre wieder: Überprüfen Sie Ihre Entscheidungen
Mit der Vorsorge entscheiden Sie über viele wichtige Aspekte Ihres Lebens. Wahrscheinlich ändern Sie mit der Zeit Ihre Meinung zu den Fragen oder den betroffenen Angehörigen. Gehen Sie also alle paar Jahre Ihre Unterlagen durch. Und unterschreiben Sie noch mal das Dokument mit dem neuen Datum, auch wenn sich nichts geändert hat.

Es wäre viel leichter, wenn wenigstens Ehegatten und eingetragene Lebenspartner automatisch füreinander entscheiden könnten, solange die Betroffenen nichts anderes vereinbart haben. Tatsächlich hat der Bundesrat 2016 eine entsprechende Initiative gestartet. Derzeit sieht es allerdings nicht so aus, als würde sie so schnell umgesetzt.

In jedem Fall sollten Sie Ihren Angehörigen und Vertrauten Ihre Dokumente zugänglich machen.

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