Quellensteuer

Was bei der Steuer auf ausländische Dividenden wichtig ist

Das Wichtigste in Kürze

  • Wenn Sie Dividenden aus dem Ausland beziehen, wird dort Quellensteuer einbehalten.
  • Anleger, die in Fonds oder Einzelaktien investiert haben, können sich Teile dieser Quellensteuer zurückholen.
  • Die genaue Höhe der Erstattung richtet sich nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Quellenstaat.
  • Die Quellensteuer lässt sich auch auf die Abgeltungssteuer anrechnen. Ihre Bank gibt in der Jahressteuerbescheinigung die Höhe der anrechenbaren Quellensteuer an.
  • Mit der Novelle des Investmentsteuergesetzes entfällt ab 2018 die Anrechnung der Quellensteuer.
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Anleger, die ausländische Aktien besitzen oder einen Fonds, der ausländische Aktien beinhaltet, kennen vielleicht die Formulierung aus der jährlichen Steuerbescheinigung der Bank: Da heißt es wahlweise „angerechnete“ oder „anrechenbare“ ausländische Quellensteuer, die Sparer dann in bestimmte Felder der Anlage KAP in der Steuererklärung eintragen sollen.

Doch der Fachjargon ist intuitiv nicht zu verstehen. Was also steckt hinter der ausländischen Quellensteuer, wie viel davon lässt sich anrechnen – und warum eigentlich?

Quellensteuer ist die Kapitalertragssteuer für ausländische Anleger

Ganz allgemein gesprochen ist Quellensteuer eine Steuer auf Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden, die Investoren aus dem Ausland dem Quellenstaat bezahlen müssen. Angenommen, ein deutscher Anleger investiert in die Aktie eines US-Konzerns und bezieht daraus eine Dividende. Der Quellenstaat USA würde dann auf diese Dividende (Kapitalertrag) Quellensteuer einbehalten. Der deutsche Anleger ist aus US-Sicht Ausländer. Quellensteuer fällt auch an, wenn ein deutscher Anleger in einen Fonds investiert hat, der ausländische Aktien enthält.

Länder legen Quellensteuer selbst fest

Jeder Quellenstaat legt den Quellensteuersatz auf Kapitalerträge selbst fest. Folgende Tabelle liefert eine Übersicht, welche Kapitalertragssteuer verschiedene Länder jeweils für ausländische Investoren ansetzen.

Quellensteuersatz ausgewählter Staaten

Quellenstaat   Währung   Steuersatz (in Prozent)
Belgien   Euro   25
Brasilien   Real   0
China   Renminbi (Yuan)   0
Frankreich   Euro   25
Italien   Euro   27
Irland   Euro   20
Japan   Yen   7
Kanada   kanadischer Dollar   25
Russland   Rubel   15
Schweden   schwedische Krone   30
Schweiz   Franken   35
Südafrika   Rand   0
USA   US-Dollar   30
Vereinigtes Königreich   Pfund   0

Quelle: Website MSCI (Stand: 25. August 2016)

Diesen Prozentsatz an der Dividende behalten die Quellenstaaten also erst einmal ein. Wie deutlich wird, verzichten manche Länder auf die Kapitalertragssteuer für ausländische Investoren. Ansonsten variieren die Sätze zwischen einstelligen Prozenten bis hin zu mehr als 30 Prozent. Anleger, die beispielsweise US-Aktien besitzen und daraus 100 Euro Dividende erhalten, bekämen zunächst einmal nur 70 Euro gutgeschrieben. Der Quellensteuersatz der USA liegt bei vergleichbar hohen 30 Prozent.

Anleger können sich Quellensteuer zurückholen

Allerdings ist es Investoren möglich, sich einen Teil der Quellensteuer zurückzuholen. Das geht immer dann, wenn zwischen dem jeweiligen Quellenstaat und dem Land des Anlegers ein sogenanntes Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) besteht. Die Finanzbehörden beider Länder verständigen sich darin auf einen maximalen Steuersatz, den ausländische Anleger auf Kapitalerträge zahlen müssen. Oft liegt dieser bei 15 Prozent – und ist damit häufig niedriger als der Quellensteuersatz.

Beispiel: Ein Anleger hält US-Aktien, auf die eine Dividende von 100 Euro anfällt. Nach Abzug der Quellensteuer verbleiben dem Anleger 70 Prozent. Das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und den USA sieht aber vor, dass deutsche Privatanleger maximal 15 Prozent Steuer bezahlen müssen. Der Anleger bekommt daher in der Regel statt 70 Euro 85 Euro Dividende auf seinem Konto gutgeschrieben.

Wer ausländische Einzelaktien hält, muss sich selbst kümmern

Es kann vorkommen, dass Besitzer von ausländischen Einzelaktien automatisch die Dividende inklusive Erstattung gutgeschrieben bekommen – beispielsweise bei Aktien aus den USA. Ansonsten müssen Anleger die Erstattung erst beantragen. Dazu müssen sie ein Formular ausfüllen, das sich auf der Internetseite des Bundeszentralamts für Steuern findet. Die Behörde übermittelt die Informationen dann an den Quellenstaat.

Je nach Land kann es unterschiedlich lang dauern, bis die Erstattung tatsächlich gutgeschrieben wird. Die Nachbarländer Schweiz und Österreich erstatten die Beträge innerhalb weniger Wochen. Andere Länder – wie etwa Italien – stehen in dem Ruf, sich Jahre Zeit zu lassen, um die zu viel bezahlte Quellensteuer zurückzuzahlen.

Quellensteuer auf Abgeltungssteuer anrechnen

Zusätzlich können Anleger die verbleibende, also nicht erstattbare Quellensteuer auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen. In der Regel sind das 15 Prozent des Dividendenertrags. Oft kümmert sich die Bank automatisch um die Anrechnung. Ansonsten können Anleger die Anrechnung auch zusammen mit der Steuererklärung bei ihrem Finanzamt beantragen.

Abgeltungssteuer zahlen Anleger auf Bruttodividenden; der Fiskus behält sie ein, sofern kein Freistellungsauftrag besteht oder der Freistellungsauftrag ausgeschöpft wurde.

Tipp

Bündeln Sie Ihre Aktien aus Ländern mit Quellensteuerabzug in einem Depot und stellen Sie keinen Freistellungsauftrag. Nur dann wird die Quellensteuer angerechnet und verpufft nicht.

Fondsanleger haben es ein wenig leichter

Wer nicht in Einzelaktien, sondern in einen Fonds investiert hat, muss sich häufig etwas weniger kümmern. Beliebt bei Anlegern zur Vermögensbildung sind zum Beispiel Fonds oder ETFs, die im Ausland aufgelegt sind und Dividenden wieder anlegen (thesaurieren). Auf die Beschreibung passt beispielsweise der in Irland aufgelegte iShares-ETF auf den Weltaktienindex MSCI World (ISIN: IE00B4L5Y983), den wir neben anderen ETFs empfehlen.

In diesem Fall steht zwischen Anleger und Quellenstaat der Fonds. Der Fonds kümmert sich zunächst darum, die Quellensteuererstattungen zu erhalten – maßgeblich ist hier das jeweilige Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und den Quellenstaaten. In der Regel bucht der Fonds die ausländischen Dividenden inklusive Erstattungsanspruch ein; der Wert des Fondsanteils für den Anleger erhöht sich. Fonds wählen ihr Domizil mitunter so, dass möglichst viel Quellensteuer erstattet wird.

Beispiel: Ein in Irland aufgelegter Fonds hält ausschließlich US-Aktien. Von den Dividenden in Höhe von 100 Euro werden 30 Prozent oder 30 Euro als Quellensteuer einbehalten. 15 Prozent der Bruttodividende, also 15 Euro, kann sich der Fonds aber nach dem Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Irland und den USA wiederholen. Am Ende schreibt der Fonds US-Dividenden im Wert von 85 Euro dem Fondsvermögen gut.

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Anrechenbare Quellensteuer in der Steuererklärung eintragen

In einem zweiten Schritt müssen Anleger auf die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge – die Dividenden, die im Fonds gutgeschrieben werden – Abgeltungssteuer bezahlen. Hierauf können sie Quellensteuer anrechnen lassen. Wie viel genau, richtet sich jetzt nach dem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und dem jeweiligen Quellenstaat. Beides, die Höhe der ausschüttungsgleichen Erträge und die anrechenbare Quellensteuer, finden Anleger in der Jahressteuerbescheinigung ihrer Bank. Die jeweiligen Posten sind in Zeile 15 und Zeile 51 der Anlage KAP in der Steuererklärung anzugeben. Um eine Vorstellung zu gewinnen, können Anleger sich zum Beispiel ein Muster der Jahressteuerbescheinigung der Consorsbank im Netz anschauen.

Beispiel: Auf die US-Dividenden in Höhe von 100 Euro muss der deutsche Anleger eigentlich 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag bezahlen, insgesamt 26,38 Euro. Von der Kirchensteuer sehen wir ab. Dieser Betrag wird aber nie automatisch einbehalten. Stattdessen weist die Jahressteuerbescheinigung der Bank die 100 Euro Dividende als sogenannte ausschüttungsgleiche Erträge aus. Der Anleger muss sie in der Steuererklärung in Zeile 15 in der Anlage KAP angeben. In der Bescheinigung der Bank steht auch, wie viel Quellensteuer darauf anrechenbar ist – nach dem DBA Deutschland–USA 15 Prozent.

Am Ende bezahlt der Anleger 11,38 Euro Steuern (26,38 – 15) auf die 100 Euro US-Dividenden. Weil der irische Fonds 85 Euro an Dividenden gutschreiben konnte, bleiben dem Anleger Nettodividenden in Höhe von 85 – 11,38 = 73,64 Euro.

Ab 2018 ändert sich die Besteuerung von Fonds grundlegend

Im Juli 2016 hat der Gesetzgeber eine Reform der Investmentbesteuerung beschlossen, die 2018 in Kraft tritt. Sie hat zum Ziel, die Besteuerung verschiedener Fondsarten anzugleichen und einen Steueraufschub bis zum Tag des Verkaufs zu vermeiden. Bei manchen Fonds – etwa synthetisch thesaurierenden ETFs – war dies bislang der Fall. Mit der Reform wird die steuerliche Handhabe für Fondsanleger aber auch leichter.

Künftig müssen Anleger nicht mehr die eigentlichen Dividenden und ausschüttungsgleiche Erträge bei Fonds versteuern. Stattdessen gibt es eine Pauschale, die sich an der Wertsteigerung des Fonds und am Basiszins des Bundesfinanzministeriums orientiert. Sie ist die neue Bemessungsgrundlage. Bei ausschüttenden Investmentfonds wird die Dividende auf die Pauschale angerechnet.

Die Steuerlast, die sich nach der Pauschale ergibt, wird direkt an den Fiskus abgeführt. Bei thesaurierenden Fonds wir sie vom Depot-Verrechnungskonto abgezogen. Künftig lässt sich aber der Freibetrag auf Kapitalerträge in Höhe von 801 Euro anwenden. Die Quellensteueranrechnung beim Anleger fällt weg. Beim Verkauf der Fondsanteile werden bereits berücksichtigte Pauschalen auf den Verkaufserlös angerechnet. Insgesamt haben Privatanleger weniger Mühe bei der Steuererklärung

Welche Auswirkungen die Investmentsteuerreform auf verschiedene Bauarten von ETFs hat, lesen Sie im Ratgeber ETFs und im Detailartikel thesaurierende Fonds. In unserem Blogbeitrag zeigen wir zusätzlich anhand von Beispielen die Unterschiede zwischen alter und neuer Besteuerung.

Mehr dazu im Ratgeber Indexfonds/ETFs

Sara Zinnecker
von Finanztip,
Expertin für Geldanlage

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Hermann-Josef Tenhagen

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Die letzten Beiträge zu dieser Diskussion:
Was war jetzt genau deine Frage?
Also wenn mehr ausländische Quellensteuer abgezogen wurde als angerechnet werden kann (15%), dann kannst du die darüberliegenden Beträge zurückfordern. Das ist ...
18. Januar 2017 zum Beitrag
Ich würde gerne eine Beispielrechnung für den Fall sehen, daß z.B. der
rückforderbare Teil der Quellensteuer nicht zurückgefordert worden ist
im Falle Schweiz (35%, davon 20% ...
16. Januar 2017 zum Beitrag
Danke für die Info!
10. Januar 2017 zum Beitrag
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Artikel verfasst von

Sara Zinnecker

Finanztip-Expertin für Bankprodukte

Sara Zinnecker ist Redakteurin im Team Bank & Geldanlage. Nach ihrem Volontariat an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten schrieb sie beim Handelsblatt über Geldanlage und Altersvorsorge. Zuvor studierte Sara Zinnecker in Nürnberg, Italien und Portugal internationale Volkswirtschaftslehre mit Diplom-Abschluss, arbeitete bei Lokalzeitungen sowie der Süddeutschen Zeitung.

Udo Reuß

Finanztip-Experte für Steuern

Der Steuerrechtler und Diplom-Kaufmann Udo Reuß ist bei Finanztip für Steuerthemen verantwortlich. Zuvor war er bei verschiedenen Wirtschafts- und Fachverlagen wie Handelsblatt, F.A.Z.-Verlagsgruppe, Haufe-Lexware und Vogel Business Media tätig – 14 Jahre davon arbeitete er als Chefredakteur von Fachzeitschriften. Aus dem komplexen Steuerrecht zieht er die relevanten Urteile für Steuersparer. Den Autor erreichen Sie unter redaktion@finanztip.de.