Wahltarife in der GKV

Besser abgesichert in der gesetzlichen Krankenkasse

Das Wichtigste in Kürze

  • Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) bieten unterschiedlich viele Wahltarife an.
  • Einige Tarife sollen die Versorgung chronisch Kranker verbessern.
  • Andere Modelle ermöglichen Gesunden finanzielle Vergünstigungen.
  • Interessierte sollten in den Tarifbedingungen prüfen, ob für sie ein finanzielles Risiko entsteht.
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Gesetzliche Krankenkassen haben nur wenige Möglichkeiten, sich voneinander zu unterscheiden, denn 95 Prozent ihrer Leistungen sind vom Staat festgelegt. Im Rahmen der Gesundheitsreform im Jahr 2007 hat die Bundesregierung deshalb Wahltarife eingeführt, die den Versicherten spezielle Leistungen oder Beitragsermäßigungen ermöglichen. Sie sollen zusammen mit den unterschiedlichen Zusatzbeiträgen und -leistungen den Wettbewerb zwischen den gesetzlichen Kassen (GKV) ankurbeln.

Allerdings erfreuen sich die Wahltarife bisher nur geringer Beliebtheit. An Versorgungsprogrammen für chronisch Kranke nimmt knapp ein Sechstel der Versicherten teil. Die anderen Wahltarife nutzen insgesamt weniger als drei Prozent der GKV-Mitglieder.

Pflichtangebote der Kassen

Es gibt vier Wahltarife, die alle Krankenkassen anbieten müssen (§ 53 SGB V). Ob und wie die Teilnahme an dem Angebot belohnt wird, hängt aber von der jeweiligen Krankenkasse ab. Den Umfang des Tarifs und die Höhe der Prämien können Sie in der Satzung Ihrer Kasse nachlesen.

Folgende Optionen bieten alle Krankenkassen an:

Hausarztversorgung - Versicherte verpflichten sich für mindestens ein Jahr, bei Beschwerden immer zuerst ihren Hausarzt aufzusuchen und nicht ohne Überweisung zu Fachärzten zu gehen. Im Gegenzug kann die Versicherung ihnen Vergünstigungen wie Beitragserstattung oder geringere Zuzahlungen zu bestimmten Leistungen gewähren. Allerdings nehmen nicht alle Hausärzte an solchen Programmen teil.

Achtung

Es gibt Bindungsfristen

Für viele Wahltarife gilt eine Bindungsfrist von einem Jahr, in dem der Versicherte die Kasse nicht wechseln kann – es sei denn, diese erhöht den Zusatzbeitrag. Bei einigen Tarifen sind es sogar drei Jahre. Kündigt der Versicherte nicht zwei Wochen vor Ablauf der Bindungsfrist, verlängert sich der Tarif automatisch.

Krankengeld für Selbstständige - Gesetzlich versicherte Selbstständige bekommen von ihrer Kasse wie ein Arbeitnehmer Krankengeld, wenn sie statt des ermäßigten Beitrags von 14 Prozent plus Zusatzbeitrag den regulären Beitragssatz von 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag zahlen. Allerdings beginnt die Krankengeldzahlung erst ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit. Wer schon früher Unterstützung braucht, kann einen Wahltarif abschließen und sich so Krankengeld schon ab der zweiten oder dritten Krankheitswoche sichern. Dafür verlangen die Krankenkassen einen höheren Beitrag. Die Entscheidung für diese Option sollte jedoch wohl überlegt sein, denn an den Krankengeldtarif ist der Versicherte drei Jahre lang gebunden. Das Krankengeld ist außerdem der einzige Wahltarif, bei dem es kein Sonderkündigungsrecht gibt, falls der Zusatzbeitrag steigt. Alternativ kommt eventuell ein Krankentagegeld als private Zusatzversicherung infrage.

Integrierte Versorgung - Die Kassen bieten an, die Behandlung bestimmter Krankheiten über Netzwerke aus Haus- und Fachärzten, Kliniken und Reha-Einrichtungen zu koordinieren. So wollen sie Doppeluntersuchungen und lange Wartezeiten auf Termine bei Fachärzten für ihre Versicherten vermeiden. Diese sogenannte integrierte Versorgung bietet sich bei Herzerkrankungen, Knie- und Hüftgelenks-Ersatz oder Krebs an.

Strukturierte Behandlungsprogramme für chronisch Kranke - Wer an Diabetes mellitus, Herzerkrankungen, Brustkrebs, Asthma oder anderen chronischen Lungenerkrankungen leidet, kann sich für die Teilnahme an einem sogenannten Disease-Management-Programm (DMP) entscheiden. In diesen Programmen arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen zusammen und stimmen die Behandlungsschritte ab. So sollen chronisch Kranke besser und koordinierter versorgt werden.

Freiwillige Angebote der Kassen

Neben diesen vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Optionen bieten viele Krankenkassen freiwillig weitere Wahltarife an. Die gängigsten sind:

Selbstbehalt - Versicherte zahlen im Krankheitsfall einen Teil ihrer Behandlungskosten selbst. Dafür belohnt die Kasse sie mit einer Geldprämie von maximal 600 Euro pro Jahr. Bei Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen müssen Versicherte nichts zuzahlen. Der Selbstbehalt ist immer höher als der mögliche Bonus. Ein solcher Tarif lohnt sich deshalb nur für gesunde Menschen mit geringen Behandlungskosten. Im schlechtesten Fall machen Versicherte einen Verlust.

Beispiel: Sie wählen einen Tarif mit 400 Euro Prämie bei 600 Euro Selbstbehalt. Brauchen Sie im Jahr nur kleinere medizinische Behandlungen, für die Sie 200 Euro zahlen, sparen Sie 200 Euro. Kosten Ihre Behandlungen jedoch 600 Euro oder mehr, bekommen Sie zwar die 400 Euro Prämie von der Kasse. Unterm Strich zahlen Sie aber 200 Euro mehr als nötig.

Die mögliche Selbstbeteiligung hängt bei vielen Kassen von der Höhe des Einkommens ab. Vorsicht: An einen Selbstbehalt-Tarif ist der Versicherte drei Jahre lang gebunden.

Beitragsrückerstattung - Wer ein Jahr lang nicht zum Arzt geht, bekommt von einigen Krankenkassen maximal einen Monatsbeitrag zurückerstattet. Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchen zählen nicht mit. Im Gegensatz zum Selbstbehalt gehen Versicherte bei diesem Modell kein finanzielles Risiko ein, können aber dennoch sparen. Allerdings gewähren einige Kassen Familienversicherten nur dann eine Rückerstattung, wenn auch alle mitversicherten Angehörigen keine Behandlung gebraucht haben. Dann lohnt sich der Tarif kaum. 

Kostenerstattung - Dieses Modell verspricht gesetzlich Versicherten eine ähnliche Versorgung wie Privatpatienten. Die Versicherten zahlen einen Zuschlag auf ihre Krankenkassenbeiträge, dafür können Ärzte höhere Honorare abrechnen als normalerweise bei der gesetzlichen Krankenversicherung üblich. Wie Privatpatienten müssen die Versicherten die Rechnung zunächst selbst begleichen und dann bei ihrer Krankenkasse einreichen. Doch Vorsicht: Nicht immer übernimmt die Kasse die vollen Behandlungskosten. Den Rest müssen Patienten dann aus eigener Tasche bezahlen. Einige Kassen ermöglichen es, die Kostenerstattung auf bestimmte Bereiche wie Zahnbehandlungen oder Krankenhausaufenthalte zu begrenzen.

Besondere Arzneimittel - Gegen eine monatliche Zusatzgebühr übernimmt die Krankenkasse die Kosten für homöopathische, anthroposophische und pflanzliche Arzneimittel. Prüfen Sie jedoch genau, ob sich ein solcher Tarif lohnt. Denn viele Kassen bieten die Übernahme von alternativen Heilmethoden mittlerweile als kostenfreie Zusatzleistung an.   

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Vor Abschluss eines Wahltarifes andere Kassen prüfen

Ob sich Wahltarife lohnen, hängt vor allem von Ihrem Gesundheitszustand und Ihren persönlichen Bedürfnissen ab. Als chronisch Kranker können Sie von speziellen Versorgungsmodellen profitieren und dafür eventuell sogar finanzielle Vergünstigungen erhalten.

Wer selten zum Arzt geht, kann sparen, wenn er eine Beitragsrückerstattung vereinbart. Allerdings besteht die Gefahr, dass Versicherte auf Arztbesuche verzichten und Krankheiten verschleppen, um ihre Prämie nicht zu verlieren.

Vor dem Abschluss eines Wahltarifs ist es sinnvoll, Angebote und Bedingungen verschiedener Versicherungen zu vergleichen. Prüfen Sie, welche Leistungen die Kasse genau übernimmt und welches finanzielle Risiko entsteht. Außerdem gilt es abzuwägen, ob Sie sich wirklich für die Mindestlaufzeit des Tarifs an die jeweilige Kasse binden wollen.

Weitere Tipps im Ratgeber gesetzliche Krankenversicherung

Annika Krempel
von Finanztip,
Expertin für Versicherungen

Leistungen meist gleich

  • Kassen erheben unterschiedliche Zusatzbeiträge.
  • Achten Sie auf Zusatzleistungen und Erstattungen.
  • Sie dürfen die Krankenkasse jederzeit wechseln.

» Zum Ratgeber

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Julia Rieder

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Julia Rieder ist Expertin für Versicherungen und derzeit kommisarisch für das Thema Reise verantwortlich. Während ihres Volontariats bei Finanztip sammelte sie Hörfunk-Erfahrung beim Inforadio. Vorher war sie in den Redaktionen von Frontal 21, der Berliner Zeitung und dem Online-Magazin politik-digital tätig. Ihr Studium der Politikwissenschaft hat Julia Rieder an der Freien Universität Berlin mit einem Master abgeschlossen.