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Deutlich geringer ist die Aussagekraft von Investmentfondsratings. Leider werden von Finanzmedien derartige Übersichten sogar gern als Fondstests bezeichnet. Dabei darf nicht vergessen werden: Es handelt sich um Daten aus der Vergangenheit, die nach bestimmten Prinzipien für eine quantitative als auch qualitative Analyse der Investmentfonds herangezogen wurden. So weisen seriöse Fondsgesellschaften den Anleger auch darauf hin: Beispiel bei Fidelity: "Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse". Mehrere Studien besagen, dass viele Investmentfonds, die in der Vergangenheit gut "geratet" waren, in den nächsten Ratingperioden ihre gute Performance nicht wiederholen konnten. Hinzu kommt: Ganz selten gelingt es einem aktiven Fonds über einen längeren Zeitraum den Markt oder einen vergleichbaren Index zu schlagen.
Die Grundidee der Fondsratings lautet: Fonds, die in der Vergangenheit erfolgreich waren, versprechen auch in Zukunft gute Renditen. Fondsratings machen Fonds vergleichbar und ersparen Anlegern mühsame Analysearbeit. Die Grundidee ist zwar gut; die Praxis zeigt jedoch, dass die Fondsranglisten dem Anspruch nicht gerecht werden. Sie stören beim Blick auf das Wesentliche bei der Geldanlage. So geben Fondsratings den Lesern keine Antwort auf die Frage, welche Art von Investmentfonds für ihr Anlageziel am sinnvollsten ist. Statt dessen wird der Anleger mit diversen "Pseudo-Analysen" überhäuft. Als Beispiel dient hier die Pressemitteilung "OnVista bietet fünf Fonds-Ratings im Überblick" vom 17. Juli 2008.
Fondsanalysen durch Fondsrating-Agenturen als "Expertise"
Je mehr Analysetools eingesetzt werden, desto höher ist der Anlegerglaube an die "Scheinexpertise". Wenn die Ratingagentur dann noch die quantitativen Merkmale mit einer qualitativen Einschätzung "vermischt", wird der Irrglaube noch größer. So verzichten die meisten Agenturen auf eine qualitative Einschätzung, weil dies für die Anleger nicht nachvollziehbar ist und eine qualitative Beurteilung auch immer eine Meinungsäußerung beinhaltet, die subjektiv geprägt ist. Spätestens seit dem Beginn der Subprime-Krise im Juli 2007 hat auch die Reputation großer Rating-Agenturen wie Moody's, Fitch und Standard & Poor's stark gelitten. So trugen viele der Subprime-Pakete das Gütezeichen "AAA". Und spätestens mit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 und der anschließenden Notrettung großer Kreditinstitute wissen viele Anleger, Politiker und Banker, was das Gütezeichen von Rating-Agenturen in Wahrheit wert ist.
In einem Spiegel-Artikel (Mai 2009) wird genauer beschrieben, wie die Ratingagenturen zu einem erheblichen Teil die Finanzkrise verschuldet haben und wie als Akt der Selbstkatharsis als Folge Kapitalmarktpapiere übermäßig runtergestuft wurden.. Zitat: Das Grundübel liegt im Geschäftsmodell. Sie [Moody's, Fitch, Standard & Poor's] lassen sich ihre Ratings von genau jenen bezahlen, deren Papiere sie bewerten, also von den Emittenten von Anleihen und Finanzprodukten; und die haben ein hohes Interesse an Top-Noten. Die großen Drei sind sozusagen die Althippies unter den Oberlehrern, die von ihren Schülern mit Joints versorgt werden und ihnen dafür im Dauerrausch lauter Einsen geben. [...] Die schärfsten Kritiker fordern deshalb schon unübersehbare Warnschilder wie auf einer Zigarettenschachtel. Motto: "Achtung, dieses Rating wurde vom Herausgeber dieses Wertpapiers bezahlt.".
Ranking-Falle der Investmentfonds
Vergleichstabellen mit den Wertentwicklungen werden zum Beispiel vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) veröffentlicht und von vielen Zeitungen nachgedruckt. Die BVI-Tabellen sind sehr umfangreich und zeigen die Wertentwicklung, Jahres-Rendite, Volatilität und TER der Publikumsfonds für verschiedene Zeiträume. Die PDF-Datei zu Wertpapierfonds "wiegt" zum Beispiel knapp 5 MB und umfasst rund 150 Seiten.
Anleger richten sich häufig nach den Empfehlungen und kaufen die Hitlisten-Fonds in der Hoffnung, dass die Fondssieger auch weiterhin gut abschneiden werden. Doch häufig bringen die vermeintlichen Hitlisten-Fonds nicht nur weniger Ertrag als erhofft. Oft schneiden sie sogar deutlich schlechter ab als der Durchschnitt.
So laufen nach Studien besonders gute Fonds nur in bestimmten Börsenphasen besonders gut. Ob Baisse, Hausse oder Seitwärts-Bewegung: Eine Änderung der Börsenphase hat einen erheblichen Einfluss auf die Wertentwicklung des untersuchten Fonds.
"Kiss of Dead" - Der Todeskuss
Die gute Entwicklung eines Fonds in der Vergangenheit ist keinesfalls eine Gewähr für einen zukünftigen Anlageerfolg. Eine US-Studie mit dem Titel "Kiss of death" zeigte sogar, dass ein Top-Rating eher ein Indikator für eine schwache Wertentwicklung in der Zukunft ist. Die Spitzennote sei daher ein "Todeskuss" für einen Fonds (Quelle Sparkasse Saarbrücken). Der Todeskuss wird in erheblichem Maße verursacht durch den hohen Zufluss an Anlegerkapital, dass dem Investmentfonds nach seiner Bestnote zufließt. Das Fondsmanagement kann - auch wenn es ein glückliches Händchen in der Vergangenheit hatte - das frische Kapital nicht schnell erfolgreich anlegen. Besonders stark ist dieser Effekt, wenn die Anlagepolitik des Fonds auf Nischenmärkte ausgerichtet ist. Hier müsste nach den Studien eher ein Warnhinweis in den Fondslisten erfolgen.
Fazit: Wenn es um die Auswahl des passenden Aktienfonds geht, greifen viele Fondsanleger auf so genannte Fonds-Hitlisten zurück. Hierbei nehmen spezialisierte Rating-Agenturen die Leistungen der Fondsmanager unter die Lupe und geben den einzelnen Fonds je nach über- oder unterdurchschnittlicher Rendite entsprechende Bewertungen. Finanzmedien, Banken, Vermittler und Fondsgesellschaften empfehlen wegen des Werbeeffektes gern die Spitzenreiter derartiger Fondshitlisten.
Anleger sollten jedoch bedenken, dass Fondsratings höchstens eine Orientierungshilfe darstellen. Die Einstufungen beruhen auf Daten aus der Vergangenheit - und ob ein gut bewerteter Fonds seine Position auf der Gewinnerseite halten kann, ist immer zu einem nicht unerheblichen Teil auch Glückssache.
Ein weiteres Manko des Fonds-Ratings ist der Bezug der Wertentwicklung im Verhältnis zu anderen Fondsgesellschaften gleicher Kategorie. "Testsieger" dürfen sich mit Sternen schmücken, obwohl sie kräftige Verluste in der untersuchten Periode aufweisen. Sie waren halt die Besten im Untersuchungszeitraum, auch wenn der Anleger mit dem Sparbuch besser dran gewesen wäre. Wegen der Konzentration auf das Wesentliche ist für einen Fondsvergleich die BVI-Aufstellung nützlich. Was jedoch fehlt, ist die Darstellung der jeweiligen Börsenentwicklung in den Untersuchungszeiträumen.
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