Immobilienbewertung und Verkehrswert

  • Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2012

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Seit dem dem 1. Januar 2009 gelten die geänderten Bestimmungen zur Erbschaftsbesteuerung von Häusern und Wohnungen. Sehr komplizierte und bürokratische Gesetzesbestimmungen regeln dabei den Erbfall von selbstbewohnten Immobilien, wenn Ehepartner, eingetragener Lebenspartner oder Kinder für einen bestimmten Mindestzeitraum diese Immobilie weiterhin selbst bewohnen. Folgen Sie daher zur Wissenserweiterung diesem vorgenannten Link.

Der Wert von vererbten Immobilien ist grundsätzlich mit dem Verkehrswert zu bestimmen. Die Ermittlung des Verkehrswertes bei Immobilien kostet Geld und Zeit. Gutachten und Gegengutachten kommen zu unterschiedlichen Wertansätzen. Beispiel: Rechtstreitigkeiten um die Höhe des Verkehrswertes wegen der Lage und der Bausubstanz.

Erbschaftsteuer auf vermietete Immobilien

Die Bewertung der bebauten Grundstücke erfolgt nach dem Vergleichswertverfahren (insbesondere Wohnungseigentum), dem Ertragswertverfahren (insbesondere vermieteter Grundbesitz) oder dem Sachwertverfahren (insbesondere wenn kein andereres Verfahren zum Ziel führt). Siehe hierzu § 182 BewG. Vermieteter Grundbesitz wird leicht begünstigt, weil für zu Wohnzwecken vermietete Grundstücke nur mit 90 Prozent ihres Wertes anzusetzen sind (§ 13c ErbStG). Der zu Wohnzwecken vermietete Grundbesitz kann im Inland, in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union oder in einem Staat des Europäischen Wirtschaftsraums gelegen sein.

Zu Wohnzwecken vermietete Wohnungen, die also nicht zum Betriebsvermögen zählen, werden mithin bei der Erbschaftsteuerermittlung nur mit 90 Prozent ihres tatsächlichen Wertes als "Verkehrswert" erfasst. Weitere steuerliche Vergünstigungen bei vermieteten Immobilien: Die auf vermietete Wohnungen entfallende Erbschaftsteuer kann auf Antrag des Steuerzahlers bis zu 10 Jahre zinslos gestundet werden, soweit die Erbschaftsteuer nur durch Veräußerung der Wohnimmobilien bezahlt werden kann. Dies gilt übrigens auch, wenn die Immobilie nach dem Erbfall zu eigenen Wohnzwecken genutzt wird.
Grundsätzlich ist seit dem 1. Januar 2009 der Grundbesitz mit dem Verkehrswert zu bewerten. Das Bewertungsgesetz enthält dazu in den §§ 176ff. BewG umfangreiche Bestimmungen (Beispiel: Nach § 177 BewG ist der gemeine Wert zu Grunde zu legen). In der Praxis werden zur Berechnung des Verkehrswertes von Grundbesitz die Ausführungen der Wertermittlungsverordnung herangezogen.
Immobilien werden nur nach Bedarf bewertet ("Bedarfsbewertung"). Die Bewertung wird vom Finanzamt am Ort der Belegenheit des Objektes durchgeführt. Die Festsetzung der ErbSt ist natürlich Sache des Wohnsitzfinanzamtes. Grundsätzlich gilt das Ertragswertverfahren, denn der Wert der Immobilie soll sich am möglichen Ertrag des Objektes orientieren.

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Kriterien zur Ermittlung des Verkehrswertes

Die nachstehende Auflistung zeigt eine sehr grobe Zusammenfassung von Bewertungsprinzipien zur Ermittlung des Verkehrswertes, wie sie in der Vergangenheit vorrangig eingesetzt wurden. Diese Auflistung ist wirklich nur sehr grob und ist daher kaum nutzbar, wenn es zu Streitigkeiten über die Art der Bewertung des Grundbesitzes und die Höhe des Grundvermögens geht. 

  • Unbebaute Grundstücke: Unbebaute Grundstücke werfen keinen Ertrag ab, so dass auf die Bodenrichtwerte der kommunalen Gutachterausschüsse zurückgegriffen wird. Der Richtwert pro qm wird mit der Grundstücksgröße multipliziert. Nach diesem Verfahren werden auch Grundstücke ohne benutzbare Gebäude bewertet.
  • Eigenheime: Es gilt die örtliche Vergleichswerte (z.B. aus dem örtlichen Mietspiegel, soweit vorhanden). Aufgrund der im Vergleich zu Mietshäusern größeren Grundstücksgrößen wird bei Ein- und Zweifamilienhäusern ggf. ein Zuschlag gerechnet.
  • Vermietete Objekte: Die Jahres-Nettokaltmiete wird zu 90 Prozent berücksichtigt.
  • Fabrikgebäude: Betriebsgebäude oder andere Gebäude zur Spezialnutzung werden in Grund und Boden und aufstehende Gebäude aufgeteilt.
  • Im Bau befindliche Gebäude: Die bisherigen Herstellkosten sind dem Grundstückswert hinzuzurechnen.
  • Erbbaurecht: Das Erbbaurecht ist kein Grundstücksbestandteil und fällt nicht unter die Bedarfsbewertung.
  • Mindestwert bis zum 31.12.2008: Aufgrund der Lage oder Nutzung eines Gebäudes kann der über die Mieten ermittelte Ertragswert deutlich unter dem wahren Wert des Gebäudes liegen. Betroffen sind hiervon Wohnlagen in sehr begehrten Stadtteilen. Wer zum Beispiel in Hamburg an der "Schönen Aussicht" eines der wenigen Zweifamilienhäuser mit vollem Außenalsterblick sein eigen nennt, ist ein Kandidat für diese Regelung.
  • Niedrigerer Wert: Im Einzelfall kann der ErbSt-Schuldner nachweisen, dass der wahre (gemeine) Wert geringer ist. In der Praxis bedeutet dies, dass der Steuerpflichtige einen Gutachter mit der Wertermittlung beauftragt. Die Kosten für das Gutachten kann der Erbe vom zu versteuernden Erbe absetzen.

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Hermann-Josef Tenhagen

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