Ansprüche durchsetzen

Geld zurück bei Flugstornierung

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer einen Flug bucht, kann diesen vor Reisebeginn jederzeit kündigen.
  • Für jeden nicht angetretenen oder verpassten Flug darf der Kunde sämtliche Steuern und Flughafengebühren zurückverlangen.
  • Der Fluggast hat zusätzlich Anspruch auf Erstattung des Ticketpreises, wenn die Airline den Sitzplatz noch anderweitig vergeben konnte.
  • Die Fluggesellschaft darf kein pauschales Entgelt dafür verlangen, dass sie die Stornierung bearbeitet. So sieht es der Bundesgerichtshof. Diese Rechtsprechung ist mit europäischem Recht vereinbar, urteilte der Europäische Gerichtshof am 6. Juli 2017 in einem Verfahren des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (VZBV) gegen Air Berlin (C-290/16).

So gehen Sie vor

  • Stornieren Sie Ihren Flug so früh wie möglich.
  • Fordern Sie mit unserem Musterschreiben die Fluggesellschaft auf, Steuern und Gebühren zu erstatten.
  • Verlangen Sie die Abrechnung und Auskunft darüber, ob der Sitzplatz anderweitig vergeben wurde.
  • Weigert sich die Fluggesellschaft, die Abrechnung vorzulegen und zu zahlen, können Sie sich an Ticketrefund wenden. Unter dieser Marke fordert das Fluggastrechte-Portal FP Passenger Services die Erstattung in Ihrem Namen ein.
  • Sie können auch einen auf Reiserecht spezialisierten Anwalt beauftragen, der Ihre Forderung notfalls einklagt. Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, besteht kein Kostenrisiko.
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Der Flug ist schon lange gebucht, und dann kommt etwas Unvorhergesehenes dazwischen – Sie können den Flug nicht antreten. Sei es, weil Sie unerwartet krank geworden sind oder weil Sie den Flug schlicht verpasst haben. Dann bekommen Sie zumindest einen Teil des Flugpreises zurück. Es besteht sogar die Chance, die gesamten Ticketkosten erstattet zu bekommen, wenn die Fluggesellschaft nicht nachweist, wie hoch der Schaden tatsächlich ist, der durch die Stornierung entstanden ist. Dabei spielt es keine Rolle, warum Sie nicht geflogen sind.

Diese Rechte haben Sie gegenüber der Fluggesellschaft

Wer einen Flug bucht, schließt mit der Airline einen sogenannten Flugbeförderungsvertrag. Dabei handelt es sich nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs (BGH) um einen Werkvertrag und nicht etwa einen Reisevertrag (Urteil vom 16. Februar 2016, Az. X ZR 97/14). Der Fluggast kann einen solchen Vertrag deshalb nach den gesetzlichen Regelungen zum Werkvertrag jederzeit kündigen (§ 649 BGB).

Einige Fluggesellschaften weisen den Fluggast allerdings darauf hin, dass das Kündigungsrecht durch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) ausgeschlossen sei. Das geht aber so einfach nicht. Die konkreten Regelungen zur Stornierung eines Fluges können den Fluggast durchaus unangemessen benachteiligen, wie das Amtsgericht Köln entschieden hat (Urteil vom 19. September 2016, Az. 142 C 222/16).

Das Buchungsportal im Internet oder das Reisebüro ist nur Vermittler des Fluges und daher nicht der richtige Ansprechpartner für die Erstattung. Für die Erstattung wenden Sie sich deshalb an die Fluggesellschaft.

Steuern und Flughafengebühren zurückfordern - Für jeden nicht angetretenen oder verpassten Flug kann der Fluggast sämtliche Steuern und Flughafengebühren zurückverlangen. Die Airlines sind nämlich verpflichtet, die Steuern und Flughafengebühren zurückzuzahlen, weil sie diese Abgaben erst abführen müssen, wenn der Passagier den Flug angetreten hat. Das sind Aufwendungen, die sich die Fluggesellschaft gespart hat (§ 649 Satz 2 BGB). Viele Unternehmen erstatten diese Kosten mittlerweile freiwillig. Bei der Angabe des Flugpreises muss die Airline diese Beträge gesondert ausweisen (EuGH, Urteil vom 6. Juli 2017, Rs. C-290/16). So wissen Sie genau, wieviel Sie zurückfordern können.

Treibstoffzuschlag zurückverlangen - Viele Airlines erstatten die Kerosin- oder Treibstoffzuschläge nicht, wenn der Fluggast die Reise nicht antritt. Anders als die Steuern und die Flughafengebühr erhebt die Airline den Kerosinzuschlag nicht für Dritte. Die Zuschläge sind meist Preisbestandteile, die sich aus den jeweiligen AGB ergeben. Trotzdem können Sie auch solche Zuschläge zurückverlangen, wenn Sie nicht fliegen. Schließlich verbrauchen Sie dann auch keinen Treibstoff.

Ticketpreis zurückfordern - In einigen Fällen können Fluggäste bis zu 95 Prozent des Ticketpreises erstattet verlangen, selbst wenn die AGB der Fluggesellschaft vorsehen, dass dieser nicht erstattet wird, etwa bei nicht flexiblen Tarifen. Hat die Airline den Sitzplatz noch anderweitig vergeben, muss sie sich diese Erlöse anrechnen lassen, da sie wirtschaftlich keinen Schaden erlitten hat. Allerdings müssen Kunden oft hart um dieses Geld kämpfen, da es noch keine Rechtsprechung des BGH dazu gibt.

Es kann sich aber für Sie lohnen, gerade wenn Sie Monate vor dem geplanten Abflug den Flug gekündigt haben. Das Amtsgericht Köln hat zum Beispiel eine Fluggesellschaft verurteilt, 95 Prozent des Ticketpreises zu erstatten. Dabei handelte es sich bei einem geplanten Familienflug nach Amerika immerhin um knapp 3.500 Euro (AG Köln, Urteil vom 19. September 2016, Az. 142 C 222/16). Anders hat das Landgericht Köln bei flexiblen Tarifen geurteilt: Sie lehnten eine Erstattung des Ticketpreises ab, weil die Airline mit dem Verbraucher individuell vereinbart habe, dass es bei Stornierung keinen Ersatz gebe (LG Köln, Urteil vom 14. März 2017, Az. 11 S 263/16). Klarheit wird es erst geben, wenn der BGH dazu entscheidet. 

Fluggesellschaft muss Beweis antreten - Die Airline muss nachweisen, ob und wenn ja zu welchem Preis sie die stornierten Flugtickets an Dritte weiterverkaufen konnte. Legt die Fluggesellschaft überhaupt keine Abrechnung vor, muss sie den Ticketpreis komplett erstatten. Dann ist davon auszugehen, dass das Unternehmen nach der Stornierung das Flugticket weiterverkaufen konnte, urteilte das Landgericht Frankfurt (Urteil vom 6. Juni 2014, Az. 2-24 S 152/13, 24 S 152/13).

Erklärt die Fluggesellschaft nur, der Flug sei nicht ausgebucht gewesen und legt dazu die Buchungszahlen beim Abflug vor, muss sie bis zu 95 Prozent des Ticketpreises erstatten (§ 649 Satz 3 BGB). Denn das reicht als Beweis nicht aus. Sie muss vielmehr darlegen, wie sich der Buchungsstand zwischen Stornierung und Flug entwickelt hat (AG Köln, Urteil vom 19. September 2016, Az. 142 C 222/16).

Stornobearbeitungsgebühr unzulässig - Viele Fluggesellschaften berechnen eine Gebühr dafür, dass sie das Storno bearbeiten. Das ist nach der Rechtsprechung allerdings nicht zulässig. Denn das ist keine zusätzliche Leistung der Fluggesellschaft; vielmehr wälzt sie allgemeine Betriebskosten auf den Fluggast ab, der das Ticket nicht genutzt hat. Damit benachteiligt sie den Verbraucher unangemessen, der mit der Kündigung seine gesetzlichen Rechte wahrnimmt. So urteilte das Kammergericht Berlin zu den AGB von Air Berlin (Urteil vom 12. August 2014, Az. 5 U 2/12).

Der BGH hält die Stornobearbeitungsgebühr ebenfalls für unzulässig (Beschluss vom 21. April 2016, Az. I ZR 220/14), legte den Fall aber dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor. Der hat geklärt, dass diese Auslegung nicht gegen europäisches Recht verstößt (Urteil vom 6. Juli 2017 Az. C-290/16). Das Verfahren geht jetzt nochmal zurück an die Richter nach Karlsruhe, die dann endgültig entscheiden und die Antwort des EuGH dabei berücksichtigen.

Wie uns eine Leserin mitteilte, erstattet Air Berlin die Gebühren auch nach dem Urteil nicht. Die Fluglinie verweist vielmehr darauf, dass der Bundesgerichtshof noch endgültig entscheiden müsse. Das ist grundsätzlich richtig, doch der BGH hat schon zuvor klar gesagt, dass er die Gebühren bei Air Berlin für unwirksam hält.

Das Landgericht Köln erklärte auch die „Rückabwicklungspauschale“ von Germanwings für unzulässig (Urteil vom 28. Oktober 2010, Az. 31 O 76/10).

Reagiert haben die Fluggesellschaften auf die Rechtsprechung zumindest nach den derzeit gültigen AGB nicht (Stand 5. Juli 2017). Doch nach dem Urteil des EuGH dürfen die Airlines diese unwirksamen Gebühren nun endgültig nicht mehr erheben:

Stornogebühren bei Fluggesellschaften

Fluggesellschaft   Höhe der Stornogebühr     Bedingungen
Eurowings / Germanwings   75 € bei Kurz- und Mittelstrecke, 90 € bei Langstrecke     bei Stornierungen außerhalb der flexiblen Tarife
Air Berlin   25 €     bei nicht erstattbaren Tarifen

Quelle: Finanztip-Recherche (Stand: 5. Juli 2017)

Verjährung in drei Jahren – Verbraucher können ihre Ansprüche auch rückwirkend für die vergangenen drei Jahre einfordern. Erst dann verjähren die Ansprüche. Wer zum Beispiel 2014 einen Flug gebucht, bezahlt und später dann storniert hat, kann noch bis zum 31. Dezember 2017 Geld zurückverlangen.

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Wie verhalten sich die Airlines?

Keine Airline erstattet von sich aus den Ticketpreis. Kunden müssen das Geld selbst zurückverlangen. Einige Airlines, etwa die Lufthansa, bieten die Möglichkeit, bis 24 Stunden vor Reisebeginn den Flug zu stornieren und gleich online die Erstattung zu beantragen.

Germanwings hat mittlerweile ein kompliziertes Antragsformular abgeschafft, das Kunden ausfüllen sollten – allerdings erst, nachdem der VZBV vor dem Landgericht Köln erfolgreich dagegen geklagt hatte (Urteil vom 28. Oktober 2010, Az. 31 O 76/10).

Sie sollten die Airline zunächst schriftlich auffordern, abzurechnen und zu zahlen. Setzen Sie dafür eine Frist. Sie können dazu unser Musterschreiben verwenden. Versenden Sie das Schreiben am besten als Einschreiben mit Rückschein, um einen Nachweis zu haben, dass es tatsächlich angekommen ist.

Wenn Sie eine Reiserücktrittsversicherung haben

Eine Reiserücktrittsversicherung zahlt nur unter bestimmten Bedingungen, etwa wenn der Reisende oder ein naher Angehöriger erkrankt. Entscheidend sind die jeweiligen Versicherungsbedingungen, die sich von Versicherung zu Versicherung unterscheiden können. Stellt sich die Fluggesellschaft quer, erhalten Sie möglicherweise von der Versicherung relativ problemlos die Stornokosten ersetzt.

Fluggasthelfer fordern Ticketpreis stellvertretend zurück

Wenn Sie sich mit der Fluggesellschaft nicht herumschlagen wollen, können Sie auch das Unternehmen FP Passenger Service damit beauftragen. Das ist ein sogenannter Prozessfinanzierer, der die Durchsetzung Ihrer Ansprüche finanziert. Dessen Mitarbeiter kümmern sich unter dem Markennamen Fairplane nicht nur um Fluggastrechte falls der Flug verspätet ist. Unter der Marke Ticketrefund wickeln sie auch Stornierungen ab.

Sie versuchen, neben Steuern und Gebühren den gesamten Flugpreis zu erstreiten. Gelingt das, behält Fairplane allerdings eine Provision von maximal 30 Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer, also 35,7 Prozent. Die durchschnittliche Erstattung liegt bei 370 Euro. Stornierungsfälle bei Ryanair, Easyjet und Swiss bearbeitet Ticketrefund nicht. Aufgrund der unsicheren Situation bei Air Berlin nimmt der Anbieter keine neuen Air Berlin-Fälle mehr zur Bearbeitung an. Warum wir diesen Anbieter empfehlen lesen Sie am Ende des Textes.

Ticketrefund von Fairplane
Rechtsdienstleister

  • jeder Fall wird von einem Rechtsanwalt bearbeitet
  • viel Erfahrung seit 2014
  • kein Kostenrisiko für Verbraucher
  • ordentliches Kündigungsrecht
  • erst ab Flugpreis von 200 € (300 € für Hin- und Rückflug)
  • pauschale Vergütung bei Erfolg, nicht mehr als 35,7 %

Rechtsanwalt einschalten

Sie können Ihr Geld auch mithilfe eines Rechtsanwalts einfordern und notfalls vor Gericht einklagen. Wählen Sie dafür am besten einen Anwalt mit Schwerpunkt Reiserecht. Eine Rechtsschutzversicherung deckt die Kosten dafür normalerweise ab. Wenn Sie tatsächlich klagen müssen und den Prozess gewinnen, muss die Fluggesellschaft die Prozess- und Ihre Anwaltskosten übernehmen.

Mehr dazu im Ratgeber Rechtsschutzversicherung

Julia Rieder
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Ein Rechtsstreit kann teuer werden

  • Rechtsschutz ist sinnvoll, aber kein Muss.
  • Viele Fälle, etwa rund um Hausbau oder Scheidung, sind nicht versichert.
  • Wir zeigen gute Tarife zu einem fairen Preis.

» Zum Ratgeber

So haben wir den Anbieter für Flugstorno-Erstattungen ausgewählt

Wir haben im Juli 2017 durch eine Google-Recherche zu den Begriffen „Flugstornierung“, „Geld zurück bei Flugstorno“ sowie „Kündigung Flug“ jeweils auf den ersten fünf Suchergebnis-Seiten zwei Anbieter gefunden: Ticketrefund und Claimflights. An beide haben wir einen umfangreichen Fragebogen geschickt. Wir haben darin unter anderem nach der Anzahl der bearbeiteten Fälle, nach gerichtlichen Erfolgen sowie den Kosten gefragt. Nur Ticketrefund antwortete uns.

Ticketrefund ermöglicht es Reisenden, ohne Kostenrisiko bis zu 95 Prozent des Flugpreises erstattet zu bekommen. Dafür erhält der Anbieter im Erfolgsfall eine pauschale Vergütung von bis zu 35,7 Prozent. Wir halten den Preis angesichts der komplexen, individuellen Rechtsfragen für angemessen und empfehlen den Dienstleister daher. Die Übernahme der Prozesskostenfinanzierung bei Flugstornierungen ist ein zusätzlicher Service für Fluggäste.

Der Anbieter hilft Passagieren außerdem unter der Marke Fairplane, bei Flugverspätungen und Flugausfällen ihre Rechte geltend zu machen. In diesem Zusammenhang empfehlen wir das Unternehmen bereits seit geraumer Zeit.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter [email protected].