Häusliches Arbeitszimmer

Nur ausnahmsweise von der Steuer absetzbar

Das Wichtigste in Kürze

  • Nur die wenigsten Arbeitnehmer wie Lehrer und Außendienstmitarbeiter können die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen.
  • Wer in seiner Firma keinen zumutbaren Arbeitsplatz zur Verfügung hat, kann bis zu 1.250 Euro im Jahr an Werbungskosten geltend machen. Das gilt auch für Selbstständige, die die Kosten als Betriebsausgaben absetzen können.
  • Unbeschränkt abzugsfähig sind die Kosten, wenn Ihr häusliches Arbeitszimmer der Mittelpunkt Ihrer beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit ist. Am ehesten trifft dies noch für Selbstständige zu, die zu Hause arbeiten.
  • Erfüllen Sie die Voraussetzungen für den Steuerabzug, können Sie Ihr Arbeitszimmer in geringem Umfang auch privat nutzen. Zulässig sind maximal 10 Prozent.
  • Selbst wenn das Finanzamt kein Arbeitszimmer anerkennt, so können Sie beruflich benötigte Arbeitsmittel wie einen Computer als Werbungskosten absetzen.

So gehen Sie vor

  • Zunächst müssen Sie feststellen, ob Ihr Arbeitszimmer den Mittelpunkt Ihrer beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt.
  • Falls ja, können Sie als Arbeitnehmer die gesamten Kosten als Werbungskosten absetzen, Selbstständige als Betriebsausgaben.
  • Trifft das nicht zu, ist ein auf 1.250 Euro pro Person begrenzter Abzug nur möglich, wenn Ihnen neben dem häuslichen Arbeitszimmer kein anderweitiger Arbeitsplatz zur Verfügung steht.
  • Um die Kosten zu ermitteln, die auf das Arbeitszimmer entfallen, müssen Sie den prozentualen Anteil des Raums in Bezug auf die Gesamtwohnfläche berechnen.
  • Dies ist zugleich der Verteilungsschlüssel für die laufenden Kosten der Wohnung, die auf das Arbeitszimmer umlegbar sind. Beispiele dafür sind die Miete, Heizung, Strom und Müllabfuhr.
  • Ausgaben für die Einrichtung Ihres Arbeitszimmers können Sie grundsätzlich unbegrenzt absetzen. Höherwertigere Gegenstände müssen Sie über die Nutzungsdauer abschreiben, geringwertige Wirtschaftsgüter können Sie sofort abschreiben.
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Wer zu Hause arbeitet, kann die Kosten für das Arbeitszimmer in bestimmten Fällen von der Steuer absetzen – als Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Eigentlich gilt für solche Aufwendungen ein Abzugsverbot. Der Gesetzgeber lässt aber zwei Ausnahmen zu:

  • Steht Ihnen für Ihre berufliche oder betriebliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, können Sie Ihre Kosten bis zu 1.250 Euro pro Jahr geltend machen (beschränkter Abzug).
  • Ist das Arbeitszimmer Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit, sind Ihre Kosten unbeschränkt abzugsfähig.

Die erste Ausnahme („kein anderer Arbeitsplatz“) trifft beispielsweise auf Berufsgruppen wie Lehrer und Außendienstmitarbeiter ohne Schreibtisch in der Schule beziehungsweise im Büro des Arbeitgebers zu.

Wer keinen anderen Arbeitsplatz hat und die Kosten eines häuslichen Arbeitszimmers als Werbungskosten oder Betriebsausgaben in seiner Steuererklärung angibt, kann dadurch sein zu versteuerndes Einkommen senken und so dafür sorgen, dass seine Steuerlast geringer ausfällt.

Die zweite Ausnahme („Mittelpunkt der Tätigkeit“) gilt nur für reine Heimarbeiter. Haben Sie mit Ihrem Arbeitgeber vereinbart, dass Sie zum Beispiel an einem Tag in der Woche im Homeoffice arbeiten, so reicht dies nicht aus. Sie können in dem Fall die Kosten für Ihr Arbeitszimmer nicht absetzen. Erst wenn Sie zeitlich und inhaltlich überwiegend zu Hause arbeiten – beispielsweise an drei Tagen von fünf, wenn die Arbeit gleichmäßig verteilt ist –, können Sie die Kosten für das Arbeitszimmer absetzen.

Diese Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Häusliche Verbindung - Der Raum ist seiner Lage, Funktion und Ausstattung nach in Ihre häusliche Sphäre eingebunden, gehört also zu Ihrer privaten Wohnung oder zu Ihrem Wohnhaus. Auch Zubehörräume im Keller oder im Dachgeschoss können ein häusliches Arbeitszimmer sein, wenn sie aufgrund der unmittelbaren Nähe als gemeinsame Wohneinheit mit Ihren privaten Wohnräumen verbunden sind. Ausgenommen sind Räume, die ihrer Ausstattung und Funktion nach nicht einem Büro entsprechen, zum Beispiel Betriebs-, Lager- und Ausstellungsräume. Eine Arbeitsecke genügt nicht, es muss ein abgeschlossener Raum sein.

Berufliche oder betriebliche Nutzung - In einem Arbeitszimmer erledigen Sie vorwiegend gedankliche, schriftliche, verwaltungstechnische oder -organisatorische Arbeiten. Das müssen nicht zwingend Büroarbeiten sein: Ein häusliches Arbeitszimmer dürfen Sie auch für geistige, künstlerische oder schriftstellerische Betätigung nutzen. Sie müssen dieses jedoch (fast) ausschließlich zu beruflichen oder betrieblichen Zwecken nutzen. Eine untergeordnete private Mitbenutzung von höchstens 10 Prozent ist erlaubt. Wird der Raum mehr als 10 Prozent privat genutzt, so ist überhaupt kein Abzug möglich – auch nicht teilweise. Hoffnungen, dass eine entsprechende Kostenaufteilung aufgrund der beruflichen Nutzung möglich sei, zerschlug der Große Senat des Bundesfinanzhofs (BFH) im Januar 2016 (Beschluss vom 27. Juli 2015, Az. GrS 1/14).

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Was Sie absetzen können und was nicht

Anteilige Kosten ermitteln - Die Kosten Ihres häuslichen Arbeitszimmers setzen Sie anteilig als Werbungskosten oder Betriebsausgaben von der Steuer ab. Sofern keine direkte Zuordnung möglich ist, teilen Sie diese anteiligen Kosten auf nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur gesamten Wohnfläche einschließlich des Arbeitszimmers. Dazu gehören vor allem:

  • Miete,
  • bei Immobilienbesitzern stattdessen die Gebäudeabschreibung und
  • Schuldzinsen für Kredite, die zur Anschaffung, Herstellung oder Reparatur des Gebäudes oder der Eigentumswohnung verwendet worden sind,
  • Wasser-, Abwasser- und Energiekosten,
  • Reinigungskosten,
  • Grundsteuer,
  • Müllabfuhrgebühren,
  • Schornsteinfegergebühren,
  • Beiträge zum Mieterverein (bei Eigentümern: Haus- und Grundeigentümerverein),
  • Fehlbelegungsabgabe,
  • Wohngebäude- und Hausratversicherung,
  • Rechtsschutzversicherung für Immobilieneigentümer sowie
  • Renovierungskosten für den Flur und das Treppenhaus.
Tipp

Hierhin in der Steuererklärung

Ihre Angaben zu Ihrem häuslichen Arbeitszimmer machen Sie bei den Werbungskosten auf Seite 2 der Anlage N in Zeile 43.

 

Voll abzugsfähige Kosten - Während Sie die oben genannten laufenden und einmaligen Kosten nur anteilig absetzen können, dürfen Sie die Renovierungskosten für das Arbeitszimmer komplett geltend machen. Auch Ihre Aufwendungen für die Ausstattung des Zimmers, zum Beispiel Tapeten, Teppiche, Fenstervorhänge, Gardinen und Lampen, gehören dazu.


Einrichtungsgegenstände als Arbeitsmittel angeben -
 Denken Sie daran, auch die Kosten für die Einrichtung Ihres Arbeitszimmers wie Regale, Schreibtisch oder Bürostuhl als Werbungskosten anzusetzen. Diese Kosten sind genauso wie die für die Ausstattung voll abzugsfähig.

Arbeitsmittel können Sie sogar steuerlich geltend machen unabhängig davon, ob das Finanzamt Ihr Arbeitszimmer anerkennt. Wo sich die Gegenstände in Ihrer Wohnung befinden, spielt dabei keine Rolle. Voraussetzung ist nur, dass Sie diese Gegenstände so gut wie ausschließlich für berufliche oder betriebliche Zwecke verwenden. Solche Einrichtungsgegenstände können Sie als geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) sofort absetzen, wenn der Kaufpreis inklusive Mehrwertsteuer 487,90 Euro (410 Euro netto) nicht übersteigt (ab 2018: 800 Euro netto, 952 Euro brutto).

Bei höheren Anschaffungskosten müssen Sie Ihre Kosten über die Dauer der Nutzung verteilen. Das nennt sich Abschreibung. Die amtliche Nutzungsdauer zum Beispiel für Büromöbel liegt bei 13 Jahren. Geregelt ist dies in der „AfA-Tabelle für die allgemein verwendbaren Anlagegüter“ (abgedruckt im Bundessteuerblatt 2000 I S. 1532). „AfA“ steht für Absetzung für Abnutzung. Haben Sie hingegen beispielsweise den Schreibtisch gebraucht gekauft, dann können Sie von der üblichen Nutzungsdauer von 13 Jahren die bisherige Nutzungsdauer abziehen. Auf die Restnutzungsdauer können Sie dann den Kaufpreis verteilen. Im Jahr der Anschaffung müssen Sie die sogenannte Jahres-AfA monatsweise kürzen.

Beispiel: Haben Sie den Schreibtisch im Juli 2017 gekauft, so dürfen Sie ihn nur für sechs Monate, nämlich für den Zeitraum Juli bis Dezember 2017 abschreiben. Kostete er neu 1.300 Euro, so beträgt die Jahres-AfA 100 Euro. Für 2017 können Sie aber nur 50 Euro abschreiben.

Abschreibungspotenzial kann verloren gehen
Bei 13 Jahren Abschreibungszeit für neue Büromöbel kommt es häufig vor, dass sich die Kosten gar nicht komplett absetzen lassen. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn Sie in Ruhestand gehen. Die Fortsetzung des Beispiels illustriert dies: Gehen Sie am 31. Dezember 2017 in Rente, benötigen Sie den im Juli 2017 gekauften Schreibtisch nicht mehr beruflich. Das Abschreibungsvolumen für 12,5 Jahre (entspricht 1.250 Euro) ginge verloren. Es bliebe bei den 50 Euro Werbungskosten.

Daher ist es in so einer Situation steuerlich geschickter, stattdessen ein geringwertiges Wirtschaftsgut – etwa einen preiswerten gebrauchten Schreibtisch – zu kaufen, das Sie sofort abschreiben können.

Achtung: Die Kaufbelege sollten Sie während der gesamten Abschreibungsdauer und auch noch einige Jahre danach aufbewahren.

Sonderfall Gartenerneuerung - Die Kosten einer Gartenerneuerung können Sie anteilig den Kosten Ihres häuslichen Arbeitszimmers zurechnen, wenn bei einer Reparatur des Gebäudes Schäden am Garten entstanden sind. Allerdings sind nur diejenigen Aufwendungen, die der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands dienen, den Kosten des Arbeitszimmers zuzurechnen.

Luxusgegenstände bleiben außen vor - In diese Kategorie fallen beispielsweise Kunstgegenstände, die vorrangig der Ausschmückung des Arbeitszimmers dienen. Die Kosten solcher Gegenstände zählen nicht zu den abziehbaren Aufwendungen.

So können Sie zusätzlich Steuern sparen

Höchstbetrag personenbezogen - Die Rechtsprechung beurteilt den Höchstbetrag von 1.250 Euro für ein häusliches Arbeitszimmer neuerdings personenbezogen (BFH, Urteile vom 15. Dezember 2016, Az. VI R 53/12 und Az. VI R 86/13). Das heißt beispielsweise: Nutzt ein Paar gemeinsam ein Arbeitszimmer, kann jeder seine selbst getragenen Kosten bis zum Höchstbetrag geltend machen. Der BFH hat mit diesen Urteilen seine bislang objektbezogene Betrachtung des Arbeitszimmers aufgegeben und widerspricht auch der Finanzverwaltung. Objektbezogen heißt: Bislang erlaubte das Finanzamt nur den Abzug für ein Arbeitszimmer bis höchstens 1.250 Euro, auch wenn es mehrere Personen gemeinsam nutzen.

Der BFH ändert jedoch diese Betrachtungsweise und lässt den Abzug für jeden einzelnen Steuerpflichtigen zu, der das häusliche Arbeitszimmer benötigt, nutzt und hierfür Kosten trägt. Hierbei kommt es gar nicht auf eine konkrete Aufteilung der Nutzung zwischen zwei Partnern an. Dies ist dem BFH-Urteil mit dem Aktenzeichen VI R 86/13 zu entnehmen. Hier haben sich zwei Lebensgefährten ein Arbeitszimmer und die Kosten hierfür geteilt.

Im Urteil mit dem Aktenzeichen VI R 53/12 waren die verheirateten Lehrer zu gleichen Teilen Eigentümer eines Einfamilienhauses. Hier stellte der BFH klar, dass sich in solchen Fällen beide Miteigentümer die Kosten für das gemeinsam genutzte Arbeitszimmer jeweils zur Hälfte teilen. Falls jeder für sich die Voraussetzungen für ein häusliches Arbeitszimmer erfüllt, kann auch jeder seine Kosten steuerlich geltend machen – bis maximal 1.250 Euro für jeden einzelnen, insgesamt in der Zusammenveranlagung bis zu 2.500 Euro. Wenn beide Partner gemeinsam die Mietkosten tragen, dann kann dies analog betrachtet werden wie der Fall der beiden Miteigentümer.

Dieser personenbezogene Höchstbetrag führt jedoch dazu, dass Sie auch dann nur maximal 1.250 Euro im Jahr absetzen können, wenn Sie mehrere häusliche Arbeitszimmer nutzen – unabhängig davon, ob gleichzeitig oder nacheinander oder ob in einem oder in verschiedenen Haushalten. Dies stellte der BFH fest (Urteil vom 9. Mai 2017, Az. VIII R 15/15). 

In dem Fall hatte der Steuerpflichtige aufgrund einer doppelten Haushaltsführung zwei Wohnsitze. Er bereitete in beiden Wohnungen Seminare vor und nutzte daher zwei Arbeitszimmer parallel. Der Kläger erzielte als Dozent Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit. Der BFH kappte die als Betriebsausgaben absetzbaren Kosten für die Arbeitszimmer auf den gesetzlichen Höchstbetrag von 1.250 Euro.

Diese Begrenzung gilt immer dann, wenn das häusliche Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt. Sie gilt außerdem, wenn jemand zwei Arbeitszimmer im selben Haushalt nutzt oder beispielsweise nach einem Umzug in zwei verschiedenen Wohnungen.

Flur, Küche und Toilette - Selbst wenn Sie einen beruflichen Anteil Ihrer Toilettenbenutzung ermittelt haben, können Sie die Kosten, die beispielsweise für die Renovierung eines Gäste-WCs angefallen sind, bisher nicht abziehen. Mit diesem Versuch ist ein Betriebsprüfer des Finanzamts vor dem Finanzgericht Baden-Württemberg mit Urteil vom 21. Januar 2013 (Az. 9 K 2096/12) gescheitert. Die Führung eines Toiletten-Tagebuchs hat ihm also nichts gebracht.

Der BFH hat in einem anderen Fall klar entschieden, dass Kosten für gemischt genutzte Nebenräume überhaupt nicht absetzbar sind, sobald die private Mitbenutzung die „Unerheblichkeitsschwelle“ überschreitet (BFH, Urteil vom 17. Februar 2016, Az. X R 26/13). Eine selbstständige Lebensberaterin, die von ihrem häuslichen Arbeitszimmer aus ihre Dienstleistung anbot, wollte anteilig Betriebsausgaben abziehen für die gewerbliche Mitbenutzung von Flur, Toilette und Küche – erfolglos. Ihr Argument, dass sie die kompletten Mietkosten – auch für die Nebenräume – eines externen Büros absetzen dürfte, überzeugte die Richter nicht. Denn in diesem Fall liege eine ausschließlich betriebliche Nutzung vor. Bei einer gemischten Nutzung entfällt folglich der Abzug als Betriebsausgabe oder Werbungskosten. Nur die Kosten für das Büro selbst führten im entschiedenen Fall zu Betriebsausgaben.

Vermietung an den Arbeitgeber - Eine Option kann sein, dass Sie einen Raum in Ihrer Wohnung an Ihren Arbeitgeber vermieten. In diesem Sonderfall haben Sie kein häusliches Arbeitszimmer, sondern nutzen einen Büroraum Ihres Arbeitgebers. Sie schließen dazu einen unbefristeten Mietvertrag ab und erzielen – sofern das Finanzamt den Vertrag anerkennt – Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung. Im Gegenzug winkt Ihnen der volle Kostenabzug bei dieser Einkunftsart. Wichtig ist, dass das vorrangige Interesse Ihres Arbeitgebers überwiegt. Indizien dafür sind zum Beispiel, dass Sie in der Firma keinen geeigneten Arbeitsplatz haben, Ihr Arbeitgeber auch mit anderen Mitarbeitern solche Verträge abgeschlossen hat oder Sie gezwungen sind, den Raum auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten zu nutzen.

Tipp

Arbeitszimmer außer Haus

Wenn Sie ein Arbeitszimmer außerhalb Ihrer eigenen Wohnung nutzen, gelten keinerlei Abzugsbeschränkungen. Steht dieser Raum nicht mit Ihrer eigenen Wohnung in Verbindung, gilt er als außerhäusliches Arbeitszimmer. Gerade in einem Zwei- oder Mehrfamilienhaus können Wohn- und Arbeitsbereich räumlich so auseinanderfallen, dass das Arbeitszimmer kein häusliches, sondern ein außerhäusliches ist. In diesem Fall können Sie Ihre Kosten unbeschränkt als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehen. Beispiel: Der Wohnbereich und das Arbeitszimmer sind in einem Zweifamilienhaus baulich so voneinander getrennt, dass auch fremde Personen den dazwischen liegenden Bereich nutzen.

Das sollten Sie beachten

Mittelpunkt der Tätigkeit - Ausschlaggebend für die Beurteilung, ob das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen oder betrieblichen Tätigkeit darstellt, ist der inhaltliche, qualitative Schwerpunkt sämtlicher Tätigkeiten, die Sie ausüben. Der zeitliche Umfang ist nur ein Indiz. Daher kann das häusliche Arbeitszimmer auch bei einer Außendiensttätigkeit der Tätigkeitsmittelpunkt sein.

Möglicherweise üben Sie nur eine berufliche oder betriebliche Tätigkeit aus, die Sie in qualitativer Hinsicht gleichwertig sowohl im häuslichen Arbeitszimmer als auch am außerhäuslichen Arbeitsort erbringen. Dann liegt der Mittelpunkt Ihrer gesamten beruflichen und betrieblichen Betätigung im häuslichen Arbeitszimmer, sofern Sie mehr als die Hälfte der Arbeitszeit im häuslichen Arbeitszimmer tätig sind. Für Hochschullehrer mit Lehrverpflichtung und Richter am Amtsgericht ist übrigens bereits höchstrichterlich entschieden, dass der Mittelpunkt ihrer beruflichen Tätigkeit nicht im häuslichen Arbeitszimmer liegt.

Kein anderer Arbeitsplatz - Dass Ihnen wirklich kein anderer Arbeitsplatz für Ihre berufliche oder betriebliche Tätigkeit zur Verfügung steht, müssen Sie belegen. Die Art Ihrer Tätigkeit kann dafür Anhaltspunkte bieten. Zusätzliches Indiz kann eine entsprechende Bescheinigung Ihres Arbeitgebers sein. Wenn Sie mehrere berufliche oder betriebliche Tätigkeiten nebeneinander ausüben, prüft das Finanzamt für jede Tätigkeit, ob Sie nicht einen anderen Arbeitsplatz nutzen könnten. Ein anderer Platz steht Ihnen für Ihre berufliche Tätigkeit aber nur dann zur Verfügung, sofern Sie jederzeit für die dienstlich erforderlichen Büroarbeiten auf einen für Sie nutzbaren, büromäßig ausgestatteten Arbeitsplatz zugreifen können.

Telearbeitsplatz - Haben Sie sich daheim einen Telearbeitsplatz eingerichtet, an dem Sie zum Beispiel immer am Montag arbeiten, können Sie die Kosten dafür nicht absetzen. Es steht Ihnen nämlich im Büro ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung (BFH, Urteil vom 26. Februar 2014, Az. R 40/12).

Poolarbeitsplatz - Etwas anderes kann bei Poolarbeitsplätzen gelten. Wenn acht Prüfern eines Finanzamts nur drei Poolarbeitsplätze zur Verfügung stehen, dann können diese Kosten für ihr häusliches Arbeitszimmer absetzen. Das hat der BFH bestätigt (Urteil vom 26. Februar 2014, Az. VI R 37/13).

Nutzung für verschiedene Zwecke - Falls Sie ein häusliches Arbeitszimmer für unterschiedliche Arbeiten nutzen – genauer gesagt für mehrere Einkunftsarten –, zum Beispiel als Arbeitnehmer und als selbstständiger Schriftsteller, dann müssen Sie Ihre Ausgaben für den Raum auf die verschiedenen Einkunftsarten aufteilen. Sie schreiben also auf, wie lange Sie den Raum für welche Arbeit nutzen. Ihren Aufwand können Sie dann entsprechend der zeitlichen Nutzungsanteile der jeweiligen Einkunftsart zuordnen. 

Beispiel: Für das Arbeitszimmer haben Sie im Jahr 4.000 Euro ausgegeben. Den Raum nutzen Sie jeweils zur Hälfte für nichtselbstständige Arbeiten und für selbstständige Tätigkeiten. Je Einkunftsart haben Sie also 2.000 Euro Kosten. Insgesamt dürfen Sie jedoch nur den Höchstbetrag von 1.250 Euro absetzen. Diesen Betrag können Sie zum Beispiel als Betriebsausgaben von den Einkünften als Schriftsteller abziehen. Alternativ könnten Sie 1.250 Euro als Werbungskosten absetzen. 

Der Höchstbetrag muss jedoch nicht in Teilhöchstbeträge auf die verschiedenen Einkunftsarten aufgeteilt werden, wie es fälschlicherweise das Sächsische Finanzgericht gemacht hat. Es schätzte in einem entschiedenen Fall, dass der Steuerzahler sein Arbeitszimmer jeweils zur Hälfte für selbstständige und nichtselbstständige Einkünfte nutzte. Dann teilte es den Höchstbetrag von 1.250 Euro dementsprechend auf und bildete Teilhöchstbeträge in Höhe von jeweils 625 Euro. Es wollte sodann nur 625 Euro Betriebsausgaben zulassen. Das Finanzamt hatte zuvor den Steuerabzug sogar komplett versagt. Der BFH hält beides für falsch (Urteil vom 25. April 2017, Az. VIII R 52/13). Der Steuerzahler kann demnach seine Aufwendungen bis zum gesetzlichen Höchstbetrag von 1.250 Euro in voller Höhe ausschöpfen.  

Unternehmer - Selbstständige, die betriebliche Räume angemietet haben, aber dort beispielsweise vertrauliche Verwaltungstätigkeiten nicht erledigen können, dürfen bis zu 1.250 Euro für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen. Entschieden hat dies der BFH für einen Logopäden, der sogar zwei Praxisräume gepachtet hatte (BFH, Urteil vom 22. Februar 2017, Az. III R 9/16). Dort praktizierten während der üblichen Arbeitszeit überwiegend seine vier Angestellten. Für die Büro- und Abrechnungstätigkeiten stand ihm in dieser Zeit der Schreibtisch nicht zur Verfügung, weshalb er diese Arbeit von zu Hause erledigte. Dass er sie in den Praxisräumen – auch außerhalb der Öffnungszeiten – erledigt, sei ihm nicht zuzumuten, entschied der BFH.

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Achtung

Steuerfalle Immobilienverkauf

Angenommen, Sie haben die Kosten Ihres Arbeitszimmers von der Steuer absetzen können und der Raum befindet sich in einer Immobilie, die Ihnen gehört. Sollten Sie sich innerhalb der zehnjährigen Spekulationsfrist zu einem Verkauf des Objekts entschließen, lauert eine Steuerfalle. Sie müssen gegebenenfalls einen Gewinn versteuern, der anteilig auf Ihr häusliches Arbeitszimmer entfällt, weil diese Nutzung nicht als wohnlich gilt. Maßgebend ist hierbei das Nutzflächenverhältnis. Sind Sie betroffen, sollten Sie frühzeitig mit einer Umwidmung beginnen und den Raum gezielt privat nutzen – beispielsweise zum Wäschetrocknen.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Redakteurin

Als freie Redakteurin schreibt Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.