Wie eine teure Erfahrung zu einer späten Einsicht führte

Eigentlich bin ich recht gut organisiert. In meiner Wohnung weiß ich genau, wo ich wichtige Dokumente abgelegt habe. Regelmäßig aktualisiere ich meine Passwörter fürs Online-Banking und -Shopping. Unterwegs prüfe ich immer wieder, ob Handy, Geldbeutel und Schlüssel noch da sind. Wer mit der Berliner U-Bahn fährt, macht das fast zwangsläufig. Wie heißt es so schön? Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.

An einem Samstagnachmittag im Hochsommer hat diese Organisationsfähigkeit bei mir komplett ausgesetzt. Ich kam gerade zurück von einem mehrtätigen Städteurlaub im Ausland. An Internet-Entzug litt ich wahrlich nicht – alle meine Unterkünfte hatten Wi-Fi. Ich bin auch nicht der Typ, der notorisch das iPhone scannt oder dessen gesamtes Leben sich im Gerät abspielt. Als ich aber in der S-Bahn Richtung nach Hause saß, überkam mich plötzlich der unerklärliche Drang, Facebook zu checken. An einem Post in meiner Timeline blieb ich hängen. „Den Abschnitt noch, den Satz noch, bevor ich es wegpacke und umsteigen muss“, dachte ich mir. Meine Zielhaltestelle rückte schneller näher als mir lieb war. Und so kam es, wie es kommen musste. In meiner Hast, mit dem großen Koffer rechtzeitig auszusteigen, packte ich das Handy lieblos weg. Den Reißverschluss habe ich dabei wohl nicht richtig zugemacht. Denn kaum war ich zuhause angekommen, ging der bekannte Griff in die Handytasche ins Leere.

In meiner Panik leerte ich Koffer und Rucksack, stellte meine Wohnung auf den Kopf, aber das iPhone war nicht auffindbar. Als ich meine Handlungen während des Umstiegs gedanklich nachvollzog, brachte mich auch das nicht weiter. Ob mir das Handy aus der Tasche fiel oder gezielt daraus entwendet wurde, kann ich nicht sagen. Klar war jedoch, dass mein Handy unwiderruflich verloren ist.

Lange über die 250 in den Sand gesetzten Euros nachzudenken, bringt nichts. Gerade beim Handyverlust ist schnelles Handeln gefragt! Nachdem ich mir das vergegenwärtigt hatte, konnte ich vom Trauer- in den Aktionsmodus wechseln.

Was habe ich nach dem Verlust meines Handys gemacht?

Der erste Griff sollte in Richtung Ersatz- oder Festnetztelefon gehen, um die eigene Nummer anzurufen. Das klingt komisch, aber vielleicht hat man Glück und am anderen Ende der Leitung meldet sich ein ehrlicher Finder. Der Versuch ist es allemal wert. In meinem Fall war das allerdings im wahrsten Sinne des Wortes eine Nullnummer. Weder habe ich ein Festnetztelefon noch erinnerte ich mich an den Code zur Entsperrung meiner alten Prepaid-SIM. Die Fernortung, die Apple seinen Kunden anbietet, war ebenfalls nicht eingeschaltet. Ein Unglück kommt selten allein….

Ich setzte mich also zunächst an den Computer und loggte mich bei meinem Mobilfunkanbieter ein. Aus meinen früheren Sessions wusste ich, dass es dort die Möglichkeit gibt, die SIM-Karte zu sperren (alternativ kann man auch eine Service-Nummer anwählen). Für den unwahrscheinlichen Fall, dass ein Dieb meinen Telefoncode knackt, sollte er nicht auch noch auf meine Kosten surfen! Nach der Sperrung bestellte ich dort gleich eine Ersatzkarte, die innerhalb von 4-5 Werktagen da sein sollte. Die Sperrung kostete mich 15 Euro, die Ersatzkarte noch einmal 15 Euro.

Im nächsten Schritt loggte ich mich bei allen Apps, die ich auf dem Handy hatte, per Desktop ein und änderte die Passwörter. Facebook, Twitter und Google bieten die Möglichkeit, alle mobilen Geräte in einer Art „Fernwartung“  auszuloggen. Sobald die App das nächste Mal mit dem Internet verbunden ist, wird dem App-Benutzer der Zugriff verwehrt. Instagram und Snapchat machen es einem da ein bisschen schwerer. Von Instagram kann man sich auf den iPhone gar nicht ausloggen, die App muss deinstalliert werden. Daher habe ich nur das Passwort geändert. Bei Snapchat kann man sich auf dem Desktop gar nicht anmelden. Wer sein Konto auf einem anderen Telefon nutzen möchte, muss sich einen bestimmten Code notieren, den es nur in der App zu sehen gibt. Natürlich hatte ich das, wie zu erwarten war, nicht getan! Habe ich erwähnt, dass ein Unglück selten alleine kommt? Glücklicherweise war auf dem Gerät nur eine Handvoll Apps installiert, und wichtige Angelegenheiten wie Online-Banking erledige ich sowieso nicht mit dem Handy.

Im dritten Schritt sollte man eigentlich überprüfen, ob die Daten des Geräts im iCloud-Speicher vorhanden sind. Nun ja, das hätte ich auch getan, aber – na, könnt Ihr es erraten? – diese Funktion war freilich nicht eingeschaltet. Damit waren auch meine sämtlichen Kontakte, Bilder und Videos verloren. Eigentlich hatte ich mich aus Datenschutzgründen so entschieden. Im Nachhinein bereue ich das.

Weil ich unbedingt wieder ein Smartphone haben wollte, habe ich mir dann auch gleich ein Ersatzmodell bestellt. Das gestohlene Telefon war ein gebrauchtes von exzellenter Qualität, und so entschied ich mich wieder für ein Modell mit Vorleben. Ein schneller Abgleich im Vergleichsportal zeigte mir ein iPhone 5s mit 32 GB Speicher für 300 Euro an – zack, gekauft! Die Prepaid-SIM des günstigen Anbieters folgte für alle Fälle gleich hinterher. Für die Nutzung hatte ich glücklicherweise ein altes Schmalspur-Handy zur Hand.

Ein Kollege hatte mir einmal den Tipp gegeben, gestohlene Handys bei der Polizei zu melden. Nach all dem Hickhack gab ich also noch eine Anzeige bei der Berliner Internetwache auf (ja, das kann man online machen). Die wichtigste Information für die Anzeige ist die IMEI-Nummer des Handys, die man in den Einstellungen findet. Diese hatte ich mir – Überraschung, Überraschung – nicht notiert. In der vagen Hoffnung, das Handy durch eine Polizei-Großaktion doch noch zurückzubekommen, habe ich es so gut wie möglich beschrieben.

Da saß ich nun, 600 Euro ärmer als eineinhalb Stunden zuvor, aber um Längen weiser. In der Folgewoche telefonierte ich hauptsächlich über Skype und schickte sehr, sehr viel Mails. Ich schwor mir, dass mir das nicht noch einmal passieren würde – oder zumindest nicht in dieser Größenordnung 😉 Macht mir das bitte nicht nach!

Zusammengefasst: Auf was solltet Ihr beim Handyverlust achten?

Im Vorfeld

  • Zugang zum Telefon mit einem Code oder per Fingerbadruck sperren
  • SIM-Kartensperre nicht aushebeln
  • Nummern zur Kartensperrung notieren und/oder Zugangsdaten zum Online-Portal des Mobilfunkanbieters bereithalten
  • IMEI-Nummer des Handys notieren
  • Daten regelmäßig über die Cloud oder anderen Online-Speicher sichern
  • Fernortung einschalten oder App zur Handyortung installieren
  • prüfen, welche Apps per Desktop-Login gesteuert werden können
  • wenn das nicht geht: Zugangsmöglichkeiten ermitteln
  • Ersatztelefon bereitstellen

Nach dem Handyverlust

  • die eigene Nummer anrufen
  • SIM-Karte sperren
  • Ersatzkarte bestellen
  • aus allen Apps ausloggen
  • Banking-Apps: Für den Fall, dass die Zugangsdaten auf dem Handy gespeichert waren, bei der Bank anrufen und App-Zugang sperren lassen (manche Banken bieten bei ausreichender Sicherung des Handys eine Sicherungsgarantie).
  • Anzeige bei der Polizei erstatten

Noch Fragen? Alle wichtigen Informationen und die Service-Nummern gibt’s im Finanztip-Ratgeber zum Handyverlust.

Happy End am 23. September

Wochen später, am 22. September, erhielt ich von Apple urplötzlich eine E-Mail, dass mein Handy im Zentralen Fundbüro in Berlin aufgetaucht wäre. Sogar die IMEI-Nummer stand in der Nachricht! Ich war überglücklich. Am Folgetag machte ich mich zur Sammelstelle auf und löste das Handy ein. Nichts im Leben ist umsonst und so musste ich zur Einlösung des Telefons 20 Euro berappen. Aber was soll’s? Ich habe mein geliebtes Handy zurück und bin jetzt stolze Besitzern von zwei iPhones 😉

Handy wiedergefunden

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