Frist für Mehrlingseltern

Für Zwillinge gibt es rückwirkend doppeltes Elterngeld

Das Wichtigste in Kürze

  • Eltern von Zwillingen, die bis Ende 2014 geboren werden, haben Anspruch auf doppeltes Elterngeld. Eltern von weiteren Mehrlingen erhalten entsprechend mehr.
  • Der Anspruch kann für Zwillinge, die von 2009 bis 2013 geboren wurden, rückwirkend bei der zuständigen Elterngeldstelle geltend gemacht werden.
  • Der Anspruch verjährt allerdings nach vier Jahren. Eltern, die zum Beispiel 2010 Zwillinge bekommen haben, müssten das doppelte Elterngeld noch bis zum 31. Dezember 2014 beantragen.
  • Für 2014 kommt das mehrfache Elterngeld automatisch. Für die Zeit ab 2015 ist der Anspruch durch eine Gesetzesnovelle abgeschafft worden.
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Im Bundeselterngeldgesetz (BEEG) war eine Zeit lang nicht klar beschrieben, ob Anspruch auf Elterngeld pro Geburt oder für jedes Kind besteht. Das Bundessozialgericht (BSG) befand im Juni 2013, dass Zwillinge so zu behandeln seien wie andere Geschwisterkinder. Demnach steht berufstätigen Eltern von Zwillingen doppeltes Elterngeld zu. Wenn die Eltern zeitweise zu Hause bleiben und jeweils ein Kind betreuen, haben sie laut BSG auch beide Anspruch auf Elterngeld (BSG, Urteil vom 27. Juni 2013, Az. B 10 EG 3/12 R). Für weitere Kinder aus einer Schwangerschaft besteht ebenfalls der Anspruch auf Elterngeld pro Kind. Eltern von Drillingen erhalten also entsprechend mehr.

So hoch ist das Elterngeld

Das Elterngeld beträgt grundsätzlich 65 bis 100 Prozent von dem, was der Elternteil vor der Geburt netto verdient hat. Dabei gibt es eine Unter- und eine Obergrenze von mindestens 300 und höchstens 1.800 Euro im Monat. Wer vor der Geburt nicht berufstätig war und keine staatliche Unterstützung erhalten hat, bekommt den Mindestsatz von 300 Euro, den sogenannten Sockelbetrag. Eltern von Zwillingen oder Drillingen erhalten pro Kind monatlich pauschal 300 Euro zusätzliches Elterngeld.

Doppeltes Elterngeld nur noch bis Ende 2014

Das mehrfache Elterngeld, das sich aus dem BSG-Urteil von 2013 ergeben hat, bekommen Eltern generell nur noch für Mehrlinge, die bis Ende 2014 geboren werden. Ab 2015 gibt es das neue Elterngeld Plus, und der Gesetzgeber hat reagiert: In der Neufassung des BEEG heißt es nun: „Bei Mehrlingsgeburten besteht nur Anspruch auf ein Elterngeld“ – der doppelte Geldsegen für Zwillingseltern war also nur von kurzer Dauer.

Viele Familien haben jetzt aber immer noch Anspruch auf eine Nachzahlung. Wenn sich Vater und Mutter beide um die Kinder gekümmert haben, können schnell ein paar Tausend Euro zusammenkommen. Der Anspruch kann für vier Jahre rückwirkend geltend gemacht werden (§ 44 Abs. 4 SGB). Für Eltern, die zum Beispiel im Jahr 2010 Zwillinge bekommen haben, läuft die Frist am 31. Dezember 2014 ab. Sind die Zwillinge 2011 geboren, läuft die Frist Ende 2015 ab. Die letzten Ansprüche aus dem Jahr 2013 verjähren schließlich Ende 2017. Um seinen Anspruch geltend zu machen, reicht eine einfache Mitteilung. Mehr dazu erfahren Sie auf der Webseite des Familienministeriums.

Zwar haben nach Angaben des Bundesfamilienministeriums prinzipiell auch Eltern einen Anspruch auf zusätzliches Elterngeld, deren Kinder im Jahr 2009 zur Welt gekommen sind. Sie konnten diesen aber nur bis Ende 2013 geltend machen. Mittlerweile ist er also verjährt.

Für Mehrlingskinder, die nach der Urteilsverkündung zur Welt kamen oder bis Ende 2014 geboren werden, erhalten die Eltern automatisch das doppelte Elterngeld.

So viel Geld steht Zwillingseltern zu

Vor dem Urteil des Bundessozialgerichts hatte der Gesetzgeber für Eltern von Zwillingen die sogenannten Mehrlingszuschläge vorgesehen. Pro Geschwisterkind sind das 300 Euro. Für den ersten Zwilling gibt es also das volle Elterngeld und für das Geschwisterchen noch einmal 300 Euro obendrauf. Für Drillinge erhalten die Eltern einen Mehrlingszuschlag von 600 Euro.

Nach dem Urteil von 2013 kommt nun zusätzlich der Anspruch auf Elterngeld pro Kind hinzu. Betreut ein Elternteil gleichzeitig Zwillinge, wird das Elterngeld für das ältere Kind zwar auf den Anspruch des jüngeren Kindes angerechnet. Doch für das jüngere Geschwisterchen gibt es einen festen Betrag, den die Familie in jedem Fall bekommt. Für Zwillinge sind das 600 Euro. Diese Zahlung setzt sich zusammen aus dem Sockelbetrag des Elterngeldes (300 Euro) zuzüglich des Mehrlingszuschlags (300 Euro), den die Eltern für Zwillinge erhalten würden. Für Drillinge ist dies wegen der höheren Mehrlingszuschläge entsprechend mehr.

Betreut die Mutter den einen Zwilling, der Vater den anderen, können beide das volle Elterngeld für jedes Kind erhalten – zuzüglich der Mehrlingszuschläge. Die Zeiten des Mutterschutzes werden allerdings auch beim doppelten Elterngeld auf den Anspruch der Mutter angerechnet.

Beispiel: Familie Müller bekommt Zwillinge

Die berufstätige Frau Müller bleibt nach der Geburt zu Hause und kümmert sich um beide Kinder. Das Elterngeld steht seit dem Urteil von 2013 nun zwar jedem Mehrlingskind einzeln zu, es wird jedoch nicht für jedes Kind in voller Höhe ausgezahlt, wenn sich ein Elternteil allein um die Kinder kümmert. Lediglich für den ältesten der Zwillinge erhält die Mutter das volle Elterngeld. Für den jüngeren Zwilling bekommt die Mutter weitere 600 Euro – das ist neu seit dem Urteil von 2013.

Frau Müller hat nach dem Urteil von 2013 folgenden Anspruch

Zwilling 1: volles Elterngeld plus Mehrlingszuschlag (300 Euro)

Zwilling 2: Sockelbetrag Elterngeld (300 Euro) plus 300 Euro Mehrlingszuschlag

Also: einmal das volle Elterngeld plus 900 Euro

Bleibt auch Herr Müller zu Hause, dann hat die Familie folgenden Anspruch

Zwilling 1: volles Elterngeld (abhängig von Frau Müllers Gehalt) plus Mehrlingszuschlag (300 Euro)

Zwilling 2: volles Elterngeld (abhängig von Herrn Müllers Gehalt) plus 300 Euro Mehrlingszuschlag

Also: zweimal volles Elterngeld plus 600 Euro

Weil Vater und Mutter ihre Zwillinge häufig gemeinsam betreuen, sind das schnell einige Tausend Euro, die ihnen seit dem Urteil des BSG nachträglich zustehen können. Allein der Freibetrag für den zweiten Zwilling ergibt einen Anspruch von 7.200 Euro in zwölf Monaten, den viele Eltern bisher nicht erhalten haben, weil ihre Kinder vor dem Urteil geboren wurden.

Bei Mehrlingen kommen erhebliche Ansprüche zusammen

Bei Drillingen sind die Ansprüche seit dem Urteil entsprechend höher: Bleibt ein Elternteil nach der Geburt zu Hause, bekommt er für den ersten Drilling das einkommensabhängige Elterngeld plus zwei Mehrlingszuschlägen von insgesamt 600 Euro. Seit dem Urteil von 2013 erhält die Familie für jeden der beiden jüngeren Drillinge dann ebenfalls je 300 Euro Sockelbetrag Elterngeld plus 600 Euro (zwei Mehrlingszuschläge). Das macht 900 Euro pro Kind, also insgesamt 1.800 Euro zusätzlich.

Familie Lambrecht hat Drillinge bekommen und beide Elternteile bleiben zu Hause

Drilling 1: volles Elterngeld (abhängig von Frau Lambrechts Gehalt) plus zweimal 300 Euro Mehrlingszuschlag (600 Euro)

Drilling 2: volles Elterngeld (abhängig von Herrn Lambrechts Gehalt) plus 600 Euro Mehrlingszuschlag

Drilling 3: Sockelbetrag Elterngeld (300 Euro) plus 600 Euro Mehrlingszuschlag

Also: zweimal volles Elterngeld plus 2.100 Euro (Elterngeld fürs dritte Kind plus dreimal Mehrlingszuschlag)

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Ab 2015 Elterngeld Plus ohne doppeltes Elterngeld

Ab 2015 gibt es zusätzlich zum herkömmlichen Elterngeld das neue Elterngeld Plus. Die Neuregelungen gelten jedoch erst für Kinder, die ab dem 1. Juli 2015 geboren werden. Durch verlängerten Bezug von Elterngeld bei einer Teilzeittätigkeit soll für die Eltern ein früherer Wiedereinstieg in den Beruf attraktiver werden.

Das Gesetz wurde außerdem in Sachen Elterngeld für Mehrlingskinder präzisiert: Das doppelte Elterngeld für Zwillinge wird es ab 2015 nicht mehr geben – lediglich der Mehrlingszuschlag bleibt bestehen. Was sich darüber hinaus ändert, lesen Sie in unserem Ratgeber Elterngeld.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Andrea Wekenborg

ehemalige Finanztip-Redakteurin (bis 2015)

Andrea Wekenborg verfasste für Finanztip Artikel im Ressort Recht & Steuern. Ihre Begeisterung für Verbraucherthemen entdeckte sie in der Ombudsredaktion der Berliner Zeitung. Später schrieb sie fünf Jahre für einen Online-Finanzvergleich über Versicherungen, Konten und Steuern. Zudem war sie bereits beim Verbraucherzentrale Bundesverband tätig.