Börsenstatistik

Warum Aktienfonds wieder glänzend dastehen

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele Aktienfonds weisen derzeit zweistellige Gewinne aus.
  • Grund: Der jüngste Börsencrash liegt mehr als fünf Jahre zurück – und fiel aus der Statistik.
  • Von den üppigen Renditen sollten sich Anleger nicht blenden lassen: Kurzfristig sind an der Börse auch hohe Verluste möglich.
  • Vernünftige Anleger investieren langfristig, denn das senkt das Verlustrisiko. Dafür sind die Renditenchancen allerdings niedriger.
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Wer sich über einen Aktienfonds informieren will, schaut zuerst auf die Gewinne der zurückliegenden Jahre. Das ist der einzige schnell erfassbare Anhaltspunkt, ob der Fonds ein Sieger oder ein Verlierer war. Derzeit haben Banken und Fondsgesellschaften kaum Probleme, ihre Aktienfonds als Gewinner zu präsentieren. In den branchenüblichen Statistiken weisen viele üppige zweistellige Gewinne aus – trotz Finanzkrise.

Der Grund für diese wundersame Kapitalvermehrung ist einfach: Die Wertentwicklung von Aktienfonds wird in der Finanzbranche oft nur für Zeiträume von bis zu fünf Jahren angegeben. Heftige Börsenabstürze wie zuletzt zwischen 2008 und 2009 wachsen deshalb mit der Zeit aus der Statistik heraus. Je weiter der Crash zurückliegt, desto mehr erholen sich die Gewinne, steigende Aktienkurse vorausgesetzt.

So misst die Finanzbranche Aktienfondsrenditen

Was ein Aktienfonds eingebracht hat, wird im Nachhinein mit Hilfe der Rendite gemessen, die in Prozent angegeben wird. Sie ist der Ertrag oder Verlust im Verhältnis zum investierten Kapital. Die Renditen von Aktienfonds geben Banken, Fondsgesellschaften und Medien in der Regel nur für Zeiträume von einem, drei und fünf Jahren an – jeweils vom aktuellen Datum zurückgerechnet. Manchmal wird die Wertentwicklung auch noch für die zurückliegenden zehn Jahre ausgewiesen.

Sehr häufig verwendet die Finanzindustrie in der Werbung und bei der Anlageberatung aber Fünf-Jahres-Zeiträume. So machen es beispielsweise die Commerzbank und die Targobank, wenn sie ihren Kunden Aktienfonds empfehlen. Auch die DWS, Deutschlands größte Fondsgesellschaft, weist die Renditen für ihre Aktienfonds auf der hauseigenen Webseite für Zeiträume von bis zu fünf Jahren aus. Dabei wird die Wertentwicklung als absoluter Prozentwert und als Jahresdurchschnitt für den jeweiligen Zeitraum angegeben.

Mittlerweile können sich diese Zahlen wieder sehen lassen. Ein Indexfonds auf Eurobasis auf den MSCI-World-Index, der die Entwicklung des Weltaktienmarktes repräsentiert, brachte in den zurückliegenden fünf Jahren im Schnitt eine Rendite von 16 Prozent pro Jahr. Vor zwei Jahren sah die Bilanz dagegen noch düster aus: minus 0,3 Prozent betrug der Fünf-Jahres-Durchschnitt damals.

Dass Aktienfonds über diesen Zeitraum jetzt wieder üppige Renditen ausweisen können, liegt schlicht daran, dass der Börsenabsturz während der Finanzkrise inzwischen mehr als fünf Jahre her und damit aus der branchenüblichen Statistik verschwunden ist. Zwischen Juni 2007 und Februar 2009 verlor der Weltaktienindex MSCI World fast 50 Prozent an Wert – ein Schlag ins Kontor, der bis Ende 2012 nachwirkte, wie die folgende Grafik verdeutlicht. Jeder Punkt auf der Kurve markiert die durchschnittliche Jahresrendite der von dort zurückliegenden fünf Jahre. Zwischen Oktober 2008 und Oktober 2012 fuhren Anleger, die fünf Jahre zuvor in einen MSCI-World-Indexfonds investiert hatten, also zeitweise Verluste ein. Doch seit 2013 ging es wieder stetig bergauf – dank der um den Börsencrash bereinigten Fünf-Jahres-Statistik.

Die zweite Ursache für die üppigen Durchschnittsrenditen, auf die Bankberater jetzt verweisen können, ist der lang anhaltende Börsenaufschwung, der im Frühjahr 2009 mitten in der Krise einsetzte und bis heute anhält. Aus Sicht eines deutschen Anlegers ist es die bisher drittlängste Aufwärtsbewegung seit 1970 (siehe folgende Grafik). Bei der Berechnung sind wir davon ausgegangen, dass ein Aufschwung erst ab Verlusten von 20 Prozent und mehr beendet ist. Zwischenzeitliche Wertschwankungen, die darüber liegen, gelten unter Fachleuten als normale Korrektur.

Anleger, die jetzt über den Kauf von Aktienfonds nachdenken, sollten sich von den hohen Renditen der vergangenen fünf Jahre nicht blenden lassen. Nicht umsonst muss jede Werbung für Aktienfonds mit dem Warnhinweis versehen werden: „Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.“ Das belegt auch die Statistik. Über kurze Fünf-Jahres-Zeiträume kann es sehr gut, aber auch sehr schlecht laufen, wie die Abbildung oben zeigt. Die schlechtesten jährlichen Durchschnittsrenditen über fünf Jahre lagen bei rund minus 10 Prozent, die besten bei fast 29 Prozent.

Vernünftige Anleger investieren langfristig

Aktienfonds sind eine langfristige Anlage. Mit zunehmender Investitionsdauer sinkt das Verlustrisiko. Wir empfehlen Ihnen deswegen, nur Geld in Aktienfonds zu investieren, das Sie in den nächsten zehn bis fünfzehn Jahre nicht benötigen. Für Einsteiger sind vor allem Indexfonds auf den MSCI World geeignet. Wie Sie eine solche Anlage problemlos abschließen können, lesen Sie in unserem ausführlichen Ratgeber. Die durchschnittliche Jahresrendite von einem solchen Indexfonds hätte seit 1970 übrigens 7,4 Prozent betragen – etwa halb so viel wie in den vergangenen fünf Jahren.       

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Finanztip-Chefredakteur
Hermann-Josef Tenhagen

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Artikel verfasst von

Markus Neumann

ehemaliger Finanztip-Redakteur (bis Oktober 2015)

Markus Neumann schrieb für Finanztip über alle Aspekte der Geldanlage. Der erfahrene Finanzjournalist verfasste bereits zahlreiche Publikationen zum Thema Geldanlage, die im Berliner Fuchsbriefe-Verlag und bei der Stiftung Warentest erschienen sind. Neumann volontierte beim Heinrich Bauer Verlag in Hamburg. Im Anschluss arbeitete er viele Jahre als Redakteur und Reporter.