Gesetzliche Rentenversicherung

Der wichtigste Baustein für die Altersvorsorge

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gesetzliche Rente ist für die meisten Menschen der wichtigste Baustein ihrer Altersvorsorge. Aus der Rente kommt heute im Schnitt 64 Prozent des Alterseinkommens.
  • Das Alter für den regulären Renteneintritt steigt derzeit schrittweise von 65 auf 67 Jahre.
  • Die heute in der gesetzlichen Rentenversicherung versicherten Beitragszahler finanzieren mit ihren Beiträgen die aktuellen Renten. Das nennt sich Umlageverfahren.
  • Beiträge und anrechenbare Zeiten werden in Entgeltpunkte umgerechnet. Ein Punkt entspricht dem Durchschnittsgehalt. So bauen Sie einen Anspruch auf die gesetzliche Rente auf.
  • Die Höhe der späteren Rente ist daher abhängig vom Einkommen. Wer früher in den Ruhestand geht, bekommt weniger Rente. Es ist politisch gewollt, dass das Rentenniveau schrittweise sinkt. Eine private Altersvorsorge wird daher immer wichtiger.
  • Wer freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rente einzahlt, kann seine zukünftige Rente erhöhen oder überhaupt einen Anspruch auf Rente aufbauen. Letzteres ist besonders interessant für Mütter, die automatisch mindestens zwölf Monate Rentenanspruch pro Kind erhalten.
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Die gesetzliche Rente ist für die meisten Deutschen der wichtigste Baustein zur Sicherung eines Einkommens im Alter. Im Jahr 2011 bestritten Rentner im Schnitt noch 64 Prozent ihres Einkommens mit der gesetzlichen Rente. Doch der Anteil wird immer geringer werden. Denn zum einen sinkt das Niveau der Rentenzahlungen im Verhältnis zum Gehalt, zum anderen haben mehr Menschen wegen Lücken im Lebenslauf einen geringeren Anspruch auf eine Rente.

Die Arbeitnehmer zahlen für die Rentner

Das System der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland beruht auf einem Umlageverfahren. Das bedeutet, dass die aktuelle Generation der Beitragszahler die Rente der aktuellen Rentnergeneration finanziert. Das eingezahlte Geld wird direkt umgelegt und ausgezahlt. Wer heute arbeitet, bekommt seine Rente später entsprechend durch die folgende Generation der Kinder und Enkelkinder finanziert.

Damit ein Bürger später selbst Anspruch auf eine Rente hat, sammelt er durch seine Beiträge auf einem Rentenkonto Punkte. Bei diesem Modell spricht man auch von einem Generationenvertrag.

Ein anderes Modell wäre das Kapitaldeckungsverfahren, wie es in der privaten Altersvorsorge angewandt wird. In solch einem System spart jeder für sich selbst Geld an. Die Beiträge werden beiseitegelegt und verzinst und bei Renteneintritt an den Beitragszahler zurückgezahlt.

Durch das Umlageverfahren ist die Entwicklung der Rente an die Entwicklung der Löhne gekoppelt. Steigt der durchschnittliche Lohn pro Kopf der jetzigen Arbeitnehmer, steigt auch die Rente der jetzigen Rentner. Stichtag für eine Anpassung ist immer der 1. Juli eines Jahres. Auch 2017 gibt es wieder eine Rentenanpassung.

Allerdings steigen Löhne und Renten nicht im Gleichschritt. In der Rentenformel, mit deren Hilfe die Höhe der Rente berechnet wird, findet sich ein Nachhaltigkeitsfaktor. Dieser trägt dem demografischen Wandel Rechnung: Weil der Anteil der jüngeren Bundesbürger abnimmt, gibt es immer weniger Beitragszahler, die einen Rentner finanzieren.

Um die Beitragszahler zu entlasten, fallen Rentenerhöhungen durch den Nachhaltigkeitsfaktor niedriger aus als die Lohnentwicklung. Dadurch sinkt mit den Jahren das Rentenniveau: von heute 48,2 Prozent des aktuellen Durchschnittslohns auf wahrscheinlich 44,6 Prozent im Jahr 2029. Für das Jahr 2045 rechnet das Bundessozialministerium sogar nur noch mit 41,6 Prozent. Eine Schutzklausel bewahrt allerdings die Renten davor, bei einer negativen Entwicklung der Gehälter unter den bisherigen Rentenwert zu sinken.

Tipp

So beantragen Sie Rente

Stellen Sie den Antrag spätestens drei Monate vor dem geplanten Beginn der Rente. Die notwendigen Formulare finden Sie bei der Deutschen Rentenversicherung. 

Wann die Rente beginnt

Es gibt verschiedene Regelungen, die es ermöglichen, früher oder später das Berufsleben zu beenden. Das Grundmodell ist die Regelaltersrente. Anspruch auf die Regelaltersrente haben alle, die mindestens fünf Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung Beiträge eingezahlt haben. Das nennt sich Mindestversicherungszeit oder Wartezeit.

Seit einigen Jahren steigt die Altersgrenze für den Renteneintritt schrittweise von 65 Jahren auf 67 Jahre. Wer im Jahr 1964 oder später geboren wurde, wird erst mit 67 Jahren in den Ruhestand gehen können, ohne dass seine Rente gekürzt wird. Im Jahr 2017 darf der Jahrgang 1952 im Alter von 65 Jahren und sechs Monaten Rente beantragen.

Übersicht zur Anhebung der Regelaltersgrenze

Geburtsjahr   Anhebung um Monate   auf Jahr   und Monat
1952   6   65   6
1953   7   65   7
1954   8   65   8
1955   9   65   9
1956   10   65   10
1957   11   65   11
1958   12   66   0
1959   14   66   2
1960   16   66   4
1961   18   66   6
1962   20   66   8
1963   22   66   10
1964   24   67   0

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juli 2016)

Wer 45 Jahre lang rentenversichert war, darf mit frühestens 63 Jahren vorzeitig in den Ruhestand gehen, ohne dass die Rente gekürzt wird. Das nennt sich Altersrente für besonders langjährig Versicherte. Auch dabei gibt es eine Übergangsregelung zur Anhebung der Altersgrenze. Für Jahrgänge ab 1964 ist die vorzeitige Rente erst mit 65 Jahren möglich.

Immer weniger Versicherte werden 45 Jahre Versicherungszeit erfüllen. Wer dennoch vor seiner Regelzeit Rente beantragen möchte, muss Abschläge auf die Auszahlungen hinnehmen. Jeder Monat vorzeitiger Ruhestand kostet 0,3 Prozent der monatlichen Rentenzahlung.

Ein Beispiel: Ein Mann, 1960 geboren, müsste laut Gesetz bis zum Alter von 66 Jahren und vier Monaten arbeiten, um abschlagsfrei in die Regelaltersrente zu gehen. Kommt er nicht auf 45 Beitragsjahre und möchte trotzdem mit 63 Jahren in Rente gehen, sinkt seine Rente, und zwar um 0,3 Prozent mal 40 (= 12 Prozent). Denn für eine abschlagsfreie Rente hätte er noch 40 Monate mehr arbeiten müssen.

Abschläge durch einen vorzeitigen Ruhestand können Sie mit zusätzlichen Beitragszahlungen ausgleichen. Bisher gilt dafür eine Altersgrenze von 55 Jahren. Durch das neue Gesetz der Flexi-Rente, dürfen ab dem 1. Juli 2017 bereits 50-Jährige Sonderzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung leisten, um Abschläge auszugleichen.

Die Deutsche Rentenversicherung hilft bei der Berechnung dieser Zahlungen. Sie bietet einen Rechner an, mit dem jeder Bürger verschiedene Varianten zum persönlichen Renteneintritt durchspielen kann.

Für schwerbehinderte Menschen liegt die Regelaltersgrenze derzeit bei 63 Jahren und wird schrittweise auf 65 Jahre steigen. Frühere Sonderregelungen zur Rente bei Arbeitslosigkeit wurden teilweise abgeschafft.

Flexibler in Rente: Zusätzliche Rentenansprüche

Nicht alle Menschen möchten vorzeitig in den Ruhestand, andere sind dagegen froh, früher den Arbeitsplatz zu verlassen und nur nebenbei etwas hinzuzuverdienen. Um diesen verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden, tritt 2017 das Flexirentengesetz schrittweise in Kraft. Es soll einen flexibleren Eintritt in die Rente erleichtern: entweder früher oder später als die Regelaltersgrenze, jeweils mit leichteren Möglichkeiten, weiterhin Geld zu verdienen.

Wie bisher ist es weiterhin möglich, den Renteneintritt zu verschieben. Jeder Monat nach Eintritt der Regelaltersgrenze, in dem Sie nicht die Rente beantragen, steigert die Auszahlung um einen Zuschlag von 0,5 Prozent. Wer weiter arbeitet, erhöht die Rente zusätzlich, weil er weiterhin in die Rentenkasse einzahlt.

Wer in Rente ist, darf auch Geld hinzuverdienen. Wie viel, hängt aber davon ab, um welche Rente es sich genau handelt.

Wer regulär in Rente geht, durfte bereits früher unbegrenzt hinzuverdienen; der Rentenanspruch hat sich dadurch aber nicht erhöht. Durch die Flexirente gilt seit Januar aber, dass der Arbeitnehmer weiterhin Beiträge in die Rentenversicherung einzahlen kann. Dadurch steigt der Rentenanspruch einmal pro Jahr.

Wer vorzeitig in Rente geht, darf nur begrenzt zusätzlich verdienen. Die genaue Berechnung von Höhe und Kürzungen ändert sich ab Juli 2017 durch Inkrafttreten des Gesetzes.

Eine weitere Möglichkeit ist die Teilrente. Dabei nehmen Sie nur einen Teil der Ihnen zustehenden Rente in Anspruch. Gleichzeitig dürfen Sie aber Geld hinzuverdienen, auch beim bisherigen Arbeitgeber. Wie hoch der Hinzuverdienst sein darf, richtet sich bisher nach dem Gehalt der letzten drei Jahre und dem Anteil der Rente. Für einen anfänglichen Verzicht auf einen Teil der Rente erhalten Sie später einen Zuschlag. Durch das Weiterarbeiten erhöht sich die Rente zusätzlich. Auch hier ändert das Gesetz der Flexi-Rente die genaue Berechnung der maximalen Hinzuverdienstgrenze.

Achtung

Steuerpflichtige Rentner

Im Juli 2017 steigen die Renten im Westen um 1,9 Prozent, im Osten um 3,6 Prozent. Dadurch werden viele Rentner zum ersten Mal steuerpflichtig.

So berechnet sich die Rente

Im Umlageverfahren werden eingezahlte Beiträge gleich wieder an die aktuellen Rentner ausgezahlt. Dadurch gibt es kein individuelles Konto für jeden Versicherten, auf dem seine zukünftige Rente zurückgelegt und angespart wird. Stattdessen sammelt ein Beitragszahler Ansprüche in Form von Entgeltpunkten, die sich an der Höhe des Arbeitseinkommens orientieren.

Wer genau das jährliche Durchschnittseinkommen verdient, erreicht einen Entgeltpunkt. Im Jahr 2017 beträgt dieses Durchschnittseinkommen vorläufig 37.103 Euro. Wer zum Beispiel nur die Hälfte verdient, bekommt für dieses Jahr einen halben Entgeltpunkt gutgeschrieben, wer das Doppelte verdient, erhält zwei Punkte. Einem Entgeltpunkt ist ein Geldwert zugeordnet. Im Westen bringt seit Juli 2016 ein Punkt eine Rente von 30,45 Euro, im Osten 28,66 Euro. Im Juli 2017 steigt der Wert im Westen auf 31,03 Euro, im Osten auf 29,69 Euro.

Die Rentenversicherung rechnet dann zum Renteneintritt die Entgeltpunkte mit einer Formel in eine Rente um: monatliche Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor.

Mit dem Zugangsfaktor werden Auf- oder Abschläge berücksichtigt, die zum Beispiel durch einen verfrühten Start in den Ruhestand entstehen können. Der Rentenartfaktor berücksichtigt verschiedene Höhen der Rentenarten. Zum Beispiel beträgt eine Zahlung bei teilweiser Erwerbsminderung nur die Hälfte einer vollen Rente.

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Achtung

Krankenkassenbeitrag

Auf die gesetzliche Rente müssen Sie Beiträge zur Krankenversicherung der Rentner zahlen oder sich freiwillig gesetzlich versichern. Rentner haben in der privaten Krankenversicherung ein Recht auf Beihilfe. Auch für die Pflegeversicherung fallen weiterhin Beiträge an.

So hoch ist der Beitrag

Sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer zahlen einen Teil ihres Einkommens in die Rentenversicherung ein. Der Pflichtbeitrag liegt bei 18,7 Prozent, der jeweils zur Hälfte vom Arbeitnehmer und vom Arbeitgeber bezahlt wird. Es wird nur Einkommen bis zur Beitragsbemessungsgrenze herangezogen. Diese liegt 2017 im Westen bei 6.350 Euro monatlich, im Osten bei 5.700 Euro (76.200 Euro bzw. 68.400 Euro pro Jahr). Wer mehr verdient, muss auf das Einkommen über der Grenze keinen Beitrag zahlen.

Auch Selbständige, vor allem Handwerker oder Hebammen, können Pflichtmitglieder in der Rentenversicherung sein. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, als Selbständiger freiwillig Beiträge zu zahlen. Selbständige müssen ihren Beitrag komplett alleine tragen, außer sie sind Mitglied in der Künstlersozialversicherung. Denn diese übernimmt den Arbeitgeberanteil.

Für welche Tätigkeiten es sonst noch Rente gibt

Durch einige Sonderregelungen zählen auch Zeiten ohne eigene oder mit reduzierten Beiträgen zur Mindestversicherungszeit für die Rente dazu. Pflichtversichert sind:

  • Mütter oder Väter während der Kindererziehungszeit. Für Kinder, die ab dem 1. Januar 1992 geboren wurden, wird einem Elternteil drei Jahre lang jeweils etwa ein Entgeltpunkt zugeschrieben. Für Kinder vor 1992 gibt es zwei Jahre Kindererziehungszeit (Mütterrente). Den zusätzlichen Rentenanspruch gibt es auch, wenn der Elternteil nebenbei arbeitet. Allerdings wird der Anspruch nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze angerechnet.
  • Pflegende Angehörige. Die Pflegekasse zahlt für sie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung. Die Höhe ist abhängig vom Pflegeaufwand und wird individuell berechnet.
  • Menschen mit Behinderung.
  • Wehrdienstleistende oder Menschen im Bundesfreiwilligendienst.
  • Empfänger von Krankengeld, Arbeitslosengeld I oder anderen Unterhaltsersatzleistungen.
  • Teilweise auch Studenten mit Nebenjob.

Für einen Minijob fallen außerdem Beiträge in Höhe von 15 Prozent an, die der Arbeitgeber bezahlt. Minijobber können diesen Beitrag selbst noch um 3,7 Prozent aufstocken. Bei einem sogenannten Midijob zahlt der Arbeitgeber einen Anteil von 9,35 Prozent, während für den Arbeitnehmer ein reduzierter Beitrag anfällt, der sich je nach Höhe des Einkommens berechnet. Auch Midijobber können auf den vollen Beitrag aufstocken und so höhere Rentenansprüche erwerben.

Freiwillige Rentenbeiträge zahlen

Mit freiwilligen Beiträgen lässt sich entweder die zukünftige Rente erhöhen oder überhaupt ein Anspruch auf Rente aufbauen.

Grundsätzlich kann jeder Bürger freiwillig Beiträge in die Deutsche Rentenversicherung einzahlen. Es braucht nur eine Anmeldung beim zuständigen Rentenversicherungsträger mit der Angabe, ab wann Beiträge in welcher Höhe gezahlt werden sollen. Die Rentenversicherung berät beim Antrag. Besonders lohnt sich das, wenn sich durch wenige zusätzliche Zahlungen die Wartezeit erfüllen lässt.

Ein Beispiel: Eine Mutter, die vor 1992 zwei Kinder zur Welt gebracht hat, hat insgesamt 24 Monate Beitragszeit erworben. Für die Mindestversicherungszeit zur Regelaltersgrenze fehlen ihr weitere 12 Monate. Zahlt sie diese freiwillig nach, erwirbt sie einen Anspruch auf eine gesetzliche Rente, ohne jemals sozialversicherungspflichtig beschäftigt gewesen zu sein. Für Kinder, die nach 1992 geboren wurden, gibt es automatisch drei Jahre Kindererziehungszeit.

Wer sich freiwillig rentenversichert, kann die Höhe und die Zahl der Beiträge selbst bestimmen. 2017 müssen die Beiträge mindestens 84,15 Euro und dürfen höchstens 1.187,45 Euro pro Monat betragen. In den meisten Fällen können Beiträge für ein Jahr noch bis zum 31. März des Folgejahres nachgezahlt werden. In wenigen Ausnahmen, etwa wie im obigen Beispiel der Mutter, sind freiwillige Beiträge aber auch noch viele Jahre später möglich.

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juni 2016)

Jährliche Renteninformation

Versicherte, die mindestens 27 Jahre alt sind und die Mindestversicherungszeit erfüllt haben, erhalten jedes Jahr eine Renteninformation. Darin berechnet die Deutsche Rentenversicherung für verschiedene Szenarien die Höhe der Rentenzahlung. Zum einen finden Versicherte dort die Höhe ihrer vollen Erwerbsminderungsrente und die Höhe ihrer Regelaltersrente, die sie mit ihren bisher gesammelten Ansprüchen erreichen würden. Zusätzlich zeigt die Renteninformation, wie sich ihr Rentenanspruch entwickelt, sofern sie den Durchschnittsverdienst der vergangenen fünf Jahre beibehalten.

Eine Hochrechnung zur Rentenhöhe zeigt exemplarisch, wie die Rente ausfällt, sollte das Rentenniveau jährlich um 1 oder 2 Prozent angepasst werden. Falls Sie die Rechnung nicht erhalten, können Sie sie unkompliziert auf der Website der Versicherung anfordern. 

Besonders in den ersten Jahren nach dem Berufseinstieg sind die Berechnungen der Rentenversicherung zur Altersrente kaum aussagekräftig. Denn die Rechnung stützt sich auf die vergangenen fünf Jahre. Dort fließen dann möglicherweise noch Beitragszahlungen aus dem Studentenjob in die Berechnung ein. Die prognostizierte Altersrente nach fünf vollen Berufsjahren sollte aber deutlich höher ausfallen.

Die gesetzliche Rente allein reicht nicht

Rentenzugang 2015

  Männer Frauen
Ost 973 Euro 860 Euro
West 1014 Euro 583 Euro

(nach Abzug des Beitrags zur Krankenversicherung/Pflegeversicherung der Rentner)
Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juli 2016)

Das Rentenniveau beträgt 2017 nur noch 48,2 Prozent. Dieser Wert ist eine Modellrechnung. Er stellt dar, wie hoch das Rentenniveau eines Rentners wäre, der 45 Jahre lang das jeweilige Durchschnittseinkommen verdient hat. Für diesen Ruheständler betrüge die Rente aktuell brutto 1.396 Euro pro Monat. Doch in Zukunft soll das Rentenniveau sinken, um die Beitragszahler zu entlasten.

Der Plan der Bundesregierung: 2030 soll das Rentenniveau bei etwa 43 Prozent liegen. Im Vergleich zu früher bekommen künftige Rentner für ihre gezahlten Beiträge also immer weniger Rente.

Bereits heute dürfte für viele Menschen ihre gesetzliche Rente alleine nicht ausreichen, um den Lebensbedarf zu decken. Rentner, die 2015 in den Ruhestand gingen, erhielten durchschnittlich meist weniger als 1.000 Euro im Monat.

Eine private Altersvorsorge ist demnach notwendig, um die Vorsorgelücke zu schließen. Der Staat fördert Riester-Verträge und die betriebliche Altersvorsorge. Außerdem gibt es Möglichkeiten, flexibel ohne Förderung fürs Alter vorzusorgen.

Weitere Tipps im Ratgeber Altersvorsorge

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

So können Sie fürs Alter vorsorgen

  • Zur Basisversorgung zählen die Gesetzliche Rentenversicherung und Rürup-Verträge
  • Gefördert sind Riester-Verträge oder betriebliche Altersvorsorge.
  • Die Lebensversicherung zählt zur ungeförderten Vorsorge.

» Zum Ratgeber

Aktuelle Diskussion um die gesetzliche Rente

Über die Zukunft der gesetzlichen Rente wird in der Politik viel gestritten – vor allem im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2017. Die Rente soll zum einen für zukünftige Generationen bezahlbar bleiben, andererseits aber auch vor Altersarmut schützen.

So fordert die SPD, das Rentenniveau auf dem heutigen Stand zu stabilisieren, gleichzeitig soll der Beitragssatz nicht über 22 Prozent steigen. Auch das Rentenalter wollen die Genossen nicht weiter anheben. Um Altersarmut vorzubeugen, soll es nach Willen der Sozialdemokraten eine Solidarrente für Geringverdiener geben. Wer mindestens 35 Jahre gearbeitet hat, würde eine Rente erhalten, die 10 Prozent über der Grundsicherung liegt. Die höheren Ausgaben sollen über Steuern finanziert werden. Außerdem plant die SPD, auch Selbstständige in die gesetzliche Rentenversicherung aufzunehmen.

In eine ähnliche Richtung gehen die Pläne der Grünen. Sie fordern eine Bürgerversicherung für die Rente; das heißt, dass zukünftig alle Berufsgruppen gesetzlich versichert werden sollen. Bei der Stabilisierung des Rentenniveaus und einer Garantierente oberhalb der Grundsicherung ist die Partei nah an den Forderungen der SPD. Für die private Altersvorsorge wollen die Grünen die sogenannte Deutschlandrente einführen. Es soll ein staatlich verwaltetes, einfaches und günstiges Produkt sein, mit dem jeder seine gesetzliche Rente ergänzen kann.

Die Linke wirbt für eine solidarische Mindestrente für alle und möchte das Rentenniveau dauerhaft auf 53 Prozent anheben. Wie Grüne und SPD will sie erreichen, dass auch Selbstständige in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen.

CDU und CSU wollen für den Wahlkampf keine konkreten Rentenpläne vorlegen.

Einige Forderungen der vergangenen Jahre hat der Gesetzgeber Anfang Juni 2017 mit sogenannten Betriebsrentenstärkungsgesetz verabschiedet: So sollen Riester-Rente und betriebliche Altersvorsoge nicht mehr komplett auf die Grundsicherung angerechnet werden. Wer im Laufe des Lebens für sein Alter vorgesorgt hat, soll so auch im Fall der Grundsicherung davon profitieren und etwas mehr übrig haben.

Auch beschlossen ist die Angleichung der Renten in Ost und West. Bisher unterscheidet sich der Rentenwert, also der Betrag, den ein Rentenpunkt in der Auszahlung wert ist. Bis 2025 soll dieser einheitlich werden. Für bisherige und baldige Ost-Rentner ist das positiv, ihre Renten werden höher ausfallen.

Für Arbeitnehmer im Osten bedeutet diese Angleichung aber möglicherweise eine Einbuße. Denn viele verdienen im Osten weniger als im Westen. Daher werden die Gehälter fiktiv hochgerechnet, wenn es um den fälligen Beitrag zur Rentenversicherung geht. Für weniger Gehalt bekommen Beschäftigte im Osten derzeit also noch mehr Anspruch auf Rentenpunkte. Doch auch diese Höherwertung entfällt künftig.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.