Zusatzbeitrag der Krankenkassen

Vergleichen und gesetzliche Krankenkasse wechseln

Das Wichtigste in Kürze

  • Der allgemeine Beitragssatz in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) liegt 2017 bei 14,6 Prozent. Zusätzlich erheben alle Kassen aber einen Zusatzbeitrag.
  • 2017 liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag bei 1,1 Prozent. Viele Krankenkassen haben ihren Beitrag zum Jahreswechsel angehoben. Einige Kassen erhöhen den Zusatzbeitrag aber erst im Laufe eines Jahres.
  • Als gesetzlich Versicherter haben Sie ein Sonderkündigungsrecht bis zum Ende des Monats, in dem der neue Zusatzbeitrag gilt. Wenn Sie zum Beispiel im Januar kündigen, können Sie zum 1. April wechseln.
  • In einem günstigen Fall können Sie durch einen Wechsel 22 bis 60 Euro im Monat sparen.
  • Wie Sie die für Sie beste Krankenkasse finden, erfahren Sie in unserem Ratgeber.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zum Thema gesetzliche Krankenversicherung immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Die großen Kassen

Die großen Krankenkassen Barmer und AOK Bayern erheben 2017 einen Gesamtbeitrag von 15,7%, die AOK Baden-Württemberg und die TK 15,6%. Die DAK verlangt 16,1%..

Seit der Einführung des Gesundheitsfonds 2007 sind die allgemeinen Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für alle Versicherten gleich. 2017 liegt der Beitrag bei 14,6 Prozent des Bruttoeinkommens. Die Hälfte davon zahlt der Arbeitgeber, die andere Hälfte trägt der Arbeitnehmer. Freiwillig versicherte Selbständige tragen den gesamten Beitrag alleine.

Die einzelnen Kassen können aber Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern verlangen. Diese zahlt der Versicherte allein, der Arbeitgeber beteiligt sich nicht daran. 2017 erheben zum ersten Mal sämtliche Kassen einen Zusatzbeitrag, da sie mit dem allgemeinen Beitragssatz nicht auskommen. Meist geschieht diese Umstellung zum Jahreswechsel. 2017 passte jede vierte Kasse ihren Zusatzbeitrag an.

Kassen verschleiern den Zusatzbeitrag

Die Briefe mit Beitragserhöhung sorgen bei vielen Versicherten für Unmut. Nicht nur ärgert die Erhöhung. Einige Krankenkassen versteckten in den vergangenen Jahren ihre gesetzlich vorgeschriebene Mitteilungsfrist auch hinter blumigen Worten. Eine Betriebskrankenkasse schrieb zum Beispiel von einem Vario-Beitrag. Trotz des eher positiven Klangs dieses Wortes verbarg sich dahinter aber die Anhebung des Zusatzbeitrags.

Im Durchschnitt verlangen die Kassen einen Gesamtbeitrag inklusive Zusatzbeitrag von 15,7 Prozent. Die meisten Kassen erheben also einen zusätzlichen Satz von 1,1 Prozent oder knapp darunter. Aber eben nicht alle. Einzelne Kassen weichen deutlich vom Durchschnitt ab und verlangen weniger. Durch einen Wechsel dorthin können Sie deutlich sparen – im Einzelfall bis zu 712 Euro im Jahr.

Beispiel: Ersparnis eines Arbeitnehmers durch einen Wechsel zu einer günstigen Krankenkasse

monatliches Bruttoeinkommen 4.350 €  
gesamter Beitragssatz Ihrer alten Krankenkasse 2017 15,7%  
gesamter Beitragssatz Ihrer neuen Krankenkasse 2017 15,19%  
     
Arbeitnehmer-Beitrag 2017 bei alter Krankenkasse 365 €  
Arbeitnehmer-Beitrag 2017 bei neuer Krankenkasse 343 €  
     
Ersparnis gegenüber alter Krankenkasse 2017    
pro Monat 22 €  
pro Jahr 264 €  
     

Quelle: Finanztip-Berechnung (Stand: 3. Januar 2017); alle Berechnungen ohne Beitrag zur gesetzlichen Pflegeversicherung.

Das Beispiel zeigt: Ab einem Monatsbruttoeinkommen von 4.350 Euro (entspricht der Beitragsbemessungsgrenze 2017) spart ein Angestellter bei einem Wechsel von einer Kasse, die 15,7 Prozent Gesamtbeitrag verlangt, zu einer, die wie die HKK nur 15,19 Prozent nimmt, 22 Euro im Monat oder 266 Euro im Jahr. Allerdings wird die tatsächliche Ersparnis durch die Steuer noch verringert.

Den Beitragssatz Ihrer aktuellen Kasse können Sie hier nachschauen.

Die neuen Zusatzbeiträge für die GKV werden bei Angestellten vom Bruttogehalt abgezogen. Bezieher von Arbeitslosengeld I und II zahlen keinen Zusatzbeitrag.

Hier berechnen Sie, wie viel Sie durch einen Kassenwechsel sparen

Wie Sie die Krankenkasse wechseln

Sobald die Krankenkasse den Zusatzbeitrag erhöht, hat jedes Mitglied ein Sonderkündigungsrecht. Die Kündigung muss bis zum Ende des Monats bei der Versicherung eingehen, in dem diese das erste Mal den erhöhten Beitrag haben möchte. Gültig wird die Kündigung erst zum Ende des übernächsten Monats. Wer also bis zum 31. Januar bei seiner bisherigen Kasse kündigt, kann zum 1. April in eine andere Krankenkasse wechseln.

Der Wechsel ist einfach: Sie faxen unser Musterschreiben an Ihre aktuelle Kasse, füllen den Mitgliedsantrag auf der Webseite einer Kasse Ihrer Wahl aus und reichen dort die Kündigungsbestätigung der alten Kasse nach. Die neue Kasse schickt daraufhin eine neue Versichertenkarte. Übrigens können Sie nicht aus Versehen aus der gesetzlichen Krankenversicherung herausfallen: Sollte der Wechsel aus irgendwelchen Gründen nicht klappen, zum Beispiel weil Sie vergessen haben, die Kündigungsbestätigung an die neue Kasse weiterzuleiten, bleiben Sie automatisch bei Ihrer alten Kasse versichert. Sie können dann immer noch Ihr normales Kündigungsrecht mit einer Kündigungsfrist von zwei Monaten zum Monatsende in Anspruch nehmen – sofern Sie bereits 18 Monate bei Ihrer alten Kasse waren.

Achtung: In den zwei Monaten nach der Kündigung müssen Sie noch den Zusatzbeitrag Ihrer alten Kasse bezahlen.

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Wohin am besten wechseln?

Bei der Wahl einer neuen Krankenkasse müssen Sie sich grundsätzlich überlegen, ob für Sie ein möglichst niedriger Beitrag oder bessere Service- und Zusatzleistungen im Vordergrund stehen. 

Weitere Tipps im Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Leistungen meist gleich

  • Kassen erheben unterschiedliche Zusatzbeiträge.
  • Achten Sie auf Zusatzleistungen und Erstattungen.
  • Sie dürfen die Krankenkasse jederzeit wechseln.

» Zum Ratgeber

Von uns empfohlene Anbieter:

Weiterer Anstieg erwartet

Auch in den kommenden Jahren werden die Krankenkassen den Zusatzbeitrag in der GKV wohl weiter anheben. So erwartete der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen für 2017 einen Anstieg um 0,3 Prozentpunkte. Der durchschnittliche Zusatzbeitrag, den alleine der Arbeitnehmer trägt, betrüge dann 1,4 Prozent. Durch eine Geldspritze aus dem Gesundheitsfonds verhinderte die Politik erstmal eine Preissteigerung. Doch auch die nächsten Jahre soll es teurer werden. Für 2019 rechnen die Krankenkassen mit einem Zusatzbeitrag von durchschnittlich 1,8 Prozent.

Schon diskutiert die Politik, auch die Arbeitgeber wieder am Zusatzbeitrag zu beteiligen, um die Kostenbelastung nicht alleine den Arbeitnehmern aufzubürden. Genauso werden andere Modelle der Krankenversicherung ins Spiel gebracht, die die Kosten des Systems senken sollen. Das prominenteste Beispiel ist die Bürgerversicherung, bei der alle – bisher gesetzlich oder privat versicherte – nun wieder in ein System einzahlen würden.

Prämien sind abgeschafft

Ein paar Krankenkassen haben 2014 noch an alle Mitglieder Prämien ausgeschüttet, manchmal auch Dividenden oder Beitragsrückerstattungen genannt. Seit 2015 gibt es diese Prämien nicht mehr. Stattdessen sollen die Krankenkassen niedrigere Zusatzbeiträge erheben.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.