Bankvollmacht

So erteilen Sie eine Vollmacht für Ihr Girokonto

Das sollten Sie wissen

  • Mit einer Kontovollmacht gewähren Sie einer Vertrauensperson weitreichenden Zugang zu Ihren Bankgeschäften.
  • Sie können eine Vollmacht jederzeit widerrufen.
  • Eine Vollmacht kann entweder unbegrenzt (über den Tod hinaus) oder bei Eintritt gewisser Ereignisse wie Pflegebedürftigkeit oder Tod gelten.
  • Ehepartner sind nicht gesetzliche Vertreter des jeweils anderen. Für Sie bietet sich als Alternative zur Vollmacht die Eröffnung eines Gemeinschaftskontos an.
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Mithilfe einer Kontovollmacht für Ihr Girokonto können Sie Dritten Zugang zu fast allen Bankgeschäften und -transaktionen geben: Die Person Ihres Vertrauens kann über ein vorhandenes Guthaben verfügen, einen eingeräumten Dispositionskredit voll ausschöpfen oder auch mit Wertpapieren handeln. Der Bevollmächtigte kann außerdem Rechnungsabschlüsse und Kontoauszüge entgegennehmen und anerkennen. Die Vollmacht berechtigt jedoch nicht zur Eröffnung weiterer Konten, zum Abschluss oder zur Änderung von Kreditverträgen oder zur Beantragung von Kreditkarten.

Die kontoführende Bank ist verpflichtet, den Bevollmächtigten anhand eines gültigen Personalausweises oder Reisepasses zu identifizieren. Falls Sie Nutzer eines Onlinekontos sind, können Sie auch eine Vollmacht für die Konten bei der Direktbank erteilen, müssen dann aber zur Legitimation des Bevollmächtigten im Regelfall eine Kopie des Personalausweises mitschicken. Generell stellen Ihnen Banken Vordrucke für eine Vollmacht zur Verfügung. Wir empfehlen Ihnen, sich mit dem Kundenservice Ihrer Bank in Verbindung zu setzen und das Standardformular auszufüllen.

Die Standardvordrucke für eine Bankvollmacht sehen allerdings meist keine Einschränkungen auf bestimmte Konten vor. Falls Sie die Rechte des Bevollmächtigten eingrenzen möchten, können Sie eine formlose Vollmacht in eigenen Worten erstellen oder die Einschränkung in einer gesonderten Zusatzvereinbarung mit der Bank oder Sparkasse festlegen. Das sollten Sie tun, wenn Sie zwar eine Kontovollmacht für das Girokonto ausstellen wollen, aber nicht für das Wertpapierdepot. Wir haben für Sie hier einen Vordruck erstellt.

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Diese verschiedenen Vollmachten gibt es

Sie können in einer Vollmacht nicht nur verschiedene Rechte für den Bevollmächtigten festlegen, sondern auch bestimmen, für welche Zeiträume oder bei welchen speziellen Ereignissen die Vollmacht gelten soll.

Zeitlich unbeschränkt – Vollmacht über den Tod hinaus

Die Standardvollmacht von Ihrer Bank ist eine zeitlich unbeschränkte Vollmacht. Sie gilt über den Tod des Kontoinhabers hinaus. Das ist unter Familienangehörigen meist so gewollt, um praktische Probleme im Verkehr mit der Bank nach dem Tod des Kontoinhabers zu vermeiden. Die Vollmacht erlischt nämlich nicht automatisch mit dem Tod oder der Geschäftsunfähigkeit des Kontoinhabers gemäß § 672 BGB.

Stirbt der Kontoinhaber und besteht für niemanden eine Kontovollmacht, kann keine Überweisung erfolgen oder Bargeld ausgezahlt werden, bis ein Erbschein oder andere zweifelsfrei die Erbschaft nachweisende Dokumente vorgelegt werden (lesen Sie dazu: BGH, Urteil vom 08.10.2013, XI ZR 401/12). Sie sollten daher erwägen, ob Sie nicht zumindest für Ihr Girokonto einer vertrauensvollen Person eine Vollmacht erteilen. Sie kann schließlich jederzeit widerrufen werden. Mit dem Tod des Bevollmächtigten erlischt die Vollmacht hingegen laut § 673 BGB.

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Vollmacht für den Fall der Fürsorgebedürftigkeit

Eine bedingte Vollmacht können Sie auch für den Fall vergeben, dass Sie fürsorgebedürftig werden, zum Beispiel aus Altersgründen, aufgrund eines Unfalls oder wegen einer schweren Krankheit. Auch diese Art der Bankvollmacht kann nützlich sein, da ein solcher Fall sehr plötzlich eintreten kann und Sie dann möglicherweise keine Vollmacht mehr erteilen können.

Wie allerdings die Fürsorgebedürftigkeit nachgewiesen werden muss, ist von Bank zu Bank verschieden. Bei einigen Kreditinstituten müssen Sie ein ärztliches Attest vorzulegen. Eine Formulierung in der Vollmacht, die besagt, dass die Fürsorgebedürftigkeit dann vorliegt, wenn der Kontoinhaber selbst nicht mehr handeln kann, ist nicht praktikabel. Die Bank kann diese Voraussetzung nämlich nicht selbst überprüfen.  Zu unterscheiden ist die Bankvollmacht bei Fürsorgebedürftigkeit von der allgemeinen Vorsorgevollmacht. Die Bankvollmacht ist ausschließlich für Bankgeschäfte vorgesehen, die mit der Kontoführung in einem unmittelbaren Zusammenhang stehen.

Eine allgemeine Vorsorgevollmacht erstreckt sich dagegen nicht nur auf Bankgeschäfte, sondern kann auch Fragen der Gesundheit, des Wohnen oder behördliche und andere Angelegenheiten umfassen. Der Bevollmächtigte kann mit einer solchen Vollmacht handeln, ohne dass es weiterer gerichtlicher Maßnahmen wie der Bestellung eines Betreuers bedarf. Ein Muster für eine Vorsorgevollmacht hat das Bundesjustizministerium ins Netz gestellt.

Vollmacht für den Todesfall

Die Kontovollmacht kann auch so ausgestaltet werden, dass sie erst mit dem Tod des Kontoinhabers in Kraft tritt. Der Sinn und Zweck dieser Vollmacht ist letztlich die Aufteilung und Verwaltung der Hinterlassenschaft des Kontoinhabers.

Die Alternative für Paare - das Gemeinschaftskonto

Ehegatten oder Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sind nicht gesetzliche Vertreter des jeweils anderen und müssen sich gegenseitig bevollmächtigen, um füreinander Bankgeschäfte zu tätigen. Eine Alternative ist das Gemeinschaftskonto. Es lautet auf den Namen beider Ehepartner, und jeder von beiden kann einzeln über das Konto verfügen.

Beachten Sie jedoch, dass auf das gesamte Guthaben zugegriffen werden kann, wenn einer der beiden Eheleute Schulden hat. Ein positiver Nebeneffekt ist, dass sich bei Gemeinschaftskonten die gesetzliche Einlagensicherung auf 200.000 Euro verdoppelt.

Tipp

Dreikontenmodell

Da viele Banken – wie in unserem Ratgeber Girokonto beschrieben – das Girokonto komplett oder fast kostenfrei anbieten, ist für Eheleute oder Lebenspartner auch das Dreikontenmodell eine überlegenswerte Alternative: Es gibt ein gemeinsames Konto und zwei persönliche Konten. Von dem gemeinsamen Konto werden die üblichen Haushaltsausgaben und andere Lebenshaltungskosten bezahlt. So behalten Sie den Überblick, ohne sich über die jüngste Shoppingtour streiten zu müssen.

Mehr dazu im Ratgeber Girokonto

Josefine Lietzau
von Finanztip,
Expertin für Bankprodukte

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.

Dr. Manuel Kayl

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis August 2016)

Manuel Kayl war bei Finanztip für Geldanlagethemen zuständig. Der promovierte Physiker arbeitete als Anlagestratege und Risikomanager bei der niederländischen Versicherung a.s.r., nachdem er am Genfer Forschungszentrum Cern sowie am Nikhef und der Universität Amsterdam forschte. Er hat am 31. August 2016 Finanztip verlassen.