Online-Versicherung

Wer will, kann seine Versicherungen auch aufs Smartphone holen

Das Wichtigste in Kürze

  • Fintechs sind neue Unternehmen rund um Finanzen und Versicherungen, die verstärkt auf digitale Medien setzen.
  • Verbraucher können mit Fintech-Apps ihre Versicherungen und Geldanlagen per Computer, Tablet oder Smartphone gebündelt auf einer Plattform verwalten.
  • Als Makler empfehlen die digitalen Finanzdienstleister den Kunden allerdings auch neue Verträge und bekommen dafür eine Provision.
  • Die regelmäßigen Angebote können für Kunden ein Anlass sein, zu überprüfen, ob die eigenen Verträge noch zeitgemäß sind.
  • Verbraucher sollten die beworbenen Versicherungen nicht ungeprüft abschließen, da sie nicht für jeden gleich gut passen. Außerdem finden sie häufig günstigere Angebote, wenn sie selbst vergleichen.

So gehen Sie vor

  • Wenn Sie Ihre Versicherungen lieber digital mit Smartphone oder Computer organisieren anstatt im Aktenordner, kann Ihnen eine Fintech-App weiterhelfen.
  • Vermeiden Sie es jedoch, dem App-Anbieter eine Maklervollmacht zu erteilen.
  • Beim ersten Einrichten der App kann es einige Wochen dauern, bis alle Versicherungen digitalisiert sind, da das Fintech die Unterlagen von Ihren Versicherungen anfordert.
  • Um Angebote für neue Versicherungen zu bekommen, lohnen sich Fintechs eher weniger. Die günstigsten Angebote finden Sie häufig nicht über einen Makler.
  • Mit den Hinweisen von Finanztip und den empfohlenen Vergleichsportalen finden Sie die sinnvollen Versicherungen, die wirklich zu Ihrer Situation passen.
  • Nur bei besonders komplexen Versicherungen kann ein umfassendes Gespräch mit einem Makler weiterhelfen, bei dem Ihre persönliche Lebenslage viel Gewicht bekommt.

Einmal abgeschlossen, liegen Versicherungspolicen meist Jahre lang in Aktenordnern irgendwo in der Wohnung und geraten halb in Vergessenheit. Bis zum Beispiel mal etwas zu Bruch geht und Sie den Ordner mit der Haftpflichtversicherung wieder finden müssen. Wollen Sie Ihre Versicherungen für solche Fälle lieber digital griffbereit haben, können Sie die Verträge auch per App oder Website eines Fintech-Unternehmens verwalten.

Fintech ist ein Kurzwort für Finanztechnologie. Fintech-Firmen sind relativ junge Anbieter, die sich digital um die Versicherungen oder die Geldanlage ihrer Kunden kümmern. In Bezug auf Versicherungen bezeichnet man solche Unternehmen auch als Insurtechs (vom Englischen „insurance technology“, Versicherungstechnologie). Hinter diesen Start-ups mit Namen wie Asuro, Clark, Feelix oder Moneymeets steht eine neue Generation von Versicherungsmaklern, die per E-Mails, Messenger-Nachrichten und Chat-Bots ganz auf die neuen Medien setzen, um mit den Kunden in Kontakt zu kommen. Sie heben sich daher vor allem von traditionelleren Maklern ab, die den persönlichen Kontakt zu ihren Kunden suchen.

Die meisten Fintechs wollen Versicherungen verkaufen

Einerseits sind die Apps von Fintechs digitale Versicherungsordner. Auf der anderen Seite verkaufen die Start-ups ihren Kunden auch neue Versicherungen. Dazu vergleichen sie die bestehenden Versicherungen eines Kunden mit den Angeboten der Partnerversicherungen und empfehlen neue Tarife. Regelmäßig prüfen die Apps, ob die Versicherungen noch zeitgemäß sind oder ob es mittlerweile nicht einen günstigeren Tarif gibt.

Das machen die Fintechs mit großem Eigeninteresse, weil sie als Makler an Neuabschlüssen mitverdienen. Auch bieten sie nur Versicherungen an, mit denen sie zusammenarbeiten. Damit sie eine möglichst große Bandbreite abdecken können, versuchen Fintechs so viele Versicherungen zu empfehlen wie möglich, sei es die klassische Haftpflichtversicherung, eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Lebensversicherungen.

Für einen technikaffinen Menschen kann es durchaus übersichtlicher sein, die eigenen Versicherungen mit einer Fintech-App zu verwalten. Jedoch dauert es einige Zeit, bis die Verträge in die App übertragen sind: Da der Anbieter die Dokumente mit den verschiedenen Versicherern abgleichen muss, braucht es schon mal einige Wochen, bis die Anwendung vollständig eingerichtet ist.

Neu angebotene Versicherungen sollten Sie nie ungeprüft annehmen, denn nicht jede Empfehlung ist wirklich sinnvoll oder passt zu Ihrer persönlichen Situation passt. Besser ist: unabhängig auf Vergleichsportalen informieren und die Finanztip-Empfehlungen beachten. Ein guter Start dafür ist unser Ratgeber über sinnvolle Versicherungen.

Bei sehr komplexen Versicherungsarten kann es hilfreich sein, sich an einen spezialisierten Berater zu wenden, etwa bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung oder privaten Krankenversicherung. Dieser Experte kann häufig konkretere Hinweise geben, die auf Ihre Situation angepasst sind. Allgemeingültige Angebote, die für jeden Kunden gleich gut sind, gibt es nicht.

Das Hauptgeschäft läuft über die Maklervollmacht

Damit Ihnen ein Insurtech neue Versicherungen anbieten darf, müssen Sie ihm ein Maklermandat erteilen. Wie bei anderen Maklern zahlen die Versicherungen den jungen Unternehmen eine Maklerprovision, auch Courtage genannt, damit sie sich um bestehende Kunden kümmern und neue Versicherungen verkaufen.

Viele Apps können Sie daher gar nicht nutzen, ohne direkt ein Maklermandat auszustellen. Mit der digitalen Unterschrift kündigen Sie Ihrem bisherigen Makler, falls Sie Ihre bestehenden Policen nicht direkt bei einer Versicherung abgeschlossen haben. Manche Fintechs stehen in Kritik, beim Abschluss nicht eindeutig genug auf diese langfristigen Folgen der Maklervollmacht hinzuweisen. Überlegen Sie sich vor der Registrierung gut, ob Sie dem Unternehmen eine Maklervollmacht für alle Versicherungen erteilen wollen, die Sie in die App einpflegen. Wir empfehlen einen Anbieter zu wählen, bei dem Sie Grundfunktionen der App auch ohne Mandat nutzen können.

Auskunftsvollmacht

Verwechseln Sie die Auskunftsvollmacht nicht mit der Maklervollmacht. Jedes Fintech benötigt mindestens eine Auskunftsvollmacht von Ihnen, damit es die notwendigen Vertragsunterlagen von den Versicherungen anfordern darf. Damit erlauben Sie dem Unternehmen noch nicht, die Verträge auch als Makler zu betreuen.

So wollen sich Fintechs von der Konkurrenz abheben

Fintechs versuchen, durch ihren Schwerpunkt auf digitale Technik vor allem jüngere Kunden für sich zu gewinnen. Aber auch mit einigen Neuerungen bei den Tarifen werben die Start-ups für sich. Wir haben einige der wichtigsten Eigenheiten aus der Fintech-Branche zusammengetragen, mit denen sich die Unternehmen von herkömmlichen Versicherern, aber auch von der digitalen Konkurrenz unterscheiden wollen:

Automatisierte Bearbeitung soll Zeit sparen

Ein verbreiteter Ansatz bei Fintechs ist es, viele Abläufe zu automatisieren. Das kann in einigen Fällen weniger Aufwand für den Kunden bedeuten, spart aber auch Personal bei dem Unternehmen. Nach eigenen Angaben verwendet beispielsweise Wefox intelligente Algorithmen und Chat-Bots, um den Versicherten weiterzuhelfen. Ein Kunde soll so in nur 60 Sekunden eine komplette Schadensbearbeitung erledigen können. Vorausgesetzt, er weiß genau, was er zu tun hat, und er braucht keine Beratung außerhalb des Fragenkatalogs.

Ein Teil der Provision geht an den Kunden

Normalerweise erfährt der Verbraucher nicht, was ein Versicherungsmakler bei Neuabschlüssen und bestehenden Verträgen an Provision von der Versicherung bekommt. Sowohl Clark als auch Moneymeets werben damit, einen Teil ihrer Einnahmen an den Versicherten weiterzugeben. Die sogenannte Courtage mit dem Kunden teilen zu dürfen, musste Moneymeets erst vor Gericht durchsetzen, da die Provision zuvor allein dem Makler zustand. Beide Unternehmen geben für die einzelnen Policen an, wie hoch ihre Provision ist.

Check24 als Fintech

Auch wenn Sie über Check24 eine Versicherung abschließen, erteilen Sie dem Vergleichsportal eine Maklervollmacht. Über die Check24-App können Sie Ihre Versicherungen verwalten. Die Besonderheit an der App ist, dass Sie sämtliche Vertragsarten organisieren können, die das Portal anbietet.

Weniger zahlen bei Schadenfreiheit

Um sich von den anderen Insurtechs abzuheben, lockt Friendsurance mit Rabatten, falls Kunden ihre Versicherung nicht beanspruchen. Der Ansatz: Eine gute Hausratversicherung mag für den Ernstfall vor einer finanziellen Katastrophe schützen, doch in der Zwischenzeit liegt sie oftmals jahrelang ungenutzt herum. Für jedes Jahr, dass ein Friendsurance-Kunde seine Versicherung nicht benötigt, gibt ihm das Start-up bis zu 40 Prozent der Jahresprämie zurück.

Das läuft über einen Community-Ansatz: Friendsurance schließt mehrere Versicherte zu einer Gruppe zusammen, in die ein Teil der Versicherungsbeiträge fließt. So zahlt das Fintech kleinere Schäden aus der Gemeinschaftskasse und erhöht bei der eigentlichen Versicherung die Selbstbeteiligung. Auch Friendsurance bekommt als Makler eine Provision, wenn Sie Ihre Versicherung von dem Insurtech verwalten lassen oder einen neuen Vertrag über die App abschließen.

Die Versicherung selbst wird digital

Nicht nur bei Versicherungsmaklern verbreiten sich Fintechs. Auch einige neue Versicherungen setzen auf einen digitalen Auftritt. Mit Ottonova können Kunden beispielsweise eine private Krankenversicherung abschließen, bei der alles elektronisch abläuft vom Kostenvoranschlag bis zur Abrechnung. Community Life bietet sowohl eine Risikolebensversicherung als auch eine Berufsunfähigkeitsversicherung an, die ausschließlich online verwaltet wird. Und bei haftpflichthelden.de können Verbraucher, wie zu erwarten, eine Haftpflichtversicherung übers Internet abschließen. Für die Autoversicherung gibt es Anbieter wie Friday und Nexible.

Fintechs als Versicherungsvermittler

Fintech   Maklermandat   Besonderheit
Allesmeins   erforderlich   Versicherungen und Finanzen
Asuro   optional    
Check24   optional   Alle Vertragsarten vom Check24-Portal
Clark   erforderlich   Teilerstattung der Provision
Feelix   optional   Versicherungen und Finanzprodukte
Friendsurance   erforderlich   Bonus bei Schadenfreiheit
Getsafe   erforderlich    
Knip   optional    
Moneymeets   erforderlich   Versicherungen und Finanzen, Teilerstattung der Provision
Simplr   erforderlich   Plattform für den Makler des Versicherten
Ted   erforderlich    
Treefin   erforderlich    
Wefox   optional   Versicherungen und Finanzen

Quelle: Finanztip-Recherche mit Material der Anbieter (Stand: 12. Dezember 2017)

Für den Verbraucher ist es recht unkompliziert, eine App runterzuladen und die eigenen Versicherungen zu digitalisieren. Sich einen Makler für die gesamten Versicherungen zu suchen, sollte dagegen ein gutüberlegter, langfristiger Entschluss sein. Da die meisten Fintechs kleinere Start-ups sind, fasst nicht jedes neugegründete Unternehmen dauerhaft Fuß. Da sich das Geschäftsmodell außerdem bei vielen Anbietern ähnelt, ist schwer einzuschätzen, welche Insurtech-Firmen Bestand haben werden.

Verbraucher können auch Finanzen digital verwalten

Neben reinen Versicherungs-App-Anbietern gibt es mit Moneymeets und Feelix Unternehmen, die zusätzlich die Geldanlagen ihrer Kunden verwalten. Auch bei den Finanzen überprüfen die Start-ups das Ersparte und empfehlen neue Anlagemöglichkeiten. Wie sinnvoll Fintechs für die Geldanlage sind, lesen Sie in unserem Artikel über Robo-Advisor.

Ganz auf die digitale Geldanlage und Kontoführung haben sich darüber hinaus einige Direktbanken konzentriert, die ohne Filialen auskommen. Einen besonderen Fokus setzt zum Beispiel die Bank N26, bei der Sie das Konto auch per Smartphone-App führen können.

Zusätzlich haben sich einige Fintechs auf einzelne Finanzprodukte spezialisiert. So können Verbraucher sich beispielsweise von fairr.de die Riester- oder Rürup-Rente verwalten lassen.

Weitere Tipps zur richtigen Versicherung

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Unser Rat

  • Vergleichen Sie Versicherungen immer selbst.
  • Nutzen Sie dazu die von uns in den jeweiligen Ratgebern empfohlenen Vergleichsportale.

» Zum Ratgeber

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Arne Düsterhöft

Finanztip-Volontär

Arne Düsterhöft ist Volontär in der Redaktion von Finanztip und unterstützt die unterschiedlichen Experten-Teams. Zuvor berichtete er über digitale Technologien und Telekommunikation in der Online-Redaktion von teltarif.de. Nach Auslandssemestern in Dublin und New York hat Arne Düsterhöft seinen Masterabschluss in Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin gemacht.