Ansprüche durchsetzen

Geld zurück bei Flugstornierung

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer einen Flug bucht, kann diesen vor Reisebeginn jederzeit kündigen.
  • Für jeden nicht angetretenen oder verpassten Flug kann der Kunde sämtliche Steuern und Flughafengebühren zurückverlangen.
  • Der Fluggast hat zusätzlich Anspruch auf Erstattung des Ticketpreises, wenn die Airline den Sitzplatz noch anderweitig vergeben konnte.
  • Die Fluggesellschaft darf kein pauschales Entgelt dafür verlangen, dass sie die Stornierung bearbeitet.

So gehen Sie vor

  • Stornieren Sie Ihren Flug so früh wie möglich.
  • Fordern Sie mit unserem Musterschreiben die Fluggesellschaft auf, Steuern und Gebühren zu erstatten.
  • Verlangen Sie die Abrechnung und Auskunft darüber, ob der Sitzplatz anderweitig vergeben wurde.
  • Weigert sich die Fluggesellschaft, die Abrechnung vorzulegen und zu zahlen, können Sie sich an das Unternehmen Fairplane wenden. Dieses Fluggastrechte-Portal fordert die Entschädigung in Ihrem Namen.
  • Sie können auch einen auf Reiserecht spezialisierten Anwalt beauftragen, der Ihre Forderung notfalls einklagt. Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, besteht kein Kostenrisiko.
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Der Flug ist schon lange gebucht, und dann kommt etwas Unvorhergesehenes dazwischen – Sie können den Flug nicht antreten. Sei es, weil Sie unerwartet krank geworden sind oder weil Sie den Flug schlicht verpasst haben. Dann bekommen Sie zumindest einen Teil des Flugpreises zurück. Es besteht sogar die Chance, die gesamten Ticketkosten erstattet zu bekommen, wenn die Fluggesellschaft nicht nachweist, wie hoch der Schaden tatsächlich ist, der durch die Stornierung entstanden ist. Dabei spielt es keine Rolle, warum Sie nicht geflogen sind.

Diese Rechte haben Sie gegenüber der Fluggesellschaft

Wer einen Flug bucht, schließt mit der Airline einen Werkvertrag und nicht etwa einen Reisevertrag nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) ab. Einen solchen Vertrag kann der Fluggast jederzeit kündigen (§ 649 BGB). Das Buchungsportal im Internet oder das Reisebüro ist nur Vermittler des Fluges und daher nicht der richtige Ansprechpartner für die Erstattung.

Ersparte Aufwendungen zurückfordern - Für jeden nicht angetretenen oder verpassten Flug kann der Fluggast sämtliche Steuern und Flughafengebühren sowie Teile des Flugpreises zurückverlangen. Diese können bis zu 100 Prozent des Ticketpreises betragen, selbst wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Fluggesellschaft vorsehen, dass dieser nicht erstattet wird, etwa bei nicht flexiblen Tarifen. Die Airlines sind nämlich verpflichtet, mindestens die Steuern und Flughafengebühren zurückzuzahlen, weil sie diese Abgaben erst abführen müssen, wenn der Passagier den Flug angetreten hat. Das sind Aufwendungen, die sich die Fluggesellschaft gespart hat (§ 649 Satz 2 BGB). Viele Unternehmen erstatten diese Kosten mittlerweile freiwillig. Hat die Airline den Sitzplatz noch anderweitig vergeben, muss sie sich diese Erlöse anrechnen lassen, da sie wirtschaftlich keinen Schaden erlitten hat. Sie ist sogar verpflichtet, den Ticketpreis zu ersetzen. Allerdings müssen Kunden oft hart um dieses Geld kämpfen.

Treibstoffzuschlag zurückverlangen – Viele Airlines erstatten die Kerosin- oder Treibstoffzuschläge nicht, wenn der Fluggast die Reise nicht antritt. Anders als die Steuern und die Flughafengebühr erhebt die Airline den Kerosinzuschlag nicht für Dritte. Die Zuschläge sind meist Preisbestandteile, wie es sich aus den jeweiligen Allgemeinen Geschäftsbedingungen ergeben. Trotzdem können Sie auch solche Zuschläge zurückverlangen, wenn Sie nicht fliegen. Schließlich verbrauchen Sie dann auch keinen Treibstoff.

Fluggesellschaft muss Beweis antreten - Die Airline muss nachweisen, ob und wenn ja zu welchem Preis sie die stornierten Flugtickets an Dritte weiterverkaufen konnte. Sie muss bis zu 95 Prozent des Ticketpreises erstatten, solange sie nicht belegen kann, dass der Platz leer geblieben ist oder sie weniger eingespart hat (§ 649 Satz 3 BGB). Legt die Fluggesellschaft überhaupt keine Abrechnung vor, muss sie den Ticketpreis komplett erstatten. Dann ist davon auszugehen, dass das Unternehmen nach der Stornierung das Flugticket weiterverkaufen konnte, urteilte das Landgericht Frankfurt (Urteil vom 6. Juni 2014, Az. 2-24 S 152/13, 24 S 152/13).

Stornobearbeitungsgebühr unzulässig - Viele Fluggesellschaften berechnen eine Gebühr dafür, dass sie das Storno bearbeiten. Das ist nach der Rechtsprechung allerdings grundsätzlich nicht zulässig. Denn es ist keine zusätzliche Leistung der Fluggesellschaft; vielmehr wälzt sie allgemeine Betriebskosten auf den Fluggast ab, der das Ticket nicht genutzt hat. Damit benachteiligt sie den Verbraucher unangemessen, der mit der Kündigung seine gesetzlichen Rechte wahrnimmt. So urteilte das Kammergericht Berlin zu den AGB von Air Berlin (Urteil vom 12. August 2014, Az. 5 U 2/12). Das Landgericht Köln erklärte die „Rückabwicklungspauschale“ von Germanwings für unzulässig (Urteil vom 28. Oktober 2010, Az. 31 O 76/10). Reagiert haben die Fluggesellschaften auf diese Urteile zumindest nach den derzeit gültigen Allgemeinen Geschäftsbedingungen offenbar nicht:

Stornogebühren bei Fluggesellschaften

Fluggesellschaft   Höhe der Stornogebühr     Bedingungen
Eurowings / Germanwings   75 € bei Kurz- und Mittelstrecke, 90 € bei Langstrecke     bei Stornierungen außerhalb der flexiblen Tarife
Air Berlin   25 €     bei nicht erstattbaren Tarifen

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 14. Juni 2016)

Verjährung in drei Jahren – Verbraucher können ihre Ansprüche auch rückwirkend für die vergangenen drei Jahre einfordern. Erst dann verjähren die Ansprüche. Wer zum Beispiel 2013 einen Flug gebucht, bezahlt und später dann storniert hat, kann noch bis zum 31. Dezember 2016 Geld zurückverlangen.

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Wie verhalten sich die Airlines?

Keine Airline erstattet von sich aus den Ticketpreis. Kunden müssen das Geld selbst zurückverlangen. Einige Airlines, etwa die Lufthansa, bieten die Möglichkeit, bis 24 Stunden vor Reisebeginn den Flug zu stornieren und gleich online die Erstattung zu beantragen.

Germanwings hat mittlerweile ein kompliziertes Antragsformular abgeschafft, das Kunden ausfüllen sollten – allerdings erst, nachdem der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) vor dem Landgericht Köln erfolgreich dagegen geklagt hatte. (Urteil vom 28. Oktober 2010, Az. 31 O 76/10).

Sie sollten die Airline zunächst schriftlich auffordern, abzurechnen und zu zahlen. Setzen Sie dafür eine Frist. Sie können dazu unser Musterschreiben verwenden. Versenden Sie das Schreiben am besten als Einschreiben mit Rückschein, um einen Nachweis zu haben, dass es tatsächlich angekommen ist.

Wenn Sie eine Reiserücktrittsversicherung haben

Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt nur unter bestimmten Bedingungen, etwa wenn der Reisende oder ein naher Angehöriger erkrankt. Entscheidend sind die jeweiligen Versicherungsbedingungen, die sich von Versicherung zu Versicherung unterscheiden können. Stellt sich die Fluggesellschaft quer, erhalten Sie möglicherweise von der Versicherung relativ problemlos die Stornokosten ersetzt.

Fluggasthelfer fordern Ticketpreis stellvertretend zurück

Wenn Sie sich mit der Fluggesellschaft nicht herumschlagen wollen, können Sie auch das Unternehmen Fairplane damit beauftragen. Die kümmern sich nicht nur um Fluggastrechte, wenn der Flug verspätet ist. Sie wickeln auch Stornierungen ab. Sie versuchen außerdem, neben Steuern und Gebühren den gesamten Flugpreis zu erstreiten. Gelingt das, behalten sie allerdings eine Provision für ihre Dienste ein. Fairplane verlangt maximal 30 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer. 

Rechtsanwalt einschalten

Sie können Ihr Geld auch mithilfe eines Rechtsanwalts einfordern und notfalls vor Gericht einklagen. Wählen Sie dafür am besten einen Anwalt mit Schwerpunkt Reiserecht. Eine Rechtsschutzversicherung deckt die Kosten dafür normalerweise ab. Wenn Sie tatsächlich klagen müssen und den Prozess gewinnen, muss die Fluggesellschaft die Prozess- und Ihre Anwaltskosten übernehmen.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Britta Schön
von Finanztip,
Expertin für Recht

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.