Gaspreis

Auf welchen Teil vom Gaspreis Sie Einfluss nehmen können

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Gaspreis setzt sich aus drei Bestandteilen zusammen: den Beschaffungs- und Vertriebskosten des Anbieters, den Netzentgelten des Gasnetzbetreibers sowie Steuern und Abgaben.
  • Einfluss auf einen Teil des Gaspreises können Verbraucher durch einen Gasanbieter-Wechsel nehmen: indem sie zu einem Lieferanten mit geringeren Liefer- und Vertriebskosten und womöglich kleinerer Gewinnspanne gehen.
  • Auf die andere Hälfte des Gaspreises haben weder Versorger noch Verbraucher Einfluss: Er enthält die Kosten für den Gas-Transport und die staatlichen Steuern und Abgaben.
  • Die Kosten für Erdgas sind von 2013 bis 2016 stetig gesunken. Verbraucher zahlen heute im Schnitt weniger für ihre Gasrechnung als noch vor einigen Jahren.
  • Rund 85 Prozent des Erdgases benötigen Haushalte zum Heizen von Räumen. Die Verbrauchsmengen zum Kochen und Erwärmen von Wasser sind deutlich geringer.

So gehen Sie vor

  • Die Versorger geben sinkende Preise im Einkauf nicht zeitgleich an ihre Kunden weiter. Es lohnt sich daher, Gastarife regelmäßig zu vergleichen.
  • Haben Sie nicht bewusst Ihren aktuellen Lieferanten gewählt, stecken Sie vermutlich in der teuren Grundversorgung. Dort zahlen Sie deutlich mehr als nötig.
  • Bei der Suche nach einem passenden Tarif empfehlen wir Ihnen, mit unserem Finanztip-Gasrechner Preise zu vergleichen und gegebenenfalls den Gasanbieter zu wechseln.
  • Als Hauskäufer und beim Modernisieren der Heizungsanlage sollten Sie die Kosten der möglichen Energieträger im Blick haben. Neben Erdgas kommen Fernwärme, Elektro-Wärmepumpen, Heizöl, Holzpellets oder solarthermische Anlagen infrage.

Erdgas ist beim Heizen der vorherrschende Brennstoff: Fast jeder zweite Haushalt in Deutschland wärmt damit seine vier Wände auf. Rund 85 Prozent seines Gasverbrauchs benötigt ein Haushalt für die Heizung. Nur etwa 14 Prozent werden für Warmwasser gebraucht und lediglich 1 Prozent zum Kochen.

Wie viel Sie das Gas kostet, hängt davon ab, wie viel Sie verbrauchen. Aber auch die Region, in der Sie leben, spielt eine Rolle und ob Sie beim Grundversorger sind oder einen Sondervertrag haben.

Wenn Sie noch nie Ihren Gasanbieter gewechselt haben, dann lohnt es sich sehr wahrscheinlich einmal, die Preise verschiedener Unternehmen zu vergleichen. Haben Sie nicht bewusst Ihren aktuellen Tarif abgeschlossen, werden Sie automatischen vom teuren Grundversorger beliefert. Schon beim Wechsel Ihres Gasanbieters in einen Sondervertrag beim Grundversorger lässt sich daher fast immer Geld sparen. Noch mehr ist oft drin, wenn Sie zu einem anderen Anbieter gehen. Um die Preise zu vergleichen, empfehlen wir unseren Finanztip-Gasrechner.

Der Gaspreis in seinen Bestandteilen

Grundsätzlich setzt sich der Gaspreis aus drei Bestandteilen zusammen: den Beschaffungs- und Vertriebskosten des Anbieters, den Netzentgelten des Netzbetreibers sowie Steuern und Abgaben an den Staat.

Beschaffung und Vertrieb - Rund die Hälfte Ihrer Gaskosten geht an Ihren Gasanbieter. Dieser kauft das Gas auf dem Großmarkt ein, lagert es in Gasspeichern und gibt es an die Haushalte weiter. In der Regel arbeitet Ihr Gasanbieter mit anderen Unternehmen für Lieferung und Speicherung zusammen. Diese 50 Prozent bestimmen die Gewinnspanne der einzelner Anbieter. Es ist dieser Bestandteil des Gaspreises, bei dem Sie durch einen Anbieterwechsel sparen können.

Netzentgelt - Etwa ein Viertel der Gasrechnung gibt Ihr Anbieter an den Gasnetzbetreiber weiter. Im Prinzip handelt es sich um eine Gebühr, damit das Gas über das öffentliche Netz zu Ihnen strömen kann. Über das Netzentgelt zahlen Sie für den Transport des Erdgases.

Je Einzugsgebiet gibt es jeweils nur einen einzigen Netzbetreiber. Da er somit ein Monopol im regionalen Gasnetz besitzt, bestimmen die Regulierungsbehörden der Länder das Netzentgelt alle fünf Jahre neu. Es beinhaltet auch Kosten für Messung, Messstellenbetrieb und Abrechnung. Da die Wartung, der Ausbau und der Betrieb des Gasnetzes je nach Gebiet unterschiedlich viel kostet, zahlen Sie als Verbraucher je nach Region unterschiedlich viel für die Netznutzung.

Steuern und Abgaben - Das verbleibende Viertel des Gaspreises geht an den Staat. Einerseits werden 19 Prozent Mehrwertsteuer auf den Nettopreis aufgerechnet. Andererseits zahlen Sie bei jeder verbrauchten Kilowattstunde 0,55 Cent Erdgassteuer, ähnlich wie bei Kohle oder Heizöl. Diese Energiesteuer dient analog zur Stromsteuer dazu, umweltschonendes Verhalten zu fördern. Darüber hinaus bekommen die Kommunen eine Konzessionsabgabe, damit der Netzbetreiber den Boden der Gemeinden für das Gasnetz nutzen darf.

So viel kostet das Erdgas

Laut Bundesnetzagentur (BnetzA), die auch für das Gasnetz verantwortlich ist, verbraucht ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland rund 20.000 Kilowattstunden Erdgas im Jahr (2016). Bei dem Grundversorger werden dafür nach BnetzA im Durchschnitt etwa 117 Euro im Monat fällig. Nach einem Anbieterwechsel kostet die gleiche Menge mit 108 Euro monatlich fast 10 Euro weniger.

Die Höhe des Gaspreises auf dem Großmarkt ist seit 2013 stetig gefallen. Die kontinuierliche Preisentwicklung liegt auch daran, dass sich der Preis für Erdgas seit 2010 immer weniger an den Kosten für Heizöl orientiert – die sogenannte Ölpreisbindung gibt es nicht mehr. Die sinkenden Preise gaben die Energieunternehmen jedoch nur mit größerer Zeitverzögerung an die Kunden weiter. Erst 2016 sank auch für Verbraucher der durchschnittliche Gaspreis pro Kilowattstunde, wie die folgende Grafik zeigt.

Kostenverteilung nach Vertragsart

    Grundversorger   Sondervertrag
Beschaffung, Vertrieb   51,2 %   47,7 %
Netzentgelte   21,4 %   27,8 %
Steuern, Abgaben   27,4 %   24,5 %

Quelle: BNetzA (Stand: November 2016)

So entwickelt sich der Gaspreis

Wie es mit dem Gaspreis weitergeht, liegt stark an den einzelnen Anbietern und daran, wie sich der Großmarkt für Erdgas weiterentwickelt. Werden neue Fördertechnologien wie das umstrittene Fracking weiter vorangetrieben, prognostiziert beispielsweise die Weltbank, dass Höchststände wie 2013 in den nächsten zehn Jahren nicht wieder erreicht werden. Abgesehen vom Gasmarkt können sich aber natürlich auch Steuern und Abgaben oder die Netzentgelte in einer Region verändern.

Entwicklung bei Netzentgelten und Steuern
Die Netzentgelte werden alle fünf Jahre nach den bestehenden Kosten für das regionale Gasnetz berechnet. Da es im Gasnetz keine großen Veränderungen gab, blieb dieser Bestandteil über die Jahre relativ stabil. Je nachdem, welche Rolle dem Gas in der Energiewende noch zukommt, kann das Netz in den nächsten Jahren jedoch auch an Bedeutung gewinnen und der Netzausbau vorangetrieben werden.

Die Erdgassteuer ist seit 2003 unverändert. Die Mehrwertsteuer stieg zuletzt 2007 auf 19 Prozent. Doch das bedeutet nicht, dass sich bei den Steuern nichts ändern könnte. Es ist zum Beispiel denkbar, dass die sogenannte EEG-Umlage, die Verbraucher als zusätzliche Abgabe auf den Strompreis zahlen, ähnlich auch auf den Gaspreis angewendet wird. 

Entwicklung bei Beschaffung und Vertrieb
Mehr als die Hälfte des Gaspreises bestimmen die einzelnen Anbieter. Die Liefer-, Speicher- und Verwaltungskosten sowie die Gewinnspannen der einzelnen Anbieter gehören zum Betriebsgeheimnis. Allerdings ermittelt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) regelmäßig, wie viel das Erdgas an der deutschen Grenze kostet – also den durchschnittlichen Importpreis. Dieser ist heute wesentlich geringer als etwa noch im Jahr 2012, genauso wie auch der Erdgaspreis auf dem Großmarkt: Fast 50 Prozent weniger zahlten Gasanbieter 2016 im Einkauf. Das macht sich mittlerweile auch für den Endkunden auf der Gasrechnung bemerkbar.

Mehr dazu im Ratgeber Gasanbieterwechsel

Ines Rutschmann
von Finanztip, Expertin für Energie

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Artikel verfasst von

Arne Düsterhöft

Finanztip-Volontär

Arne Düsterhöft ist Volontär in der Redaktion von Finanztip und unterstützt die unterschiedlichen Experten-Teams. Zuvor berichtete er über digitale Technologien und Telekommunikation in der Online-Redaktion von teltarif.de. Nach Auslandssemestern in Dublin und New York hat Arne Düsterhöft seinen Masterabschluss in Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin gemacht.