Geht die Zulage der Riester-Rente nicht im Steuervorteil unter?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Geht die Zulage der Riester-Rente nicht im Steuervorteil unter?

      Ich habe einen Riester-Fondsparplan und noch einen Flex-Fondsparplan. Da ich im Riester von meinem Bruttoeinkommen einzahlen kann, jedoch durch die Garantie auf die eingezahlten Beiträge weniger Rendite bekomme; hingegen in der Flex vom Nettoeinkommen einzahle aber maximale Rendite bekomme, möchte ich mir überlegen, wie viel meines Einkommens ich in welches Produkt einzahle.

      Mein Bruttoeinkommen wird 22423.19 EUR/Jahr sein. Dadurch ist der Mindestbeitrag (4%) für die maximale Zulage 896.93 EUR/Jahr. Die steuerliche Absetzbarkeit hört ja bei 2100 EUR/Jahr auf. Die Förderung wird erst ab 60 EUR/Jahr Einzahlungen ausgeschüttet. Parameterisiert durch die tatsächlichen Einzahlungen in den Vertrag (also inklusive Zulage) ist die Zulage dann folgende:



      Die grauen vertikalen Linien zeigen die beiden interessanten Einzahlungsbeträge. Die Zulage ist natürlich irgendwann gedeckelt auf 175 EUR/Jahr (soll wohl 2018 kommen).

      Nun kann man alles unter 2100 EUR/Jahr steuerlich absetzen. Mein Grenzsteuersatz ist so 22% bei dem Bruttoeinkommen. Im passenden Finanztip Artikel steht nun:


      Der errechnete Steuervorteil ist jedoch immer höher als die tatsächliche Rückerstattung. Der Grund liegt in der Verrechnung von Steuervorteil und Zulagen: Sie erhalten nur den Anteil Ihres Steuervorteils, der nach Abzug aller Zulagen übrig bleibt.
      Das interpretiere ich nun so, dass der Staat zwar diese Zulage bezahlt, mir diese aber von der Steuererstattung abzieht:



      In Summe ist das ganze dann einfach linear bis zu 2100 EUR:



      Somit ist die 4% Grenze vollkommen irrelevant! Ich bekomme zwar keine weitere Zulage mehr, jedoch wird der Steuervorteil nicht mehr reduziert. Somit erhalte ich die maximalen Vorteile, wenn ich 2100 EUR einzahle, also mein Eigenanteil eben 2100 EUR - 175 EUR ist. Das erscheint mir etwas merkwürdig, weil doch bei der 4% Marke auch irgendwie etwas besonderes passieren sollte‽

      Schaut man sich jetzt die Effizienz des Riester-Vertrages an, so ist die Menge an Zulage pro eingezahltem Geld erstmal konstant, ab 2100 EUR geht es natürlich runter:



      Irgendwie erscheint mir das falsch. Mein Finanzberater sagte mir, dass man einen Riester-Vertrag entweder am 4%-Punkt oder bei 2100 EUR besparen soll, das seien die effizientesten Punkte. Jedoch scheint die Effizienz konstant zu sein, der optimale Punkt (wenn man genügend Geld sparen möchte) bei 2100 EUR zu sein.

      Ist hier etwas falsch, und wenn ja, was?
    • Ich habe auf einer anderen Seite noch den entscheidenden Hinweis gefunden:

      • Wenn deine Steuerersparnis niedriger ausfällt als die Zulagen, die du bekommen hast, passiert nix.
      • Wenn deine Steuerersparnis höher ausfällt als die Zulagen, bekommst du die Differenz vom Finanzamt erstattet.
      Mit anderen Worten, du bekommst entweder die Zulagen oder die Steuerersparnis, nicht beides.
      Somit wäre das dann recht einfach. Und zwar ist dann der effektive Vorteil, den man bekommt, das Maximum aus den beiden.

      Dann sieht das direkt anders aus:



      In blau die Zulage, in rot der Steuervorteil abzüglich der Zulage. Die dicke, graue Linie zeigt das Maximum der beiden Kurven. Somit sieht die Fördereffizienz dann so aus wie versprochen, mit zwei ausgezeichneten Punkten bei der 4%-Marke und den 2100 EUR:



      Also mindestens 4% einzahlen ist bei meinem Gehalt dann wohl schon sinnvoll. Ob im Vergleich zur Flex-Rente auch die 2100 EUR sinnvoll sind, werde ich jetzt ausrechnen, das hat aber mit meiner Frage nichts mehr zu tun.

      Stimmt es jetzt?
    • Hallo @martin-u

      Willkommen im Forum. Ich finde es gut, dass du dich so detailliert mit deiner Rentenversicherung auseinandersetzt. Du stellst viele Fragen, ich versuche mal ein paar Antworten zu geben.

      Deine Aussage: Mein Bruttoeinkommen wird 22423.19 EUR/Jahr sein. Dadurch ist der Mindestbeitrag (4%) für die maximale Zulage 896.93 EUR/Jahr.

      Das habe ich anders verstanden. Dein Eigenbeitrag liegt bei 22423 * 4% minus 154 Euro. Also bei 896 Eur minus 154 Euro. Du zahlst also selbst 743 Euro, in deinen Riester fließen 896 Euro.

      Deine Aussage: Das interpretiere ich nun so, dass der Staat zwar diese Zulage bezahlt, mir diese aber von der Steuererstattung abzieht:

      Das habe ich anders verstanden. Du bekommst die Steuererstattung auf die 743 Euro, nicht auf die 896 Euro. Es wird in diesem Sinne also nichts abgezogen. Richtig erkannt hast du, dass du nur bei einer Steuerersparnis >154 Euro auch wirklich einen Steuereffekt hast, nämlich die Differenz zwischen Zulage und Steuererstattung. Ist der Steuereffekt <154 Euro, bekommst du die Zulage und sonst nichts.

      Weiterhin, da der Steuersatz progressiv ist, ist auch deine Steuerersparnis progressiv. Wenn dein Grenzsteuersatz 22% ist, hast du einen geringeren Steuereffekt als wenn der Grenzsteuersatz 25% ist. Somit wäre die Linie deiner obigen Grafik progressiv, nicht linear.

      Du beschränkst deinen Blickwinkel aktuell vollständig auf die Zulage/Zulagenrendite und die Steuerförderung. Hast du dir mal angesehen, wie es mit deiner Nettorendite von Riester und Flexrente aussieht? Dazu habe ich hier und hier mal meine Erfahrungen gepostet.

      Weiterhin scheinst du noch am Anfang deiner Karriere zu stehen. Deine Lebensversicherungen beabsichtigst du ein Erwerbsleben lang zu füttern und anschließend bis ans Lebensende zu genießen. Ich kann dir nur raten, die Versicherungen einem Check zu unterziehen, damit du nicht in 30 Jahren feststellst, viel Geld in Zitronen angelegt zu haben. Ich habe hier gute Erfahrungen mit der Verbraucherzentrale gemacht, in Hessen zb für 25 Euro pro 15 Minuten Beratung, ein unschlagbares Preis-/Leistungsverhältnis. Hätte ich mich dort am Studienende schlau gemacht, hätte ich heute >10.000 Euro mehr in der Tasche. Bei mir saß da ein fähiger Ex-Versicherungsvermittler, der in Windeseile mit seinem Taschenrechner meine Versicherung auseinandergenommen hat. So wie du hier die Fragen stellst, wirst du an sowas mega Spaß haben.
    • Hallo @martin-u,

      auch von mir willkommen im Forum. Klingt schwer nach einer 50% Doktorandenstelle ;) . Ich finds cool, dass du dich frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzt und schon schwer optimierst. Ich habe in dem Stadium auch meine Gehversuche in Sachen Finanzen gemacht.

      Ich versuche deine Gedankengänge nachzuvollziehen. @chris2702 hat schon festgestellt, dass du sehr auf die Förderquote im Sinne Zulage+Steuerersparnis pro Euro aus eigener Tasche aus bist. Aus meiner Sicht ist das auch der richtige Ansatz. Jeder Euro von dir sollte so effizient wie möglich eingesetzt werden.

      Die ersten 4 Graphiken stimmen aus meiner Sicht. Du hast jetzt schon mit 175 EUR Zulage gerechnet (ich wusste gar nicht, dass die erhöht werden sollte), aber das Prinzip ist richtig. Richtig ist im Grundsatz auch der Hinweis von @chris2702 mit dem progressiven Grenzsteuersatz. Je mehr du einzahlst, desto stärker ändert sich dieser. Der Einfachheit halber kann man aber mit 22% rechnen. Das geht schon in Ordnung. Mit den letzten beiden Grapiken habe ich meine Probleme. Es gibt im Riestersystem einen Sonderausgabenabzug. D.h. du kannst deine Eigenbeiträge+Zulage bis max. 2100 EUR absetzen. Dann wird hypothetisch geschaut, welche Steuerersparnis dir daraus entstünde. Ist diese größer als de Zulage, wird die Zulage davon abgezogen und du erhälst die Differenz über die Steuerrückerstattung zurück. Ist die Steuerersparnis kleiner als die Zulage, wird der Sonderausgabeabzug nicht gewährt und es bleibt bei der Zulage. Der Knick in der Förderquote bzw. das Minimum zwischen 1000 und 2100 EUR ist daher nicht plausibel.

      Beispiel:
      Eigenbeitrag 1346 EUR; Zulage 154 EUR --> Sonderausgabenabzug 1500 EUR, Steuerersparnis fiktiv 1500*22%=330 EUR, Steuerersparnis über Zulage hinaus 330 EUR - 154 EUR = 176 EUR
      --> Förderquote: 330/1346=24,5%

      Die Förderquote sinkt also nicht wesentlich ab. Helfen könnte die Betrachtung der Extrempunkte.
      1. 4% vom Brutto = 897 EUR. Steuerersparnis fiktiv 197 EUR. Steuererstattung 197 EUR - 154 EUR = 43 EUR. Förderquote 197/(897-154)=26,5%.
      2. 1946 EUR Einzahlung. Steuerersparnis fiktiv 462 EUR. Steuererstattung 462 EUR - 154 EUR = 308 EUR. Förderquote 462/(2100-154)=23,7%.
      Alle Einzahlungen über 2100 EUR bringen keine Förderung und machen in deinem Fall keinen Sinn. Ausnahme: Du schwimmst im Geld und versuchst Abgeltungssteuer zu sparen. Dann könnte man über einen ungeförderten Vertrag bzw. Überzahlungen nachdenken, aber meist sind die Produkte so schlecht, dass selbst die Abgeltungssteuerbefreiung das nicht kompensieren kann. Aber das ist ein anderes Thema. :D

      Viel wichtiger in deiner jetztigen Situation ist: Lass dich nicht in langfristige Verträge drängen. Dein Bruttoeinkommen ist aktuell so schwach, dass volle Steuerersparnis zu bekommen nicht viel Sinn ergibt. Auch vor dem Hintergrund, dass dein Einkommen zukünftig noch deutlich steigen wird und dein Grenzsteuersatz im Alter auch irgendwo bei 20% liegen wird, mit dem du die Auszahlungen auch wieder versteuern musst, kannst du die Differenz zwischen Besteuerung im Erwerbsalter und Besteuerung in Rente nicht ausspielen! Aus eigener Erfahrung in ähnlicher Situation: Verbuddel dein Geld nicht in irgendeinem Riester. Spare frei und ungebunden an und versuche zunächst ein Polster von 3 Monatsnettos zu haben. Du wirst in ein paar Jahren dankbar sein, Liquidität zur Verfügung zu haben. Falls dann auch Familie kommt, hat es sich in vielen Fällen ausgeriestert (s. meine Rechnung hier)...
    • Es ist in der Tat eine Doktorandenstelle: TV-L (West) E13 mit 50% :-).

      Da ich beim Riester ja die Garantie auf eingezahlte Beiträge habe, ist die Rendite der Fonds ziemlich ausgebremst. Daher hat mir mein Finanzberater den Riester auch nur gegeben, um die staatliche Förderung zu bekommen. Daher würde ich den wohl auf der 4%-Marke betreiben.

      Dass meine Steuerlast momentan der im Alter entspricht, hatte ich noch gar nicht bedacht. Daher ist die Steuererleichterung durch den Riester-Vertrag in der Tat zu vernachlässigen. Danke für den Denkanstoß!

      Natürlich müsste man bei der Steuerersparnis korrekterweise integrieren, das habe ich mir mal gespart.

      Warum ist das Minimum in der Förderquote nicht realistisch? Im ersten Plot meines zweiten Beitrags habe ich ja die Förderung. Und die macht da einen Knick, wo die Steuerersparnis größer wird als die Förderung mit konstantem Beitrag. Teilt man dies durch den Eigenbeitrag, erwarte ich da schon ein Minimum. Oder ist eben schon der erste Plot des zweiten Beitrags falsch?

      Polster habe ich schon, vier Monatsnettogehälter sind das. Meine Ausgaben sind aber deutlich geringer, sodass das über 8 Monate die Kosten (ohne Sparen) decken. Dann habe ich noch knapp über 3000 EUR in einem Depot in diversen Aktienfonds. Die restliche Altersvorsorge geht in eine Flex, da kann ich ja auch ohne wirkliche Einschränkungen das Geld wieder rausziehen, wenn ich das brauchen sollte. Die Flex nehme ich letztlich als Depot, um damit eben Abgeltungssteuer zu sparen und im Alter einen guten Batzen Geld zu haben. Daher sehe ich das nicht so, dass ich viel Geld im Riester festlege. Eher ging es darum, den Rechnungszins zu sichern und die staatliche Förderung anzunehmen.
    • 175 Euro mal 40 Jahre bringt 7000 Euro Zulage. Das rettet nicht mal einen Obdachlosen vor der Altersarmut, geschweige denn dass es einem promovierten Akademiker zu einem sorgenfreien Alter verhilft. Ich kann nur raten, kritisch auf die Nettorendite nach Kosten und Steuern zu schauen. Wenn die stimmt, ist alles ok. Wenn nicht, heißt es schleunigst Verträge kündigen.
    • Ich habe jetzt drei Stunden versucht, mal den Riester-Vertrag von der WWK, den ich habe, nachzurechnen. Und ich bekomme den Wert, den sie als »mögliches Rentenkapital« angeben, einfach nicht raus.


      Die schwarze Linie ist das, was bei 0 % in meinen Produktinformationen steht. Die Summe der Eigenbeiträge ist natürlich geringer als die Summe aller Beiträge, weil ich ja noch Förderung erhalten habe. Aber das Guthaben stimmt nicht mit dem überein, was die WWK angibt (schwarze Linie):



      Das ist doch einfach nur furchtbar, wie soll man denn so eine informierte Entscheidung treffen können?
    • Da muss ich @chris2702 Recht geben. Ohne weitere Infos lässt sich der Plot schwerlich interpretieren. Was sind die Rechnungsgrundlagen?

      @martin-u:
      "guthaben.0", "guthaben.3" und "guthaben.6" steht wahrscheinlich für die angenommene Wertentwicklung? 2056 ist dein Renteneintrittsdatum?

      Nun, dass du nie auf das "mögliche Rentenkapital" kommst, könnte daran liegen, dass dieses WWK Produkt eine fondgebundene Riester-Rentenversicherung ist, die von vorne bis hinten kostenverseucht scheint und du diese Kosten massiv unterschätzt hast.

      Bei einer Schnellrecherche finde ich Effektivkosten von 2,9% bis 4,1% p.a. je nach Laufzeit (Handelsblatt). Eine weitere Quelle beziffert die Gesamteffektivkosten bei einer Laufzeit bei 35 Jahren auf 3,29% p.a. (Vorsorgekampagne).

      Sollten die Zahlen stimmen und die Gesamtkosten irgendwo im 3% Bereich liegen, wäre das, freundlich ausgedrückt, eine Katastrophe. Klar ist auf jeden Fall. Du bezahlst den Versicherungsmantel zzgl. Verwaltungskosten einzelner aktiver Fonds zzgl. Abschlussprovisionen zzgl. Bestandsprovisionen. Das geht ganz schön ins Geld.

      Prinzipiell muss man sich bei so einem Produkt schon fragen, ob man mit einer freien Lösung nicht besser fährt und auf den Riester verzichtet - trotz Zulagen und Steuervorteile. @chris2702 hat das ja schon mehrfach durchgerechnet und ist zum Ergebis gekommen, dass die Kosten die Zulage fressen. Bei einer kurzen Überschlagsrechnung (Tabelle unten) komme ich auf ein ähnliches Ergebnis. Die Kosten fressen den Großteil der Steuerersparnis und dabei ist Szenario A (WWK mit kleinen Kosten) sehr optimistisch angenommen: 40 Jahre Spitzensteuersatz, Rendite trotz iCPPI bei 6%. Letzteres wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht eintreffen. iCPPI ist ein Marketingklassiker, der so ausgestaltet ist, dass der Anbieter die Beitragsgarantie erfüllen kann. Das kann man dem Anbeiter nicht vorwerfen, jedoch kann man annehmen, dass iCPPI letztlich nicht dem Kunden nutzt, sondern dem Anbeiter das Risiko nimmt, am Ende draufzahlen zu müssen. D.h. aber auch, dass iCPPI Geld und damit Rendite kosten wird. Der Gesetzgeber wollte das so. Und das ist eigentlich auch der Knackpunkt bei der ganzen Riesterdebatte. Aus meiner Sicht ist die Beitragsgarantie der größte Fehler im System! Was möglich wäre: s. Szenario C.



      Wie aus der Rechnung klar wird, stünde man mit dem WWK Produkt im besten Fall mit 15kEUR in heutiger Kaufkraft mehr da als mit der freien ETF Lösung. Höchstwahrscheinlich wird die Differenz aber kleiner wegen schmalerer Renditen, real höherer Kosten und weniger ausgeprägten Steuervorteilen. Der Endwert von Szenario B wird aber bei diszipliniertem Buy-and-Hold Depot mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen.

      @martin-u: Das Prinzip, auch die Zulage abgreifen zu wollen, ist ja im Grunde richtig, aber ist es auch wirtschaftlich? Die Fixierung auf Zulagen und Steuervorteile vernebelt den Blick aufs Ganze. Überdenke am besten nochmal deine AV-Strategie. Bevor du dich in jüngeren Jahren an irgendwelche Systeme und Verträge kettest, verzichte lieber für ein paar Jahre auf die 154 EUR. Wenn du beruflich/familiär klarer siehst, kannst du immer noch reagieren, lässt dir aber Entscheidungsspielraum. Und außerdem: Bei den Endsummen, die du später brauchen wirst, sind die paar Zulagen -mit Verlaub- peanuts.
    • chris2702 schrieb:

      Frage: in wieviel Jahren zahlst du planmäßig wieviel Geld ein? Wieviel Zulage bekommst du in dieser Zeit? Wieviel Kapital hast du bei 3% Wertentwicklung deiner Fonds? Wieviel garantierte Rente bekommst du?

      Den Vertrag habe ich mit 5 EUR/Monat abgeschlossen. Daher sind alle Berechnungen auch entsprechend. Sinnvollerweise erhöhe ich da aber den Beitrag auf 4% oder 2100 EUR, damit das mit der Förderung auf effizient läuft. Das ganze ist ja eben nicht linear, von daher weiß ich nicht, wie man da sinnvoll auf ein Ergebnis kommt.

      Gerechnet ist hier mit Beiträgen vom 01.11.2016 bis zum 01.11.2057, also 41 Jahre monatlich 5 EUR. Somit geben sie dann folgendes an:



      Da insgesamt 2460 EUR eingezahlt worden sind, ist man selbst bei 0% noch positiv dabei. Auch wenn ich noch nicht verstanden habe, wie sich dieses Rentenkapital zusammensetzt und warum es trotz 0% noch über den eingezahlten Beiträgen ist. Schließlich müssen die Kosten ja irgendwo abgehen.

      Andreas schrieb:

      Da muss ich @chris2702 Recht geben. Ohne weitere Infos lässt sich der Plot schwerlich interpretieren. Was sind die Rechnungsgrundlagen?

      Die Plots kommen aus diesem R Skript. Ich nehme an, dass ich die nächsten drei Jahre 22000 EUR brutto verdiene und danach 55000 EUR. Ich zahle dann immer 4% ein und nehme entweder Förderung oder Steuervorteil mit. Die ganzen Kosten habe ich entsprechend mitgerechnet.

      Andreas schrieb:

      "guthaben.0", "guthaben.3" und "guthaben.6" steht wahrscheinlich für die angenommene Wertentwicklung? 2056 ist dein Renteneintrittsdatum?

      Genau, wobei das Renteneintrittsalter wohl eher 2057 sein wird.

      Andreas schrieb:

      Nun, dass du nie auf das "mögliche Rentenkapital" kommst, könnte daran liegen, dass dieses WWK Produkt eine fondgebundene Riester-Rentenversicherung ist, die von vorne bis hinten kostenverseucht scheint und du diese Kosten massiv unterschätzt hast.

      Wenn ich bei der Rendite zusätzliche 2.54 % einstelle, erhalte ich zumindest bei der 0 %-Entwicklung auch das, was die WWK angibt. Bei den anderen stimmt es nicht, sodass es nicht das alleine sein kann.

      Es kann gut sein, dass noch irgendwie Kosten durch die Fonds zusätzlich gerechnet werden. Ich hatte bisher gedacht, dass die 0%, 3%, …, immer als Nettorendite angegeben sind, sodass die Kosten des Fonds schon abgezogen sind.


      Andreas schrieb:

      Prinzipiell muss man sich bei so einem Produkt schon fragen, ob man mit einer freien Lösung nicht besser fährt und auf den Riester verzichtet […] Aus meiner Sicht ist die Beitragsgarantie der größte Fehler im System!

      Wie aus der Rechnung klar wird, stünde man mit dem WWK Produkt im besten Fall mit 15kEUR in heutiger Kaufkraft mehr da als mit der freien ETF Lösung. Höchstwahrscheinlich wird die Differenz aber kleiner wegen schmalerer Renditen, real höherer Kosten und weniger ausgeprägten Steuervorteilen. Der Endwert von Szenario B wird aber bei diszipliniertem Buy-and-Hold Depot mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreffen.

      Eine freie Lösung ist natürlich nett, allerdings fände ich es auch nicht schlecht, noch eine zusätzliche Monatliche Rente zu haben. Ich hatte das bisher so angedacht, dass ich den Riester als Rente nehme und noch so viel in der Flex lasse, dass die monatliche Rente stimmt. Den Rest nehme ich dann einfach als Einmalzahlung und kann damit noch irgendwas machen. Die Flex ist ja letztlich eine freie Lösung mit der Option sie irgendwann unfrei zu machen. Und da ab dem 62. Lebensjahr nur die Hälfte der Steuern fällig wird, könnte das schon interessant sein – sofern die Kosten gering genug sind.

      Andreas schrieb:

      @martin-u: Das Prinzip, auch die Zulage abgreifen zu wollen, ist ja im Grunde richtig, aber ist es auch wirtschaftlich? Die Fixierung auf Zulagen und Steuervorteile vernebelt den Blick aufs Ganze. Überdenke am besten nochmal deine AV-Strategie. Bevor du dich in jüngeren Jahren an irgendwelche Systeme und Verträge kettest, verzichte lieber für ein paar Jahre auf die 154 EUR. Wenn du beruflich/familiär klarer siehst, kannst du immer noch reagieren, lässt dir aber Entscheidungsspielraum. Und außerdem: Bei den Endsummen, die du später brauchen wirst, sind die paar Zulagen -mit Verlaub- peanuts.

      Ich versuche ja gerade mit der detailierten Berechnung herauszufinden, ob die Zulage wirtschaftlich nutzbar ist. Allerdings erscheint mir das immer schwieriger, weil es diverse schwer zu quantifizierende Aspekte gibt (Steueränderungen, iCPPI, Kickbacks der Fonds, Rebalancing). Auch habe ich als Endkunde den Eindruck, überhaupt nicht nachvollziehen zu können, wie die Versicherungen zu ihren Angaben auf den Angeboten kommen.

      Immerhin habe ich bezüglich der VBL jetzt hinreichend viel raus. Da gibt es nämlich diese doofe Wartezeit, die erfüllt werden muss. Und wenn man die nicht möchte (VBLextra), bekommt man drastisch schlechtere Konditionen. Daher werde ich meinen AN-Anteil einfach in die Flex oder das Depot packen, da entwickelt sich das dann deutlich besser.

      Und wenn ich noch eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließe, kann ich noch überlegen, ob ich da noch eine Basis-Rente mitnehmen möchte, damit ich dann beides von der Steuer absetzen kann.

      Wahrscheinlich ist ein Gang zur Verbraucherzentrale wirklich die sinnvollste Option, um dort mal ein wenig Klarheit zu bekommen.
    • Was du zu mindestens sagen kannst:
      Du bekommst bei 2819 Euro garantiertem Kapital eine Rente von 8,51, mit Überschussbeteiligung 10,61 Euro. Somit brauchst du in 2819/10,6/12= 22,2 Jahren die Rente inklusive Überschussbeteiligung auf, in 2819/8,51/12 = 27,6 Jahren die Garantierente auf.
      Gehst du von 3% Entwicklung auf, errechnet sich 3945/14,84/12 = 22,2 Jahre, bzw 3945/11,9/12 = 27,6 Jahre. Die Rechnung der Versicherung verhält sich also proportional (was auch zu erwarten war).

      Dass du eine "Versicherung" abgeschlossen hast, die dein Langlebigkeitsrisiko abdeckt, bringt dir als nach deinem 89 Geburtstag etwas (was die Überschussbeteiligung angeht, gerechnet bei Rente mit 67). So war das bei meiner Versicherung auch. Findest du das auf den ersten Blick eine günstige Rechnung für dich? Ich fand sie grottig.

      Gehen wir nun auf den Sparrechner von www.zinsen-berechnen.de und geben ein, dass 60 Euro pro Jahr nach 41 Jahren gleich 3945 Euro Kapital bringt, erscheint ein Zinssatz von 2,12%. Das ist im ersten Moment nicht schlecht. ABER: Du bekommst schon heute, mit deinen 22.000 Euro Brutto, nicht die Förderung von 175 Euro, wenn du nur 60 Euro Eigenbeitrag leistest. Dazu musst du 4% vom Brutto einzahlen, sind 880 Euro minus Zulage. Wenn du mit einer Eigenleistung von 60 Euro eine Zulage von 175 Euro erhältst, ergibt das logischerweise eine gute Rendite.

      Ich empfehle dir, frag bei der WWK an, was deine prognostizierten Werte bei einer Eigenleistung 2100 Euro wären. Dann leistest du selbst 1925 Euro und erhältst die Zulage von 175 Euro. Das ist dein Szenario nach der Diss mit 55000 brutto. Du wirst sehen, die Rendite wird irgendwo bei 1,x % liegen, auf 41 Jahre gesehen. Und dann wieder die Frage: Findest du das auf den ersten Blick eine günstige Rechnung für dich? Ich fand sie grottig.
    • Es wird zwar langsam langweilig :) , aber wie bei @chris2702 löst der WWK Riester bei mir auch keine großen Jubelstürme aus. Nur als kurzen Hinweis: Wenn du privat eine ewige Rente von 8,51 EUR aus einem Kapitalstock von 2819 EUR ziehen möchtest, benötigst du Erträge von 3,7% p.a. Das ist mit guten Dividendenaktien zu schaffen. Wozu brauchst du da die Versicherung, die eigentlich dein Langlebigkeitsrisiko decken soll?

      martin-u schrieb:

      Auch habe ich als Endkunde den Eindruck, überhaupt nicht nachvollziehen zu können, wie die Versicherungen zu ihren Angaben auf den Angeboten kommen.
      Nimm es bitte nicht persönlich, aber warum hast du das Ding dann abgeschlossen?

      martin-u schrieb:

      Sinnvollerweise erhöhe ich da aber den Beitrag auf 4% oder 2100 EUR
      Ne. Sinnvollerweise wirst du das Ding so schnell wie möglich los und überdenkst deine Strategie und zwar unabhängig von staatlichen Gimmicks wie Zulagen, Steuervorteilen, die bei genauer Betrachtung keine sind, und der prognostizierten Steuergesetzgebung in 50 Jahren, die Rentenzahlungen anderes besteuert als freie Kapitalerträge oder vielleicht auch nicht....

      Wenn du seit 11.2016 Monatsbeiträge von 5 EUR bezahlst, wirst du noch ohne großes Lehrgeld aus der Nummer rauskommen.