Bonuszertifikate - Bonuslevel - Risiken

  • Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2012

Die Finanz-, Banken- und Staatsschuldenkrise hat wesentlich dazu geführt, dass Anleger kaum noch in Bonuspapiere (Bonus-Zertifikate) investieren. Über das Marktvolumen von derivatven Wertpapieren berichtet regelmäßig der Deutsche Derivate Verbank. So entfielen zu Beginn des Jahre 2012 in Finanzderivate nach der Definiton des Derivate- Verbandes nur noch 3,1% auf Bonuszertifikate. Das investierte Kapital in Bonus- Zertifikate hat sich damit im Vergleich zum Vorjahr nahezu halbiert (Reduzierung um 44%). Klarer "Marktführer" sind Strukturierte Anleihen (rd. 50%) und mit starkem Abstand folgen Kapitalschutz-Zertifikate (rd. 20%).

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Wie Bonuszertifikate funktionieren

Theoretisch kann man sich mit Bonuszertifikaten die Rosinen aus dem Anlagekuchen picken. Denn bei keinem anderen Produkt ist man mit einem derart großen Sicherheitspolster zur ungeteilten Partizipation an steigenden Kursen berechtigt. Die einfach verständliche Funktionsweise ist neben ihrem Auszahlungsprofil einer der wesentlichen Faktoren von Bonuszertifikaten. Die Website Hebelprodukte.de erklärt die Funktionsweise.
Grundsätzlich beziehen sich Bonuszertifikate auf einzelne Aktien oder Indizes (=Basiswert oder Underlying). Am Ende der Laufzeit erhält der Anleger mindestens den Nominalbetrag des Papiers plus Bonus zurückgezahlt, der i.d.R. einer etwas höheren Verzinsung als im Vergleich zum Marktzins entspricht. Nur wenn die Aktie oder der Index eine zu Beginn der Laufzeit festgelegte Schwelle einmal unterschreitet, entfällt dieser Bonus bzw. könnte ein Verlust entstehen. Denn dann verwandelt sich das Bonuszertifikat in ein ganz normales Direktinvestment. Steigen die Kurse danach wieder kräftig, nimmt der Anleger ein zu eins an den Kursgewinnen teil. Die festgelegte Schwelle liegt aber meist 30, 40 manchmal sogar 50 Prozent unterhalb des Niveaus beim Auflagezeitpunkt des Bonuszertifikats.
Das Beispiel eines Bonuszertifikates auf den DJ Euro STOXX 50 Index, soll die allgemeine Funktionsweise eines Bonuszertifikates verdeutlichen. Das Bonuszertifikat bezieht sich auf den DJ Euro STOXX 50 und wird zum Preis von 1000 EUR ausgegeben. Fällt der Index zu keinem Zeitpunkt während der Laufzeit von sechs Jahren gegenüber dem Auflageniveau (2714,09 Punkte) um 40 % oder mehr (Bonusschwelle 1628,45 Punkte), erhält der Anleger in jedem Fall 145 % (Bonuswert) des Nominalbetrages unabhängig davon, ob der Index tatsächlich um 45 % gestiegen ist. Liegt der Index zum Laufzeitende mehr als 45 % im Plus, erhält der Anleger die erreichte positive Indexperformance. Sollte der Index während der Laufzeit um 40 % oder mehr fallen, entspricht das Bonuszertifikat zum Laufzeitende einem linearen Indexzertifikat.
Wenn es seitwärts geht
Der Bonus gelangt dann zur Auszahlung, wenn der Kurs des Basiswertes die festgelegte Bonusschwelle während der gesamten Laufzeit des Zertifikates niemals berührt oder unterschreitet. Angenommen, der DJ Euro STOXX 50 verbleibt bis zum Laufzeitende des Zertifikates immer über 1628,45 Indexpunkten, dann erhält der Anleger zum Laufzeitende (hier: im Jahr 2009) pro Zertifikat EUR 1450, das ist genau der Wert des Bonus, auf sein Konto gutgeschrieben.
Wenn die Kurse fallen
Fällt der Kurs des Basiswertes während der Laufzeit unter die Bonusschwelle, verwandelt sich das Bonuszertifikat in ein klassisches Index-Zertifikat. Kleiner Trost: An einer Kurserholung partizipiert der Anleger voll. Angenommen, der DJ Euro STOXX 50 fällt unter die Bonusschwelle von 1628,45 Punkten. Der Bonus-Mechanismus wird deaktiviert und das Bonuszertifikat zum Laufzeitende in ein normales Indexzertifikat umgewandelt. Es besteht also auch jetzt noch die Möglichkeit, das Investment mit einem Gewinn abzuschließen, sofern der Index dann oberhalb des Ausgangsniveaus von 2714,09 Indexpunkten notiert.
Wenn die Kurse steigen
Das meiste Geld erhält der Anleger dann, wenn der Basiswert zum Laufzeitende den Bonuswert übertrifft. Egal, ob die Bonusschwelle nun verletzt wurde oder nicht, partizipieren Anleger zu 100 Prozent an der Wertsteigerung des Basiswertes, kommen also in den vollen Genuss eines Kursanstieges. Bei einem Stand des DJ Euro STOXX 50 von 4500 Punkten, also einem Kursanstieg von gut 65% gegenüber dem Auflageniveau würde das Bonuszertifikat zu 1650 Euro zurückgezahlt werden.

Für wen sind Bonuszertifikate interessant?

Bonuszertifikate richten sich primär an Aktienanleger, sowie begrenzt risikobereite Renteninvestoren. Aufgrund des optimierten Chance-Risiko- Verhältnisses sind viele Einsatzgebiete denkbar. Die Chance auf eine hohe Rendite durch die Bonuszahlung kann beispielsweise einen schnelleren Ausgleich ggf. vorhandener Verlustpositionen selbst bei moderaten Kursanstiegen ermöglichen. Für Anleger, die zum ersten Mal in den Aktienmarkt investieren reduziert der Sicherheitspuffer das Risiko und erleichtert so die Entscheidung zum Einstieg in die Aktienmärkte. Grundsätzlich sollte eine Investition in ein Bonuszertifikat nur erfolgen, wenn Anleger von dem Basiswert wirklich überzeugt sind, das Emittentenrisiko praktisch ausschließen und nicht mit einer Verletzung der Risikoschwelle rechnen.

Mögliche Szenarien am Laufzeitende

Im Handbuch der Zertifikate wird von Sebastian Schmidt die Auszahlungsstruktur von Bonuszertifikaten am Laufzeitende ausführlich - auch grafisch - dargestellt. Die möglichen Szenarien am Laufzeitende werden wie folgt beschrieben:

  • Basiswertkurs notiert über dem Bonus-Level: Der Anleger vereinnahmt mit dem Auszahlungsbetrag am Laufzeitende die gesamte positive Performance des Underlyings und hat somit an den Gewinnen des Basiswertes eins zu eins partizipiert. Dabei ist es egal, ob während der Laufzeit die Barriere verletzt wurde oder nicht.
  • Basiswertkurs liegt zwischen Barriere und Bonus-Level:
    • Barriere wurde während der Laufzeit nie verletzt: Hier kommt der Bonus-Level in bar zur Auszahlung, so dass der Anleger eine attraktive Rendite erzielt, obwohl das Underlying unter Umständen sogar deutlich gesunken ist.
    • Barriere wurde während der Laufzeit verletzt: Der Bonus-Mechanismus ist verwirkt und die Rückzahlung des Zertifikats stellt den Investor so wie bei einer Direktanlage im Basiswert. Folglich kann ein Gewinn oder Verlust entstehen.
  • Basiswertkurs notiert unter der Barriere: Der Anleger erleidet in diesem Fall einen Verlust entsprechend der negativen Performance des Underlyings.

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Hermann-Josef Tenhagen

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