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Finanzberechnungen:   Finanzmathematik  -  Finanzvergleiche     bei Finanztip.de

Die Kapitalwertmethode (Barwertmethode)

Die Kapitalwertmethode ist eine der wichtigsten Methoden der dynamischen Wirtschaftlichkeitsrechnung. Sie ist leicht zu verstehen und eignet sich gut zum Vergleich von Investitions- und Finanzierungsentscheidungen mit unregelmäßigem Zahlungsfluss. Aus Vereinfachungsgründen wird zwar zumeist nur der Begriff "Investition" verwendet; die Kapitalwertmethode kann jedoch für alle Berechnungen verwendet werden, in denen unterschiedlich hohe Zahlungen zu unterschiedlichen Zeitpunkten anfallen. Und dazu gehören auch privatgeschäftliche Transaktionen.

Für die Feststellung der Vorteilhaftigkeit von Investitionen werden alle Zahlungen auf einen gemeinsamen Zeitpunkt bezogen. Üblicherweise wird hierzu der Anfangszeitpunkt der Investition (Beginn des Planungszeitraumes) gewählt. Dieser Zeitpunkt wird Kalkulationszeitpunkt genannt. Die Abzinsung auf den Kalkulationszeitpunkt ergibt als Ergebnis der Berechnung den Kapitalwert der Investition. Unter dem Kapitalwert einer Investition ist die Summe der abgezinsten Zahlungen (Barwert der Einnahmen abzüglich Barwert der Ausgaben) innerhalb des festgelegten Zeitraumes zu verstehen.

Die Abzinsung erfolgt zu einem Zinssatz, der "Kalkulationszinsfuß" genannt wird. Der Kalkulationszinsfuß ist von jedem Anwender individuell festzulegen. Der Kalkulationszinsfuß sollte sehr sorgfältig gewählt werden, denn die Auswirkungen auf den Kapitalwert sind sehr groß. Insbesondere sollte die Investitionsberechnung mit verschiedenen Kalkulationszinssätzen durchgeführt werden, um die Auswirkungen für die Finanzentscheidung zu verdeutlichen.

Die Vorteilhaftigkeit einer Investition wird an der Höhe der Kapitalwerte gemessen. Beispiel: Beträgt der Kapitalwert einer Investition A EUR 40.000 und der Kapitalwert einer Alternativanlage EUR 25.000, so ist die Investition A um den Barwertunterschied von EUR 15.000 günstiger.

Im vorherigen Beispiel ergibt sich ein positiver Kapitalwert von EUR 15.000. Ein positiver Kapitalwert bedeutet, dass die Verzinsung der Investition oder Geldanlage höher ist als der Kalkulationszinsfuß. Damit wird folgende Regel verdeutlicht: Der Kapitalwert einer Investition zeigt an, ob die Investition - im Vergleich zur Alternativanlage - vorteilhaft ist oder nicht.

Besteht bei den zu vergleichenden Alternativen keine Gleichheit bezüglich Kapitaleinsatz und Berechnungszeitraum, so ist eine Vergleichbarkeit durch Berücksichtigung von Differenzinvestitionen herzustellen. Differenzinvestitionen sind zusätzlich in die Berechnung aufgenommene Zahlungsströme, um eine Vergleichbarkeit von Investitionen mit unterschiedlicher Laufzeit zu erreichen.

Im Renditerechner (Datenbank für Zahlungen) wird der Begriff "Anwenderdatensatz" auch als Synonym für den Begriff der Differenzinvestition benutzt. Der Begriff des Anwenderdatensatzes soll andeuten, dass der Programmanwender bei einer Finanzanalyse (z.B. Kapitalanlage oder Sachinvestition) neben den Daten einer Differenzinvestition weitere Daten explizit zur Beurteilung aufnehmen kann. Hierzu gehören zum Beispiel explizit eingeführte Finanzierungskosten oder Datensätze für Sensitivitätsanalysen.

Dies klingt zwar kompliziert; die praktische Anwendung ist jedoch sehr einfach. Sie wollen für einen Maschinen- oder Autokauf eine Leasingfinanzierung über 4 Jahre vergleichen mit der Alternative Bankkredit + Eigenkapital. Sie rechnen mit einem Nutzungszeitraum von 6 Jahren mit unterschiedlichen Restwerten. Das zu lösende Problem liegt darin, dass die zu vergleichenden Alternativen 2 verschiedene Zeiträume (4 und 6 Jahren) umfassen.

In diesem Fall würden Sie der Leasingfinanzierung einen Anwenderdatensatz (=Differenzinvestition) hinzufügen. Dieser Zusatz steht für die zusätzliche Geldanlage oder Geldaufnahme im 5. und 6. Jahr, weil die Leasingfinanzierung nach 4 Jahren ausläuft und der Vergleichszeitraum aber 6 Jahre umfasst. Aufgrund dieser Zusatzdaten, die Sie als Anwender nach Ihren Vorstellungen festlegen, wird die zeitliche Vergleichbarkeit mit der Alternative Bankkredit + Eigenkapital hergestellt. Durch Einfügen von (Anwender-)Zusatzdaten wird somit eine Vergleichbarkeit von Alternativen mit unterschiedlicher Laufzeit hergestellt.

Ist nur eine Investition zu untersuchen, so ist die Investition vorteilhaft, wenn ihr Kapitalwert größer oder zumindest gleich Null ist. Ist ihr Kapitalwert gleich oder nahe Null, so entspricht die Verzinsung der Investition dem Kalkulationszinsfuß. Bei einer reinen Finanzierungsuntersuchung bedeutet ein Kapitalwert gleich oder nahe Null, dass der Kalkulationszinsfuß der Effektivverzinsung der Finanzierung entspricht.

Von mehreren Investitionen ist diejenige am vorteilhaftesten, die den höchsten Kapitalwert aufweist. Eine absteigende Rangfolge nach der Höhe der Kapitalwerte spiegelt die Vorteilhaftigkeit wieder. Sind alle Kapitalwerte negativ, sollte - zumindest aus rechnerischen Gründen - überhaupt keine Investition durchgeführt werden, weil die alternative Anlagemöglichkeit (Anlage zum Kalkulationszinsfuß) günstiger ist.

Sonderfall Annuitätenmethode
Die Annuitätenmethode ist eine Variante der Kapitalwertmethode. Der Kapitalwert wird umgewandelt in eine Reihe gleich hoher Zahlungen (Annuitäten). Im Vergleich zur Kapitalwertmethode bietet die Annuitätenmethode keine zusätzlichen Erkenntnisse bei erhöhter Gefahr der Fehlinterpretation. Ihre praktische Bedeutung ist sehr gering, während die Kapitalwertmethode sehr verbreitet ist. Sie wird daher hier auch nur nachrichtlich erwähnt.

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