Erbengemeinschaft

Gemeinsam erben muss keinen Ärger bedeuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Erben mehrere Personen nach gesetzlicher Erbfolge oder weil es der Erblasser so im Testament geschrieben hat, bilden sie eine Erbengemeinschaft.
  • Der Nachlass eines Verstorbenen sollte möglichst bald unter allen Miterben aufgeteilt werden.
  • Alle Erben verwalten bis zur Auflösung der Gemeinschaft den Nachlass gemeinsam.
  • Ein Erbe allein kann nicht über einen Nachlassgegenstand verfügen.
  • Die Erben haften für Schulden des Erblassers gemeinsam, aber nicht mit ihrem Privatvermögen.
  • Kinder müssen sich unter Umständen Schenkungen zu Lebzeiten anrechnen lassen.

So gehen Sie vor

  • Ermitteln Sie gemeinsam mit den anderen Erben, was an Nachlass vorhanden ist und ob der Verstorbene Schulden hinterlassen hat.
  • Jeder Miterbe sollte Auskunft geben über die Zuwendungen und Geschenke, die er vom Erblasser bereits zu Lebzeiten bekommen hat.
  • Schulden müssen Sie aus dem Nachlass bezahlen.
  • Alles, was teilbar ist, wird entsprechend der Erbquote auf alle Mitglieder der Erbengemeinschaft verteilt.
  • Alles, was nicht teilbar ist, müssen Sie verkaufen und den Erlös verteilen. Eine Immobilie des Erblassers kann aber auch ein Miterbe übernehmen und dafür den anderen einen Ausgleich zahlen.

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Wer träumt nicht davon, ein schönes Haus in toller Lage zu erben. Doch meist trifft einen das Glück nicht allein: Nach dem unerwarteten Tod des verwitweten Vaters stehen beispielsweise drei Schwestern genau vor diesem Haus und wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Der Vater hat kein Testament gemacht, so dass die drei Kinder jeweils zu einem Drittel Erben wurden – sie bilden nach dem Erbrecht eine Erbengemeinschaft.

Die jüngste Tochter braucht schnell Geld, verlangt ihren Anteil und möchte das Haus verkaufen. Die anderen beiden wollen es behalten und vermieten, weil sie keine bessere Anlagemöglichkeit sehen und darauf spekulieren, dass die Immobilienpreise weiter steigen. Je nachdem, wie kompromissbereit die Schwestern sind, kann alles schnell erledigt werden oder in einen jahrelangen, teuren Rechtsstreit münden.

So entsteht eine Erbengemeinschaft

Eine Erbengemeinschaft entsteht, wenn der Verstorbene kein Testament gemacht hat und mehrere Personen gleich nah mit ihm verwandt sind – meist die Kinder. Dann sind die Hinterbliebenen nach gesetzlicher Erbfolge eine Erbengemeinschaft. Hinterlässt der Erblasser ohne Testament einen Ehegatten und Kinder, bilden Mutter oder Vater gemeinsam mit den Kindern eine Erbengemeinschaft. Viele Ehepaare versuchen diese Situation durch ein Berliner Testament zu verhindern. Ebenso entsteht eine Erbengemeinschaft, wenn der Erblasser ein Testament verfasst hat, in dem beispielsweise steht: „Meine Kinder sollen zu gleichen Teilen Erben werden.“

Folgende Dinge müssen Erben in einer Erbengemeinschaft wissen:

Gesamthandsgemeinschaft - Das Erbrecht sieht vor, dass der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen wird, sofern der Erblasser mehrere Erben hat. Die Erben bilden zusammen eine sogenannte Gesamthandsgemeinschaft – alle haben die Hand auf dem Vermögen. Danach wird jeder einzelne zwar Eigentümer, aber nur mit den anderen Erben zusammen. Einzelne Nachlassgegenstände kann keiner der Miterben allein verkaufen oder verschenken, auch nicht seinen Anteil daran.

Erbschein - Ist klar, wer zu welcher Quote geerbt hat, ist es sinnvoll, gemeinsam mit allen anderen Erben beim Nachlassgericht einen gemeinschaftlichen Erbschein zu beantragen. Jeder Miterbe kann den Erbschein aber auch selbst beantragen und zwar entweder für sich selbst oder für alle zusammen. Dazu braucht er keine Vollmacht oder Zustimmung der anderen.

Die Gebühren bei Gericht schuldet erst einmal der Antragsteller. Wenn die anderen Miterben nicht mitziehen, sollte einer den Antrag stellen und versuchen, die anderen später an den Kosten zu beteiligen. In der Regel muss jeder Miterbe entsprechend seinem Erbanteil zahlen. Meist werden die Kosten aus der Erbschaft beglichen.

Im gemeinschaftlichen Erbschein stehen der Name des Erblassers, der Todeszeitpunkt, die Namen der Erben und die Auflistung ihrer Erbanteile in Quoten. Jeder Erbschein enthält zudem alle Beschränkungen der Erben, sofern solche bestehen – zum Beispiel die Anordnung einer Testamentsvollstreckung. Weitere Informationen zum Erbschein und zu den Kosten lesen Sie in unserem Artikel Erbschein.

Grundbuch - Gehört ein Grundstück oder eine Immobilie zum Nachlass, können die Erben das Grundbuch berichtigen und sich dort eintragen lassen. Das ist in den ersten beiden Jahren nach dem Erbfall kostenfrei möglich.

Keine Rechtsfähigkeit - Die Erbengemeinschaft ist nicht rechtsfähig, da sie nicht auf Dauer angelegt ist. Die Gemeinschaft kann daher weder klagen noch verklagt werden. Vor Gericht handeln immer die einzelnen Miterben zusammen.

Zweck der Erbengemeinschaft - Die Erbengemeinschaft soll den Nachlass verteilen und sich danach auflösen. Das Ziel ist die Teilung der Erbschaft. Bis alles verteilt ist, müssen die Erben gemeinsam das Nachlassvermögen verwalten und die Schulden aus dem Nachlass begleichen.

Haftung in der Erbengemeinschaft - Die Erben haften für die Schulden des Verstorbenen gemeinsam (§ 2058 BGB). Das eigene Vermögen der Miterben ist aber grundsätzlich geschützt.

So kann es zu Streit innerhalb der Erbengemeinschaft kommen

Die Interessen der einzelnen Miterben können unterschiedlich sein. Die Verteilung des Erbes auf alle Mitglieder der Erbengemeinschaft stellt daher fast jede Familie auf den Prüfstand.

Verwaltung des Erbes
Schon bei der Verwaltung des Erbes kann sich Ärger anbahnen. Alle Mitglieder der Erbengemeinschaft müssen den Nachlass nämlich gemeinsam verwalten (§ 2038 Abs. 1 BGB).

Hatte der Erblasser mehrere Konten, kann die Erbengemeinschaft beschließen, diese aufzulösen und ein eigenes Konto für die Erbengemeinschaft zu einzurichten, um darauf das Guthaben der Nachlasskonten zu übertragen. Das kann die Nachlassverwaltung erleichtern.

Ist eine vermietete Immobilie im Nachlass, gehört zur Verwaltung, dass sich die Erbengemeinschaft um Mietverträge kümmert sowie um Reparaturen, Kündigungen oder die Betriebskostenabrechnung. In der Regel überweisen die Mieter das Geld auf ein von der Erbengemeinschaft eingerichtetes Konto. Wichtig ist, dass alle Miterben für dieses Konto eine Vollmacht haben.

Das ist kompliziert, sofern es mehr als zwei Erben sind, die nicht alle am selben Ort wohnen. Deshalb können die Beteiligten auch einem Miterben die Verwaltung des Nachlasses übertragen. Das setzt aber Vertrauen voraus.

Im Gesetz ist keine Vergütung für die Verwaltung vorgesehen. Dennoch entscheiden Erbengemeinschaften oft, dass derjenige, der die Verwaltung übernimmt, dafür aus dem Nachlass angemessen bezahlt wird.

Stimmenmehrheit - Die Miterbengemeinschaft beschließt durch Stimmenmehrheit alles, was zur laufenden Verwaltung des Nachlasses gehört (§§ 2038 Abs. 2, 745 Abs. 1 BGB). Für die laufende Verwaltung genügt die Mehrheit nach der Erbquote, nicht nach Köpfen. Ein Teil der Erben kann einen Miterben also überstimmen, falls dieser bei einer Frage der Verwaltung anderer Meinung ist.

Einstimmigkeit - Bei besonders wichtigen Entscheidungen müssen sich aber alle Erben einig sein, wenn zum Beispiel aus dem Nachlass etwas verkauft werden soll. Schert ein Erbe aus, ist die Erbengemeinschaft nicht mehr handlungsfähig.

Auflösung der Erbengemeinschaft
So wie es Ärger bei der Verwaltung des Nachlasses geben kann, sind sich Miterben auch manchmal uneins über den Zeitpunkt der Auflösung. Einer will am liebsten sofort Kasse machen, ein anderer will nichts überstürzen.

Ist nur Bargeld vorhanden, ist es meist kein Problem, den Nachlass zu verteilen. Bei Immobilien sieht das schon anders aus: Nicht immer haben die Erben dieselbe Vorstellung davon, was beispielweise mit ihrem gemeinsamen Elternhaus geschehen soll. Will einer das Haus behalten und der andere möchte Bares sehen, wird erstmal gerechnet. Die Miterben sind oft unterschiedlicher Ansicht, was das Haus wert ist. Das kann Streit bedeuten und teure Gutachten erforderlich machen.

So kann der Erblasser Streit vermeiden

Der Erblasser kann Streit dadurch verhindern, dass er schon zu Lebzeiten bestimmte Dinge zum Beispiel durch ein Testament regelt oder indem er einen Testamentsvollstrecker bestimmt.

Erbengemeinschaft durch Testament vermeiden - Jeder Erblasser kann mit einem Testament eine Erbengemeinschaft verhindern. Ehepaare machen das häufig mit dem sogenannten Berliner Testament. Danach wird der länger lebende Ehegatte Alleinerbe. Kinder werden von der Erbfolge zunächst ausgeschlossen. Hat das Ehepaar mehrere Kinder, kann es eine Erbengemeinschaft unter den Kindern nur dadurch ausschließen, indem es ein Kind als Alleinerbe einsetzt und den anderen zum Beispiel Vermächtnisse zukommen lässt. Während ein Erbe das ganze Vermögen oder einen Teil davon erbt und Rechtsnachfolger des Verstorbenen wird, bekommt der Vermächtnisnehmer nur einen bestimmten Gegenstand oder eine Zahlung aus dem Nachlass, ohne dass er gleichzeitig Rechtsnachfolger würde.

Erbauseinandersetzung ausschließen - Der Erblasser kann Auseinandersetzungen auch ganz oder teilweise für eine gewisse Zeit in seinem Testament ausschließen (§ 2044 BGB). Sinnvoll ist das etwa, wenn der Erblasser seinen Nachlass bewahren will, zum Beispiel eine Immobilie, eine Gemäldesammlung oder ein Unternehmen. Die Erben werden dann zwar Eigentümer, aber keiner kann die Auflösung der Erbengemeinschaft beantragen.

Ein solches Verbot gilt aber höchstens für 30 Jahre. Sind sich alle Miterben einig, können sie sich über den Willen des Erblassers hinwegsetzen. Will der Erblasser dies verhindern, muss er eine Testamentsvollstreckung anordnen. Der Vollstrecker achtet dann darauf, dass die Erben sich an dieses sogenannte Auseinandersetzungsverbot halten. So könnte eine Regelung im Testament lauten:

„Die Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft wird nur durchgeführt, wenn alle Erben dies gemeinsam verlangen, bis dahin ist sie ausgeschlossen. Unabhängig davon ist sie auch bis zum Ableben von ______ ausgeschlossen, außer auch ______ verlangt diese.“

Testamentsvollstreckung anordnen - Streit lässt sich vermeiden, indem der Erblasser einen Testamentsvollstrecker bestellt – auch wenn die Erben darüber meist nicht erfreut sind. Denn der Testamentsvollstrecker kostet, und oft müssen sich die Erben dann mit einer dritten Person auseinandersetzen. Wichtig ist, dass der Erblasser einen vertrauenswürdigen, zuverlässigen Menschen einsetzt. Dieser sollte neutral sein und nicht zur Familie gehören. So könnte eine Regelung im Testament lauten:

„Für meinen Nachlass ordne ich Testamentsvollstreckung an. Der Testamentsvollstrecker hat die Aufgabe, die Abwicklung des Nachlasses vorzunehmen, insbesondere die von mir angeordneten Vermächtnisse und Auflagen zu erfüllen. Zum Testamentsvollstrecker mit dem vorgenannten Aufgabenkreis bestimme ich Herrn/Frau  ______, geboren am ___________, ersatzweise Herrn/Frau __________, geboren am ___________.“

Teilungsanordnung festlegen - Im Testament kann auch stehen, wie der Nachlass konkret aufgeteilt werden soll (§ 2048 BGB). Der Erblasser legt dann fest, wer Erbe wird und zu welcher Quote, und dann verteilt er einzelne Nachlassgegenstände, zum Beispiel die Ferienwohnung an der Ostsee oder das Aktiendepot. Dadurch erlangt der einzelne Erbe kein Alleineigentum, aber die Erbengemeinschaft muss beim Verteilen den Willen des Verstorbenen berücksichtigen, soweit sie sich nicht auf eine andere Lösung einigt.

Ein Testamentsvollstrecker muss eine Teilungsanordnung dagegen beachten. Ist der zugedachte Nachlassgegenstand mehr wert als der Erbteil des Miterben, muss er den anderen Erben einen Ausgleich zahlen. Er wird also durch die Teilungsanordnung nicht bevorzugt. So könnte eine Regelung im Testament lauten:

„Ich setze meine Kinder, Tochter ________, geboren am ________, Sohn _______, geboren am ________, Tochter __________, geboren am _______ als unbeschränkte Erben zu gleichen Teilen ein.
Für die Auseinandersetzung treffe ich folgende Teilungsanordnung:
Meine Tochter _______ erhält in Anrechnung auf ihren Erbteil mein Auto. Mein Sohn _________ erhält in Anrechnung auf seinen Erbteil mein Ferienhaus an der Ostsee. Meine Tochter _________ erhält meine gesamten Bücher in Anrechnung auf ihren Erbteil.“

So wird die Erbengemeinschaft aufgelöst

Nach den Vorstellungen des Gesetzgebers bezahlen die Miterben nach dem Erbfall eventuelle Schulden zügig aus dem Nachlass und lösen die Erbengemeinschaft auf, indem sie den Überschuss verteilen. Die Wirklichkeit sieht oft anders aus: Erbengemeinschaften bleiben oft jahrelang ungeteilt bestehen. Dabei kann jeder Erbe jederzeit die Auflösung auch ohne wichtigen Grund verlangen.

Am einfachsten und schnellsten ist es, wenn sich alle Erben darüber einigen, wie sie den Nachlass untereinander aufteilen wollen. Möglich ist auch, dass im gegenseitigen Einvernehmen einer der Erben aus der Erbengemeinschaft ausscheidet. Das nennt man Abschichtung. In der Regel zahlen die in der Erbengemeinschaft verbleibenden Erben dann demjenigen, der sofort ausgezahlt werden will, eine Abfindung.

So gehen Sie in einer Erbengemeinschaft am besten vor:

1. Nachlass ermitteln
Bevor es etwas zu verteilen gibt, muss erst einmal festgestellt werden, wie groß der Nachlass ist. Die meisten Informationen bekommen Sie und Ihre Miterben von den Banken, bei denen der Verstorbene seine Konten oder Depots hatte. Dazu braucht es meist einen Erbschein oder ein Testament mit gerichtlichem Eröffnungsprotokoll. Auch die Schulden gehören zum Nachlass. Ist der Nachlass überschuldet, können Sie die Erbschaft auch ausschlagen. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel Erbausschlagung.

Hat sich einer der Miterben schon zu Lebzeiten um das Vermögen des Erblassers gekümmert, muss er den anderen Mitgliedern der Erbengemeinschaft Auskunft geben, wie groß das Erbe ist und was er mit dem Vermögen getan hat.

2. Nachlassschulden bezahlen
Zunächst müssen die Erben aus dem Nachlass alle Schulden zahlen. Dazu müssen sie den Nachlass, soweit erforderlich, in Geld umsetzen, einzelne Nachlassgegenstände also verkaufen.

3. Zuwendungen im Wege der vorweggenommenen Erbfolge berücksichtigen
Jeder Miterbe ist verpflichtet, den anderen Erben auf Verlangen Auskunft zu geben über die Zuwendungen und Geschenke, die er vom Erblasser bereits zu Lebzeiten bekommen hat. Die Gelder sind unter Umständen ausgleichungspflichtig (§ 2057 BGB).

Hat eines von mehreren Geschwisterkindern vom verstorbenen Elternteil zum Beispiel schon zu Lebzeiten ein Grundstück zur Gründung eines Unternehmens bekommen, kann die Schenkung ausgleichspflichtig sein (§ 2050, 2052 BGB).

Solche ausgleichpflichtigen Schenkungen erhöhen rechnerisch den Nachlass und werden dann von der Erbquote des Beschenkten abgezogen. Der Ehegatte des Verstorbenen muss als Miterbe nichts ausgleichen, er wird aber bei einem Ausgleich auch nicht berücksichtigt.

4. Pflegeleistungen berücksichtigen
Hat ein Kind den verstorbenen Elternteil zum Beispiel ohne Gegenleistung gepflegt, kann es beim Erbfall von den Geschwistern dafür einen Ausgleich beanspruchen, der seinen Anteil erhöht (§ 2057a BGB). Der Gesetzgeber will damit vorrangig die Pflegeleistungen und die besondere Mitarbeit im Haushalt oder im Unternehmen des Verstorbenen erfassen. Der Ausgleich muss der Dauer und dem Umfang der Leistungen sowie dem Wert des Nachlasses angemessen sein.

5. Teilbare Gegenstände verteilen
Die Teilung des Erbes erfolgt nach den Regeln, die für die Gemeinschaft gelten (§ 2042 BGB). Das bedeutet, dass das Erbe zunächst „in Natur" zu teilen ist (§ 752 BGB). Jeder Erbe nimmt sich also aus dem Nachlass Gegenstände in Abstimmung mit den anderen für sich heraus. Geld und Wertpapiere können Sie und die anderen Erben unproblematisch entsprechend Ihren Anteilen aufteilen.

6. Unteilbare Gegenstände müssen verkauft werden
Ist eine echte Teilung bei einzelnen Gegenständen nicht möglich oder nicht gewünscht, müssen die Erben diesen Gegenstand verkaufen oder unter Umständen zwangsversteigern lassen. Der Erlös wird unter den Erben aufgeteilt. Soll eine Immobilie einem Erben übertragen werden, muss das notariell beurkundet werden. Ansonsten genügt es, dass sich Erben formlos untereinander einigen und den Nachlassgegenstand übergeben.

Wollen oder müssen Sie und Ihre Miterben eine Immobilie verkaufen, müssen Sie einen realistischen Verkaufspreis ermitteln. Können Sie sich auf keinen Preis einigen, kommt es häufig vor, dass ein Erbe die sogenannte Teilungsversteigerung beantragt. Bei der Versteigerung bietet dann der Erbe selbst oder über einen Dritten mit, um so das Grundstück oder Gebäude zu erwerben.

7. Keine Einigung unter den Miterben
Ist keine Einigung in Sicht, können die Erben die Hilfe eines Notars in Anspruch nehmen (§ 363 Abs. 1 FamFG). Dieser vermittelt jedoch nur. Mit einem solchen Verfahren sind allerdings einige Kosten verbunden. Abhängig vom Nachlasswert erhält der Notar eine 6,0 Verfahrensgebühr (Nr. 23900 KV GNotKG). 

Einigen sich die Beteiligten dann immer noch nicht, muss ein Erbe die anderen vor normalen Zivilgerichten auf „Auseinandersetzung“ verklagen: Er erhebt eine sogenannte Erbauseinandersetzungsklage. All das kostet und schmälert das Erbe.

8. Ans Finanzamt denken
Bei einer Erbschaft können Erbschaftsteuern anfallen. Abziehen können Sie vom steuerpflichtigen Nachlass die unmittelbaren Erbfallkosten, wie Kosten der Bestattung, Gebühren für Testamentseröffnung, Erteilung des Erbscheins oder die Aufwendungen für einen geänderten Grundbuch-Eintrag.

Die Kosten für ein Grundstücksgutachten durch einen Sachverständigen im Rahmen einer Erbauseinandersetzung sind ebenfalls abzugsfähig (BFH, Urteil vom 9. Dezember 2009, Az. II R 37/08). Auch andere Kosten wie Notariats- und Gerichtskosten sowie die Ausgaben für die anwaltliche Beratung sowie außergerichtliche und gerichtliche Vertretung zählen zu den Nachlassverbindlichkeiten.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.