Doppelte Haushaltsführung

So sparen Sie Steuern mit der Zweitwohnung

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort führt, kann grundsätzlich seine Aufwendungen als Werbungskosten von der Steuer absetzen.
  • Voraussetzung ist, dass Sie weiterhin einen eigenen Haushalt an Ihrem ersten Wohnort haben. Dieser muss der Lebensmittelpunkt sein.
  • Bis zu 1.000 Euro der monatlichen Unterkunftskosten am Beschäftigungsort können Sie als Werbungskosten absetzen.
  • Ihre Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen (innerhalb der ersten drei Monate) und etwaige Umzugskosten wirken sich ebenfalls steuermindernd aus.
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In Hamburg wohnen und in Berlin arbeiten: Arbeitnehmer müssen heutzutage flexibel und mobil sein. Der Fiskus belohnt das: Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort unterhält, kann seine Aufwendungen als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Doppelte Haushaltsführung heißt das im Fachjargon.

Vier Voraussetzungen

Für eine doppelte Haushaltsführung müssen diese vier Punkte erfüllt sein:

  • Die Wohnung wird aus beruflichen Gründen bezogen.
  • Der Arbeitnehmer nutzt diese Zweitwohnung am Ort der „ersten Tätigkeitsstätte“, dem Beschäftigungsort. Auf jeden Fall sollte er von dieser Wohnung aus den Arbeitsplatz schneller erreichen können als von der Hauptwohnung.
  • Der Arbeitnehmer unterhält weiterhin außerhalb des Beschäftigungsorts seinen Hauptwohnsitz,
  • der zugleich seinen Lebensmittelpunkt bildet.

Das Finanzamt berücksichtigt dann die Kosten der Zweitwohnung, Fahrtkosten, innerhalb der ersten drei Monate Zusatzkosten für die Verpflegung (Verpflegungsmehraufwendungen) und Umzugskosten. Ihre Mehraufwendungen können Sie als Werbungskosten abziehen, soweit Ihr Arbeitgeber sie Ihnen nicht steuerfrei erstattet hat. Eine anerkannte doppelte Haushaltsführung gilt unbefristet, das heißt über den gesamten Zeitraum der Beschäftigung.

Die gesetzliche Regelung können Sie in Paragraf 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 des Einkommensteuergesetzes nachlesen. Die Finanzverwaltung hat Details und Beispiele in einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 24. Oktober 2014 zusammengestellt (IV C 5 - S 2353/14/10002). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 23. Dezember 2014 (IV C 6 - S 2145/10/10005) zu den Entfernungspauschalen.

Sie beantragen die doppelte Haushaltsführung, indem Sie die dritte Seite der Anlage N ausfüllen.

Tipp

Freibetrag eintragen lassen

Weil eine doppelte Haushaltsführung in der Regel mit dauerhaften Zusatzkosten verbunden ist, können Sie die Vorteile des Lohnsteuerermäßigungsverfahrens für sich nutzen, indem Sie beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen.

Berufliche Gründe

Eine doppelte Haushaltsführung muss beruflich veranlasst sein. Als Gründe zählen vor allem:

  • Ein Wechsel des Beschäftigungsorts, weil Sie versetzt wurden,
  • ein Wechsel des Arbeitsplatzes,
  • die Aufnahme eines Beschäftigungs- oder Dienstverhältnisses außerhalb Ihres bisherigen Wohnorts und dessen Umgebung.

Immer geht es darum, dass von der Zweitwohnung aus die Tätigkeitsstätte schneller zu erreichen ist. Das Ganze funktioniert auch umgekehrt: Eine doppelte Haushaltsführung ist ebenfalls beruflich begründet, wenn Sie Ihre Hauptwohnung aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegen – und anschließend am Beschäftigungsort einen Zweithaushalt gründen, um von dort aus weiter Ihrem bisherigen Job nachzugehen (sogenannte Wegverlegungsfälle).

Eigener Haushalt

Damit der Fiskus eine doppelte Haushaltsführung berücksichtigt, müssen Sie an Ihrem Beschäftigungsort eine Zweitwohnung haben und einen eigenen Haushalt an einem anderen Ort führen, der Ihren Lebensmittelpunkt darstellt.

Ein eigener Haushalt setzt eine Ihren Lebensbedürfnissen entsprechende Wohnung voraus. Diese Wohnung muss Ihnen gehören, von Ihnen gemietet sein, oder Sie dürfen sie als Partner oder Ehegatte nutzen. Außerdem bestimmen Sie die Haushaltsführung selbst oder tragen wesentlich dazu bei.

Seit 2014 ist zudem eine finanzielle Beteiligung an den laufenden Kosten der Haushaltsführung vorgeschrieben. Diese muss nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums (BMF) die Bagatellgrenze von 10 Prozent der monatlich anfallenden Kosten überschreiten. Hierzu zählen: Miete, Mietnebenkosten, Aufwendungen für Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Während das BMF bei Ehegatten mit den Steuerklassen III, IV oder V immer eine finanzielle Beteiligung annimmt, ist sie in anderen Fällen nachzuweisen. Kritisch hinterfragt werden in der Praxis die Fälle, bei denen volljährige Kinder ein Zimmer im Elternhaus als Erstwohnsitz angeben.

Achtung

Zimmer bei Eltern genügt nicht

Wenn Sie unentgeltlich ein Zimmer in der elterlichen Wohnung nutzen, gilt das nicht als eigener Hausstand. Sie müssen belegen können, dass Sie sich an den laufenden Kosten mit mindestens 10 Prozent beteiligen. Auch wer sich in einem Wohnmobil aufhält, unterhält keinen eigenen Haushalt. Dagegen kann ein eigener Hausstand vorliegen, wenn Sie im Haus Ihrer Eltern eine abgeschlossene Wohnung allein nutzen und hierfür zahlen.

Lebensmittelpunkt bestimmt Erstwohnsitz

Der Mittelpunkt Ihres Lebensinteresses muss sich auf Dauer am Erstwohnsitz befinden. Bei Verheirateten gilt in der Regel die Familienwohnung als Lebensmittelpunkt, wenn der Arbeitnehmer sie mindestens sechsmal im Jahr aufsucht. Bei Singles gilt als Lebensmittelpunkt der Ort, zu dem sie die engere persönliche Bindung haben. Wer seine Wohnung an diesem Ort weniger als zweimal im Monat besucht, sollte beispielsweise mit den Beziehungen zu Eltern, zum Lebenspartner, zur Verwandtschaft und zu Freunden argumentieren können oder auch mit der Mitgliedschaft in einem Verein.

Sonderfall Ausland: Wenn sich Ihr eigener Hausstand im Ausland befindet und deshalb weit von Ihrer Zweitwohnung entfernt ist, sollten Sie einmal im Jahr mindestens eine Heimfahrt antreten. Bei größeren Entfernungen (beispielsweise Japan oder Australien) kann auch eine Heimreise innerhalb von zwei Jahren ausreichen, damit das Finanzamt davon ausgeht, dass sich Ihr Lebensmittelpunkt dort befindet. Anders als im Inland ist Voraussetzung für den Lebensmittelpunkt im Ausland außerdem, dass dort hauswirtschaftliches Leben herrscht, die Wohnung also dauerhaft bewohnt ist.

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Kosten der Zweitwohnung

Unterkunftskosten: Wenn Sie aus beruflichen Gründen einen doppelten Haushalt führen, können Sie in Ihrer Steuererklärung die Kosten Ihrer Unterkunft angeben, die Ihnen tatsächlich entstanden sind. Es werden allerdings nur noch nachgewiesene Kosten bis zu 1.000 Euro im Monat berücksichtigt.

Auf die Größe der Wohnung oder die ortsübliche Vergleichsmiete kommt es bei Wohnungen in Deutschland nicht mehr an. Bei einer doppelten Haushaltsführung im Ausland sind die Kosten jedoch auf eine Wohnung mit maximal 60 Quadratmetern begrenzt.

Als Haustand gilt eine Miet- oder Eigentumswohnung, ein möbliertes Zimmer, ein Hotelzimmer oder auch eine Gemeinschaftsunterkunft. Vergessen Sie auch nicht, die Kosten zum Suchen und Besichtigen der Wohnung am Arbeitsort steuerlich abzusetzen (zum Beispiel die Maklerkosten).

Der auf 1.000 Euro fixierte Höchstbetrag für die Unterkunft umfasst folgende Aufwendungen:

  • Miete,
  • Nebenkosten zum Beispiel für Heizung und Wasser,
  • Reinigungskosten,
  • Kosten für Sondernutzungen beispielsweise für den Garten oder für den Autostellplatz,
  • Rundfunkbeitrag,
  • Zweitwohnungssteuer,
  • Absetzung für Abnutzung (AfA) für notwendige Einrichtungsgegenstände und
  • speziell für Eigentümer die Positionen Abschreibung und Schuldzinsen.

Haben Sie die Wohnung am Beschäftigungsort gekauft, können Sie zusätzlich Erhaltungsaufwendungen, Grundbesitzabgaben und Versicherungsbeiträge absetzen.

Tipp

Kosten für Möbel

Zusätzlich können Sie auch Kosten der Möblierung und die nötige Ausstattung mit sonstigem Hausrat für die Zweitwohnung geltend machen (zum Beispiel die zweite Waschmaschine), soweit sich diese in angemessenem Rahmen bewegen. Wenn die Anschaffungskosten für den einzelnen Gegenstand nicht die Nettogrenze von 410 Euro überschreiten (Bruttorechnungsbetrag 487,90 Euro), sind sie sofort und in voller Höhe abziehbar. Höhere Kosten müssen Sie über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilen und abschreiben.

Fahrtkosten: Zu den abziehbaren Mehraufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung gehören auch die Fahrtkosten aus Anlass des Wohnungswechsels zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung sowie für wöchentliche Heimfahrten zum Haupthaushalt. Für die erste und letzte Fahrt dürfen Sie die tatsächlichen Kosten abrechnen oder pro gefahrenen Kilometer 30 Cent.

Für Familienheimfahrten gilt hingegen die Entfernungspauschale: Pro Entfernungskilometer werden 0,30 Euro anerkannt, wenn Sie mit Ihrem eigenen Auto gefahren sind (kein Dienst- oder Firmenwagen). Weil es sich um eine Pauschale handelt, müssen Sie hierfür keine Belege abgeben. Allerdings kann das Finanzamt Sie trotzdem dazu auffordern, insbesondere dann, wenn Sie für jede Woche Fahrtkosten geltend machen. Denn die Entfernungspauschale ist nur für tatsächlich durchgeführte Familienheimfahrten anwendbar.

Falls Sie nicht jede Woche nach Hause gefahren sind, sollten Sie für solche Wochen wenigstens die Telefonkosten für ein Ferngespräch mit Angehörigen (bis zu einer Dauer von 15 Minuten) ansetzen. Auch Anteile der Grundgebühr oder der Flatrategebühr sind ansetzbar.

Bei Heimreisen mit dem Zug, Flugzeug oder Bus können Sie die tatsächlich entstandenen und nachgewiesenen Reisekosten absetzen.

Verpflegungsmehraufwendungen: Für höchstens drei Monate nach dem Einzug am neuen Arbeitsort können Sie Pauschbeträge für Verpflegung von der Steuer geltend machen. Für jeden Kalendertag, an dem Sie von Ihrer Hauptwohnung abwesend waren, werden die auch bei Auswärtstätigkeiten absetzbaren Beträge anerkannt. Entscheidend ist die Dauer der Abwesenheit von der Wohnung am Lebensmittelpunkt. Maßgeblich sind folgende Beträge:

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen

Abwesenheit von der Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstätte     Pauschbetrag in Euro
24 Stunden     24
weniger als 24, mindestens aber 8 Stunden     12

Wird die Tätigkeit in den ersten drei Monaten um mindestens vier Wochen unterbrochen, beginnt die dreimonatige Frist für die Verpflegungsmehraufwendungen erneut zu laufen. Die Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen stellen zugleich Höchstbeträge dar. Selbst wenn Sie unterwegs Restaurantrechnungen gesammelt haben, können Sie damit keine höheren Kosten geltend machen.

Umzugskosten: Ihre nachgewiesenen Umzugskosten setzen Sie in tatsächlicher Höhe an. Eine Pauschale wird im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung nicht angesetzt.

Wahlrecht für Vielpendler

Wenn Sie außerhalb Ihres Erstwohnsitzes am Beschäftigungsort wohnen, können Sie wählen: Entweder machen Sie Ihre kompletten Aufwendungen anlässlich einer doppelten Haushaltsführung (Unterkunftskosten, Verpflegungspauschale und eine wöchentliche Heimfahrt) geltend. Oder Sie setzen sämtliche Fahrtkosten für Ihre tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und Beschäftigungsort im Rahmen der Entfernungspauschale an. Dieses Wahlrecht können Sie bezüglich derselben doppelten Haushaltsführung allerdings nur einmal im Jahr ausüben.

Interessant ist diese Option zum Beispiel, wenn Sie mehr als einmal pro Woche an Ihren Lebensmittelpunkt zurückkehren und Ihre dadurch entstehenden Fahrtkosten die laufenden Kosten Ihrer Unterkunft am Beschäftigungsort und nur einer Familienheimfahrt überschreiten. Eine überschlägige Berechnung im Vorfeld lohnt sich also. Zumindest in dem Jahr, in dem Sie erstmals die doppelte Haushaltsführung geltend machen, ist der Abzug der kompletten Kosten meist günstiger. Schließlich können dann auch die Verpflegungsmehraufwendungen für die ersten drei Monate abgesetzt werden.

Community
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Man muss sich an den Kosten der Lebensführung finanziell beteiligen. Das ist der Fall, wenn man mehr als 10 % der laufenden Haushaltskosten für Miete,usw. trägt (BMF-Schreiben vom 30.09.2013, ...
19. Februar 2015 zum Beitrag
doppelte Haushaltsführung
Hallo,
ich bewohne im Haus meiner Eltern meine Hauptwohnung und habe im 300km entfernten Hamburg eine zweite Wohnung.
Weiterhin zahle ich in meiner Wohnung bei den Eltern keine ...
19. Februar 2015 zum Beitrag
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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Redakteurin

Als freie Redakteurin schreibt Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.