Basiswissen Wertpapiere / Depots / Aktien

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    • Basiswissen Wertpapiere / Depots / Aktien

      Hallo zusammen,
      seit einigen Jahren nutze ich Fondsparpläne in meinem Depot und habe auch schon mal die eine oder andere Aktie gekauft / verkauft. Jedoch sagen mir die ganzen Zahlenkolonnen bei den Wertpapieren recht wenig. Gibt es zu diesen Kennzahlen ein Buch oder ein paar Hilfeseiten, um das näher zu verstehen?
      Welche sind wichtiger als andere, kann man aus einigen etwas ablesen?
    • @Nordlicht1337 Ein bissel spezifischer müsste die Frage schon sein, um da eine qualifizierte Antwort geben zu können.

      Aber als Buch wird gerne empfohlen:
      Gerd Kommer - Souverän investieren mit Indexfonds und ETFs

      Ansonsten ist Amazon voll mit Büchern die gut bewertet sind: amazon.de/gp/bestsellers/books/189002

      Auch bei Youtube gibt es den einen oder anderen informativen Kanal, z.B. Aktien mit Kopf


      Bei konkreten Fragen (Was heißt eigentlich KGV? Was sind Alpha und Beta? Wie berechnet man die Dividendenrendite?) wird sicherlich auch der eine oder andere Forist hier drauf antworten.
    • Hallo elijah2807,
      Danke für die Antwort.
      Ich habe das Kommerbuch gestern bekommen und die ersten gut zwanzig Seiten gelesen. Mein erster Eindruck ist, dass das Buch sehr die Vorteile von ETFs und passivem Investment betont. Es werden häufiger Quellen angegeben, dies erscheint mir jedoch sehr unpräzise zitiert. Ich arbeite selbst als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ingenieursbereich, muss also selbst viel mit Quellen hantieren. Mich begleitet momentan das Gefühl, dass das Buch vielleicht etwas einseitig werden könnte.

      Zu den Begrifflichkeiten:

      KGV -> "Kurs-Gewinn-Verhältnis": Wiki
      Setzt den aktuellen Kurs ins Verhältnis zum letzten ermittelten Gewinn pro Aktie. Welche Größenordnung sind denn da gut?

      Alpha und Beta sagt mir nichts. Wenn ich von Dividendenrendite lese, denke ich, dass man wohl die Höhe der Dividendenzahlung ins Verhältnis zum Kurswert setzt? Habe ich also 10 Telekomaktien zu je 15 Euro und erzielt jede Aktie eine Dividende von 50 cents, so bekomme ich für ein Investment von 150 Euro eine Dividende von 5 Euro, ergo eine Rendite von 3,3%? Also ohne Betrachtung der Kosten, die müsste man ja fairerweise noch mit einbeziehen (also Ordergebühren und Verkaufsgebühren)
    • Nordlicht1337 schrieb:

      KGV -> "Kurs-Gewinn-Verhältnis": Wiki
      Setzt den aktuellen Kurs ins Verhältnis zum letzten ermittelten Gewinn pro Aktie. Welche Größenordnung sind denn da gut?
      Die Frage kann man pauschal nicht so leicht beantworten. "Gut" und "schlecht" sind stark abhängig von den Erwartungen für das Unternehmen. Bei einem Unternehmen, dessen Gewinn stark wächst (z.B. Facebook), ist ein hohes KGV von z.B. 50 keines wo man unbedingt sagt, das Unternehmen ist überbewertet. Google hatte mal einen KGV von 400, heute wäre der damalige Preis ein Schnäppchen gewesen...

      Bei einem Unternehmen, welches eine deutlich flachere Gewinnentwicklung hat, sind eher 12, 15 oder vielleicht 20 realistisch (z.B. Henkel). Bei einem Unternehmen, wo absehbar ist, dass sie auf Jahre hinaus große Schwierigkeiten haben Geld zu verdienen (z.B. Deutsche Bank, E.On, VW) sind vielleicht sogar einstellige Werte der richtige Maßstab.

      Das KGV ist nur ein Indiz von vielen für die Unternehmensbewertung. Im besten Fall gibt es Dir eine Indikation, wie die Wachstumserwartungen des Markets für das Unternehmen aussehen.


      Nordlicht1337 schrieb:

      Alpha und Beta sagt mir nichts.
      Alpha und Beta sind Begriffe aus der Finanzmarkt-Theorie, genauer aus dem Capital Asset Pricing Model (CAPM) von Sharpe und Markowitz.

      Das Beta bezeichnet vereinfacht gesagt die Korrelation eines Assets (z.b. einer Aktie) mit dem Markt.
      • Ein Beta von 1 bedeutet, dass das Asset exakt mit dem Markt schwankt.
      • Ein Beta <1 bedeutet, dass das Asset weniger starkt schwankt als der Markt. Versorger- und Konsumgüteraktien (z.B. Nestlé) sind klassische Beta <1 Kandidaten, da ihr Geschäft weniger zyklisch ist - Windeln und Tütensuppen kauft der Mensch auch in der Krise.
      • Assets mit einem Beta >1 schwanken dementsprechend stärker als der Markt - Luxusgüter und Autos zum Beispiel. der Kauf eines Autos oder einer neuen Uhr wird in der Krise gerne mal aufgeschoben.
      • Natürlich ist auch ein Beta <0 möglich, das sind Assets die steigen, wenn der Gesamtmarkt in den Keller geht. Gold ist so ein Kandidat, auch wenn das klassische CAPM darauf nicht so wirklich anwendbar ist....


      Alpha bezeichnet die "Überrendite" eines aktiven Investors. Ein (risikoadjustiertes) Alpha >0 heißt, dass der aktive Investor (z.B. ein Fondsmanager) den Markt geschlagen hat. <0 dann dementsprechend, dass man mit einem Marktportfolio besser gefahren wäre...


      Auch wenn das jetzt alles hochtheoretisch klingt: Meiner Ansicht nach ist es wichtig, moderne Portfoliotheorie (Markowitz) und das CAPM (Sharpe) einmal zu verstehen, weil diese die fundamentalen Grundlagen für die Investmententscheidungen der wirklich großen Anleger bilden. Und diese sind es, die den Markt letztendlich treiben.

      Hope that helps.
    • WoW! Vielen Dank für die schnelle Antwort :)
      Ich beschäftige mich ja beruflich viel mit Modellierung von technischen Systemen und ohne, dass ich jetzt die Finanzmarkttheorie gelesen habe, hört es sich so an, als ob es auch eine Art Modellierungsversuch mit zwei Parametern (Alpha+Beta) ist.

      Ich habe hier nochmal den Link zu CAPM bei Wiki eingefügt: CAPM bei wiki

      Ich werde mir vielleicht hierzu mal ein Buch bestellen, sowas ist ja sicherlich auch Bestandteil eines Studiums für Finanzmathematik oder so.
      Kennst du das Buch hier? CAPM von Springer
    • Ich bevorzuge die simple Linealmethode um Titel auszuwählen.

      Geht der Langzeitchart (maximal) von links unten nach rechts oben von der Tendenz her kaufe ich den Titel.
      Ausreisser während der üblichen Krisenzeiten gehören dazu. Hat der Titel sich jedesmal erholt (und wenn auch über mehrere Jahre) ist er eine langfristige Anlage wert.

      Beispiel Nestle (ja sorry einfach und allerweltsaktie aber sie verdeutlich super was ich meine)
      Beispiel Wells Fargo (dto.)
      Stryker (für Kenner ;) )


      Negativbeispiel
      Deutsche Telekom (der bleibt seit einem riesenabsturz am Anfang immer gleich): Finger weg.
      RTL (dto)

      Es ist trotz Alphas und Betas schlussendlich eigentlich sowas von einfach ;)

      Klar so macht man kurzfristig nie das große Geld. Und aufregend ist es auch nicht. Aber auf 15-20 Jahre gesehen behaupte ich erzielt man damit eine bessere Performance als auf Turnarounds oder High Potentials zu setzen.

      Ist aber natürlich nur meine persönliche Meinung....
    • RaphaelP schrieb:

      Geht der Langzeitchart (maximal) von links unten nach rechts oben von der Tendenz her kaufe ich den Titel.
      Um eine schöne Linie von links unten nach rechts oben zu ziehen, braucht es halt auch ein paar Jahre, damit es wirklich ein nachweislicher Trend ist. Und hier liegt auch das Problem der eigentlich klugen Methode: Man verpasst eben oft auch die besten Jahre. Zwei nette Beispiele:

      -> Apple Inc.: comdirect.de/inf/aktien/detail…ION=253931#timeSpan=SE&e&

      -> Tesla Motors Inc.: comdirect.de/inf/aktien/detail…n=5Y&ID_NOTATION=37324151
    • Klar @Oekonom das ist natürlich die "Schwäche" der Methode. Das ist natürlich eine Frage welcher Anlegertyp man ist. Und man kann auch durchaus auf solche Titel gelegentlich setzen. Aber für den Großteil des Depots würde ich das nicht machen.

      Ich stelle mal die freche Behauptung auf, dass man natürlich mit den von Dir erwähnten Titeln kurzfristig nen ordentlichen Verdienst machen konnte, aber wenn man das regelmäßig "probiert" fliegt man m.E. öfter auf die Nase als man gewinnt und dann hat man per Saldo trotzdem weniger verdient als jemand der immer auf die "Lineal-Titel" setzt.
      Die Methode kann ein Schimpanse lernen, während man bevor man auf die Startup Titel setzt sich doch ein genaues Bild machen muss und auch Branchenkenntnisse besitzen sollte.
      Ich habe diese Fehler schon gemacht und bin daher von gelegentlichen Emotionskäufen wieder komplett zur Linealmethode übergegangen :D

      Jeder der sich mal an Sportwetten oder im Casino probiert hat wird diese Erfahrung kennen:
      Man gewinnt mal und ist vielleicht im Plus aber dann setzt man nochmal weil irgendwelche Hormone oder sonst was ins Spiel kommen oder man Allmachtsfantasien bekommt holt man nicht den Gewinn ab sondern spielt nochmal....
      Und per Saldo gewinnt dann immer die Bank. Genauso läuft es m.E. mit riskanten Titeln auch.

      Ich kenne niemanden, der kurzfristig viel Geld mit Spekulation gemacht hat und das Geld dann komplett in solide Titel investierte... Aber ich kenne ja Gott sei Dank nicht jeden :)
    • RaphaelP schrieb:

      Ich kenne niemanden, der kurzfristig viel Geld mit Spekulation gemacht hat und das Geld dann komplett in solide Titel investierte
      Wahrscheinlich sind das wirklich echt die Ausnahmen.

      Ich investiere (hoffentlich) auch immer in solide Titel, aber manchmal macht eine kleine Spekulation halt doch zu viel Spaß bzw. wenn man weiß (oder glaubt) einen kleinen Wissensvorsprung zu haben, dann lockt halt doch der Nervenkitzel. Kleines Beispiel: Als Infineon im Jahr 2009 zum Pennystock wurde habe ich nach eingehender Recherche ein paar Euros investiert. Kaufpreis 0,72 Euro pro Aktie. Heute steht sie irgendwo bei knapp 14 Euro. Wäre also eine Verzwanzigfachung geworden. Ich habe leider schon im Jahr 2011 bei 7,50 Euro verkauft. Aber auch kein schlechtes Geschäft, auch wenn der Kapitaleinsatz im Rückblick natürlich viel zu gering war. Aber nachher ist man immer schlauer :)