Steuererklärung

So setzen Sie Kosten der doppelten Haushaltsführung ab

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort führt, kann seine Aufwendungen als Werbungskosten von der Steuer absetzen.
  • Voraussetzung ist, dass Sie immer noch einen eigenen Hausstand an Ihrem privaten Wohnort haben.
  • Angemessene Unterkunftskosten am Beschäftigungsort sind als Werbungskosten absetzbar.
  • Ihre Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen (innerhalb der ersten drei Monate) und etwaige Umzugskosten wirken sich ebenfalls steuermindernd aus.
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In Hamburg wohnen und in Berlin arbeiten: Arbeitnehmer müssen heutzutage flexibel und mobil sein. Der Fiskus belohnt das: Wer aus beruflichen Gründen einen zweiten Haushalt am Beschäftigungsort unterhält, kann seine Aufwendungen als Werbungskosten von der Steuer absetzen. Doppelte Haushaltsführung heißt das im Fachjargon. Das Finanzamt berücksichtigt dabei die Kosten der Zweitwohnung, Fahrtkosten, Verpflegungsmehraufwendungen (innerhalb der ersten drei Monate) und Umzugskosten. Ihre Mehraufwendungen können Sie als Werbungskosten abziehen, soweit Ihr Arbeitgeber sie Ihnen nicht steuerfrei erstattet hat.

Die gesetzliche Regelung können Sie in § 9 Absatz 1 Satz 3 Nummer 5 des Einkommensteuergesetzes nachlesen.

Hierhin in der Steuererklärung für 2014: Ihre Angaben zur doppelten Haushaltsführung tragen Sie in der Anlage N in den Zeilen 61 bis 85 auf den Seiten „Doppelte Haushaltsführung“ ein.

Berufliche Gründe

Eine doppelte Haushaltsführung muss beruflich veranlasst sein. Als Gründe zählen vor allem:

  • ein Wechsel des Beschäftigungsorts, weil Sie versetzt wurden
  • ein Wechsel des Arbeitsplatzes
  • die Aufnahme eines Beschäftigungs- oder Dienstverhältnisses außerhalb Ihres bisherigen Wohnorts und dessen Umgebung.

Das Ganze funktioniert auch umgekehrt: Eine doppelte Haushaltsführung ist ebenfalls beruflich begründet, wenn Sie Ihren Haupthausstand aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegen – und anschließend am Beschäftigungsort einen Zweithaushalt gründen, um von dort aus weiter Ihrem bisherigen Job nachzugehen.

Was ist ein eigener Hausstand?

Voraussetzung dafür, dass der Fiskus eine doppelte Haushaltsführung berücksichtigt, ist, dass Sie an Ihrem Beschäftigungsort eine Zweitwohnung haben und einen eigenen Hausstand an einem anderen Ort führen, der Ihren Lebensmittelpunkt darstellt.

Ein eigener Hausstand setzt eine Ihren Lebensbedürfnissen entsprechende Wohnung voraus. Diese Wohnung müssen Sie aus eigenem Recht oder aus einem abgeleiteten Nutzungsrecht heraus nutzen können – entweder gehört sie Ihnen also oder Sie haben sie gemietet. In dieser Wohnung müssen Sie zudem einen Haushalt unterhalten. Das heißt, Sie bestimmen die Haushaltsführung selbst oder Sie bestimmen sie wesentlich mit.

Achtung

Wenn Sie nur ein Zimmer in der elterlichen Wohnung nutzen, gilt das nicht als eigener Hausstand – selbst wenn Sie sich an den Kosten beteiligen sollten. Auch wer sich in einem Wohnmobil aufhält, unterhält keinen eigenen Hausstand. Dagegen kann ein eigener Hausstand vorliegen, wenn Sie im Haus Ihrer Eltern eine abgeschlossene Wohnung allein nutzen. Überlassen Ihre Eltern Ihnen diese Wohnung unentgeltlich, sollten Sie dem Finanzamt aber eine eigene Haushaltsführung finanziell nachweisen können.

Wo liegt der Lebensmittelpunkt?

Tipp

Weil eine doppelte Haushaltsführung in der Regel mit Zusatzkosten verbunden ist, können Sie die Vorteile des Lohnsteuerermäßigungsverfahrens für sich nutzen, indem Sie beim Finanzamt einen Freibetrag beantragen.

Der Mittelpunkt Ihres Lebensinteresses muss sich auf Dauer am Ort Ihres eigenen Hausstands befinden. Bei Verheirateten gilt in der Regel die Familienwohnung als Lebensmittelpunkt, wenn der Arbeitnehmer sie mindestens sechsmal im Jahr aufsucht. Bei Singles gilt als Lebensmittelpunkt der Ort, zu dem sie die engere persönliche Bindung haben. Wer seine Wohnung an diesem Ort weniger als zweimal im Monat besucht, sollte beispielsweise mit den Beziehungen zu Eltern, zum/zur Lebenspartner(in), zur Verwandtschaft und zu Freunden oder auch mit der Mitgliedschaft in einem Verein argumentieren können.

Seit 2014 gilt der Ort als Lebensmittelpunkt, an dem Sie sich zusätzlich mit mindestens 10 Prozent an den Lebenshaltungskosten für Miete, Lebensmittel und Ähnlichem beteiligen.

Sonderfall Ausland: Wenn sich Ihr eigener Hausstand im Ausland befindet und deshalb weit von Ihrer Zweitwohnung entfernt ist, sollten Sie einmal im Jahr mindestens eine Heimfahrt antreten. Bei größeren Entfernungen (beispielsweise Japan oder Australien) kann auch eine Heimreise innerhalb von zwei Jahren ausreichen, damit das Finanzamt davon ausgeht, dass sich Ihr Lebensmittelpunkt dort befindet. Anders als im Inland ist Voraussetzung für den Lebensmittelpunkt im Ausland außerdem, dass dort hauswirtschaftliches Leben herrscht, die Wohnung also dauerhaft bewohnt ist.

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Kosten der Zweitwohnung

Wenn Sie aus beruflichen Gründen einen doppelten Haushalt führen, können Sie in Ihrer Steuererklärung für das Jahr 2014 die Kosten Ihrer Unterkunft angeben, die Ihnen tatsächlich entstanden sind. Es werden allerdings nur noch nachgewiesene Kosten bis zu 1.000 Euro im Monat berücksichtigt.

Als Zweitwohnung gilt eine Miet- oder eine Eigentumswohnung, ein möbliertes Zimmer, ein Hotelzimmer oder auch eine Gemeinschaftsunterkunft. Vergessen Sie auch nicht, die Kosten für Suchen und Besichtigen der Wohnung am Beschäftigungsort steuerlich abzusetzen.

Steuererklärung 2013

Für das Steuerjahr 2013 gelten weiterhin die Kosten der Zweitwohnung als angemessen, wenn sie unter der Durchschnittsmiete einer 60-Quadratmeter-Wohnung am Beschäftigungsort blieben. So kann auch eine teurere kleine oder eine günstigere große Wohnung angemessen sein.

Unabhängig davon, ob Sie die Wohnung am Beschäftigungsort gekauft oder gemietet haben, können Sie Nebenkosten (Heizung, Strom und Wasser), Umzugskosten, Maklergebühren, Rundfunkbeiträge und Reinigungskosten steuermindernd ansetzen. Sofern am Beschäftigungsort eine Zweitwohnungssteuer erhoben wird, setzen Sie diesen Posten ebenfalls an. Bei Mietwohnungen kommt natürlich noch die Miete hinzu, außerdem auch Miet- oder Pachtgebühren für einen Kfz-Stellplatz und Aufwendungen für eine Sondernutzung (beispielsweise Garten). Sollten Sie die Wohnung am Beschäftigungsort gekauft haben, setzen Sie über die genannten Kosten hinaus auch die Abschreibung, etwaige Schuldzinsen und Erhaltungsaufwendungen, Grundbesitzabgaben und Versicherungsbeiträge an.

Tipp

Zusätzlich können Sie auch Kosten der Möblierung und die nötige Ausstattung mit sonstigem Hausrat für die Zweitwohnung (zum Beispiel die zweite Waschmaschine) geltend machen, soweit sich diese in angemessenem Rahmen bewegen. Wenn die Anschaffungskosten für den einzelnen Gegenstand nicht die Nettogrenze von 410 Euro (Bruttorechnungsbetrag 487,90 Euro) überschreiten, sind sie sofort und in voller Höhe abziehbar. Höhere Kosten müssen Sie über die voraussichtliche Nutzungsdauer verteilen und abschreiben.

Fahrtkosten

Zu den abziehbaren Mehraufwendungen für eine doppelte Haushaltsführung gehören auch die Fahrtkosten aus Anlass des Wohnungswechsels zu Beginn und am Ende der doppelten Haushaltsführung sowie für wöchentliche Heimfahrten zum Haupthausstand.

Pro Entfernungskilometer werden 0,30 Euro anerkannt, wenn Sie mit Ihrem eigenen Auto (kein Dienst- oder Firmenwagen) gefahren sind. Falls Sie nicht jede Woche nach Hause gefahren sind, sollten Sie für solche Wochen wenigstens die Gebühren für ein Ferngespräch mit Angehörigen (bis zu einer Dauer von 15 Minuten) ansetzen.

Bei Heimreisen mit dem Zug, Flugzeug oder Bus können Sie die tatsächlich entstandenen und nachgewiesenen Reisekosten absetzen.

Verpflegungsmehraufwendungen

Für höchstens drei Monate nach dem Einzug am neuen Beschäftigungsort können Sie Pauschbeträge für Verpflegung von der Steuer absetzen. Für jeden Kalendertag, an dem Sie von Ihrer Wohnung am Lebensmittelpunkt abwesend waren, werden die auch bei Auswärtstätigkeiten absetzbaren Beträge anerkannt. Entscheidend ist die Dauer der Abwesenheit von der Wohnung am Lebensmittelpunkt. Maßgeblich sind folgende Beträge:

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen

Abwesenheit von der Wohnung und der regelmäßigen Arbeitsstätte     Pauschbetrag in Euro
24 Stunden     24
weniger als 24, mindestens aber 8 Stunden     12

Diese Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwendungen sind verbindlich. Selbst wenn Sie also unterwegs Restaurantrechnungen gesammelt haben, können Sie damit keine höheren Kosten geltend machen.

Steuererklärung 2013

Für das Steuerjahr 2013 gelten noch drei Verpflegungspauschalen – bei einer Abwesenheit von mindestens 24 Stunden: 24 Euro; bei einer Abwesenheit von weniger als 24 Stunden, aber mindestens 14 Stunden: 12 Euro; bei weniger als 14 Stunden, aber mindestens 8 Stunden: 6 Euro.

Umzugskosten

Ihre nachgewiesenen Umzugskosten setzen Sie in tatsächlicher Höhe an. Eine Pauschalvergütung wird im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung nicht angesetzt.

Wahlrecht

Wenn Sie außerhalb Ihres eigenen Hausstands am Beschäftigungsort wohnen, können Sie wählen: Entweder machen Sie Ihre kompletten Aufwendungen anlässlich einer doppelten Haushaltsführung (Unterkunftskosten, Verpflegungspauschale und eine wöchentliche Heimfahrt) geltend. Oder Sie setzen sämtliche Fahrtkosten für Ihre tatsächlichen Fahrten zwischen Wohnung und Beschäftigungsort im Rahmen der Entfernungspauschale an. Dieses Wahlrecht können Sie bezüglich derselben doppelten Haushaltsführung allerdings nur einmal ausüben.

Interessant ist diese Option zum Beispiel, wenn Sie mehr als einmal pro Woche an Ihren Lebensmittelpunkt zurückkehren und Ihre dadurch entstehenden Fahrtkosten die laufenden Kosten Ihrer Unterkunft am Beschäftigungsort und nur einer Familienheimfahrt überschreiten. Eine überschlägige Berechnung im Vorfeld lohnt sich also.

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Wer sich weiter informieren möchte, kann viele Einzelheiten im Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 24. Oktober 2014 (IV C 5 -S 2353/14/10002) nachlesen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch das Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 23. Dezember 2014 (IV C 6 -S 2145/10/10005) zu den Entfernungspauschalen. 

Beide Schreiben enthalten zum besseren Verständnis zahlreiche Beispiele.

Community
Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Man muss sich an den Kosten der Lebensführung finanziell beteiligen. Das ist der Fall, wenn man mehr als 10 % der laufenden Haushaltskosten für Miete,usw. trägt (BMF-Schreiben vom 30.09.2013, ...
19. Februar 2015 zum Beitrag
doppelte Haushaltsführung
Hallo,
ich bewohne im Haus meiner Eltern meine Hauptwohnung und habe im 300km entfernten Hamburg eine zweite Wohnung.
Weiterhin zahle ich in meiner Wohnung bei den Eltern keine ...
19. Februar 2015 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Andrea Wekenborg

ehemalige Finanztip-Mitarbeiterin (bis 2015)

Andrea Wekenborg verfasste für Finanztip Artikel im Ressort Recht & Steuern. Ihre Begeisterung für Verbraucherthemen entdeckte sie in der Ombudsredaktion der Berliner Zeitung. Später schrieb sie fünf Jahre für einen Online-Finanzvergleich über Versicherungen, Konten und Steuern. Zudem war sie bereits beim Verbraucherzentrale Bundesverband tätig.

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Mitarbeiterin

Als freie Redakteurin schreibt Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.

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