Hinzuverdienstgrenze bei der Altersrente

So viel darf der Nebenjob im Alter einbringen

Das Wichtigste in Kürze

  • Wer die sogenannte Regelaltersgrenze erreicht hat, darf zur gesetzlichen Rente unbegrenzt etwas dazuverdienen.
  • Wer jünger ist und bereits eine volle Rente bekommt, muss die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro beachten. Diese darf nur in zwei Monaten pro Jahr überschritten werden.
  • Verdienen Sie regelmäßig mehr als erlaubt, wird die Rente gekürzt.
  • Rentner müssen ihre Beschäftigung außerdem dem Rentenversicherungsträger melden.
  • Ab Juli 2017 gelten durch das Flexi-Renten-Gesetz neue Hinzuverdienstgrenzen.
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Nicht jeder, der in den Ruhestand geht, setzt sich auch tatsächlich zur Ruhe. Die einen sagen sich vielleicht: Wer rastet, der rostet. Anderen ist ein Leben ohne Arbeit einfach zu langweilig. Für eine steigende Zahl von Rentnern ist es allerdings auch einfach wichtig, die Rente mit einem zusätzlichen Einkommen aufzustocken.

Übersicht zur Anhebung der Regelaltersgrenze

Geburtsjahr   Anhebung um Monate   auf Jahr   und Monat
1952   6   65   6
1953   7   65   7
1954   8   65   8
1955   9   65   9
1956   10   65   10
1957   11   65   11
1958   12   66   0
1959   14   66   2
1960   16   66   4
1961   18   66   6
1962   20   66   8
1963   22   66   10
1964   24   67   0

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: Juli 2016)

Wer im Alter arbeitet, muss einige Spielregeln beachten, um nicht zu riskieren, dass seine gesetzliche Rente gekürzt wird. Wie viel Rentner zu ihrer gesetzlichen Rente hinzuverdienen dürfen, ohne den Rentenanspruch zu gefährden, hängt davon ab, wie alt sie sind. Nur wer die sogenannte Regelaltersgrenze schon erreicht hat, darf grundsätzlich unbegrenzt etwas hinzuverdienen. Sie müssen ihre Beschäftigung dann auch nicht ihrem Rentenversicherungsträger melden.

Die Regelaltersgrenze

Die Regelaltersgrenze ist im Sozialgesetzbuch VI definiert (§ 35 Satz 2 SGB VI) und wird mit Vollendung des 67. Lebensjahres erreicht. Das Jahr 2017 ist Teil einer Übergangsphase, bei der die Regelaltersgrenze schrittweise bis 2031 auf dieses Alter angehoben wird. Sie gilt erst für den Jahrgang 1964. Im Jahr 2017 dürfen Menschen, die 1952 geboren wurden, im Alter von 65 Jahren und sechs Monaten Rente beantragen.

Die Hinzuverdienstgrenzen

Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat, kann grundsätzlich uneingeschränkt hinzuverdienen. Rentner müssen ihre Beschäftigung dann auch nicht ihrem Rentenversicherungsträger melden. Etwas komplizierter wird es für Versicherte, die schon vor der Regelaltersgrenze in Rente gegangen sind.

Vollrente
Wer vorzeitig in Altersrente geht und eine Rente in voller Höhe erhält, muss die Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro beachten. Diese Grenze gilt einheitlich in allen Bundesländern (§ 34 Abs. 3 Nr. 1 SGB VI) unabhängig davon, ob der Zusatzjob eine abhängige Beschäftigung oder die Selbstständigkeit ist.

Der Nebenverdienst darf die Hinzuverdienstgrenze zweimal im Kalenderjahr bis zum Doppelten überschreiten (§ 34 Abs. 2 Satz 2 SGB VI). Wer eine Vollrente bezieht, darf also in zwei Monaten bis zu 900 Euro hinzuverdienen, ohne eine Kürzung der Rente zu riskieren.

Achtung: Diese Regelung hat nichts mit den sozialversicherungsrechtlichen Regelungen zu Minijobs (geringfügigen Beschäftigungen) zu tun. Ein Minijob darf den Grenzwert von 450 Euro pro Monat nämlich nur gelegentlich überschreiten, außerdem darf der höhere Verdienst nicht vorhersehbar sein. Wer also vertraglich vereinbarte Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld erhält, dessen Job gilt sozialversicherungsrechtlich nicht mehr als Minijob.

Als Hinzuverdienst gelten das monatliche Bruttoarbeitsentgelt, der monatliche steuerrechtliche Gewinn (Einkünfte aus Gewerbebetrieb, aus selbstständiger Arbeit und aus Land- und Forstwirtschaft) und vergleichbares Einkommen, zum Beispiel Vorruhestandsgeld.

Teilrente
Wer eine Vollrente bezieht und mehr verdient als die Grenzen erlauben, bekommt nur noch eine Teilrente ausbezahlt. Die Teilrente kann ab einem gewissen Verdienst sogar ganz entfallen.

Zunächst einmal berechnet die Rentenversicherung, wie viel Teilrente jeder nach seinem Hinzuverdienst noch bekommt. Es gibt verschiedene Rentenstufen von 2/3, von 1/2 oder von 1/3. Auf welcher Stufe jeder Rentner am Ende landet, ist individuell. Denn die Höhe des möglichen zusätzlichen Verdienstes hängt von dem Einkommen der letzten drei Kalenderjahre vor Rentenbeginn ab.

Ein Beispiel: Eine Rentnerin hat in den letzten drei Jahren vor ihrem Rentenbeginn immer das Durchschnittsentgelt verdient (2017 monatlich 3.092 Euro). Für sie gelten diese Hinzuverdienstgrenzen für die jeweilige Teilrente:

In den alten Bundesländern:

Tipp

Beratung nutzen

Die Rentenversicherung hilft bei Fragen um ein mögliches Zusatzeinkommen. Nutzen Sie auch die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.

  • für eine 1/3-Teilrente: 2.031 Euro,
  • für eine 1/2-Teilrente: 1.695 Euro,
  • für eine 2/3-Teilrente: 1.160 Euro.

In den neuen Bundesländern:

  • für eine 1/3-Teilrente: 2.100 Euro,
  • für eine 1/2-Teilrente: 1.596 Euro,
  • für eine 2/3Teilrente: 1.092 Euro.

(Alle Beträge gerundet.)

Im Rentenbescheid finden sich die Hinzuverdienstgrenzen für die erste Zeit nach dem Renteneintritt.

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Änderungen durch Flexi-Rente

Mit der Flexi-Rente, die seit 2017 schrittweise eingeführt wird, soll ein einträglicher Nebenjob leichter möglich sein.

Tipp

Erwerbsminderungsrente

Die neuen Hinzuverdienstgrenzen gelten auch für die volle Erwerbsminderungsrente. Wer nur teilweise erwerbsgemindert ist, muss seine Hinzuverdienstgrenze individuell errechnen lassen. Die Rentenversicherung hilft dabei.

Neue Hinzuverdienstgrenzen
So gelten ab Juli 2017 neue Hinzuverdienstgrenzen. Wer vor seiner Regelaltersgrenze in Rente geht, darf künftig 6.300 Euro pro Jahr hinzuverdienen, ohne dass die Rentenzahlung gekürzt wird. In der Summe entspricht das der alten Hinzuverdienstgrenze, allerdings ist der Verdienst monatlich nicht mehr gedeckelt.

Alles, was die Grenze von 6.300 Euro überschreitet, wird pauschal um 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Die monatliche Rente verringert sich dadurch um diesen Betrag.

Ein Beispiel:
Eine Rentnerin bezieht monatlich 950 Euro Rente, zusätzlich verdient sie 1.510 Euro. Von den jährlich 18.120 Euro kann sie 6.300 Euro ohne Kürzung verdienen, es bleiben 11.820 Euro pro Jahr, 985 Euro im Monat. Davon werden 40 Prozent, also 394 Euro pro Monat von der gesetzlichen Rente abgezogen, die Rentnerin erhält also wegen ihres Zusatzverdienstes nur noch 556 Euro Rente.

Beispielrechnung

Monatliche Rente 950 Euro
Zusätzlicher Verdienst 18.120 Euro jährlich (1.510 Euro pro Monat)
Möglicher Verdienst ohne Kürzung 6.300 Euro pro Jahr
Verdienst über Hinzuverdienstgrenze (18.120-6.300) = 11.820 Euro pro Jahr, entspricht 985 Euro pro Monat
Verdienst über Grenze wird mit 40 Prozent angerechnet… (985x0,4) = 394 Euro
… und von der Rente abgezogen (950-394) = 556 Euro pro Monat
Rente nach Abzug durch Verdienst über Hinzuverdienstgrenze 556 Euro pro Monat

Quelle: Deutsche Rentenversicherung (Stand: April 2017)

Übersteigt das Einkommen aus dem Nebenjob zusammen mit der gekürzten Rente das höchste Einkommen, das der Rentner in den vergangenen 15 Jahren hatte, gibt es einen Hinzuverdienstdeckel. Der Verdienst, der über dem früheren Einkommen liegt, wird komplett auf die Rente angerechnet. Die Rentenversicherung zahlt bei einem Hinzuverdienst die Rente immer nach einer Prognose für das Jahr aus. Liegen dann alle Einkommensnachweise vor, zahlt die Rentenversicherung entweder Rente nach, falls sie zu vorsichtig geschätzt hat. Hat der Rentner dagegen mehr verdient als geschätzt und daher zu viel Rente erhalten, muss er den Überschuss zurückzahlen.

Rentner können in Zukunft auch selbst festlegen, wie hoch ihre Teilrente ausfallen soll – dementsprechend viel dürfen sie dann hinzuverdienen.

Versicherungspflicht
Wer vorzeitig in Altersrente geht und nebenbei weiterhin Geld verdient, wird in Zukunft versicherungspflichtig. Rentner zahlen auf dieses Einkommen Beiträge in die Rentenversicherung und erhöhen dadurch ihren Rentenanspruch.

Auch Vollrentner, also Rentner, die mit der Regelaltersgrenze in Rente gingen und nebenbei arbeiten, können mit einer freiwilligen Versicherung weiterhin in die Rentenversicherung einzahlen und dadurch weitere Rentenpunkte sammeln.

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Annika Krempel

Finanztip-Expertin für Versicherungen

Annika Krempel ist Redakteurin im Team Versicherung und Vorsorge. Nach ihrem Diplom in Politikwissenschaften absolvierte sie ein Volontariat für Wirtschafts- und Verbraucherjournalisten. Sie sammelte unter anderem Erfahrungen in den Redaktionen von ZDF WISO, RBB Inforadio sowie der Stiftung Warentest. Die verbraucherpolitische Arbeit lernte sie beim Verbraucherzentrale Bundesverband kennen.

Sabine Himmelberg

freie Finanztip-Redakteurin

Als freie Redakteurin schreibt Sabine Himmelberg auf Finanztip zum Thema Steuern. Sie blickt auf mehr als zwanzig Jahre Redaktionsarbeit im Steuerrecht zurück. Als spezialisierte Fachjournalistin deckt Sabine Himmelberg ein breites inhaltliches Spektrum für Publikationen namhafter Fachverlage ab. Nach ihrem Magisterabschluss an der Universität zu Köln trat sie in die Redaktion des Deubner Verlags ein, der Informationen für Rechtsanwälte und Steuerberater herausgibt und der WEKA-Gruppe angehört. Sie leitete dort drei Jahre lang die Redaktion Steuern.