Hinzuverdienstgrenze bei der Altersrente

So viel darf der Nebenjob im Alter einbringen

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer die sogenannte Regelaltersgrenze erreicht hat, darf zur gesetzlichen Rente unbegrenzt etwas dazuverdienen.
  • Wer jünger ist und bereits eine volle Rente bekommt, muss die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro im Jahr beachten.
  • Alles darüber wird teilweise auf die Rente angerechnet.
  • Die Hinzuverdienstgrenzen änderten sich im Juli 2017 durch das Gesetz der Flexi-Rente.

So gehen Sie vor

  • Falls Sie vorzeitig in den Ruhestand gegangen sind, müssen Sie Ihre Tätigkeit der Rentenversicherung melden.
  • Verdienen Sie als Frührentner mehr als 6.300 Euro pro Jahr, lassen Sie sich von der Rentenversicherung ausrechnen, in welcher Höhe Ihre Rente gekürzt wird.
  • Wer mit dem Regelalter in Rente ging, kann für seine Beschäftigung freiwillige Beiträge zahlen und so die Rente steigern.
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Nicht jeder, der in den Ruhestand geht, setzt sich auch tatsächlich zur Ruhe. Die einen sagen sich vielleicht: Wer rastet, der rostet. Anderen ist ein Leben ohne Arbeit einfach zu langweilig. Für eine steigende Zahl von Rentnern ist es allerdings auch einfach wichtig, die Rente mit einem zusätzlichen Einkommen aufzustocken.

Übersicht zur Anhebung der Regelaltersgrenze

Geburtsjahr   Anhebung um Monate   auf Jahr   und Monat
1952   6   65   6
1953   7   65   7
1954   8   65   8
1955   9   65   9
1956   10   65   10
1957   11   65   11
1958   12   66   0
1959   14   66   2
1960   16   66   4
1961   18   66   6
1962   20   66   8
1963   22   66   10
1964   24   67   0

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juli 2017)

Wer im Alter arbeitet, muss einige Spielregeln beachten, um nicht zu riskieren, dass seine gesetzliche Rente gekürzt wird. Die Regeln dazu haben sich im Juli 2017 durch die Flexi-Rente geändert.

Wie viel Rentner zu ihrer gesetzlichen Rente hinzuverdienen dürfen, ohne den Rentenanspruch zu gefährden, hängt davon ab, wie alt sie sind. Nur wer die sogenannte Regelaltersgrenze schon erreicht hat, darf grundsätzlich unbegrenzt etwas hinzuverdienen. Rentenempfänger müssen ihre Beschäftigung dann auch nicht ihrem Rentenversicherungsträger melden.

Die Regelaltersgrenze

Die Regelaltersgrenze ist im Sozialgesetzbuch VI definiert (§ 35 Satz 2 SGB VI) und wird mit Vollendung des 67. Lebensjahres erreicht. Das Jahr 2017 ist Teil einer Übergangsphase, bei der die Regelaltersgrenze schrittweise bis 2031 auf dieses Alter angehoben wird. Sie gilt erst für den Jahrgang 1964. Im Jahr 2017 dürfen Menschen, die 1952 geboren wurden, im Alter von 65 Jahren und sechs Monaten Rente beantragen.

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Die Hinzuverdienstgrenzen

Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann grundsätzlich uneingeschränkt hinzuverdienen. Rentner müssen ihre Beschäftigung dann auch nicht ihrem Rentenversicherungsträger melden. Etwas komplizierter wird es für Versicherte, die schon vor der Regelaltersgrenze in Rente gegangen sind.

Achtung

Regeln zum Minijob

Die Regelung des Hinzuverdienstes hat nichts mit den sozialversicherungsrechtlichen Regelungen zu Minijobs (geringfügigen Beschäftigungen) zu tun.

Vollrente
Wer vorzeitig in Altersrente geht und eine Rente erhält, muss die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 Euro pro Jahr beachten. In der Summe entspricht dies der alten Hinzuverdienstgrenze, sie kann nun aber flexibler genutzt werden.

Ein Verdienst bis zu dieser Höhe wird nicht auf die Rente angerechnet, führt also nicht zu einer Kürzung. Somit erhält der Rentner weiterhin eine Vollrente. Die Grenze gilt einheitlich in allen Bundesländern (§ 34 Abs. 3 Nr. 1 SGB VI) unabhängig davon, ob der Zusatzjob eine abhängige Beschäftigung oder eine selbstständige ist. Als Hinzuverdienst gelten das monatliche Bruttoarbeitsentgelt, der monatliche steuerrechtliche Gewinn (Einkünfte aus Gewerbebetrieb, aus selbstständiger Arbeit und aus Land- und Forstwirtschaft) und vergleichbares Einkommen, zum Beispiel Vorruhestandsgeld.

Teilrente
Wer mehr verdient als die Grenzen erlauben, bekommt nur noch eine Teilrente ausbezahlt. Ab einem gewissen Verdienst kann die gesetzliche Rente sogar ganz gestrichen werden: Alles, was die Grenze von 6.300 Euro überschreitet, wird pauschal um 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Die monatliche Rente verringert sich dadurch um diesen Betrag.

Ein Beispiel:
Eine Rentnerin bezieht monatlich 950 Euro Rente, zusätzlich verdient sie 1.510 Euro. Von den jährlich 18.120 Euro kann sie 6.300 Euro ohne Kürzung verdienen, es bleiben 11.820 Euro pro Jahr, 985 Euro im Monat. Davon werden 40 Prozent, also 394 Euro pro Monat von der gesetzlichen Rente abgezogen, die Rentnerin erhält also wegen ihres Zusatzverdienstes nur noch 556 Euro Rente.

Beispielrechnung

Monatliche Rente 950 Euro
Zusätzlicher Verdienst 18.120 Euro jährlich (1.510 Euro pro Monat)
Möglicher Verdienst ohne Kürzung 6.300 Euro pro Jahr
Verdienst über Hinzuverdienstgrenze (18.120-6.300) = 11.820 Euro pro Jahr, entspricht 985 Euro pro Monat
Verdienst über Grenze wird mit 40 Prozent angerechnet… (985x0,4) = 394 Euro
… und von der Rente abgezogen (950-394) = 556 Euro pro Monat
Rente nach Abzug durch Verdienst über Hinzuverdienstgrenze 556 Euro pro Monat

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: April 2017)

Tipp

Beratung nutzen

Die Rentenversicherung hilft bei Fragen um ein mögliches Zusatzeinkommen. Nutzen Sie auch die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.

Übersteigt das Einkommen aus dem Nebenjob zusammen mit der gekürzten Rente das höchste Einkommen, das der Rentner in den vergangenen 15 Jahren hatte, gibt es einen Hinzuverdienstdeckel. Der Verdienst, der über dem früheren Einkommen liegt, wird komplett auf die Rente angerechnet.

Die Rentenversicherung zahlt bei einem Hinzuverdienst die Rente immer nach einer Prognose für das Jahr aus. Liegen dann alle Einkommensnachweise vor, zahlt die Rentenversicherung entweder Rente nach, falls sie zu vorsichtig geschätzt hat. Hat der Rentner dagegen mehr verdient als geschätzt und daher zu viel Rente erhalten, muss er den Überschuss zurückzahlen.

Rentner können auch selbst festlegen, wie hoch ihre Teilrente ausfallen soll – dementsprechend viel dürfen sie dann hinzuverdienen.

Versicherungspflicht

Wer vorzeitig in Altersrente geht und nebenbei weiterhin Geld verdient, wird in Zukunft versicherungspflichtig. Rentner zahlen auf dieses Einkommen Beiträge in die Rentenversicherung und erhöhen dadurch ihren Rentenanspruch.

Auch Rentner, die mit der Regelaltersgrenze in Rente gingen und nebenbei arbeiten, können mit einer freiwilligen Versicherung weiterhin in die Rentenversicherung einzahlen und dadurch weitere Rentenpunkte sammeln.

Tipp

Erwerbsminderungsrente

Die neuen Hinzuverdienstgrenzen gelten auch für die volle Erwerbsminderungsrente. Wer nur teilweise erwerbsgemindert ist, muss seine Hinzuverdienstgrenze individuell errechnen lassen. Die Rentenversicherung hilft dabei.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.