Flugänderung Pauschalreise

Bei verschobenem Flug Geld zurückfordern

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn sich Ihr Flug bei einer Pauschalreise verschiebt, haben Sie Anspruch auf eine Entschädigung von der Fluggesellschaft oder dem Reiseveranstalter.
  • Bis zu 600 Euro sind nach der EU-Fluggastrechtverordnung drin, sofern sich der Abflug um mehr als drei Stunden verspätet.
  • Bei einer Verschiebung von mehr als vier Stunden zu einer unzumutbaren Uhrzeit dürfen Sie die Reise kostenfrei stornieren.
  • Weigert sich das Flugunternehmen oder der Reiseveranstalter zu zahlen, können Sie sich kostenlos an eine Schlichtungsstelle wenden oder versuchen, vor Gericht Ihr Geld zu erstreiten.
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Sonne, Strand, Meer – wer den Urlaub im Warmen verbringen will, entscheidet sich oft für eine Pauschalreise: Flug, Transfer und Hotel regelt der Reiseveranstalter. Der Urlauber muss sich selbst um nichts mehr kümmern. Mehr als 40 Prozent aller Urlaubsreisen 2015 waren laut dem Deutschen Reiseverband Pauschalreisen.

Manchmal gibt es nach der Buchung aber böse Überraschungen: Im Nachhinein veränderte Flugzeiten trüben dann die Ferienfreude und führen zu Streitereien. Ein Urlauber hat dann die Möglichkeit, gegen den Reiseveranstalter vorzugehen, weil dieser seinen Part des Vertrags nicht ordentlich erfüllt. Der Reisende kann aber auch von der Fluggesellschaft Geld verlangen, wenn sie die Flugzeiten verlegt hat.

Mehr dazu im Ratgeber Pauschalreisen

Finanztip-Redaktion

So buchen Sie einen günstigen Urlaub

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  • Eine ähnliche Reise kann bei einem anderen Veranstalter billiger sein.
  • Oft ist es günstiger, sich die Reise selbst zusammenzustellen.

» Zum Ratgeber

Nur zumutbare Änderung der Flugzeiten erlaubt

Ein komplett bezahlter Urlaubstag kann verloren gehen, wenn zum Beispiel ein später Heimflug auf einmal morgens um neun Uhr stattfinden soll. Zwar steht auf der Buchung meist, dass die angegebenen Flugzeiten unverbindlich seien. Dennoch darf der Reiseveranstalter die Zeiten nur ändern, wenn sie dem Kunden zumutbar sind. Das haben das Landesgericht Hannover (Urteil vom 13. März 2012, Az. 18 O 79/11) und der Bundesgerichtshof entschieden (Urteil vom 16. September 2014, AZ. X ZR 1/14). Dabei spielt auch die Reisedauer eine Rolle: Bei einem 14-tägigen Strandurlaub müssen Reisende es eher hinnehmen, dass ihr Flug nach vorne verschoben wird als bei einem kurzen Städtetrip.

Rücktritt ist möglich

Wenn Ihre Flüge bei einer Pauschalreise vor Urlaubsbeginn verschoben wurden, können Sie von der Reise zurücktreten und das Geld zurückverlangen. Dazu muss die Verschiebung erheblich und zugleich unzumutbar sein. „Erheblich“ bedeutet, dass sich der Flug um mindestens vier Stunden verschiebt – egal, ob nach vorne oder hinten. Das alleine reicht aber nicht, denn nicht jede derartige Änderung ist automatisch „unzumutbar".

Zwei Beispiele dazu:

Verlegung von 16 Uhr auf 12 Uhr mittags - Das ist zwar erheblich, aber noch zumutbar, da Sie zwar früher am Flughafen sein müssen, aber zu einer vernünftigen Tageszeit.

Verlegung von 9 Uhr auf 5 Uhr morgens - Das ist erheblich und unzumutbar, da Sie mitten in der Nacht am Flughafen sein müssten.

Nur im zweiten Fall können Sie also von der Reise kostenfrei zurücktreten (§651e BGB). Ansonsten ist es zwar ebenfalls möglich, die Reise zu stornieren, dann fallen aber Stornierungsgebühren (§651i BGB) an.

Erfahren Sie erst im Urlaub, dass sich Ihre Rückflugzeit geändert hat, kontaktieren Sie die Reiseleitung vor Ort und versuchen Sie, den Flug umzubuchen.

Reisepreis mindern bei geänderter Flugzeiten

Lässt sich der Flug nicht umbuchen, sollten Sie sich innerhalb von vier Wochen nach der Reise mit dem Veranstalter in Verbindung setzen, um über eine Reisepreisminderung zu verhandeln. Die beträgt nach der sogenannten Frankfurt Tabelle 5 Prozent des Reisepreises, falls der Flug sich um mehr als vier Stunden verschiebt. Für jede weitere Stunde erhalten Sie weitere 5 Prozent des durchschnittlichen Tagespreises der Reise zurück.

Anspruch auf Ausgleichzahlung von der Airline

Ist die Airline verantwortlich dafür, dass sich der Flug verschoben hat, können Sie laut EU-Fluggastrechte Verordnung ((EG) 261/2004) bis zu 600 Euro als Entschädigung bekommen. Das hat der Bundesgerichtshof im Juni 2015 entschieden (Az. X ZR 59/14). Eine Flugverschiebung um mehrere Stunden kommt dabei einer Annullierung gleich, bei der Kunden ebenfalls Anspruch auf eine Entschädigung haben. Allerdings wurde in dem Fall kein Urteil gesprochen, da die Fluglinie nach der mündlichen Verhandlung die geforderte Ausgleichszahlung übernommen hat. Dennoch ist die Entscheidung wegweisend für Kunden, die sich in Zukunft ihr Geld zurückholen wollen. Die Entschädigung, die die Airline aufgrund der EU-Verordnung zahlen muss, ist im Zweifel sehr viel höher als das, was der Reiseveranstalter als Minderung nach der Frankfurter Tabelle zahlen muss.

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Schlichter anrufen oder klagen?

Ist der Reiseveranstalter nicht bereit, Sie finanziell zu entschädigen, bleiben Ihnen noch andere Möglichkeiten, wie Sie an Ihr Geld kommen können. Der bekannteste, wohl aber auch teuerste und arbeitsintensivste Weg ist der Gang zu einem Gericht. Ohne Rechtsschutzversicherung kann das unter Umständen extrem teuer werden, ohne dass Sie wissen, ob Sie am Ende Recht bekommt.

Eine Alternative dazu sind Schlichtungsstellen. Diese arbeiten für den Verbraucher immer kostenlos. Für Beschwerden gegen Flugunternehmen ist die Schlichtungsstellen öffentlicher Personenverkehr (SÖP) zuständig.

Richtet sich die Beschwerde allerdings gegen den Reiseveranstalter, ist die SöP nicht zuständig, sondern die neu geschaffene allgemeine Schlichtungsstelle. Diese kommt immer dann ins Spiel, wenn keine branchenspezifische Schlichtungsstelle existiert. Ein Nachteil bei den Schlichtungsstellen ist, dass die Unternehmen nicht verpflichtend an dem Schlichtungsverfahren teilnehmen müssen und auch das Ergebnis nicht verbindlich ist. Dann bleibt aber immer noch der Gang vor ein Gericht.

Sogenannte Fluggasthelfer-Portale fordern die Entschädigung in Ihrem Namen von der Fluggesellschaft zurück. Bei Erfolg behalten die Portale 25 bis 30 Prozent der Entschädigung ein. Damit die Helfer aktiv werden können, müssen Sie die Fluggesellschaft und nicht den Reiseveranstalter verklagen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Eric Brandmayer

Redakteur bei Finanztip (bis Januar 2017)

Eric Brandmayer hat bei Finanztip volontiert. Er kümmerte sich als Redakteur im Versicherungsteam vor allem um die Themen Hausrat und Haftpflicht. Während seines Bachelors in Journalismus und Public Relations arbeitete er als Werksstudent beim Deutschen Olympischen Sportbund in der Pressestelle. Praktische Erfahrungen sammelte er zuvor in verschiedenen Redaktionen, in der Versicherungsbranche sowie als Autor.