Europa-ETFs

So investieren Sie richtig in europäische Aktien

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht alle europäischen Aktienindizes sind für Anleger gleich gut geeignet.
  • Breit gestreute Indizes erzielten in der Vergangenheit eine höhere Rendite bei gleicher oder sogar geringerer Schwankung.
  • Von den Indizes, die Unternehmen aus ganz Europa erfassen, erzielte der Stoxx Europe 600 bei den von uns betrachteten Zeiträumen die beste Rendite.
  • Der MSCI Europe wies das bessere Verhältnis aus Rendite und Schwankungsbreite auf.
  • Eng gefasste Indizes wie der Euro Stoxx 50 und der Stoxx Europe 50 konnten dagegen nicht überzeugen.
  • Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) auf den Stoxx Europe 600, den MSCI Europe und den MSCI EMU eignen sich als Fundament für ein gemischtes Portfolio aus Aktien, Festgeld und Tagesgeld.

So gehen Sie vor

  • Investieren Sie neben dem MSCI World in einen europäischen Index, wenn Sie den Anteil europäischer Aktien in Ihrem Depot erhöhen wollen.
  • Überlegen Sie, ob Sie Aktien aus ganz Europa ins Depot holen wollen oder nur Aktien aus der Eurozone.
  • Wenn Sie europaweite Aktien bevorzugen und Ihnen die Rendite besonders wichtig ist, kaufen Sie eher Anteile eines ETF auf den Stoxx Europe 600 Index.
  • Wenn eine geringere Schwankungsbreite für Sie wichtiger ist, kaufen Sie eher Anteile eines ETF auf den MSCI Europe.
  • Wollen Sie den Euro-Anteil im Depot erhöhen, ist ein ETF auf den MSCI EMU eine Option.
  • Kaufen Sie ETFs nur über eine günstige Onlinebank oder einen Wertpapierhändler.
  • Unser Tipp: Bleiben Sie zu aktuellen ETF-Empfehlungen immer auf dem Laufenden - mit unserem kostenlosen Newsletter!

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Börsengehandelte Indexfonds (ETFs) sind für Anleger eine kostengünstige und transparente Möglichkeit, am europäischen Aktienmarkt teilzuhaben. ETFs kopieren die Wertentwicklung von Indizes. Die wiederum enthalten eine Vielzahl von Aktien und bündeln die Kursentwicklung.

Europäische Aktien fürs Depot

Als Fundament für ein gemischtes Portfolio aus Aktien-ETF, Festgeld und Tagesgeld empfiehlt Finanztip Indexfonds auf breit gestreute Indizes. Allen voran steht der Weltaktienindex MSCI World, der über mehr als 1.600 Aktien aus 23 Ländern streut. Eine ausreichend breite Streuung ist wichtig. Das Kursrisiko einzelner Aktien wird so auf mehrere Schultern verteilt, und allzu große Schwankungen sind weitgehend ausgeschlossen.

Allerdings ist der Anteil an US-Unternehmen im MSCI World hoch. Ende 2016 betrug er knapp mehr als 60 Prozent. Sollte die US-Wirtschaft künftig schwächeln, würden Anleger in den MSCI World das zu spüren bekommen. Wer daher den Anteil europäischer oder in Euro notierter Aktien in seinem Depot erhöhen will, kann ergänzend auch in europäische ETFs investieren.

Die wichtigsten europäischen Indizes

Von den sechs bekanntesten Europa-Indizes enthalten drei nur Unternehmen aus dem Euroraum (Euro Stoxx, MSCI EMU und Euro Stoxx 50). Die anderen drei decken zusätzlich auch andere europäische Länder mit entwickelten Aktienmärkten ab, wie Großbritannien und die Schweiz (Stoxx Europe 600, MSCI Europe, Stoxx Europe 50).

Alle Indizes stellen die Anbieter nach dem Börsenwert der gehandelten Unternehmensaktien zusammen. Je wertvoller ein Unternehmen, desto größer ist sein Gewicht im Index. Einen Überblick über die Zusammensetzung der einzelnen Indizes liefert die folgende Tabelle.

Europäische Aktienindizes im Vergleich

Index   Anlageregion   Indexkonzept   Anteil¹ der wichtigsten Länder
Stoxx Europe 600   Europa   Die 600 größten Unternehmen aus 17 europäischen Ländern. Große, mittlere und kleine Firmen   29 % Großbritannien, 16 % Frankreich, 14 % Deutschland, 14 % Schweiz, 5 % Spanien, 5 % Schweden, 5 % Niederlande, 3 % Italien, 3 % Dänemark, 2 % Belgien
MSCI Europe   Europa   448 Konzerne aus 15 europäischen Ländern repräsentieren ca. 85 % des Gesamtmarktes. Große und mittlere Firmen   29 % Großbritannien, 15 % Frankreich, 14 % Deutschland, 13 % Schweiz, 5 % Niederlande, 5 % Spanien, 5 % Schweden, 4 % Italien, 3 % Dänemark, 2 % Belgien, 2 % Finnland, 1 % Norwegen, 1 % Irland, 0,3 % Österreich, 0,2 % Portugal
Euro Stoxx   Euroraum   Alle Unternehmen des Stoxx Europe 600 aus der Eurozone: Derzeit 295 aus 12 Ländern   32 % Frankreich, 30 % Deutschland, 10 % Spanien, 10 % Niederlande, 7 % Italien, 4 % Belgien, 3 % Finnland, 2 % Irland, 1 % Luxemburg, 1 % Österreich
MSCI EMU   Euroraum   Die 242 größten Unternehmen aus 10 Ländern der Eurozone. Marktabdeckung: Ca. 85 %. Große und mittlere Konzerne   33 % Frankreich, 30 % Deutschland, 10 % Spanien, 10 % Niederlande, 7 % Italien, 4 % Belgien, 3 % Finnland, 2 % Irland, 1 % Portugal, 1 % Österreich
Stoxx Europe 50   Europa   Die 50 größten europäischen Unternehmen aus den wichtigsten Branchen. Nur Standardwerte   34 % Großbritannien, 21 % Schweiz, 15 % Frankreich, 15 % Deutschland, 5 % Niederlande, 4 % Spanien, 2 % Belgien, 2 % Italien, 2 % Dänemark
Euro Stoxx 50   Euroraum   Die 50 größten Unternehmen aus 19 Branchen und 11 Ländern der Eurozone. Meistbeachteter Europa-Index. Nur Standardwerte   37 % Frankreich, 34 % Deutschland, 10 % Spanien, 9 % Niederlande, 5 & Italien, 3 % Belgien, 1 % Irland, 1 % Finnland

¹ Die Prozentangaben sind gerundet.
Quellen: MSCI, Stoxx (Stand: 30. Januar 2017)

Mehr Unternehmen, mehr Rendite

Diejenigen europäischen Aktienindizes, die mehr Unternehmen enthalten, haben in der Vergangenheit tendenziell auch mehr an Wert gewonnen. Der Stoxx Europe 600 beispielsweise schnitt sowohl kurz- als auch langfristig jedes Jahr leicht besser ab als der etwas enger gefasste MSCI Europe und deutlich besser als der nochmals enger gefasste Stoxx Europe 50.

Langfristig konnte der MSCI EMU, der die 242 größten Unternehmen der Eurozone bündelt, den enger gefassten Euro Stoxx 50 schlagen. Nur über die vergangenen fünf Jahre profitierten die größten 50 Unternehmen der Eurozone stärker als die breitere Masse von der wirtschaftlichen Erholung im Euroraum nach der Finanzkrise.

Durchschnittliche Rendite von europäischen Indizes¹

    Anlagezeitraum        
Index   5 Jahre   10 Jahre   15 Jahre
Stoxx Europe 600   11,28 %   2,86 %   4,15 %
MSCI Europe   10,76 %   2,63 %   3,80 %
MSCI EMU   9,54 %   1,50 %   3,84 %
Stoxx Europe 50   8,53 %   1,36 %   1,80 %
Euro Stoxx 50   10,49 %   0,87 %   1,89 %

¹ Die Renditen beschreiben die durchschnittliche jährliche Wertentwicklung des jeweiligen Netto-Index für den Anlagezeitraum 1. Januar 2012 bis 30. Dezember 2016.
Quellen: MSCI, Stoxx, Finanztip-Berechnung (Stand: 30. Januar 2017)

Die Wertentwicklung über einen bestimmten Zeitraum ist ein Indikator, den Anleger bei den unterschiedlichen Indizes berücksichtigen können. Interessant ist es aber auch, einen Blick auf die Schwankungen zu werfen.

Rendite und Schwankungsbreite europäischer Indizes

    Anlagezeitraum 5 Jahre¹    
Index   Durchschnittliche Rendite pro Jahr   Durchschnittliche Schwankungsbreite pro Jahr²
Stoxx Europe 600   11,28 %   16,21 %
Stoxx Europe 50   8,53 %   16,19 %
Euro Stoxx 50   10,49 %   19,86 %

¹ Wir berechnen die durchschnittlichen Jahresrenditen für den Anlagezeitraum 1. Januar 2012 bis 30.12.2016.
² Die Schwankungsbreite bezeichnet die Abweichung vom Rendite-Mittelwert im Betrachtungszeitraum nach oben und unten. Bei den Stoxx-Indizes konnten wir sie auf Tagesbasis berechnen.
Quelle: Stoxx, Finanztip-Berechnung (Stand: 1. Februar 2017)

Deutlich wird, dass beim Vergleich der Stoxx-Indizes das Verhältnis zwischen Rendite und Schwankungsbreite beim breiter gefassten Stoxx Europe 600 am besten ausfällt. Der deutlich enger gefasste Stoxx Europe 50 kommt auf eine schlechtere Rendite bei ähnlich hohem Schwankungsrisiko. Der auf Europa beschränkte Euro Stoxx 50 kombiniert eine mittlere Rendite pro Jahr mit einer deutlich höheren Schwankungsbreite. Finanztip rät daher von enger gefassten Indizes ab.

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Die Wirkung von Wechselkurs-Risiken auf die Indizes

Mehr als die Hälfte der Unternehmen, die in den europaweit ausgerichteten Indizes vertreten sind, stammen aus Ländern außerhalb der Eurozone. Das größte Gewicht hat Großbritannien, gefolgt von der Schweiz und Schweden. Klar ist, dass die Entwicklung der entsprechenden Landeswährungen im Vergleich zum Euro den Depotstand des Euro-Anlegers beeinflusst. Denn der Kurs der Aktien wird in Euro umgerechnet.

Steigen beispielsweise die Kurse des britischen Pfunds, des Schweizer Franken und der schwedischen Krone im Vergleich zum Euro, steigt auch der Wert des Index. Denn in Euro gerechnet kosten die Aktien aus diesen Ländern dann mehr. Umgekehrt wirkt es sich negativ auf die europaweiten Indizes aus, wenn die Fremdwährungen zum Euro fallen.

Anleger müssen also abwägen: Einerseits ermöglicht die Anlage in einen breiten europäischen Index eine bessere Streuung über Länder, Branchen und Unternehmensgrößen, andererseits führen die Schwankungen der Fremdwährungen dann zu Abweichungen zwischen der Entwicklung der Aktienkurse und der Wertentwicklung des Depots.

Anleger setzen aufs falsche Pferd

Insgesamt zeigt die Analyse, dass Anleger in der Vergangenheit mit Indexfonds auf den Stoxx Europe 600 am besten gefahren wären. Die Mehrheit setzt allerdings auf den bekannteren Euro Stoxx 50, dessen Entwicklung häufig auf den Startseiten von Finanzwebsites angezeigt wird. Den Stoxx Europe 600 dagegen sucht man dort oft vergeblich.

Das Volumen der ETFs, die dem Euro Stoxx 50 folgen und an der Frankfurter Börse gehandelt werden, betrug im Januar 2017 mehr als 30 Milliarden Euro. Die Anlagen in Indexfonds auf den Stoxx Europe 600 summierten sich gerade mal auf knapp 7 Milliarden Euro.

Indexfonds auf Europa-Indizes

Wir empfehlen Ihnen die breit gestreuten Indizes Stoxx Europe 600, MSCI Europe und den MSCI EMU. Indizes mit nur 50 Titeln wie der Stoxx Europe 50 oder der Euro Stoxx 50 haben sich in der Vergangenheit als zu anfällig für Krisen einzelner Sektoren erwiesen.

In separaten Ratgebern haben wir entsprechende börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs), untersucht für die empfohlenen europaweiten Indizes Stoxx Europe 600 und MSCI Europe. Damit können Sie zu relativ geringen Kosten in die Entwicklung dieser Indizes investieren.

Auf den Stoxx Europe 600, den besten Index gemessen an der Rendite, empfehlen wir für den Vermögensaufbau diese ETFs, die laufende Erträge wieder anlegen (thesaurieren):

Amundi ETF STOXX Europe 600
ISIN FR0010791004 / WKN A0X9R1

  • ETF auf den STOXX Europe 600
  • gute Abbildung der Wertentwicklung
  • synthetische Nachbildung des Index
  • Dividenden werden wiederangelegt (thesaurierend)
Amundi ETF STOXX Europe 600

Comstage STOXX Europe 600
ISIN LU0378434582 / WKN ETF060

  • ETF auf den STOXX Europe 600
  • gute Abbildung der Wertentwicklung
  • synthetische Nachbildung des Index
  • Dividenden werden wiederangelegt (thesaurierend)

db x-trackers STOXX Europe 600
ISIN LU0328475792 / WKN DBX1A7

  • ETF auf den STOXX Europe 600
  • gute Abbildung der Wertentwicklung
  • physische Nachbildung des Index
  • Dividenden werden wiederangelegt (thesaurierend)
db x-trackers STOXX Europe 600

Source STOXX Europe 600
ISIN IE00B60SWW18 / WKN A0RGCK

  • ETF auf den STOXX Europe 600
  • gute Abbildung der Wertentwicklung
  • synthetische Nachbildung des Index
  • Dividenden werden wiederangelegt (thesaurierend)
Source STOXX Europe 600

Anlegern, die sich auf den Euroraum konzentrieren wollen, raten wir zu Indexfonds auf den MSCI EMU. EMU steht für European Monetary Union, Europäische Währungsunion. Der Index hat bei vergleichbarer Rendite eine deutlich geringere Wertschwankungen als der Euro Stoxx 50. Besonders empfehlenswerte ETFs auf den MSCI EMU finden Sie in unserem Detailartikel.

Mehr dazu im Ratgeber Wertpapierdepot

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.