Checkliste "ABC der anderen außergewöhnlichen Belastungen"

  • Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2012

"Andere außergewöhnliche Belastungen" müssen einzeln nachgewiesen werden. Sie wirken sich nur steuermindernd aus, soweit sie die zumutbare Belastung übersteigen. Der Ratgeber "Außergewöhnliche Belastungen im Steuerrecht" erklärt die Grundlagen Zu den häufigsten "anderen außergewöhnlichen Belastungen" zählen Krankheitskosten, Kurkosten, Bestattungskosten, Scheidungskosten und Wiederbeschaffung von Hausrat (zum Beispiel bei Hochwasser oder anderen Katastrophenschäden). Es gibt darüber hinaus unzählige Fallkonstellationen, wo Steuerzahler versuchen, Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend zu machen.

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Vorgehensweise bei der Checkliste

Als Faustregel gilt: Zunächst ist zu prüfen, ob der Sachverhalt unter einer der folgenden Punkte der Checkliste fällt. Nützlich ist dann die Prüfung der rechtlichen Voraussetzungen zur außergewöhnlichen Belastung und damit auch die Berechnung, ob die entstandenen Kosten im Kalenderjahr überhaupt die zumutbare Eigenbelastung übersteigen. Dazu wird der entsprechende Prozentsatz auf den Gesamtbetrag aller Einkünfte angesetzt. Die Aufwendungen wirken sich steuerlich nur aus, soweit sie über den so ermittelten Betrag in dem jeweiligen Kalenderjahr liegen.

Liegen die Aufwendungen oberhalb der zumutbaren Eigenbelastung hilft im Zweifel der Versuch, denn der Antrag in der Steuererklärung ist "kostenlos". Steuerzahler sollten sich von der unübersichtlichen und teils widersprüchlichen Einzelfall-Rechtsprechung nicht entmutigen lassen. Das Streichen kann man getrost dem Finanzamt überlassen. Die gesamten Aufwendungen (auch unterhalb der Eigenbelastung) sind aber genau zu belegen und die Veranlassung (Zwangsläufigkeit usw.) ist deutlich und nachvollziehbar zu erklären. Wer dem Finanzamt eine übersichtliche Aufstellung und Erklärung präsentiert, hat bessere Karten als wenn er nur die Summen in der Steuererklärung einträgt und die Belege hinzufügt. Die nachstehende Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und Richtigkeit. Sie soll nur zeigen, in welchen Fällen Aufwendungen vom Finanzamt eher anerkannt werden und wann eher mit einer Ablehnung gerechnet werden muss.

Von der Finanzverwaltung anerkannt oder gute Chancen:

  • Abfindung an Vormieter bei Wohnungswechsel wegen Krankheit
  • Aufwendungen zur Linderung von Aids
  • Kosten für krankheitsbedingte Unterbringung eines Angehörigen in einem Altenpflegeheim (Pflegebedürftigkeit)
  • Arzneimittel
  • Aufwendungen für Ayurveda-Behandlung bei medizinischer Notwendigkeit
  • Beerdigungskosten im engeren Sinne (Beerdigungskosten sind Nachlassverbindlichkeiten und können eine außergewöhnliche Belastung darstellen, wenn sie höher sind als der Wert des Nachlasses)
  • Kosten eines Zivilprozesses als außergewöhnliche Belastung
  • Kosten für Begleitung eines kranken Kindes
  • Kosten für die Begleitung eines Körperbehinderten auf einer Urlaubsreise
  • Zahlungen für Einrichtung eines behindertengerechten Bades
  • Kosten für behindertengerechte Umrüstung eines Kfz
  • Besuchsfahrten zur Krankenbetreuung auswärts wohnender Angehörigen (nur bei Nachweis der medizinischen Notwendigkeit)
  • Blitzschäden beim Einfamilienhaus (auch ohne Hausratversicherung)
  • Kosten für Brillen
  • Aufwendungen zur Beseitigung von asbestverseuchten Dachplatten
  • Kosten für Ehescheidung (Gerichts- und Anwaltskosten)
  • Entbindungskosten (Arzt, Krankenhaus, Arznei)
  • Kosten für Austausch von Elektrospeicher-Heizungen bei Asbesthaltigkeit
  • Fahrtkosten zum behandelnden Arzt
  • Fahrtkosten bei Gehbehinderung
  • Aufwendungen für Gruppentherapie, falls medizinisch geboten (amtsärztliches Attest erforderlich)
  • Kosten für Haartoupet in einem Sonderfall (Finanzgericht Düsseldorf)
  • Aufwendungen für Heilkuren, wenn unmittelbare Krankheitskosten
  • Kosten für Heilpraktiker
  • Aufwendungen für Hilfsmittel wie Brillen, Bruchbänder, Krankenfahrstühle, Zahnprothesen, Hörgeräte etc.
  • Kosten für Hörgeräte
  • Kosten für die Beseitigung von Katastrophenschäden
  • Krankheitskosten: Der Artikel Krankheitskosten in der Steuererklärung erläutert die Möglichkeiten im Detail.
  • Kosten für Krankenfahrstühle
  • Aufwendungen für Künstliche Befruchtung bei Empfängnisunfähigkeit der Ehefrau
  • Aufwendungen für fremde Samenspende bei krankheitsbedingter Zeugungsunfähigkeit des Ehemannes <Mehr hierzu im Artikel Kosten für Samenspende>.
  • Aufwendungen zur Behandlung einer krankheitsbedingten Lese- und Rechtschreibschwäche (Legasthenie)
  • Lösegeldzahlungen
  • Kosten für Logopädische Therapie
  • Medikamente
  • Scheidungskosten (Gerichts- und Anwaltskosten)
  • Kosten für Umschulung wegen Arbeitsunfähigkeit
  • Kosten für Umzug aus zwingenden Krankheitsgründen
  • Unterbringungskosten bei auswärtiger Krankheitsbehandlung
  • Vaterschaftsfeststellung bei ernstlicher Zweifel an der Vaterschaft
  • Aufwendungen zur Wiederbeschaffung von Hausrat nach Blitzschlag, Brand etc.
  • Kosten für Zahnprothesen


Von der Finanzverwaltung nicht anerkannt bzw. sehr schlechte Chancen:

  • Abfindung nach Ehescheidung oder Erbauseinandersetzung. Eine Abfindung an den Vormieter kann nur dann eine außergewöhnliche Belastung darstellen, wenn der Wohnungswechsel wegen Krankheit zwangsläufig war
  • Abmagerungskur (nur bei starkem Übergewicht und ein vor Behandlungsbeginn ausgestelltes amts- oder vertrauensärztlichesn Attest vorliegt)
  • Adoptionskosten (Die Adoption ist nicht zwangsläufig)
  • Allergiebettwäsche (Keine Belastung: Die Bettwäsche hat einen Gegenwert)
  • Kosten für altersbedingte Unterbringung im Altenheim (Krankheitsbedingte oder durch Pflegebedürftigkeit veranlasste Kosten für die Unterbringung in einer Pflegestation schon eher)
  • Kosten für Auslandsstudium (ggf. abzugsfähig als Ausbildungskosten)
  • Aussteuer
  • Aufwendungen für Austauschschüler
  • Tilgung eines BAföG-Darlehens
  • Reisekosten zu Beerdigung naher Angehöriger
  • Besuchsfahrten anlässlich einer Kur des Ehepartners
  • Besuchsfahrten zu inhaftierten Angehörigen
  • Betrugsverluste
  • Aufwendungen für die Bewirtung von Trauergästen anlässlich einer Beerdigung
  • Leistungen aus freiwillig übernommenen Bürgschaften
  • Detektivkosten zur Beschaffung von Material für Ehescheidung
  • Diätverpflegung
  • Kosten zur Erlangung eines Doktortitels
  • Kosten der Eheschließung
  • Kosten für Einrichtung einer neuen Wohnung nach Scheidung
  • Kosten für Übernahme eines Ehrenamtes
  • Erpressungsgelder bei außerehelichem Verhältnis
  • Erstlingsausstattung für Neugeborene
  • Aufwendungen für Familienfeiern
  • Familienheimfahrten eines Wehrpflichtigen zur schwangeren Ehefrau
  • Kosten für Aufnahme von Ferienkindern
  • Kosten für Frischzellen-Behandlung
  • Geldstrafen und Geldbußen
  • Grabpflegekosten und Aufwendungen für Grabbesuch
  • Kosten für Getrenntleben während des Scheidungsverfahrens
  • Haartransplantation (ohne medizinische Notwendigkeit)
  • Aufwendungen für Hochzeitsfeier
  • Kosten für Internatsunterbringung eines gesunden Kindes
  • Mehraufwand für Kleidung wegen Körpergröße
  • Aufwendungen für Künstliche Befruchtung bei Zeugungsunfähigkeit des Mannes
  • Kosten für Medizinische Fachliteratur
  • Mehrkosten für Urlaubsreise wegen Konkurs des Veranstalters
  • Nachlassverbindlichkeiten (Ausnahme Beerdigungsksoten, wenn sie den Nachlass übersteigen)
  • Nachzahlung zur Rentenversicherung
  • Kosten für Pilgerfahrt
  • Reparaturkosten für geliehenen Pkw
  • Kosten für Telefon und Fernseher im Krankenhaus
  • Trinkgelder an Krankenhauspersonal
  • Telefonate mit hochbetagten Eltern
  • Aufwendungen für Trauerkleidung
  • Aufwendungen für Umstandskleidung
  • Verdienstausfall wegen Krankheit
  • Verlobungsgeschenke
  • Vermögenseinbußen durch Konkurs des Schuldners
  • Wochenend-Heimfahrten der alleinstehenden Mutter zur ihrem Kind
  • Aufwendungen für erstmalige Wohnungseinrichtung
  • Kosten für Besuch bei einem Wunderheiler
  • Kosten für eine Zweitwohnung
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Hermann-Josef Tenhagen

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