350 Milliarden Euro sprechen eigentlich für sich: So viel Anlegergeld steckte 2015 in börsengehandelten Indexfonds, auch ETFs (Exchange Traded Funds) genannt, die über die europäische Wertpapierbörse Xetra gehandelt wurden. Indexfonds haben Charme: Sie sind einfach und günstig und kommen ohne teuren Fondsmanager aus. Denn sie bilden einen bestehenden Index einfach nach.

Wer Durchhaltewillen beweist und einen Teil seines Vermögens in einen breit gestreuten ETF anlegt, hat den Grundstein für eine ausgewogene Geldanlage gelegt.

Doch gerade, wenn es wie in diesen Tagen turbulent an den Börsen zugeht, haben es ETFs schwer. Ihre Kritiker melden sich zu Wort und behaupten allerlei. So heißt es zum Beispiel, ETFs würden den Abschwung an den Börsen nur weiter befeuern. Höchste Zeit, die Vorwürfe einmal auseinanderzunehmen!

1. ETFs verstärken mit ihrer Marktmacht den Abschwung! Wenn Kunden Geld abziehen, müssen die ETFs Aktien in großem Stil verkaufen.

Wenn Kunden im Zuge eines Abschwungs Geld abziehen, müssen ETFs Aktien verkaufen. Das stimmt. Allerdings gilt das für aktiv gemanagte Fonds genauso. Schuld daran, dass sich ein Abschwung verstärkt, sind weniger die Fonds, sondern vielmehr das „prozyklische“ Verhalten vieler Anleger, bei Panik zu verkaufen. Daher der Appell: Bleiben Sie ruhig und investieren Sie langfristig!

2. Indexfonds haben keine Marktmeinung! Statt bei einem Abschwung aktiv gegenzusteuern, verstärken sie den Abschwung noch.

Indexfonds bündeln zum Beispiel die 600 wichtigsten europäischen Aktien oder die 1.200 wichtigsten der Welt – gemessen an der Marktkapitalisierung. Ein aktiv gemanagter Fonds stellt zwar andere Aktien zusammen, zum Teil orientiert aber auch er sich stark an Indizes. Bei einem Ausverkauf aus Panik sind letztlich alle Aktien betroffen (s.o.)…

3. ETFs halten zu wenig Cash! Sie können Anleger in einer Abwärtsphase nicht ausbezahlen.

ETFs halten in der Regel etwas weniger Barreserven als aktiv gemanagte Fonds. Dass die ETF-Fondsgesellschaften Anleger, die ihre Anteile in einer Abschwungphase verkaufen wollen, nicht ausbezahlen können, ist sehr unwahrscheinlich. Dazu könnte es nur kommen, wenn der ETF in illiquiden Nischenmärkten investiert ist, in denen kaum jemand handelt. Die ETF-Gesellschaft würde dann die Aktien, die dem ETF hinterlegt sind, am Markt nicht loswerden. Setzt ein ETF auf die größten Aktienindizes der Welt, ist nichts zu befürchten.

4. Der hinterlegte Aktienkorb hat keinen Wert! Bei ETFs, die auf Tauschgeschäften beruhen, besteht die Gefahr, dass der Handelspartner pleitegeht.

Bei einem synthetischen ETF lässt sich der Anbieter die Indexentwicklung von einer Bank (Swap-Partner) zusichern. Er selbst baut ein Trägerportfolio mit Aktien großer Unternehmen auf. Davon verspricht sich der Anbieter einige Renditepunkte mehr. Oft wird hier vor dem sogenannten Kontrahentenrisiko gewarnt: Sollte der Handelspartner (die Bank) Pleite gehen, bleibt Anlegern nur der Wert des Trägerportfolios.

Dies stimmt so aber nicht. Denn: Alle Tauschgeschäfte sind besichert. Über entsprechende Sicherheiten – meist Staatsanleihen – werden Abweichungen des Trägerportfolios und der Indexentwicklung täglich ausgeglichen. Im Falle einer Insolvenz der Bank werden Trägerportfolio und Staatsanleihen liquidiert.

5. Es besteht ein Währungsrisiko! ETFs auf den MSCI World sind riskant, weil sie auf Dollar lauten.

Einige der ETFs auf den MSCI World lauten, wie der Index selbst, auf US-Dollar. Gegenüber dem Euro besteht ein Währungsrisiko und zwar in dem Sinn, dass ein Euro-Anleger möglicherweise nicht vollständig von einer positiven Wertentwicklung des Dollar-ETFs profitieren kann. Er muss immer dann „Abschläge“ hinnehmen, wenn parallel zur (positiven) Wertentwicklung des Index der Euro aufgewertet hat.

Allerdings fallen über längere Zeiträume die Wechselkursänderungen aller Erfahrung nach nicht so stark ins Gewicht. Anleger sollten außerdem auf die breite Streuung der Anlagen Wert legen. Dies schafft kein Index besser als der MSCI World, der 1.600 Einzeltitel aus 23 Ländern bündelt.

Unsere Berechnungen zeigen: Auch ein nachträglich in Euro umgerechneter Weltaktienindex hat seinen Wert über die vergangenen 40 Jahre jedes Jahr durchschnittlich um 6,7 Prozent gesteigert!

18 KOMMENTARE

  1. Hallo Frau Zinnecker,
    sie schreiben hier wie in bester Verkäufermanier von einer durchschnittlichen Wertentwicklung von 6,7 % über 40 Jahre im Schnitt. Wie oft kam es vor, dass durch einen Crash der Aktienwert weiter darunter gelegen ist als der Schnitt – wie ist also über sagen wir mal 30 Jahre die Wahrscheinlichkeit eines schlechten Ausstieges? Wann ist wenn ich für das Alter vorsorge der richtige Zeitpunkt auszusteigen? Wo lege ich das Geld dann an wenn ich in Rente gehe bzw. in der Übergangszeit in der ich das Kapital sichere vor starken Kursschwankungen? Wie alt werde ich? Werde ich 75 dann kann sicherlich ein Auswahlplan die beste Lösung sein – was ist wenn ich dann aber doch wie meine Oma heute bereits 94 ist alternativ eine Lösung finden – irgendwann ist in einem Auszahlplan wohl das Geld weg, oder gibt es da ein Produkt an der Börse welches das löst?

  2. Hallo Frau Zinnecker,
    sie schreiben hier wie in bester Verkäufermanier von einer durchschnittlichen Wertentwicklung von 6,7 % über 40 Jahre im Schnitt. Wie oft kam es vor, dass durch einen Crash der Aktienwert weiter darunter gelegen ist als der Schnitt – wie ist also über sagen wir mal 30 Jahre die Wahrscheinlichkeit eines schlechten Ausstieges? Wann ist wenn ich für das Alter vorsorge der richtige Zeitpunkt auszusteigen? Wo lege ich das Geld dann an wenn ich in Rente gehe bzw. in der Übergangszeit in der ich das Kapital sichere vor starken Kursschwankungen?

    • Hallo Stefan,

      vielen Dank für Ihren Beitrag zu unserem Blogeintrag. Gern gehe ich kurz auf Ihre Fragen ein.

      MSCI World
      Der Index hat über 40 Jahre im Schnitt eine Rendite von 6,7 Prozent erzielt. Wir schreiben das, um zu zeigen, dass eine langfristige und breit gestreute Aktienanlage eine gute Grundlage für den Vermögensaufbau bietet. Wir raten allerdings nicht, allein in den MSCI World zu investieren, sondern ausgewogen in breit gestreute Aktienindizes (ETFs), Tages- und Festgeld (siehe auch http://www.finanztip.de/geldanlage/).

      Dort haben wir für verschiedene Anlagezeiträume über die vergangenen 40 Jahre die Renditeentwicklung verschiedener Anlagestrategien untersucht. Dabei kam heraus: Selbst ein renditeorientiertes Portfolio, das zu 80 % im MSCI World und nur zu 20 % in Tagesgeld investiert ist, stand in der Vergangenheit nach beliebigen 15 Jahren immer im Plus.

      Selbst wer also zum Höhepunkt der Börseneuphorie im August 2000 in den Mix 80 % MSCI World ETF und 20 % Tagesgeld investiert hat und im Sommer 2015 – nach Dotcom und Finanzkrise – sein Portfolio wieder aufgelöst hat, hat sein Vermögen gesteigert. Aus 10.000 Euro wurden rund 12.000 Euro, das entspricht einer jährlichen Renditeentwicklung von 1,2 Prozent.

      Natürlich bilden die Ergebnisse historische Wertentwicklungen ab und sind so nicht in die Zukunft zu projizieren. Aber sie bestätigen die Grundannahmen der Geldanlage, wonach eine genügend langfristige und ausgewogene Geldanlage Schwankungen nicht nur verringert, sondern auch ausgleichen kann.

      Richtiger Ausstiegszeitpunkt
      Grundlage jeder guten Geldanlage ist, sich vorab zu überlegen, wann Sie das Geld benötigen. Wenn es darum geht, zum Renteneintritt eine gewisse Summe zur Verfügung zu haben, empfehlen wir, mindestens 5 Jahre vorher schrittweise anzufangen, Geld von renditeorientieren Anlagen (MSCI World) in sichere Anlagen (Tagesgeld) umzuschichten. Wie genau, lesen Sie im Ratgeber Geldanlage, Schritt vier. http://www.finanztip.de/geldanlage/

      Anlage des Geldes in der Rentenphase
      Wir empfehlen, einen sogenannten ETF-Auszahlplan mit Tagesgeld zu mischen. Welche Möglichkeiten es hier genau gibt und welche Anbieter jeweils in Frage kommen lesen Sie in unserem Text zu den Auszahlplänen. http://www.finanztip.de/auszahlplan/ Wir haben dort auch ausgerechnet, wie viele Jahre Ihnen Ihr Erspartes in verschiedenen Zinsszenarien eine Rente liefern würde. Falls Sie sich sorgen, dass Ihnen bei der Variante Auszahlplan im hohen Alter Geld fehlen würde, kommt eine Sofortrente in Frage. Auch dies ist im Text zu den Auszahlplänen erläuert.

      Ich hoffe, die Anmerkungen helfen Ihnen weiter. Wir freuen uns über weitere Kommentare.

      Mit besten Grüßen,
      Sara Zinnecker

  3. ETFs mache nichts anderes wie alle anderen Anlageformen auch – sie machen das, was der Anleger möchte!!! Deshalb ist die Kritik an ETFs zu 100 % nicht gerechtfertigt.

  4. Was mich wundert: Gibt es keine ETFs für Rentenanleger? Wenn ja, weshalb werden die in den bisher von mir gelesenen Empfehlungen überhaupt nicht erwähnt? Ist es nicht sinnvoll, das verfügbare Vermögen hälftig auf Aktien und Renten zu verteilen?

    karlheinz

  5. Die Geldanlage in ETF (Exchange-traded-fund) kann für viele Menschen eine gute Lösung für ihren langfristigen Vermögensaufbau sein. Wie bei allen Anlagen gilt es natürlich, diese Entscheidung unter Berücksichtigung der persönlichen Situation, Risikoeignung, Anlageziel und Anlagehorizont zu treffen. Leider werden nach dem Kauf oft verheerende Fehler gemacht. Beginne mit großen, breitgestreuten Indizes und werde erst später spezieller bei der Auswahl! Spiele nicht den Fondsmanager, indem du damit aktiv handelst! Selbst Profifondsmanager schlagen ihren Vergleichsindex nur selten dauerhaft. Du würdest die Vorteile dieser gebührenarmen, passiven Investitionsmöglichkeit durch deine Aktionen abmildern. Nach dem Kauf eines ETF solltest du als langfristiger Anleger nur eins tun: NICHTS!

    Ich habe mir mit meinem Finanzblog zur Aufgabe gemacht, einen kleinen Beitrag zur Verbesserung unserer finanziellen Bildung zu leisten. Ich versuche mit meinen Inhalten eine kritische und reflektierte Haltung meiner Besucher bei der Beurteilung von Provisionsprodukten der Banken und Versicherungen zu erreichen.

    Schöne Grüße
    Marco

  6. Hallo liebe Frau Zinnecker,

    ersteinmal vielen Dank für Ihre informativen Artikel und Blogeinträge! Diese helfen mir wirklich sehr!
    Ich habe noch eine Verständnisfrage zu synthetischen ETFs:

    Verstehe ich es richtig, dass bei synthetischen ETFs das Trägerportfolio auch Fondskapital und damit Sondervermögen darstellt?

    Vielen Dank schon jetzt für Ihre Antwort. Machen Sie weiter so!
    Viele Grüße

    Benedikt

    • Hallo Benedikt,

      nach unserem Verständnis ist das Trägerportfolio Teil des Swaps, der ist wiederum Teil des ETFs, also Sondervermögen.
      Ich habe aber gerade nochmal um eine Erläuterung von Comstage gebeten und komme auf Sie zurück, sobald ich Antwort erhalten habe.

      Beste Grüße,
      Sara Zinnecker

  7. Hallo Frau Zinnecker,

    danke für Ihre gut recherchierten und geschriebenen Artikel, die interessante Neuigkeiten für mich enthalten. Ich erlaube mir jedoch folgende abweichende Meinungen. Sie schreiben:

    „Einige der ETFs auf den MSCI World lauten, wie der Index selbst, auf US-Dollar. Gegenüber dem Euro besteht ein Währungsrisiko in dem Sinn, dass ein Euro-Anleger beim Verkauf seiner Anteile Abschläge riskiert, wenn der Euro dann schlechter steht als beim Kauf.“

    Ich bin jedoch der Meinung, dass es völlig egal ist, in welcher Währung eine Aktie oder ein Fonds notiert, maßgeblich ist die *reale* Wertentwicklung des Fonds im Sinne von Kaufkraft. In welcher Kaufkrafteinheit bzw. Währung dann abgerechnet wird, ist so bedeutungslos wie die Angabe der gleichen Entfernung in Meilen oder Kilometern.

    Das gleiche gilt übrigens auch für Anlagen in Edelmetallen, bei denen oft ein Währungsrisiko herbeiphantasiert wird, weil deren Kurs meist in $ angegeben wird. Die Kaufkraft von Gold ist heute nahezu gleich hoch wie vor 100 Jahren, völlig unabhängig von den Währungen, die in dieser Zeit kamen und gingen.

    Noch eine Bemerkung zum wegfallenden Bestandsschutz für Altanlagen, der die Bereicherung durch unsere zahlreichen Neubürger nur unvollkommen ausgleicht. Sie schreiben in „So funktioniert die Steuer auf Aktienfonds und ETFs ab 2018“:

    „Es nützt Sparern eben so wenig, wenn Sie Ihr Fondsvermögen oder Teile dessen auf Kinder oder Ehepartner übertragen oder vererben. Sobald der Fonds den Besitzer wechselt, gilt er als neu angeschafft. Der Freibetrag ist damit dahin.“

    Nur gilt die *unentgeltliche* Übertragung von Wertpapieren, z.B. durch Erbe oder Geschenk, eben nicht als Neuanschaffung. So war es jedenfalls bisher. Man sollte allerdings nachfragen, ob die empfangende Bank den „Alrbestand“ vermerkt hat und muss eine Vermischung des Altbestands mit Neukauf des gleichen Wertpapiers vermeiden.

    Viel Erfolg!
    Werner

    • Hallo Werner,

      vielen Dank für Ihren Beitrag.

      Was das Währungsrisiko betrifft, haben Sie einen guten Punkt angesprochen. In der Tat sind wir gerade dran, hier eine bessere und umfassendere Definition von „Währungsrisiko“ zu geben. Um die These mit der gleichen „realen“ Wertentwicklung zu stützen, müssten wir eigentlich die Wertentwicklungen desselbe Index in verschiedenen Währungen vergleichen und die Preisentwicklung für Wirtschaftsgüter mit einrechnen — die „These“ also quasi beweisen.

      Ein Beispiel: Nehmen wir an, ein Fonds notiert ursprünglich in Euro und Dollar genau gleich. In den Folgejahren wertet der Euro ab. Folge: Der Fonds in Dollar entwickelt sich „schlechter“ als in Euro. Denn: Weniger Dollar sind jetzt nötig, um die Fondsanteile in Euro zu bezahlen.

      Sagen wir, die Fondsanteile kosten 100 Euro und 80 Dollar. Real wirklich gleich viel Wert wären diese beiden Beträge aber doch nur, wenn Anleger für 100 Euro dasselbe kaufen wie für 80 Dollar. Das heißt, es müsste gelten, dass die Kaufkraft sich in den USA entsprechend der Aufwertung des Dollar verändert hat und Dinge, die vorher 100 Dollar kosteten, nun nur noch 80 Dollar kosten. Auch in der Eurozone. Aber ist das realistisch? Würde ein iPhone hierzulande plötzlich weniger kosten?

      Es ist unserer Meinung nach eher unwahrscheinlich, dass sich die Preise von Wirtschaftsgütern ähnlich schnell anpassen wie die reine Währungsentwicklung. So sind wir also weiter „dran“ und schauen, wie wir das ganze verpacken können, dass es intuitiv und leicht verständlich ist :) Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass Fondsanbieter das „Währungsrisiko“ gern so erklären, dass eben das Risiko besteht, dass sich bei Auf-/Abwertung der Währung der Depotstand ändert. Also ein Euro-Depot bei einer Abwertung des Dollars zB plötzlich „einbrechen“ könnte. … Schreiben Sie gern, wenn Sie dies anders sehen oder einen guten Vorschlag haben, wie man das verpacken könnte.

      Was die zweite Anmerkung zu dem Bestandsschutz bei Fonds und dem Freibetrag angeht: Hier zeigt sich einmal wieder, wie nicht-trivial Steuerrecht ist. Ich habe bei renommierten Stellen nachgefragt und erhielt die Antwort, Altfonds würden – was den Freibetrag betrifft – bei Übertrag als neu angeschafft gelten. Von Ihnen und weiteren habe ich nun das Gegenteil gehört. Ich habe jetzt eine Anfrage beim BVI gestellt und hoffe, dass sich das Thema dann endgültig klärt. Besten Dank aber für Ihren Einwand.

      Schreiben Sie gern, wenn Ihnen weitere Dinge auffallen. Wir wissen das sehr zu schätzen.

      Beste Grüße und ein schönes Wochenende,
      Sara Zinnecker

      • Hallo Frau Zinnecker,

        danke für die ausführliche Stellungnahme. Sie haben genau erfasst, was ich meinte, als ich schrieb, dass die Währung, in der ein Fonds notiert, egal ist. Sie bleiben dann aber kurz vor dem Ziel stehen. Sie schreiben:

        „Sagen wir, die Fondsanteile kosten 100 Euro und 80 Dollar. Real wirklich gleich viel Wert wären diese beiden Beträge aber doch nur, wenn Anleger für 100 Euro dasselbe kaufen wie für 80 Dollar.“

        Genau diese Bedingung ist gegeben! Man kann für beide Beträge dasselbe kaufen, denn man kann die 100 € in 80 $ umtauschen, denn das ist ja das Kursverhältnis, das Sie oben zu Grunde gelegt haben.

        Richtig ist, das die Kaufkraft der wertgleichen Beträge 100 € = 80 $ in verschiedenen Ländern unterschiedlich ist. Das ist aber kein Effekt, der aus der Notation des Fonds in einer bestimmten Währung resultiert (weil man ja jederzeit die Währung tauschen kann) sondern daraus, dass das Preisniveau nicht 1:1 durch die Wechselkurse abgebildet wird. Damit ist aber jeder Käufer konfrontiert, der sich überlegt, ob er sich ein Produkt im Ausland oder im Inland kauft und nicht speziell der Anleger.

        Viele Grüße
        Werner

  8. Danke für den tollen Artikel. Eine Sache beim Wechselkursrisiko aber verstehe ich nicht. Sie schreiben:

    „Einige der ETFs auf den MSCI World lauten, wie der Index selbst, auf US-Dollar. Gegenüber dem Euro besteht ein Währungsrisiko in dem Sinn, dass ein Euro-Anleger beim Verkauf seiner Anteile Abschläge riskiert, wenn der Euro dann schlechter steht als beim Kauf.“

    Wenn ich vor dem Kauf Euros habe, die dann in Dollar umtausche, den Fonds in Dollar kaufe, ihn später wieder verkaufe, dafür Dollars erhalte und diese in Euro umtauschen möchte, dann profitiere ich doch, wenn der Euro (gegenüber dem Dollar) schlechter steht, oder habe ich da einen Denkfehler?

    Ein unrealistisches Beispiel, aber zur Verdeutlichung gut, was ich meine:

    Vor dem Kauf:

    1 Euro = 1 Dollar. Also vice versa auch 1 Dollar = 1 Euro
    Für 10.000 Euro bekomme ich 10.000 Dollar, die ich in den ETF anlege.

    Nach dem Verkauf:
    Der Fonds lief nicht so gut und ich verkaufe ihn zum Einstiegspreis, also null Rendite und null Verluste. Ich habe demnach 10.000 Dollar, die ich jetzt wieder umtausche. aber: Der Euro steht jetzt schlechter als beim Kauf:
    1 Euro = 0,5 Dollar. Also: 1 Dollar = 2 Euro

    Ich erhalte für meine 10.000 Dollar also 20.000 Euro (netter Wechselkurs-Gewinn).

    Bitte um kurze Klärung, danke Ihnen!

    • Hallo Alexander,

      ach diese Wechselkurse :) Sie haben völlig Recht. Es muss heißen: Gegenüber dem Euro besteht ein Währungsrisiko in dem Sinn, dass ein Euro-Anleger beim Verkauf seiner Anteile Abschläge riskiert, wenn der Dollar dann schlechter steht als beim Kauf. Ich ändere das gleich.

      Übrigens haben wir gerade ein nettes Beispiel, das diesen Fall genau beschreibt: In den vergangenen Monaten hat der Dollar gegenüber dem Euro an Wert verloren. Heute bekommen Sie für einen Euro wieder 1,14 Dollar, Anfang des Jahres waren es nur 1,04 Dollar. Der MSCI World (in Dollar notiert) ist dennoch weiter gestiegen. Würden Sie heute Ihren ETF (in Dollar) verkaufen, bekämen Sie für jeden Dollar weniger Euro. Sie könnten nicht 1:1 von der Wertsteigerung profitieren.

      Man sieht das noch besser, wenn Sie von einem in Euro notierten MSCI-World-ETF ausgehen. Während der in US-Dollar notierte Index/ETF in den vergangenen Wochen weiter stieg, ist der in Euro notierte ETF eher stagniert. Der in Euro notierte ETF hat die Kursentwicklung des MSCI World in Dollar nicht vollständig mitgemacht.

      Dennoch aber, wie gesagt, keine Panik. In der Regel fallen solche Wechselkurserscheinungen über längere Zeiträume nicht so stark ins Gewicht. Die breite Streuung des Index ist und bleibt das Essenzielle.

      Ich hoffe, es ist nun klarer. Danke nochmals fürs genaue Lesen!

      Beste Grüße,
      Sara Zinnecker

  9. Hallo Frau Zinnecker,

    seit einiger Zeit beschäftige ich mit ETFs und bin auf Ihren interessanten Artikel gestoßen. Nun treiben mich doch noch einige Fragen um:

    Wenn ich ETF-Kurse Abrufe, finde ich immer den Unterschied zwischen Geld- und Brief-Spanne. Macht ja Sinn, da diese Produkte an der Börse gehandelt werden. Wenn ich meine ETF-Bestände „loswerden“ will, muss ich dazu einfach gesagt einen Abnehmer an der Börse finden. Da erschließt es sich hier für mich noch nicht so recht, dass ETFs ihre Anleger auszahlen sollen (wie Sie unter 3. in Ihrem Artikel beschrieben haben). Bei aktiv gemanagten Fonds gebe ich meine Anteile in der Regel an die Fondsgesellschaft zurück. Aber vielleicht habe ich hier auch einen Denkfehler :)

    Folgende Frage ist dann vielleicht auch eher theoretischer Natur:

    Der ETF-Markt erfreut sich ja zunehmender Beliebtheit. Die Kursbewegungen an den Börsen entstehend ja nun originär durch Angebot und Nachfrage. Würden immer mehr Menschen ihr Geld in ETFs anlegen, inwiefern kann dann noch ein richtiges Verhältnis von Angebot und Nachfrage bestehen bleiben? Ein ETF bildet ja nun einen Index ab und greift daher nicht „aktiv“ in das Marktgeschehen ein.

    Ich freue mich auf Ihre Antwort :)

    • Hallo Marco,

      vielen Dank für Ihren Beitrag.

      Zur ersten Frage: Der 3. Absatz im Beitrag bezieht sich, wie schon Absatz 1. und 2. auf die Annahme, dass es am Aktienmarkt so richtig nach unten geht, etwa so wie nach der Finanzkrise, als die Massenpanik ausbrach und jeder seine Aktien loswerden wollte. Im Extremfall kann es sein, dass Sie für Ihren Fonds oder ETF irgendwann keinen Abnehmer mehr an der Börse finden. Dann muss der ETF-Anbieter die ETF-Anteile zurücknehmen. Hat er Cash, kann er Anleger damit auslösen. Hat er keins, müsste er die zugrunde liegenden Aktien verkaufen. Dies ist dann problematisch, wenn der ETF absoluten Nischenwerte im Portfolio hat, die er auf illiquiden Märkten verkaufen müsste – was dann nicht gelingt. Es ist ein sehr sehr zugespitztes und unwahrscheinliches Szenario, wird aber dennoch immer wieder von Medien als „Risiko bei ETFs“ aufgenommen. Für Anleger gilt in aller aller Regel: Den ETF einfach an der Börse verkaufen 😉

      Zur zweiten Frage: Das Konzept der ETFs als „Marktfolger“ funktioniert nur so lange, wie ETFs dem Markt wirklich folgen und Käufe oder Verkäufe nicht die Preise von Aktien bestimmen. Der Ökonom würde fragen: Wann sind ETFs so machtvoll, dass sich Marktineffizienzen entwickeln, bzw. wie viele aktive Manager braucht es, um Preise effizient zu bewerten? Ich habe mit Experten gesprochen, die sagen, von solchen Ineffizienzen seien wir weit entfernt. Das Marktvolumen von ETFs steigt zwar, ist aber im Vergleich zum weltweit investierten Börsenkapital immer noch sehr gering. Ich forsche aber nochmal weiter nach und schaue, dass ich an Zahlen komme.

      Bald werden wir uns in der Redaktion noch einmal näher mit Risiken von ETFs beschäftigen und u.a. auf einen Artikel der ZEIT eingehen, der kürzlich erschien. Darin geht es um Fehlanreize bei der Preisbildung von ETFs und die Frage, ob Marktteilnehmer diese ausnützen können. Ein Betrag folgt, ich bitte um etwas Geduld.

      Für den Moment hoffe ich, dass Ihnen die Infos soweit etwas weiterhelfen.

      Beste Grüße,
      Sara Zinnecker

  10. Sehr geehrte Frau Zinnecker,

    ich habe vor kurzem einen Artikel von Heike Buchter in der Zeit (Ausgabe 38/2017, auch auf Zeit Online vrfügbar) gelesen, in dem es um Risiken von ETFs ging. Es ging, wenn ich den Inhalt richtig verstanden habe, darum, dass Banken und Fondgesellschaften die Kurspflege von ETFs an Unternehmen auslagern, die wenig bis gar nicht von der Finanzaufsicht kontrolliert werden und dass es dadurch in Krisen zu größeren Abweichungen des ETF Handelswert zum Index kommt. Als Beispiel wird der 24. August 2015 genannt.
    Wie beurteilen Sie dies? Fließt in Ihre Beurteilung eines ETFs auch mit ein, wer das Mandat zur Kurspflege hat?

    Viele Grüße,

    Holger F.

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