Angepinnt falscher Steuerbescheid, Einspruch?

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    • falscher Steuerbescheid, Einspruch?

      Hallo liebe Mitglieder,

      viele von Euch haben schon die Steuererklärung abgegeben und mittlerweile auch schon den Steuerbescheid erhalten. Plus oder minus - oft kann man es vorhersehen, viele bleiben aber bis zum Schrieb in Ungewissheit.

      Mein Eindruck ist: Viele nehmen den Steuerbescheid als bare Münze. Dabei gibt es die Möglichkeit, dagegen Einspruch einzulegen, wenn etwas nicht anerkannt ist. Spätestens, wenn ein Posten deutlich abgelehnt wird, ärgert man sich ungemein.

      Habt Ihr schon einmal Einspruch gegen einen Steuerbescheid eingelegt? Was sind Eure Erfahrungen mit der Abwicklung des Widerspruchs?
    • Meiner Erfahrung nach sind zwei Fälle zu unterscheiden:

      1) Der Steuerbescheid weicht von der Erklärung ab. Es handelt sich aber eher um Kleinigkeiten und / oder Missverständnisse, die aus einer vielleicht unklaren Sachverhaltsschilderung in der Erklärung oder mangelnder Sorgfalt beim Sachbearbeiter resultieren. Hier ist es hilfreich, einfach mal anzurufen und nachzufragen, warum der Sachverhalt anders veranlagt wurde als erklärt. Mit so einem Anruf klärt sich oft viel auf, der Aufwand ist gering und die Möglichkeit des Einspruchs bleibt ja noch immer.

      2) Bei grundsätzlich strittigen Punkten bringt ein Anruf meist nichts oder der Sachbearbeiter will dann doch noch einmal was Schriftliches. Beispiele: Nichtanerkennung einer doppelten Haushaltsführung, Geltendmachung der Kosten eines Erststudiums, Ermittlung der Afa-Bemessungsgrundlage eines Neubaus, Wegstrecke zwischen Arbeit und Wohnung, Anerkennung von Verlusten aus selbständiger Arbeit in den ersten Jahren der Existenzgründung (Stichwort "Liebhaberei", fehlende Gewinnerzielungsabsicht).
    • Der Einspruch ist doch ein ganz normaler Vorgang!

      Ich hatte 2015 den Fall, dass der Bescheid von der Erklärung erheblich abwich und ich die Formulierung der Begründung nicht verstanden habe. Telefonische Rücksprache hat nicht funktioniert, da der Sachbearbeiter nicht da war. Dann habe ich Einspruch eingelegt, um die Frist zu wahren. Hinterher stellte sich dann raus,dass das FA Recht hatte und ich in der Erklärung einen Fehler gemacht hatte. ^^ Das liess sich mit einem Telefonat klären und der Einspruch war nichtig.
      War relativ viel Aufwand, aber die Klärung war sinnvoll und alle haben es als normalen Vorgang betrachtet.

      In einem früheren Fall habe ich nach einem Einspruch mal eine höhere Erstattung bekommen, im kommenden Jahr hat die Sachberabeiterin sich die Erklärung dann aber ganz genau angesehen und alles moniert, was sie konnte. War aber nicht viel. ;)
    • Ich habe mal nachgezählt:

      Seit 1994 waren es sechs Einsprüche,die alle(!!)zu meinen Gunsten ausgegangen sind.

      Erstattungshöhe insgesamt knapp €10.000!

      In einem Fall habe ich mich wegen Widerborstigkeit des Sachbearbeiters beim Finanzminister meines Bundeslandes beschwert,Anruf bei mir erfolgte drei Tage später mit der Bitte zum FA zu kommen,um ein Dokument zu unterzeichnen(beim Sachgruppenleiter) und weitere drei Tage später war die Erstattung auf meinem Konto.

      Alles verlief in einer Atmosphäre betonter Höflichkeit,verbunden mit einer schriftlichen Entschuldigung.

      Nach einigen Tagen erkundigte der Referent des Ministers sich danach,ob alles zu meiner Zufriedenheit abgelaufen sei.
    • Auch ich hatte schon einen falschen Steuerbescheid, den ich reklamiert habe. Ich möchte aber zu bedenken geben, dass das Finanzamt ihre Kunden kategorisiert. So kann ein Einspruch, auch wenn er rechtens ist, nach hinten losgehen.
      Mit meinen heutigen Wissen, hätte ich den falschen Steuerbescheid besser nicht reklamiert.
      Sich mit dem Finanzamt anzulegen, nur um den eigenen Ego zum Sieg zuverhelfen, halte ich für Unklug.
      Es gilt also immer abzuwägen, ob es mir die Sache wert ist.

      Altsachse
    • [email protected],
      Ich habe das auch nur am eigenen Leib erlebt. Das Finanzamt wird sich hierzu sicher bedeckt halten. Ich kann mir aber gut vorstellen, Steuerangelegenheiten die einfach zu erledigen sind, werden vorrangig bearbeitet. Ich kann daran nichts Unrechtes feststellen. Eine verdächtige Firma wird sicherlich öfter die Finanzprüfer erwarten können. Das liegt sicher im Ermessen des Finanzamtes.
      Gruß

      Altsachse
    • Ich habe es letztes Jahr erlebt, daß das Finanzamt meine Krankenkassenbeiträge + Pflegeversicherungsbeiträge (ich bin Rentnerin ) vergessen hat und nur die von der (wenigen) selbstständigen Arbeit eingetragen und berechnet hat, also etwa 1300,- € zu wenig. Dadurch mußte ich Steuern nachzahlen.
      Außerdem hatten sie Ausgaben für die Brille nicht anerkannt, weil sie nicht vom Arzt verordnet waren (der Optiker reicht , wenn es nicht die erste Brille ist!)
      Ich habe einen 1. Widerspruch eingelegt, der vom Finanzamt abgelehnt wurde mit den Worten, alles habe seine Richtigkeit. Danach habe ich einen weiteren Widerspruch eingelegt und genau aufgezeigt, wo der Fehler zu finden ist und genau vorgerechnet, daß der Krankenkassenbeitrag rein anhand meiner Rente nicht stimmen kann.
      Daraufhin wurde mir eine korrigierte Steuererklärung zugeschickt (auch die Brille war nun anerkannt!) und mein zuviel gezahltes Geld zurückerstattet.
    • Ich halte einen Einspruch nur für die zweitbeste Lösung, da das Finanzamt dadurch immer die komplette Steuererklärung neu prüfen muss, auch wenn es nur um einen strittigen Punkt geht. Dies dient bestimmt nicht zur Aufmunterung des zuständigen Sachbearbeiters und kann auch zur sog. Verböserung führen.
      Meines Erachtens der sinnvollere Weg ist ein Antrag auf schlichte Änderung. Die Suche im Internet liefert Umfang reiche Hilfestellung.
      Viele Grüße, Crunch