Anlegen im Zinstief

Weltsparen lockt mit hohen Zinsen aufs Festgeld

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Einlagenvermittler Weltsparen setzt auf hohe Zinsen für Fest- und Tagesgeld bei Banken im europäischen Ausland. Das ist vor allem angesichts der Rekordzinstiefs in Deutschland verlockend.
  • Allerdings verfehlen diese Banken die Stabilitätskriterien von Finanztip für sichere Geldinstitute.
  • Mitte 2014 waren zwei Banken von Weltsparen vorübergehend in Schieflage geraten. Einlagen der Kunden sind aber nicht verloren gegangen.
  • Finanztip nennt alle sicheren Banken, die gute Zinsen zahlen, in den Ratgebern Festgeld und Tagesgeld.
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Seit der Finanzkrise 2008 kennen die Zinsen in Deutschland nur eine Richtung: abwärts. Zwar sinken die Zinsen auch in den EU-Nachbarländern, aber sie sind bei einigen ausländischen Banken deutlich höher als hierzulande. Da setzt das Geschäftsmodell von Weltsparen an: Der Einlagenvermittler aus Berlin bietet seit Ende 2013 Festgelder aus EU-Staaten an, im März 2016 kam auch Tagesgeld dazu. Weltsparen verweist darauf, dass durch die EU-Einlagensicherung Spargelder ähnlich wie in Deutschland bis zu 100.000 Euro abgesichert sind. Deshalb könne man beruhigt auch bei bulgarischen, italienischen oder polnischen Banken Geld anlegen. Das Unternehmen vermittelt Festgelder für einen Anlagezeitraum von 12 bis 120 Monaten mit Zinssätzen zwischen 0,5 und 2,2 Prozent pro Jahr – und erspart so dem Anleger die Reise ins Ausland, um ein Konto zu eröffnen.

So funktioniert Weltsparen

Wenn sich der Kunde auf der Website von Weltsparen für eine Anlageform entschieden hat, wählt er das entsprechende Angebot aus. Er eröffnet dann zwei Konten: das Konto bei der ausländischen Bank und ein sogenanntes Weltspar-Konto, das als Verrechnungskonto für das Festgeld oder Tagesgeld dient. Dieses Konto wird bei der Frankfurter MHB-Bank angelegt und ist Voraussetzung dafür, um die Angebote von Weltsparen nutzen zu können. Legitimieren muss sich der Kunde über das Postident- oder Video-Verfahren. Im Anschluss erhält er seine Zugangsdaten und kann Geld auf das Weltspar-Konto überweisen.

Am Ende der vereinbarten Laufzeit überweist die ausländische Anlagebank das Geld mit Zinsen (abzüglich eventuell einbehaltener Steuer) zurück auf das Weltspar-Konto. Bei den meisten mehrjährigen Festgeldern überweist Weltsparen sämtliche Zinsen erst am Ende der Laufzeit. Das schmälert den Ertrag. Bei einem dreijährigen Festgeld mit einem Zinssatz von 2,1 Prozent pro Jahr beträgt die Rendite nur noch 2,06 Prozent pro Jahr.

Diese Angebote hat Weltsparen im Programm

Weltsparen hat deutlich mehr Banken im Programm als andere Einlagenvermittler am Markt wie Savedo oder Zinspilot. Die Laufzeiten der Festgelder erstrecken sich über 12 bis 120 Monate. Die Anlagewährung ist in der Regel der Euro, auch bei Banken aus Ländern, die eine andere Landeswährung haben wie Bulgarien oder Großbritannien. Eine Ausnahme ist das Konto der BN Bank, das in norwegischen Kronen (NOK) notiert. Zudem bietet Weltsparen bei anderen Banken auch Konten in einer anderen Währung an. Dabei besteht das Risiko, durch Devisenschwankungen Geld zu verlieren.

Festgeld-Angebote bei Weltsparen

Bank Land Währung Dauer Zins pro Jahr
Alior Bank Polen EUR 6 Monate 0,75%
      12 Monate 1,4 %
      24 Monate 1,45 %
      36 Monate 1,5%
Allied Irish Banks Irland EUR 12 Monate 0,5%
Banco BNI Portugal EUR 3 Monate 1,1 %
      6 Monate 1,3 %
      12 Monate 1,6 %
      24 Monate 1,8 %
      36 Monate 2 %
      48 Monate 2,1 %
      60 Monate 2,15 %
Banca Farmafactoring Italien EUR 12 Monate 1,5 %
      24 Monate 1,6%
      36 Monate 1,74 %
Banca Sistema Italien EUR 12 Monate 1,1 %
      18 Monate 1,15 %
      24 Monate 1,2 %
      30 Monate 1,25 %
      36 Monate 1,4 %
      42 Monate 1,45 %
      48 Monate 1,5 %
      54 Monate 1,55 %
      60 Monate 1,65 %
      120 Monate 1,75 %
Bulgarian-American Credit Bank Bulgarien EUR 12 Monate 1,35 %
      18 Monate 1,4 %
Fibank Bulgarien EUR 6 Monate 1%
      12 Monate 1,6%
      24 Monate 1,7 %
      36 Monate 1,9 %
      60 Monate 2,5 %
Fibank Bulgarien BGN 12 Monate 1,6 %
First Save Euro Nigeria / Großbritannien EUR 12 Monate 1,25 %
      24 Monate 1,35 %
      48 Monate 1,5 %
Grenke Bank Deutschland EUR 12 Monate 0,7 %
      18 Monate 0,85 %
      24 Monate 1 %
      30 Monate 1,05 %
      36 Monate 1,15 %
      48 Monate 1,25 %
      60 Monate 1,3 %
Grenke Bank Deutschland CHF 12 Monate 0,1 %
      24 Monate 0,3 %
      36 Monate 0,4 %
      48 Monate 0,6 %
Hanseatic Bank Deutschland EUR 12 Monate 0,5 %
      24 Monate 0,7 %
      36 Monate 0,8 %
      48 Monate 1 %
      60 Monate 1,1 %
      72 Monate 1,3 %
J&T Banka Tschechien EUR 6 Monate 0,3 %
      9 Monate 0,45 %
      12 Monate 0,9 %
      18 Monate 0,95 %
      24 Monate 1 %
      30 Monate 1 %
      36 Monate 1 %
      48 Monate 1 %
      60 Monate 1,1 %
      120 Monate 1,1 %
Kentbank Kroatien EUR 12 Monate 1,61 %
      24 Monate 1,71 %
      36 Monate 1,81 %
Nordax Bank Schweden EUR 12 Monate 1,25 %
      24 Monate 1,35 %
Novo Banco Portugal EUR 12 Monate 1,25 %
      24 Monate 1,35 %
      36 Monate 1,45 %
Podravska banka Kroatien EUR 12 Monate 1,3 %
      18 Monate 1,35 %
      24 Monate 1,45%
      36 Monate 1,5%
      48 Monate 1,55%
      60 Monate 1,6%
Younited Credit Frankreich EUR 36 Monate 1,65 %
BN Bank Norwegen NOK 12 Monate 0,6 %
         

Tagesgeld-Angebote bei Weltsparen

Bank Land Währung Zinsgarantie Zins pro Jahr
Poštová banka Slowakei EUR --- 1%

Quelle: Weltsparen (Stand: 27. Juni 2016)

Sicherheit der Banken bei Weltsparen

In unseren Ratgebern Festgeld und Tagesgeld empfehlen wir Ihnen nur Banken, die aus einem Land stammen, das glaubhaft im Notfall für die Spareinlagen bei seinen Banken bürgen kann. Deshalb verlangen wir, dass das Land von den großen Ratingagenturen S&P, Moody’s und Fitch mit einer Bonität von „AA“ oder besser bewertet wird. Dazu gehören in der EU zurzeit Deutschland, Österreich, die Niederlande, Frankreich, Finnland, Belgien, Luxemburg und Großbritannien.

Zudem verlangen wir, dass die Ratingagenturen die Bonität der Bank mindestens als „investitionswürdig“ (auf Englisch: „investment grade“) einstuft. Auf der Notenskala der Ratingagenturen bedeutet das „BBB“ oder besser. Falls eine Bank eine gute Bewertung wie „A“ hat, ist es sehr unwahrscheinlich, dass sie von einer anderen Ratingagentur mit einem spekulativen Rating bedacht werden würde. Derzeit erfüllt nur ein Angebot von Weltsparen unsere strengen Stabilitätskriterien: die deutsche Hanseatic Bank, die zum größten Teil zur französischen Bank Société Générale gehört. Die verzinst das Festgeld jedoch gering und ist damit kein empfehlenswerter Anbieter beim Festgeld.

Sicherheit Banken bei Weltsparen

Bank Bonitätsnote Bank Finanztip-Vorgabe erfüllt Land Einlagensicherung Bonitätsnote Land der Einlagensicherung Finanztip-Vorgabe erfüllt
Alior Bank BB Nein Polen A Nein
Allied Irish Banks Baa Nein Irland BAA Nein
Banca Farmafactoring -- Nein Italien BBB Nein
Banca Sistema -- Nein Italien BBB Nein
Banco BNI -- Nein Portugal BB Nein
Bulgarian-American Credit Bank -- Nein Bulgarien BB Nein
Fibank B Nein Bulgarien BB Nein
First Save Euro B* Nein Großbritannien AA Ja
Grenke Bank -- Nein Deutschland AAA Ja
Hanseatic Bank Ja Deutschland AAA Ja
J&T Banka -- Nein Tschechien A Nein
Kentbank -- Nein Kroatien BB Nein
Mordax Bank -- Nein Schweden AAA Ja
Novo Banco Caa Nein Portugal BB Nein
Podravska banka -- Nein Kroatien BB Nein
Poštová banka -- Nein Slowakei A Nein
Younited Credit -- Nein Frankreich AA Ja
BN Bank² B Nein Norwegen AAA Ja

¹ Rating der Konzernmutter 
² zusätzliches Währungsrisiko durch Anlage in NOK
schlechtestes Rating genannt
Quelle: Moody's, S&P, Fitch (Stand: April 2016)

Weltsparen vermittelt fast nur Angebote von Banken mit relativ geringer Bonität – und das meist aus Ländern, deren Finanzkraft nicht mit den solidesten Staaten mithalten kann.

Eine Besonderheit ergibt sich beim Angebot der BN Bank aus Norwegen. Hier besteht ein erhebliches Wechselkursrisiko, da die Anlage in norwegischen Kronen (NOK) erfolgt. Die Währungsschwankungen von Euro und NOK können weitaus höher sein als die nominalen Zinsen von 2,0 Prozent pro Jahr. So hat die norwegische Krone über das Jahr 2014 etwa 6,4 Prozent gegenüber dem Euro eingebüßt. Zusätzlich fällt für die Währungsumrechnung zweimal eine Gebühr von 0,12 Prozent an.

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Unruhige Zeiten für Anleger bei Weltsparen

Anleger mussten mit ihren Investments beim Vermittler Weltsparen bereits unruhige Zeiten durchleben. Denn die bulgarische Fibank und die portugiesische Banco Espirito Santo (BES) gerieten beide Mitte 2014 ins Schlingern. Mehrere tausend Anleger, die ihr Geld nach Bulgarien geschickt hatten, mussten beobachten, dass die Kunden im Juni 2014 bei einem Ansturm auf die Fibank in wenigen Tagen 400 Millionen Euro, etwa zehn Prozent der Einlagen, abzogen. Die bulgarische Zentralbank sprach von einer „kriminell organisierten Attacke“. Auch andere Banken des Landes blieben von der Krise nicht verschont. Letztlich mussten zwei Banken, darunter die viertgrößte Bank des Landes (Corpbank), sogar schließen. Trotz der geltenden Einlagensicherung kamen Kunden der Corpbank auch Monate später noch nicht an ihr Geld, was eine Rüge der europäischen Bankenaufsicht nach sich zog. Die Auszahlung der Spareinlagen erfolgte erst im Dezember 2014, mehr als fünf Monate nachdem die Bank schließen musste.

Die in finanzielle Schwierigkeiten geratene BES in Portugal konnte nur durch eine Kapitalspritze des Staates gerettet werden. Die Schwierigkeiten des Geldinstituts kamen nicht ganz überraschend: Seit Ausbruch der Eurokrise 2011 senkten die Ratingagenturen Moody’s und Standard and Poor‘s die Bonitätseinschätzung der BES mehrmals. Als Weltsparen die Bank in sein Programm aufnahm, betrug die Bonitätsnote „BB“ beziehungsweise „Ba“, was bei den Ratingagenturen als spekulativ gilt. Die europäische Bankenaufsicht attestierte der Bank bereits beim Stresstest Ende 2011 ein erhöhtes finanzielles Risiko. Das Land splittete die BES auf in eine Bad Bank und eine Bank für das Privatkundengeschäft mit dem Namen Novo Banco. Bestehende Festgeldkonten von Weltsparen wurden zur Novo Banco transferiert.

Weltsparen hatte sowohl die Fibank wie die BES aufgrund der Probleme vorübergehend aus dem Programm genommen. Einlagen der Kunden sind in beiden Ländern aber nicht verloren gegangen. Mittlerweile sind die Angebote beider Banken wieder verfügbar.

Fazit: Derzeit kein empfehlenswertes Angebot bei Weltsparen

Die Angebote von Weltsparen, ähnlich wie die der Mitbewerber Savedo und Zinspilot, verbreitern die Angebotspalette für Festgeld und Tagesgeld. Möglicherweise fühlen sich etablierte Banken dadurch gezwungen, ihren Kunden höhere Zinsen anzubieten. Nach den Kriterien von Finanztip – Sicherheit und gute Zinsen – empfehlen wir jedoch derzeit keines der Angebote von Weltsparen. Wir raten Ihnen beim Festgeld und beim Tagesgeld nur zu Geldinstituten, die unsere Stabilitätskriterien erfüllen: Die Banken müssen von den großen Ratingagenturen als solide bewertet werden und aus einem Land stammen, das wirtschaftlich stark genug ist, im Notfall für die Einlagen der Sparer selbst einzustehen. Die Hanseatic Bank verzinst ihr Festgeld niedriger als die von Finanztip empfohlenen Anbieter.

Eine Liste mit allen sicheren Banken, die gute Zinsen zahlen, und Hinweise zum Festgeld und Tagesgeld, finden Sie in unseren Ratgebern Festgeld und Tagesgeld

Mehr dazu im Ratgeber Festgeld

Manuel Kayl
von Finanztip
Experte für Geldanlage

Achten Sie darauf beim Festgeld

  • Festgeld bietet mehr Zinsen als Tagesgeld.
  • Zinsen sind höher bei unsicheren Banken.
  • Die Anlage ist nicht flexibel verfügbar.
  • Teilen Sie Ihr Geld auf mehrere Banken auf.

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Hallo
vielen Dank für das Feedback. Wir gehen auch davon aus, dass Kunden in der Regel ihr Geld zurück bekommen, Was aber bei einer großen Finanzkrise (2008 reloaded - der EZB sind ...
19. Januar 2015 zum Beitrag
Ich habe sehr gute Erfahrungen mit Weltsparen gemacht. Bin dort seit einem Jahr Kunde und habe gerade mein erstes Festgeld zurück erhalten. Ich finde den Service excellent, das ist mal so, wie man es ...
16. Januar 2015 zum Beitrag
Erfahrungen mit Weltsparen
Was ist Ihre Meinung zum Festgeld-Vermittler Weltsparen? Aufsehen erregt hat der Anbieter v. a. Mitte 2014, als zwei der Banken, die im Angebot waren, vorübergehend Schwierigkeiten hatten und Anleger ...
16. Januar 2015 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Josefine Lietzau

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Josefine Lietzau ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Bereits während ihres Studiums der Germanistik und Anglistik war sie für die Redaktionen der Grünen Liga, der Jüdischen Zeitung und der Superillu tätig. Nach ihrem Magister-Abschluss absolvierte Josefine Lietzau ein Volontariat bei den Online-Verbraucherportalen Banktip und Posttip, wo sie im Anschluss als Redakteurin arbeitete.

Dr. Manuel Kayl

Finanztip-Experte für Bankprodukte

Manuel Kayl ist bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Studiert hat er an der TU München und dem Max-Planck-Institut für Physik.

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