Freiwillige Rentenversicherung

Freiwillige Beiträge für die Rente können sich auszahlen

Das Wichtigste in Kürze

  • Es kann sinnvoll sein, freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzuzahlen. Deren Rendite ist derzeit konkurrenzfähig zu privaten Rentenversicherungen.
  • Selbstständige können durch freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einen Anspruch auf gesetzliche Rente im Alter erwerben.
  • Mütter oder Menschen, die nur kurz gearbeitet haben, können mit freiwilligen Beiträgen die Mindestversicherungszeit erfüllen und sich damit eine Rente sichern.
  • Früher in Ruhestand gehen, ohne weniger Rente zu bekommen, ist möglich durch Ausgleichszahlungen als Angestellter. Oder Sie erhöhen mit dieser Einzahlung Ihre Rente.
  • Freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung sind steuerlich absetzbar. Dafür muss die Altersrente voll versteuert werden, zusätzlich sind Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig.

Die gesetzliche Rentenversicherung ist plötzlich wieder attraktiv. Denn in Zeiten niedriger Zinsen bringen die steigenden Löhne eine höhere Rente – und damit eine bessere Rendite als andere sichere Produkte für die Altersvorsorge. Zukünftige Rentner können das für sich nutzen und freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Grundsätzlich muss man dabei drei Arten unterscheiden. Wenn Sie pflichtversichert sind, können Sie mit zusätzlichen Einzahlungen Abschläge bei einem früheren Rentenbeginn ausgleichen. Wer doch nicht in Frührente geht, sichert sich damit höhere Rentenansprüche. Sind Sie nicht pflichtversichert, dann können Sie freiwillige Beiträge zahlen, um später eine gesetzliche Rente zu bekommen. Wer sich auf Antrag pflichtversichert, erhält außerdem eine Erwerbsminderungsrente.

Freiwillige Beiträge lohnen sich besonders für Menschen, die damit ihre Mindestversicherungszeit erfüllen und dadurch überhaupt erst eine Rente bekommen. Dazu zählen Mütter, die durch ihre Kinder Punkte in der Rentenversicherung gesammelt haben. Für Selbstständige ist die freiwillige Versicherung eine Alternative zu Rürup.

Besonders attraktiv sind freiwillige Zahlungen aber für Menschen kurz vor Rentenbeginn. Mit ihrer heutigen Einzahlung sichern sie sich einen Anspruch auf Rente. Die Höhe der Ausgleichszahlung basiert auf den aktuell gültigen Berechnungsgrundlagen. In den nächsten Jahren werden die Renten wahrscheinlich erneut steigen, sofern die Wirtschaft weiter brummt. Wer erst später seine Ausgleichszahlung leistet, muss mit neuen Zahlen rechnen, die für ihn wahrscheinlich ungünstiger sein werden. Denn wenn die Rente höher ist, braucht man für seinen Ausgleich mehr Geld als heute.

Warum sich das Einzahlen lohnt

Lange Jahre galt die staatliche Absicherung für das Alter als nicht sonderlich rentabel. Selbstständige oder Freiberufler, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert waren, suchten ihr Heil woanders und setzten auf private Rentenversicherungen. Doch gerade ist alles anders: Die deutsche Wirtschaft ist stark und die Gehälter steigen. Damit legen auch die Renten zu. Die Deutsche Rentenversicherung gibt an, ihren Versicherten eine Rendite zwischen 2 und 3 Prozent zu bieten. Auch für noch junge Beitragszahler rechnet sie derzeit mit solchen Renditen.

Zusätzlich bietet die staatliche Absicherung Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente, Rehaleistungen und lebenslangen Schutz der Hinterbliebenen durch Witwen- oder Waisenrente. Durch das Umlageverfahren ist die gesetzliche Rente nicht abhängig von Zinsen am Kapitalmarkt – in der derzeitigen Niedrigzinsphase ist das ein Vorteil. Außerdem wird die Rentenhöhe regelmäßig an steigende Löhne angepasst, und im Gegensatz zu privaten Rentenversicherungen fallen keine Vertriebskosten und nur geringe Verwaltungskosten an. Die Beiträge lassen sich von der Steuer absetzen. Zwar ist die Rente später dann steuerpflichtig, in der Regel ist das Einkommen im Alter aber niedriger und damit auch die Steuerlast geringer.

Damit ist die gesetzliche Rentenversicherung konkurrenzfähig. Die meisten Anbieter garantieren einen Zins von 0,9 Prozent auf den Sparanteil. Das ist der Teil des Beitrags, der nach Abzug aller Kosten übrig bleibt. Mit Überschüssen, die die Versicherung erwirtschaftet, erhält jemand, der heute eine klassische private Rentenversicherung abschließt, im Mittel laut Analysehaus Assekurata eine laufende Verzinsung von 2,6 Prozent. Weil das nur ein Durchschnittswert ist, verzinsen sich einige Verträge derzeit schlechter.

Es gibt auch Rentenversicherungen, in die Sie einen einmaligen, hohen Betrag einzahlen. Die Rente beginnt gleich nach der Einzahlung und wird Sofortrente genannt. Eine Sofortrente hat durchschnittlich eine Rendite von gut 2,7 Prozent laut Assekurata. Die garantierte Verzinsung liegt auch hier bei 0,9 Prozent. Vergleicht man die Einzahlung in eine Sofortrente mit einer Ausgleichszahlung zur Frührente, schneidet die gesetzliche Rentenversicherung besser ab. 25.000 Euro Einmaleinlage bringen 102 Euro gesetzliche Rente pro Monat – dagegen garantiert die beste Sofortrente gut 82 Euro. Von der gesetzlichen Rente gehen allerdings noch gut 18 Prozent an Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung ab, netto bleiben dann gut 83 Euro übrig.

Nachteile der gesetzlichen Rentenversicherung

Die gesetzliche Rente ist von politischen Entscheidungen stärker abhängig als eine private Altersvorsorge. Zum Beispiel ist das Rentenalter gesetzlich vorgeschrieben und kann in den kommenden Jahren weiter steigen. Außerdem ist die gesetzliche Absicherung abhängig von der demografischen Entwicklung. Wenn weniger Beitragszahler für einen Rentner aufkommen, steigt die Rente automatisch weniger stark.

Während etwa bei einer privaten Lebens- oder Rentenversicherung nur der Ertragsanteil versteuert werden muss, ist ab einer bestimmten Höhe die gesamte gesetzliche Rente steuerpflichtig. Derzeit befinden wir uns allerdings noch in einer Übergangsphase: Der Anteil, welcher versteuert werden muss, wird schrittweise auf 100 Prozent angehoben. Zusätzlich fallen Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung an. Auf private Renten Beiträge entrichten müssen dagegen nur Rentner, die sich im Alter freiwillig gesetzlich krankenversichern.

Und noch ein Nachteil: Die gesetzliche Rentenversicherung ist weniger flexibel. Wurden Beiträge einmal eingezahlt, können sie in der Regel nicht mehr zurückgefordert werden. Eine private Rentenversicherung kann bei Geldnot dagegen verkauft oder – mit deutlichen Verlusten – gekündigt werden.

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Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

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So stark steigt die Rente

Wie hoch die Rente ausfällt, hängt maßgeblich davon ab, wie oft und wie viel der Versicherte einzahlt. Wer ein Jahr lang jeden Monat den aktuellen Mindestbeitrag von gut 84 Euro an die Rentenversicherung zahlt, bekommt dafür 4,43 Euro monatlich mehr Rente. Der Höchstbeitrag von fast 1.190 Euro bringt im Alter 62,54 Euro.

Selbstständige: Rentenanspruch aufbauen

Für Selbstständige gibt es verschiedene Wege, ein Anrecht auf Zahlungen der gesetzlichen Rentenversicherung zu erwerben.

Tipp

Beratung nutzen

Bei allen Fragen um die freiwillige Versicherung hilft die gesetzliche Rentenversicherung oder ein unabhängiger Rentenberater.

Freiwillig pflichtversichert
Selbstständige können sich freiwillig pflichtversichern. Das nennt man Versicherungspflicht auf Antrag. Innerhalb von fünf Jahren nach Beginn der Selbstständigkeit muss der Antrag gestellt werden. Wer 2017 den einheitlichen Regelbeitrag zahlt, überweist monatlich rund 556 Euro (West) oder 497 Euro (Ost). Es ist aber auch möglich, auf Wunsch einkommensabhängige Beiträge zu zahlen. Dafür müssen Sie Ihr Einkommen mit einem Einkommenssteuerbescheid nachweisen. In den alten Bundesländern ist ein Beitrag zwischen 84 und 1.066 Euro möglich. Im Osten sind es zwischen 84 und 1.187 Euro. Existenzgründer können in den ersten drei Jahren den halben Regelbeitrag zahlen.

Aber Achtung: Solange Sie selbstständig sind, lässt sich diese Entscheidung nicht rückgängig machen. Lassen Sie sich daher unbedingt bei der Deutschen Rentenversicherung beraten, ob eine Pflichtversicherung sinnvoll ist. Der Vorteil gegenüber freiwilligen Beiträgen ist, dass nach fünf Jahren Versicherungszeit neben dem Hinterbliebenenschutz auch Anspruch auf Erwerbsminderungsrente besteht. Wer sich auf Antrag pflichtversichert, ist außerdem bei einer Riester-Rente zulagenberechtigt.

Freiwillige Beiträge
Flexibler sind Selbstständige, die sich freiwillig rentenversichern. Sie können die Höhe ihres Beitrags selbst festlegen. Er darf im Monat maximal 1.187 Euro und mindestens 84 Euro betragen (Stand: 2017). Außerdem muss nicht regelmäßig gezahlt werden. Es sind bis zu zwölf Einzahlungen pro Jahr möglich – Anzahl und Höhe dürfen dabei variieren. Die Zahlungen können jederzeit beendet oder unterbrochen werden. Bis zum 31. März des Folgejahres ist es möglich, Beiträge nachzuzahlen.

Wie hoch später die Altersrente ausfällt, hängt von Höhe und Anzahl der gezahlten Beiträge ab. Wer sich freiwillig versichern möchte, muss nur das entsprechende Formular der Rentenversicherung ausfüllen. Berechtigt sind alle, die mindestens 16 Jahre alt sind und in Deutschland leben. Außerdem dürfen sich alle deutschen Staatsangehörigen freiwillig versichern, die im Ausland leben.

Wer Beiträge für mindestens fünf Jahre einzahlt, sichert sich einen Anspruch auf Altersrente und Hinterbliebenenschutz. Ältere Jahrgänge haben außerdem den Vorteil, dass sie gegen Erwerbsminderung versichert sind, sofern sie zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssen bereits vor 1984 mindestens fünf Jahre versichert gewesen sein und seit 1984 jeden Monat entweder eingezahlt oder anders versichert gewesen sein, zum Beispiel durch Erziehungszeiten.

Per Gesetz pflichtversichert
Für einige Selbstständige gilt eine Versicherungspflicht. Damit fallen diese Berufe unter die allgemeinen Regeln der gesetzlichen Rente. Dazu gehören unter anderem:

  • freiberufliche Lehrer und Erzieher,
  • Pflegeberufe, wie Ergotherapeuten, Podologen, Krankenpfleger oder Physiotherapeuten,
  • Hebammen,
  • Seelotsen, Küstenschiffer und Küstenfischer,
  • Künstler und Publizisten.

Handwerker sind auch pflichtversichert, sofern sie in die Handwerksrolle eingetragen und selbstständig sind. Die Versicherungspflicht gilt allerdings nur für 18 Jahre. Danach können sich Handwerker befreien lassen.

Nicht-Versicherte können sich Rente sichern

Wer nur kurz oder gar nicht in die Rentenversicherung eingezahlt hat, kann sich mit freiwilligen Beiträgen eine Rente im Alter sichern. Denn für Zahlungen aus der gesetzlichen Rente braucht es eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren.

Wer Kinder erzieht oder Angehörige pflegt, bekommt dafür Versicherungszeit angerechnet. Für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, rechnet die Rentenversicherung zwei Jahre an, für Kinder ab 1992 gibt es drei Jahre. Auch die Pflegezeit von Angehörigen zählt als Versicherungszeit.

Mütter oder Väter, die nach 1992 zwei Kinder bekommen und aufgezogen haben, erhalten alleine dadurch sechs Versicherungsjahre und erfüllen die Mindestversicherungszeit, bekommen also eine Rente. Wer zum Beispiel nur ein Kind hat und niemals in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, bekommt drei Jahre gutgeschrieben. Damit fehlen noch zwei für die Mindestversicherungszeit. Diese Lücke lässt sich mit freiwilligen Beiträgen auffüllen.

Angestellte können kurz vor der Rente noch einzahlen

Auch Angestellte, die während ihres Berufslebens pflichtversichert sind, können in einigen Fällen freiwillige Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Besonders lohnenswert ist es vor allem für ältere Versicherte, noch Geld in die Rentenversicherung zu stecken. Denn der Beitragssatz bleibt bis 2021 bei 18,7 Prozent, das Rentenniveau sinkt kaum. Für ihr eingezahltes Geld bekommen sie also am meisten raus.

Frührente ausgleichen
Versicherte, die früher in Rente gehen, als die Regelaltersgrenze vorsieht, bekommen weniger Rente. Jeder Monat kostet einen Abschlag von 0,3 Prozent. Wer früher aufhören möchte zu arbeiten, kann Sonderzahlungen leisten, um eine niedrigere Rente zu verhindern. Das ist aber nur bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze möglich. Derzeit sind Ausgleichszahlungen ab dem 55. Lebensjahr möglich. Die Altersgrenze sinkt am 1. Juli 2017 auf 50 Jahre durch das Inkrafttreten des Flexi-Rentengesetzes.

Wie hoch die Zahlung genau sein muss, steht in einer besonderen Rentenauskunft, die Versicherte bei der Rentenversicherung anfordern können. Es gilt: Je früher der Versicherte in Rente gehen möchte und je höher sein Gehalt ist, desto teurer wird der Ausgleich seiner Abschläge. Summen im hohen fünfstelligen Bereich können fällig werden.

Wer zum Beispiel eine monatliche Rente von 1.415 Euro erwartet und sich zwei Jahre früher zur Ruhe setzen möchte, muss einen Abschlag von 7,2 Prozent hinnehmen. Die monatliche Rente verringert sich um 102 Euro. Um das auszugleichen, müsste die Einzahlung 25.000 Euro betragen. Nach gut 20 Jahren Rente (ohne Rentenerhöhung) hat sich die Einzahlung gelohnt.

Sinnvoll ist das dementsprechend für jene, die Erben oder einen hohen Betrag aus der Lebensversicherung bekommen. Ob sich das finanziell am Ende lohnt, hängt davon ab, wie lange der Versicherte noch lebt. Bei einem frühen Tod hat zumindest die Witwe oder der Witwer eine höhere Rente.

Eine Stückelung der Zahlungen ist sinnvoll. Denn Beiträge zur Rentenversicherung können von der Steuer abgesetzt werden, aber nur bis zu einem gewissen Höchstbetrag pro Jahr. 2017 können 23.362 Euro abgesetzt werden, allerdings nur zu 84 Prozent.

Rente erhöhen
Eigentlich ist die sogenannte Höherversicherung seit einigen Jahren ausgeschlossen. Also das Erhöhen der Rente durch zusätzliche Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung. Doch Pflichtversicherte, die einen größeren Batzen Geld auf der hohen Kante liegen haben oder eine Auszahlung der Lebensversicherung bekommen, können über einen Umweg ihren Rentenanspruch erhöhen. Dafür müssen sie die Regelungen für den vorzeitigen Ruhestand in Anspruch nehmen.

Die Einzahlung verpflichtet allerdings nicht dazu, auch wirklich früher in den Ruhestand zu gehen. Jeder kann sich bis zur Rente noch entscheiden, doch bis zu Regelaltersgrenze weiterzuarbeiten. Ist dies der Fall, wirkt die eigentlich als Ausgleichszahlung gedachte Summe wie eine Erhöhung der gesetzlichen Rente. In dem obigen Beispiel steigt die Rente also um 102 Euro pro Monat.

Wer diese Regelung für sich in Anspruch nimmt, sollte allerdings bedenken: Die Rentenansprüche, die durch solche Sonderzahlungen entstehen, tragen in Zukunft immer weniger Beitragszahler. Die Last der Finanzierung dieser Rente trägt also die junge Generation.

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.