Immobilienpreise

Was ist dran am Betongold?

Wenn es in Sachen Investitionen eine These gibt, die sich hartnäckig hält, ist es diese: Immobilien sind eine krisensichere und renditestarke Form der Geldanlage. Als Gründe werden dafür gerne angeführt:

  • Durch den Nutzwert wird die Immobilie immer einen gewissen Wert behalten.
  • Mieten und daher auch die Immobilienpreise steigen mit der Inflation. Eine Anlage in Immobilien bietet daher Schutz vor Preissteigerungen
  • Durch die Wohnungsknappheit in den Ballungsräumen winken hohe Wertsteigerungen für Immobilienbesitzer.

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Kein Wunder, dass viele Leute Immobilien als Betongold bejubeln. Doch was ist wirklich dran an diesem modernen Mythos? Wir haben für Sie den Check gemacht – mit überraschendem Ergebnis.

Vergleicht man die Kaufpreise von Immobilien und Gold miteinander, kommt man ziemlich schnell zu der Erkenntnis, dass das Edelmetall die bessere Geldanlage gewesen wäre. Warum? Dazu muss man sich nur einmal die Wertentwicklung am Beispiel einer Münchener Eigentumswohnung anschauen.

Von Mitte der 90er bis 2010 stagnierten die Quadratmeterpreise für Wohnraum in der bayerischen Metropole fast. Und entgegen dem allgemeinen Empfinden ist auch die Preissteigerung seit 2011 nicht dramatisch. Vor allem, wenn man sie mit dem Wachstum des Goldpreises vergleicht. Dieser schnellte bis 2012 nämlich dermaßen in die Höhe, dass eine Goldunze zu Spitzenzeiten etwa 1.300 Euro kostete. Daraus ergibt sich, dass in unserem untersuchten Zeitraum die durchschnittliche Wertsteigerung von Gold 7,81 Prozent pro Jahr beträgt. Bei der Immobilie sind es hingegen nur 2,29 Prozent jährlich.

Unsere Tabelle und unsere Grafik verdeutlichen diesen Umstand noch einmal:

Anlageklasse Preis 1995     Preis 2013     Durchschnittliche Preissteigerung
Immobilie München (Baujahr 1980 bis 1989) 2.684 € / m²     4.000 € / m²     2,29 % pro Jahr
Goldpreis 294 € / Unze     1064 € / Unze     7,81 % pro Jahr

Was die Auswertungen allerdings nicht berücksichtigen, sind die Nettomieteinnahmen der Immobilie. Doch selbst wenn man diese mit zwei bis drei Prozent des Immobilienwerts relativ hoch ansetzt, ist es noch immer so, dass eine Anlage in Gold weitaus lukrativer gewesen wäre.

Rechnet man aus, wie viele Feinunzen Gold ein Quadratmeter Wohnfläche in München seit 1995 gekostet haben, wird der Unterschied sogar noch deutlicher. So musste man im Jahr 1999 etwa 9,9 Feinunzen pro Quadratmeter bezahlen. In den Folgejahren stieg der Goldpreis so rapide an, dass 2012 ein Quadratmeter Wohnfläche nur noch 2,5 Unzen Gold kostete.

Damit dürfte der Mythos Betongold entzaubert sein. Zwar haben langjährige Immobilienbesitzer keinen Verlust gemacht, aber auch keinen attraktiven Gewinn. Gold wäre also die bessere Alternative gewesen.

So haben wir gerechnet
Für die Immobilienpreise verwenden wir die Preise für die Stadt München, wo derzeit laut F+B Wohnindex in Deutschland die Quadratmeterpreise am teuersten sind. Der Gutachterausschuss München veröffentlicht regelmäßig Zahlen zu den Immobilienpreisen in München. Die gezeigte Entwicklung gilt für eine Eigentumswohnung mit Baujahr zwischen 1980 und 1989 im Stadtgebiet München. Die historischen Preise für Gold werden von der deutschen Bundesbank zur Verfügung gestellt.

Die Preise für Gold und Immobilien sind jeweils die durchschnittlichen Werte pro Jahr.

 

 

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Hermann-Josef Tenhagen

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