Minderung wegen Reisemängel

Ihre Rechte, wenn das Hotel überbucht ist

Das Wichtigste in Kürze

  • Ist das reservierte Hotel überbucht und müssen Sie deshalb auf ein anderes Hotel ausweichen, stehen Ihnen bis zu 25 Prozent Erstattung zu, auch falls das neue Hotel gleichwertig ist.
  • Ist das Ersatzhotel nicht gleichwertig, können Sie noch mehr Minderung geltend machen.
  • Müssen Sie umziehen, steht Ihnen zusätzlich eine Entschädigung für die Zeit zu, die Sie mit dem Umzug verbracht haben.
  • Hat der Veranstalter keinen gleichwertigen Ersatz angeboten, kann der Urlauber den Vertrag kündigen und auch einen mitgebuchten Anflug kostenlos stornieren oder aber den Urlaub abbrechen. Der Veranstalter muss den Reisepreis erstatten.
  • Zusätzlich zur Erstattung können Reisende auch eine Entschädigung für die verlorenen Urlaubstage verlangen.
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Endlich am Ziel der Reise angekommen – und dann ist das Hotel überbucht. Das bedeutet: kein Zimmer mehr für Sie frei, Stress statt Erholung. Sie sprechen mit den Leuten vom Hotel und dem Reiseleiter und sollen in ein schönes Ersatzhotel ziehen. Vor Ort entpuppt sich die Unterkunft aber als viel schlechter, weil etwa der Meerblick fehlt oder der Tennisplatz. Eine andere Unterkunft als die gebuchte müssen Reisende grundsätzlich nicht akzeptieren. Sie können deshalb den Reisepreis mindern, den Vertrag kündigen und eventuell zusätzlich eine Entschädigung verlangen.

Der Preis lässt sich immer mindern

Können Sie wegen Überbuchung nicht in das im Reisevertrag festgelegte Hotel oder ein Hotel gleicher Kategorie und Lage einziehen, liegt immer ein Reisemangel vor (§ 651c Abs. 1 BGB). Sie haben deshalb das Recht, einen Teil des Reisepreises erstattet zu bekommen (§ 651d Abs. 1 BGB). Wie viel Sie zurückverlangen können, hängt davon ab, ob das Ersatzhotel den gleichen Standard hat und die Lage und die Angebote vergleichbar waren.

Bei gleichwertiger Ersatzunterkunft - Manche Gerichte gestatten Reisenden, den Preis um 10 bis 25 Prozent bei gleichwertiger Ersatzunterkunft zu mindern, da der Reiseveranstalter sich an die Zusage nicht gehalten hat. Das sieht zumindest die Frankfurter Tabelle vor. Je weiter das Ersatzhotel vom ursprünglich gebuchten entfernt ist, desto mehr können Urlauber mindern. Die Kemptener Tabelle listet verschiedene Urteile auf, die jeweils zu anderen Ergebnissen kommen. Das Amtsgericht Stuttgart erlaubte bei einem gleichwertigen Ersatzhotel eine Minderung von 15 Prozent (Urteil vom 23. März 1995, Az. 9C 12733/94). Lediglich um 10 Prozent durfte ein Reisender nach einem Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf mindern (Urteil vom 8. April 2004, Az. 28 C 8239/01).

Wichtig: Sie können nur dann nach der Reise Geld zurückverlangen, sofern Sie keinen Verzicht auf weitergehende Ansprüche unterzeichnet haben. Sie müssen den Mangel vor Ort anzeigen – am besten schriftlich. Wie Sie Reisemängel am besten geltend machen, lesen Sie unserem Ratgeber Reisemängel reklamieren.

Bei schlechterer Ersatzunterkunft – Schwierig wird es meist da, wo der Reiseveranstalter das Ersatzhotel nur als gleichwertig anpreist, es aber an die Qualität des tatsächlich gebuchten nicht herankommt. Entsprach das Ersatzhotel nicht annähernd dem gebuchten, können Sie auch mehr Geld zurückverlangen. Bietet die Ersatzunterkunft etwa weder Animation noch Pool und Sportanlage, hielt das Landgericht Frankfurt eine Minderung von 45 Prozent des Reisepreises für gerechtfertigt (Urteil vom 28. März 2008, Az. 2-24 S 139/07). Die Tabellen geben nur eine Orientierung. Wählen Sie im Zweifel den höheren Betrag, aber seien Sie kompromissbereit, falls der Veranstalter sich mit seinem Angebot innerhalb einer der Tabellen bewegt.

Wichtig: Listen Sie genau auf, warum das Ersatzhotel dem gebuchten nicht entspricht. Machen Sie Fotos und dokumentieren Sie die Unterschiede, um die Höhe der Erstattung gut begründen zu können.

Reiseveranstalter muss informieren – Steht bereits vor Antritt der Reise fest, dass das Hotel am Urlaubsort überbucht ist, muss der Reiseveranstalter umgehend informieren. Nur dann kann der Urlauber entscheiden, ob er trotz der Überbuchung anreisen oder von der Reise Abstand nehmen will. Informiert der Veranstalter ihn nicht, kann der Reisende allein deshalb den Reisepreis um 15 Prozent mindern. Das kommt zur Minderung wegen anderer Mängel noch hinzu. Das Landgericht Frankfurt hielt in dem konkreten Fall deshalb eine Minderung von insgesamt 60 Prozent für angemessen (Urteil vom 28. März 2008, Az. 2-24 S 139/07).

Umzug am Urlaubsort - Zusätzlich steht dem Reisenden für den Umzug in das andere Hotel eventuell eine anteilige Reisepreisminderung für einen verlorenen Urlaubstag zu, insbesondere wenn Kindern dabei sein (Amtsgericht Düsseldorf, Urteil vom 21. Januar 1997, Az. 38 C 17568/96). Etwaige Taxikosten muss der Veranstalter ebenfalls ersetzen.

Bei schlechter Unterbringung dürfen Sie kündigen

Die Unterbringung in einem minderwertigen Ersatzhotel kann auch ein erheblicher Mangel sein. Reisende können dann den gesamten Vertrag kündigen (§ 651 e BGB). So urteilte das Landgericht Frankfurt (Urteil vom 19. November 2012, Az. 2-24 S 199/11). Erscheint eine Fortsetzung des Urlaubs in dem minderwertigen Ersatzhotel nicht zumutbar, kann der Urlauber die Reise abbrechen. Das ist in der Regel der Fall, falls er in Höhe von 30 Prozent mindern könnte. Der Veranstalter muss dann den gesamten Reisepreis erstatten. Der Reisende muss sich aber die erbrachten Leistungen anrechnen lassen (§ 651 Abs. 3 Satz 2 BGB).

Nicht vorschnell Ersatzangebot ablehnen

Bietet der Reiseveranstalter eine gleich- oder höherwertige Unterkunft an, müssen Sie das Angebot zwar nicht annehmen. Sie sollten es aber auch nicht vorschnell ablehnen und den Heimweg antreten. Das birgt ein Risiko. Wollen Reisende nach Kündigung den Reisepreis zurück, kontern Veranstalter oft, der Reisende habe „treuwidrig“ gehandelt. Die Überbuchung sei nur Anlass oder der Joker, um die Reise vorzeitig zu beenden. Der Reisende verfolge mit der Kündigung eigentlich andere, nicht schutzwürdige Motive – wie die zusätzliche Forderung von Entschädigungsleistungen oder schlicht Reue, den Vertrag abgeschlossen zu haben.

Aber: Lassen Sie sich nicht verunsichern. Dieser Einwand ist nur ausnahmsweise begründet. Ist das Hotel nicht gleichwertig, können Sie den Urlaub abbrechen, ohne dass Ihnen der Vorwurf der Treuwidrigkeit gemacht werden kann (BGH, Urteil vom 11. Januar 2005, Az. X ZR 118/03).

Sie können zusätzlich eine Entschädigung verlangen

Zusätzlich zur Minderung oder der Kündigung kann dem Urlauber eine Entschädigung zustehen (§ 651 Abs. 2 BGB). Bei Überbuchung des gewählten Urlaubsziels ist die Reise vereitelt, sofern der Kunde das Ersatzangebot ablehnt. Dem Kunden steht dann grundsätzlich ein Entschädigungsanspruch zu.

Wie hoch die Entschädigung sein kann, richtet sich nach dem Preis der Reise und den verlorenen Urlaubstagen. Bleibt ein Urlauber wegen Überbuchung zuhause, kann sich die Entschädigung auf die Hälfte des Reisepreises belaufen (BGH, Urteil vom 11. Januar 2005, Az. X ZR 118/03).

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So kommen Sie an Ihr Recht

Sie müssen schon vor Ort die Überbuchung angezeigt haben – am besten schriftlich, auch wenn Ihnen das etwas formalistisch vorkommt. Sie können dazu unseren Musterbrief Mängelanzeige vor Ort verwenden. Nach der Rückkehr verlangen Sie innerhalb eines Monats wegen der Überbuchung schriftlich einen Teil des Reisepreises zurück. Fordern Sie einen konkreten Betrag, bei dem Sie sich an der Frankfurter und Kemptener Tabelle orientieren können. Für das Schreiben können Sie unseren Musterbrief verwenden und auf Ihre konkrete Reise anpassen.

Weigert sich der Veranstalter, einen Teil des Reisepreises zu erstatten, brauchen Sie Hilfe. Dazu können Sie sich an eine Verbraucherzentrale wenden, die nach einer Beratung auch den Schriftverkehr mit dem Unternehmen übernimmt. Sie können auch einen Rechtsanwalt beauftragen, der allerdings auf Reiserecht spezialisiert sein sollte. Haben Sie eine Rechtsschutzversicherung, klären Sie vorab, ob sie die Kosten für den Anwalt und eventuell ein Gerichtsverfahren übernimmt. Eine spezielle Anlauf- oder Schlichtungsstelle für Beschwerden zu Reiseverträgen gibt es nicht.

Mehr dazu im Ratgeber Reisemängel reklamieren

Dr. Britta Schön
Finanztip-Rechtsexpertin

So reklamieren Sie Reisemängel

  • Zeigen Sie die Mängel unbedingt vor Ort an.
  • Sammeln Sie Beweise. Fotos und Zeugen sind hilfreich.
  • Beachten Sie die Monats-Frist, wenn Sie Erstattung verlangen.

» Zum Ratgeber

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[quote='Sanibe','http://www.finanztip.de/community/thema/1386-entsch-c3-a4digung-bei-pauschalreisen?postID=32398#post32398']Vielen dank!!!
Sind seit gestern zurück und werden uns an die ...
29. August 2016 zum Beitrag
Vielen dank!!!
Sind seit gestern zurück und werden uns an die mängelliste setzen. Vor Ort haben wir noch ne ausführliche Beschwerde bei der reiseleitung gemacht.
29. August 2016 zum Beitrag
[quote='muc','http://www.finanztip.de/community/thema/1386-entsch-c3-a4digung-bei-pauschalreisen?postID=32277#post32277'][quote='Sanibe','http://www.finanztip.de/community/thema/1386-entsch-c3-a4digung-bei-pauschalreisen?postID=32262#post32262'] ...
23. August 2016 zum Beitrag
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Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Dr. Britta Beate Schön

Finanztip-Expertin für Recht

Britta Beate Schön ist bei Finanztip für sämtliche Rechtsthemen zuständig. Die promovierte Juristin und Rechtsanwältin war als Leiterin der Rechtsabteilung bei Finanzdienstleistern wie der Telis Finanz AG und der Interhyp tätig. Vorher lehrte und forschte sie in Japan als DAAD-Junior-Professorin für deutsches und Europarecht. Ihr Studium absolvierte sie in Münster, Genf, Regensburg und Leipzig. Die Autorin erreichen Sie unter britta.schoen@finanztip.de.